Los Santos Fire Department — EMS Bureau
Vorwort
Wofür dieses Handbuch da ist
Der Rettungsdienst ist keine Reihe von Handgriffen. Die gute Versorgung entsteht nicht im Wiederbeleben, sondern in den drei Minuten davor: beurteilen, erklären, entscheiden, funken.
Das Handbuch soll drei Dinge leisten:
- Ein gemeinsames Vokabular. Wenn zwei Rettungskräfte „Code 3" und „Rescue 27" hören und dasselbe verstehen, funktioniert Funk. Wenn nicht, ist Funk Rauschen.
- Abläufe, die man abrufen kann. Unter Druck erfindet niemand eine Reihenfolge. Man ruft eine ab, die man geübt hat.
- Einen Grund, langsam zu sein. Wer den Patienten beurteilt, bevor er ihn behandelt, behandelt das Richtige.
Was dieses Handbuch nicht leistet
Es ersetzt keine Behandlungsleitlinie und keine Weisung des Base Hospital. Dosierungen enthält es nicht — sie stehen im Prehospital Care Manual der County-EMS-Agency und sind dort in ihrer jeweils geltenden Fassung verbindlich.
Der Grundsatz
Der Patient ist ein Mensch, kein Befund.
Jede Entscheidung in diesem Handbuch folgt daraus. Man erklärt, was man tut, bevor man es tut. Man fragt, bevor man anfasst. Man nimmt „Nein" als Antwort ernst — auch wenn es unvernünftig ist.
Die vier Fragen
| Frage | Kapitel |
|---|---|
| Ist es sicher? — für mich, mein Team, den Patienten, Umstehende | 09 |
| Was hat der Patient? — strukturiert beurteilen, nicht raten | 10 |
| Darf ich das? — Einwilligung, und liegt es in meinem Scope? | 05 · 06 |
| Wer weiß es? — Lage, Patientenzahl, Bedarf, Zielklinik gefunkt? | 03 |
Die erste Frage steht nicht zufällig vorn. Eine Rettungskraft, die selbst zum Patienten wird, hat die Lage verdoppelt statt gelöst.
Aufbau der Kapitel
Wie im Field Manual des LSPD ist jedes Praxiskapitel gleich gebaut: Lage → Rechtsgrundlage bzw. Scope → Ablauf → Funk → Trainingsszenario → Typische Fehler.
Der Fehlerkatalog am Ende jedes Kapitels ist nicht Beiwerk. Er sammelt, was in dieser Lage tatsächlich schiefgeht — und ist damit die kürzeste Fassung des Kapitels.
Organisation des Departments
In Los Angeles macht den Rettungsdienst die Feuerwehr. Es gibt keinen eigenständigen Rettungsdienst, keine Hilfsorganisationen, keine privaten RTW im Regelbetrieb des Notrufs. Wer 911 wählt und einen Krankenwagen braucht, bekommt das Los Angeles Fire Department.
Dieses Kapitel beschreibt, wer welche Aufgabe hat und welche Einheit wofür zuständig ist.
1. Wer was macht
| Stelle | Rolle |
|---|---|
| LAFD | Führt die Einsätze aus: Brandbekämpfung, technische Rettung, Rettungsdienst |
| LAFD EMS Bureau | Fachaufsicht über den Rettungsdienst innerhalb des LAFD, geleitet vom Bureau Commander bzw. Medical Director |
| LA County EMS Agency | Behörde, die die Regeln setzt: Prehospital Care Manual, Behandlungsleitlinien, Zulassung von Sanitätern und Kliniken |
| Base Hospital | Krankenhaus mit Funkkontakt zum Einsatz. Hier sitzt die medizinische Weisungsbefugnis — eine MICN oder ein Arzt |
| Trauma Center | Klinik mit Traumaversorgung rund um die Uhr. Nicht jedes Krankenhaus ist eines |
Das LAFD stellt Personal und Fahrzeuge. Die medizinischen Regeln kommen von der County EMS Agency, und die Weisung im Einzelfall kommt bei Bedarf vom Base Hospital. Ein Paramedic hat also drei Chefs: seinen Captain (dienstlich), die EMS Agency (fachlich-generell) und das Base Hospital (fachlich-konkret).
Diese Aufteilung erzeugt Spannungen, die zum Dienst gehören: Der Captain will die Einsatzstelle räumen, die fachliche Weisung sagt etwas anderes.
2. Die Einheitentypen
Das ist der Teil, den man auswendig können muss — er steckt in jedem Call Sign.
| Einheit | Was es ist | Besatzung |
|---|---|---|
| Engine | Löschfahrzeug mit Pumpe und Schlauch | 4 Feuerwehrleute, alle mindestens EMT |
| Truck | Drehleiter / technische Rettung | 5–6 Feuerwehrleute |
| Rescue Ambulance (RA) | Der Krankenwagen. Im Funk kurz „Rescue" | 2 |
| Battalion | Einsatzleitung eines Bataillons, im Funk „Battalion 11" | Battalion Chief + Fahrer |
| EMS Captain | Fachaufsicht Rettungsdienst im Feld, oft für drei bis vier Bataillone | 1 |
| Squad / USAR | Technische Rettung, schwere Bergung | variabel |
| Air Operations | Rettungshubschrauber, Löschhubschrauber | variabel |
ALS und BLS — der entscheidende Unterschied
Es gibt zwei Arten von Krankenwagen, und sie können völlig Verschiedenes:
| ALS-Rescue (Advanced Life Support) | BLS-Rescue (Basic Life Support) | |
|---|---|---|
| Besatzung | Zwei Paramedics, oder zwei Firefighter/Paramedics, oder eine Mischung | Zwei Firefighter/EMTs von der Wache, die im Wechsel auf dem RA fahren |
| Kann | Infusionen, Medikamente, Atemwegssicherung, EKG | Grundversorgung, Sauerstoff, Blutungskontrolle, Defibrillation mit AED |
| Nummer | wie die Wache: Rescue 27 | 800er-Reihe: Rescue 827 |
Die Nummernlogik: Ein ALS-Krankenwagen trägt die Nummer seiner Wache. Der BLS-Krankenwagen derselben Wache trägt dieselbe Nummer plus 800. Bei Wachen über 100 wird stattdessen die erste Stelle zur 9 — der BLS-Wagen der Wache 106 ist also Rescue 906.
| Wache | ALS-Rescue | BLS-Rescue |
|---|---|---|
| 27 | Rescue 27 | Rescue 827 |
| 3 | Rescue 3 | Rescue 803 |
| 106 | Rescue 106 | Rescue 906 |
3. Die Wache
Eine LAFD-Wache ist nach ihrer Nummer benannt — Fire Station 27, kurz „Station 27". Auf der Wache stehen typischerweise eine Engine, ein Rescue Ambulance und je nach Größe ein Truck.
Die Besatzung rotiert: Feuerwehrleute mit EMT-Qualifikation fahren abwechselnd die Engine und den BLS-Krankenwagen. Das ist kein Sonderfall, sondern der Normalbetrieb — deshalb ist jeder Feuerwehrmann in Los Angeles mindestens EMT.
Schichtbeginn
| # | Schritt |
|---|---|
| 1 | Antreten, Anwesenheit, Fahrzeug- und Funktionszuteilung (wer ist heute Attendant, wer Fahrer) |
| 2 | Lagevortrag — was in der letzten Schicht war, besondere Lagen, Straßensperrungen |
| 3 | Fahrzeugcheck — der wichtigste Punkt, siehe unten |
| 4 | Funkprobe |
Fahrzeugcheck
| Prüfen | Warum |
|---|---|
| Sauerstoff — Flaschendruck und Reserve | Eine leere Flasche merkt man erst, wenn man sie braucht |
| Monitor / AED — Akku, Elektroden | Dasselbe |
| Absaugung | Dasselbe |
| Verbandmaterial, Tourniquets, Beckenschlinge | Vollständigkeit |
| Trage, Gurte, Tragestuhl | Funktion, nicht nur Vorhandensein |
| Medikamentenkoffer — Vollständigkeit und Verfall | Plombe prüfen, Bestand quittieren |
| Kraftstoff, Reifen, Vorschäden | Vorschäden dokumentieren, sonst sind es deine |
| Reinigung nach dem letzten Transport | Hygiene ist Teil des Dienstes |
4. Die Befehlskette
Fire Chief
└─ Deputy Chief (Bureau)
└─ Assistant Chief
└─ Battalion Chief (Bataillon — "Battalion 11")
└─ Captain II (Wachenleitung)
└─ Captain I
└─ Engineer / Apparatus Operator
└─ Firefighter / Paramedic
Daneben, fachlich und nicht dienstlich:
Medical Director (EMS Bureau)
└─ EMS Captain (Fachaufsicht im Feld)
└─ Paramedic am Patienten
←→ Base Hospital (MICN / Arzt) bei Rücksprachepflicht
Die Regeln:
- Am Einsatzort führt der ranghöchste Feuerwehroffizier die Lage — Zugänge, Sicherheit, Kräfteeinsatz, Abschnitte.
- Am Patienten führt der höchstqualifizierte Sanitäter die Behandlung. Ein Captain sagt einem Paramedic nicht, welches Medikament er gibt.
- Diese Trennung ist ausdrücklich gewollt und der ergiebigste Konflikt im Alltag: Der Captain will die Einsatzstelle räumen, der Paramedic braucht noch fünf Minuten am Patienten. Beide haben recht.
- Der EMS Captain ist der Ansprechpartner für alles Fachliche, das über den Einzelfall hinausgeht — Beschwerden, Qualitätsfragen, ungewöhnliche Entscheidungen.
5. Kliniken
Nicht jedes Krankenhaus kann alles. Die Zielklinik ist eine Entscheidung, keine Gewohnheit.
| Klinikart | Nimmt |
|---|---|
| Emergency Department (ED) | Der Normalfall. Alles, was keine Spezialversorgung braucht |
| Trauma Center | Schweres Trauma nach festen Kriterien — siehe Kapitel 12 |
| STEMI Receiving Center | Herzinfarkt mit typischem EKG-Befund, kann sofort katheterisieren |
| Stroke Center | Schlaganfall, kann sofort bildgeben und behandeln |
| Pediatric Center | Kinder |
| Burn Center | Schwere Verbrennungen |
| Psychiatric Facility | Aufnahme nach 5150 — siehe Kapitel 15 |
Der Patient fährt nicht in die nächste Klinik, sondern in die richtige. Ein Herzinfarkt am Trauma Center vorbei ins STEMI Center ist korrekt, auch wenn es weiter ist. Wer einen Schwerverletzten in ein Krankenhaus ohne Traumaversorgung bringt, hat ihn zweimal transportiert und Zeit verloren, die er nicht hatte.
Qualifikationen und Ränge
Im Rettungsdienst gibt es zwei getrennte Leitern, und sie werden regelmäßig verwechselt:
| Leiter | Beantwortet | Beispiel |
|---|---|---|
| Qualifikation | Was darf ich medizinisch tun? | EMT · AEMT · Paramedic |
| Rang | Wer hat dienstlich das Sagen? | Firefighter · Engineer · Captain · Chief |
Ein Captain kann EMT sein und ein Firefighter Paramedic. Dann führt der Captain die Einsatzstelle und der Firefighter den Patienten. Das ist kein Widerspruch, sondern der Normalfall.
1. Die Qualifikationen
Zertifiziert wird in Kalifornien nach Title 22 CCR; die Landesbehörde ist die California EMS Authority (EMSA), die örtliche Zulassung erteilt die County-EMS-Agency.
EMT — Emergency Medical Technician
Die Grundstufe. Arbeitet nicht-invasiv: keine Nadeln, keine Medikamente aus eigenem Bestand.
| Darf |
|---|
| Beurteilen, Vitalwerte erheben |
| Sauerstoff geben, Beatmungsbeutel, Absaugen |
| Blutungskontrolle, Druckverband, Tourniquet |
| Wirbelsäulen- und Extremitätenimmobilisation |
| Reanimation mit AED |
| Bei patienteneigenen, verordneten Mitteln assistieren — etwa dem eigenen Adrenalin-Pen oder Nitro-Spray unter die Zunge |
| Bei Verlegungen eine bereits laufende Infusion überwachen, in der Rate belassen und bei Problemen abstellen — keine Medikamente darin |
Die Infusionsbefugnis des EMT ist genau so eng gemeint, wie sie klingt. Er darf eine vorhandene Infusion beobachten und abstellen. Er darf sie nicht anlegen, nicht beschleunigen und nichts hineingeben.
AEMT — Advanced EMT
Zwischenstufe. Darf alles, was ein EMT darf, plus:
| Zusätzlich |
|---|
| Periphere Venenzugänge legen, Infusionen anhängen |
| Intraossäre Zugänge in manchen Systemen |
| Erweiterte Atemwegshilfen (supraglottische Hilfsmittel) |
| Ein begrenzter Medikamentensatz, u. a. Glukose bei Unterzuckerung |
AEMT ist in vielen kalifornischen Systemen selten — das LAFD fährt im Wesentlichen EMT und Paramedic. Die Zwischenstufe ist hier aufgeführt, damit klar ist, wo sie einzuordnen ist, wenn sie einem begegnet.
Paramedic
Die höchste präklinische Stufe. Darf alles aus EMT und AEMT ohne separates Zertifikat, plus:
| Zusätzlich |
|---|
| Endotracheale Intubation beim Erwachsenen, Stoma-Intubation, mehrlumige Atemwegshilfen |
| Intraossäre Zugänge |
| Medikamente aus eigenem Bestand — intravenös, intraossär, intramuskulär, inhalativ, nasal |
| EKG ableiten und beurteilen, Defibrillation und Kardioversion manuell, Schrittmachertherapie |
| Thoraxentlastung bei Spannungspneumothorax |
| Rücksprache mit dem Base Hospital für alles, was darüber hinausgeht |
Firefighter/Paramedic
Doppelfunktion: ausgebildeter Feuerwehrmann und Paramedic. Fährt mal die Engine, mal den Krankenwagen. Die häufigste Rolle im LAFD und die naheliegendste Standardrolle für einen Bewerber, weil sie in beiden Einsatzarten verwendbar ist.
MICN — Mobile Intensive Care Nurse
Keine Einsatzrolle. Die Pflegekraft am Base-Hospital-Funk, die Weisungen erteilt und Voranmeldungen annimmt.
2. Die Rangleiter
| # | Rang | Aufgabe |
|---|---|---|
| 1 | Firefighter / Firefighter/Paramedic | Mannschaft. Fährt Engine oder Rescue. |
| 2 | Engineer / Apparatus Operator | Fährt und bedient das Fahrzeug, Pumpe, Leiter |
| 3 | Captain I | Führt eine Löschgruppe bzw. ein Fahrzeug |
| 4 | Captain II | Wachenleitung |
| 5 | Battalion Chief | Führt ein Bataillon, übernimmt die Einsatzleitung an größeren Lagen |
| 6 | Assistant Chief | Mehrere Bataillone |
| 7 | Deputy Chief | Bureau |
| 8 | Fire Chief | Amtsleitung |
Quer dazu, rein fachlich:
| Funktion | Aufgabe |
|---|---|
| EMS Captain | Fachaufsicht Rettungsdienst im Feld, deckt mehrere Bataillone ab |
| EMS Bureau Commander / Medical Director | Fachliche Leitung des gesamten Rettungsdienstes |
3. Die Funktionen im Einsatz
Wichtiger als der Rang ist im Alltag, welche Funktion man auf diesem Einsatz hat. Sie wird vor der Anfahrt festgelegt, nicht am Patienten ausgehandelt.
| Funktion | Aufgabe |
|---|---|
| Attendant | Ist am Patienten. Beurteilt, behandelt, entscheidet, gibt den Base-Report, fährt hinten mit. |
| Driver / Operator | Fährt, funkt, holt Material, bedient den Monitor, dokumentiert. Bleibt Herr über das Fahrzeug. |
Das ist das rettungsdienstliche Gegenstück zu Contact & Cover bei der Polizei (LSPD, Kapitel 09) und genauso wenig verhandelbar:
Einer arbeitet am Patienten, einer arbeitet für ihn. Wenn beide am Patienten knien, holt niemand die Trage, niemand funkt, und niemand merkt, dass hinter ihnen ein Angehöriger zusammenbricht.
Rollentausch
Wird ausdrücklich angesagt, nicht stillschweigend gemacht:
„Ich übernehme den Patienten, du gehst ans Fahrzeug."
4. Typische Fehler
| Fehler | Was daran falsch ist |
|---|---|
| EMT legt einen Zugang oder gibt Medikamente | Außerhalb des Scope. Siehe Kapitel 06. |
| Captain ordnet eine Behandlung an | Der Rang regelt die Einsatzstelle, nicht die Therapie |
| Beide Sanitäter knien am Patienten | Niemand funkt, niemand holt Material |
| Funktion nicht vorher festgelegt | Wird im Ernstfall nicht mehr festgelegt |
| „Notarzt" angefordert | Gibt es in Los Angeles nicht. Was du willst, ist ein ALS-Wagen oder eine Base-Rücksprache. |
| Alle führen Paramedic-Befugnisse | Dann bedeutet die Stufe nichts und der BLS/ALS-Unterschied verschwindet |
| Rangabzeichen statt Qualifikation im Funk genannt | Für die Zentrale zählt, was du kannst, nicht wie lange du dabei bist |
Funkdisziplin und Call Signs
Funk ist die Fähigkeit, die jede Rettungskraft in jedem Einsatz braucht. Sie hat im Rettungsdienst eine Besonderheit, die es bei der Polizei nicht gibt: Es gibt zwei Gesprächspartner mit völlig verschiedenen Interessen.
| Wer | Will wissen |
|---|---|
| Dispatch | Wo bist du, was ist der Status, brauchst du mehr Kräfte, wohin fährst du |
| Base Hospital / Klinik | Was hat der Patient, wie schlimm, was hast du gemacht, wann bist du da |
Das sind zwei verschiedene Meldungen mit zwei verschiedenen Schemata. Wer sie verwechselt, erzählt der Zentrale Blutdruckwerte und der Klinik die Straßenkreuzung.
1. Call Signs
Rescue - 27 Engine - 27 Battalion - 11
│ │ │ │ │ │
Einheitentyp Wache Typ Wache Typ Bataillon
Gesprochen wird der Typ und dann die Zahl: „Rescue Twenty-Seven", im deutschen Funk schlicht „Rescue 27".
| Call Sign | Bedeutung |
|---|---|
Rescue 27 |
ALS-Krankenwagen der Wache 27 |
Rescue 827 |
BLS-Krankenwagen derselben Wache |
Rescue 906 |
BLS-Wagen der Wache 106 — über 100 wird die erste Stelle zur 9 |
Engine 27 |
Löschfahrzeug der Wache 27 |
Truck 27 |
Drehleiter der Wache 27 |
Battalion 11 |
Einsatzleitung Bataillon 11 |
EMS 11 |
EMS Captain im Bereich Bataillon 11 |
Air Ops 1 |
Hubschrauber |
An der Nummer erkennt jeder Mithörer sofort, ob ALS oder BLS unterwegs ist. Deshalb ist die 800er-Regel keine Kosmetik — sie ist eine Fähigkeitsangabe im Rufzeichen.
2. Die Meldung an Dispatch
Vier Teile, immer in dieser Reihenfolge — wie bei der Polizei:
1. WER — dein Call Sign
2. WO — Position, so präzise wie möglich
3. WAS — Lage und Patientenzahl in einem Satz
4. BEDARF — mehr Kräfte, Polizei, Feuerwehr, Hubschrauber — oder nichts
Muster
Einsatz übernehmen:
„Rescue 27, verstanden, sind unterwegs, Code 3."
Ankunft:
„Rescue 27, am Einsatzort, Grove Street 12."
Erste Lagemeldung — der wichtigste Funkspruch des Einsatzes:
„Rescue 27, Lagemeldung: ein Patient, männlich, etwa 40, bewusstlos aber atmend. Kein weiterer Bedarf, wir versorgen."
Mehr Kräfte:
„Rescue 27, brauchen einen zweiten Rescue an die Grove Street 12, zwei Patienten, beide transportpflichtig."
ALS nachfordern (als BLS-Wagen):
„Rescue 827, wir sind BLS, brauchen ALS an die Grove Street 12, Brustschmerz mit Atemnot, Code 3."
Polizei nachfordern:
„Rescue 27, brauchen LSPD an die Grove Street 12, Angehöriger aggressiv, Einsatzstelle nicht sicher."
Transport melden:
„Rescue 27, Transport zu Pillbox Hill, ein Patient, Code 3, ein Begleiter."
Ankunft Klinik:
„Rescue 27, an Pillbox Hill, übergeben."
Wieder verfügbar:
„Rescue 27, wieder einsatzklar."
Notruf für sich selbst — der einzige Funkspruch, der alles unterbricht:
„Rescue 27, Mayday! Grove Street 12! Wir werden angegriffen! Brauchen LSPD Code 3!"
3. Der Base-Hospital-Report
Das ist die zweite Meldung, und sie ist ein anderes Tier. Sie geht an die Klinik, hat ein festes Schema und keine Straßennamen.
Das Schema, das sich international durchgesetzt hat, heißt ATMIST:
| Buchstabe | Inhalt | Beispiel |
|---|---|---|
| A — Age | Alter und Geschlecht | „männlich, etwa 40" |
| T — Time | Wann ist es passiert | „Ereignis vor etwa 15 Minuten" |
| M — Mechanism | Was ist passiert | „Sturz aus etwa vier Metern" |
| I — Injuries | Befunde, von Kopf nach Fuß | „offene Unterschenkelfraktur links, Prellmarke am Brustkorb" |
| S — Signs | Vitalwerte und Bewusstsein | „wach, ansprechbar, Puls schnell, Atmung angestrengt" |
| T — Treatment | Was hast du gemacht, was brauchst du | „Sauerstoff, Blutung gestillt, Zugang liegt. Brauchen einen Schockraum." |
Muster
„Pillbox Hill von Rescue 27, Voranmeldung. Männlich, etwa 40. Ereignis vor 15 Minuten, Sturz aus vier Metern. Offene Unterschenkelfraktur links, Prellmarke am Brustkorb rechts, Atemgeräusch rechts abgeschwächt. Wach und orientiert, Kreislauf grenzwertig, Atmung angestrengt. Sauerstoff läuft, Blutung gestillt, Zugang liegt, Immobilisation erfolgt. Erbitten Schockraum und Traumateam. Ankunft in etwa acht Minuten."
Und wenn du eine Weisung brauchst:
„Base von Rescue 27, erbitte Weisung: …"
Danach wartest du. Eine Weisung, die du nicht abgewartet hast, ist keine Weisung.
Die Klinik muss in 20 Sekunden entscheiden, ob sie ein Traumateam zusammenruft. Wer die Befunde in erzählerischer Reihenfolge liefert, zwingt den Empfänger zu Rückfragen und verliert genau die Zeit, um die es geht.
4. Die zehn Regeln der Funkdisziplin
- Zuerst denken, dann drücken. Vier Teile an Dispatch, ATMIST an die Klinik.
- Position vor allem anderen. Wenn du nur einen Satz sagen kannst, sag, wo du bist.
- Patientenzahl früh. Dispatch disponiert nach Zahl, nicht nach Dramatik. „Drei Patienten" ist wichtiger als „schwerer Unfall".
- Keine Namen, keine Diagnosen ins Klartextfunk. Der Funk ist offen. „Männlich, 40" statt „Herr Müller aus der Grove Street".
- Immer bestätigen. Eine unbestätigte Weisung gilt als nicht angekommen.
- Statuswechsel melden. Unterwegs, angekommen, Transport, an der Klinik, wieder frei.
- Eskalation sofort melden. Ein Patient wird zwei, der Patient wird reanimationspflichtig, die Einsatzstelle wird unsicher — sofort auf den Funk.
- Beim Mayday schweigen alle anderen.
- Der Attendant funkt den Base-Report, der Fahrer funkt Dispatch. Nicht umgekehrt, und nicht beides von einer Person während der Versorgung.
- Bei Unsicherheit Klartext. Ein verstandener Klartextsatz ist besser als ein missverstandener Code.
5. Typische Fehler
| Fehler | Folge |
|---|---|
| Call Sign vergessen | Dispatch weiß nicht, wer sendet |
| Position ungenau | Zweiter Wagen und Polizei finden dich nicht |
| Patientenzahl nicht gemeldet | Es kommt ein Wagen für drei Patienten |
| BLS-Status nicht gemeldet | Niemand fordert ALS nach, der Patient wartet auf etwas, das nicht kommt |
| Base-Report ohne Schema | Die Klinik kann nicht vorbereiten |
| Namen und Diagnosen im Klartext | Bricht die Schweigepflicht, siehe Kapitel 07 |
| Weisung nicht abgewartet | Rechtlich eine eigenmächtige Maßnahme |
| „Notarzt" gefunkt | Existiert nicht. Gemeint ist ALS oder Base-Rücksprache. |
| Attendant funkt, während er reanimiert | Dafür gibt es den Fahrer |
| „Wieder einsatzklar" vergessen | Dispatch hält den Wagen für gebunden |
Meldebilder und Codes
Der Rettungsdienst braucht weniger Codes als die Polizei. Er teilt sich mit ihr die Fahrweise-Codes und die wichtigsten 10-Codes, hat dafür aber eigene Meldebilder und Alarmstufen.
1. Fahrweise
| Code | Bedeutung |
|---|---|
| Code 1 | Meldung bestätigen |
| Code 2 | Dringend, ohne Sondersignal. Zügig, Verkehrsregeln gelten. |
| Code 3 | Notfall — Blaulicht und Sirene, Sonderrechte |
| Code 4 | Keine weitere Unterstützung nötig |
| Code 7 | Pause |
Das sind dieselben Codes wie beim LSPD (Kapitel 04) — bewusst, weil beide Behörden an gemeinsamen Einsätzen dieselbe Sprache brauchen.
Die zwei Entscheidungen, die dauernd falsch gemacht werden
Code 3 zum Einsatz ist nicht der Normalfall, sondern eine Entscheidung nach Meldebild. Ein gemeldeter Brustschmerz: Code 3. Eine Platzwunde am Knie: Code 2. Wer jede Meldung Code 3 fährt, hat die Unterscheidung abgeschafft und fährt irgendwann in den Unfall, der ihn zum zweiten Patienten macht.
Code 3 zur Klinik ist eine zweite, unabhängige Entscheidung. Sie hängt nicht daran, wie man hingefahren ist, sondern nur daran, ob der Patient die gewonnenen Minuten braucht. Der ehrliche Maßstab:
Rechtfertigt der Zustand dieses Patienten, dass ich auf dem Weg zur Klinik das Leben von Unbeteiligten riskiere?
Bei kritischem Trauma, Reanimation nach Kreislaufrückkehr, Herzinfarkt oder Schlaganfall im Zeitfenster: ja. Bei einem stabilen Patienten mit Schmerzen: nein, auch wenn er drängelt.
2. 10-Codes
Der Rettungsdienst nutzt eine kleine Auswahl. Fett = können.
| Code | Bedeutung |
|---|---|
| 10-4 | Verstanden |
| 10-8 | Einsatzklar |
| 10-7 | Nicht verfügbar |
| 10-9 | Bitte wiederholen |
| 10-20 | Position? |
| 10-23 | Am Einsatzort |
| 10-33 | Notfallverkehr — Frequenz sperren |
| 10-97 | Am Einsatzort eingetroffen |
| 10-98 | Einsatz beendet |
3. 11-Codes (Verkehr)
Wichtig, weil der Rettungsdienst überwiegend zu Verkehrsunfällen fährt.
| Code | Bedeutung |
|---|---|
| 11-41 | Rettungswagen erforderlich |
| 11-44 | Todesopfer am Einsatzort |
| 11-80 | Verkehrsunfall mit schweren Verletzungen |
| 11-81 | Verkehrsunfall mit leichten Verletzungen |
| 11-82 | Verkehrsunfall, nur Sachschaden |
| 11-85 | Abschleppwagen |
11-41 ist der Code, mit dem die Polizei euch anfordert — und 11-44 der, mit dem sie euch
mitteilt, dass es keine Eile mehr hat.
4. Meldebilder
Das Meldebild ist, was die Zentrale beim Alarm durchgibt. Es ist eine Erwartung, keine Diagnose — und es ist oft falsch. Wer mit dem Meldebild im Kopf am Patienten ankommt und nicht mehr hinsieht, übersieht das Wesentliche.
| Meldebild | Erwartung | Anfahrt |
|---|---|---|
| Traffic Collision | Verkehrsunfall, Patientenzahl unklar | Code 3 |
| Man Down | Person liegt, Ursache unklar | Code 3 |
| Cardiac Arrest | Reanimation | Code 3 + Engine (mehr Hände) |
| Chest Pain | Brustschmerz, Herzinfarktverdacht | Code 3, ALS |
| Difficulty Breathing | Atemnot | Code 3, ALS |
| Stroke / CVA | Schlaganfallverdacht | Code 3, ALS, Stroke Center |
| Shooting / Stabbing | Schuss- oder Stichverletzung | Code 3, LSPD zuerst |
| Assault | Körperverletzung | Code 3, LSPD vor Ort abwarten |
| Overdose | Überdosis | Code 3, ALS |
| Seizure | Krampfanfall | Code 3 |
| Diabetic | Unterzuckerung / Entgleisung | Code 3 |
| Fall | Sturz | Code 2 oder 3 je nach Höhe und Alter |
| Laceration | Wunde, Blutung | Code 2, wenn nicht spritzend gemeldet |
| Sick Person | Unspezifisch unwohl | Code 2 |
| Psychiatric / 5150 | Psychische Krise | Code 2, mit LSPD |
| Structure Fire | Gebäudebrand | Code 3, Rescue staged — siehe unten |
| MCI | Massenanfall von Verletzten | Code 3, Sichtung — Kapitel 14 |
| DOA | Tot aufgefunden | Code 2, keine Eile |
Die vier Meldebilder, bei denen du nicht zuerst hineingehst
Shooting · Stabbing · Assault · Structure Fire
Bei diesen vier wartet der Rettungswagen in einer Bereitstellung (Staging) in sicherer Entfernung, bis Polizei oder Feuerwehr die Einsatzstelle freigibt. Das ist keine Feigheit und keine Verzögerung aus Bequemlichkeit — es ist der Unterschied zwischen einem Patienten und drei. Details in Kapitel 09 und Kapitel 15.
5. Alarmstufen bei mehreren Patienten
| Stufe | Patienten | Reaktion |
|---|---|---|
| Regeleinsatz | 1 | Ein Rescue |
| Zweiter Wagen | 2 | Ein weiterer Rescue |
| Multi-Patient | 3–5 | Mehrere Rescues, Engine, EMS Captain |
| MCI Level 1 | ca. 6–15 | Sichtung nach START, Battalion Chief übernimmt die Einsatzleitung |
| MCI Level 2 | ca. 16–50 | Zusätzliche Bataillone, Behandlungsplatz, Transportabschnitt |
| MCI Level 3 | über 50 | Überörtliche Hilfe, Kliniken werden zentral verteilt |
Die MCI-Erklärung ist ein Funkspruch, kein Gefühl. Wer sie ausspricht, löst eine Lawine aus — und muss sie aussprechen, sobald die Patientenzahl die Kräfte übersteigt. Zu spät erklärt ist der häufigere Fehler als zu früh.
Muster:
„Dispatch von Rescue 27: Ich erkläre MCI Level 1. Etwa acht Patienten, Kreuzung Vespucci Boulevard und Rockford Drive. Übernehme vorläufig die Sichtung. Brauchen Battalion, vier weitere Rescues und LSPD zur Absperrung."
6. Der Patientenzustand im Funk
Drei Stufen, die jeder mithörende Kollege sofort versteht:
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Stabil | Vitalwerte im Rahmen, keine Verschlechterung erwartet |
| Instabil | Vitalwerte auffällig oder Verschlechterung im Gange — Zeitdruck |
| Kritisch | Unmittelbare Lebensgefahr, sofortige Klinik |
Und für die Sichtung die START-Farben aus Kapitel 14: Rot (sofort) · Gelb (dringend) · Grün (leicht) · Schwarz (tot bzw. nicht überlebensfähig).
Einwilligung und Behandlungsverweigerung
Dieses Kapitel ist für den Rettungsdienst das, was Reasonable Suspicion für die Polizei ist: die Grundlage, ohne die jede Maßnahme ein Übergriff ist.
Der Satz, der alles zusammenfasst:
Ein einwilligungsfähiger Erwachsener darf jede Behandlung ablehnen. Auch die, die ihn retten würde. Auch wenn es dumm ist.
Das ist der Kern, und er fällt schwer, weil er dem Rettungsimpuls widerspricht. Er ist gleichzeitig der Grundsatz, der den Rettungsdienst von einem Zugriff unterscheidet.
1. Die Formen der Einwilligung
Ausdrückliche Einwilligung (Expressed Consent)
Der Regelfall. Der Patient ist wach, orientiert und sagt Ja.
Voraussetzung: Er muss wissen, worauf er Ja sagt. Deshalb gehört zu jeder Maßnahme ein Satz davor:
„Ich möchte Ihnen einen Zugang am Arm legen, damit ich Ihnen Medikamente gegen die Schmerzen geben kann. Das ist ein kurzer Stich. Ist das in Ordnung?"
Stillschweigende Einwilligung (Implied Consent)
Der Patient kann nicht einwilligen — bewusstlos, verwirrt, schwer verletzt — und es besteht eine Notfallsituation. Dann wird unterstellt, dass ein vernünftiger Mensch die lebensrettende Behandlung wollen würde.
Sie deckt auch nicht-einwilligungsfähige Minderjährige mit einem Notfallzustand, wenn kein Elternteil oder Vertreter erreichbar ist.
Grenze: Implied Consent deckt die Notfallmaßnahmen, nicht alles. Und sie endet, sobald der Patient wieder einwilligungsfähig ist und widerspricht.
Vertretung
| Wer darf für andere entscheiden |
|---|
| Eltern oder Vormund für nicht emanzipierte Minderjährige |
| Vorsorgebevollmächtigter bzw. Gesundheitsvertreter |
| Ein gerichtlich bestellter Betreuer |
Eine gültige DNR-Anordnung oder ein POLST-Formular schlägt allerdings die Anweisung eines Vertreters oder Angehörigen — siehe Kapitel 08.
Ein Ehepartner, ein Geschwister oder „der Sohn, der gerade dazukommt" ist nicht automatisch entscheidungsbefugt. Wer ohne Grundlage auf Zuruf eines Angehörigen eine Behandlung abbricht, hat einen Fehler gemacht, nicht eine Rücksicht.
2. Einwilligungsfähigkeit
Das ist die eigentliche Prüfung, und sie hat drei Teile. Alle drei müssen erfüllt sein:
| # | Kriterium |
|---|---|
| 1 | Verstehen — Der Patient kann wiedergeben, was ihm fehlt und was passiert, wenn er ablehnt |
| 2 | Begründen — Die Entscheidung passt zu seinen eigenen Werten und bleibt konsistent |
| 3 | Unbeeinträchtigt — Keine Beeinträchtigung durch Verletzung, Krankheit, Alkohol oder Drogen |
Der Test in der Praxis: Lass dir das Risiko zurückerzählen.
„Damit ich sicher bin, dass ich mich verständlich gemacht habe — was passiert, wenn Sie jetzt nicht mitkommen?"
Wer antwortet „dann kann die Blutung wieder aufgehen und ich kann daran sterben, das ist mir klar" — der ist einwilligungsfähig. Wer antwortet „ist doch nur ein Kratzer, lass mich in Ruhe" — der hat das Risiko nicht verstanden, und du bist noch nicht fertig.
Was die Einwilligungsfähigkeit aufhebt
| Nicht einwilligungsfähig |
|---|
| Bewusstseinsstörung, Verwirrtheit, Desorientierung |
| Relevante Alkohol- oder Drogenintoxikation |
| Unterzuckerung, Sauerstoffmangel, Schock, Kopfverletzung |
| Nicht emanzipierte Minderjährige (ohne Elternteil) |
| Psychische Krise mit Eigen- oder Fremdgefährdung → 5150, siehe Kapitel 15 |
Der Betrunkene, der nicht mitfahren will. Er ist regelmäßig nicht einwilligungsfähig — aber das heißt nicht, dass man ihn packt. Es heißt: reden, Zeit geben, Polizei für die Sicherheit, und wenn er eine Gefahr für sich darstellt, mit Polizei und gegebenenfalls 5150 arbeiten. Zwang gegen einen wehrhaften Patienten ist niemals allein Aufgabe des Rettungsdienstes.
3. Behandlungsverweigerung (AMA)
AMA heißt Against Medical Advice — der Patient, ein Elternteil oder ein Vertreter lehnt eine angezeigte Behandlung oder den Transport ab.
Es ist keine Niederlage und kein Grund, genervt abzufahren. Es ist ein Verfahren, und es hat sechs Schritte.
| # | Schritt |
|---|---|
| 1 | Beurteilen, soweit er es zulässt. Auch ein AMA-Patient darf beurteilt werden, wenn er das erlaubt. |
| 2 | Einwilligungsfähigkeit prüfen — die drei Kriterien oben |
| 3 | Risiken und Folgen erklären, konkret und ohne Drohung. Nicht „Sie können sterben", sondern woran und wie |
| 4 | Rückerzählen lassen |
| 5 | Alternativen anbieten — Hausarzt, Wiederruf bei Verschlechterung, Angehöriger bleibt da, erneuter Anruf jederzeit möglich |
| 6 | Dokumentieren und unterschreiben lassen. Verweigert er die Unterschrift: das ebenfalls dokumentieren, mit Zeugen |
Was immer gesagt wird, egal wie das Gespräch gelaufen ist:
„Wenn es schlimmer wird oder Sie es sich anders überlegen, rufen Sie sofort wieder 911. Wir kommen dann nochmal. Kein Problem, kein Vorwurf."
Dieser Satz ist Pflicht. Er ist das, was den Weg zurück offen hält.
Hochrisiko-Verweigerungen
Bei diesen Konstellationen ist eine Verweigerung besonders gefährlich, und die Schwelle für eine Base-Rücksprache ist niedrig:
| Lage |
|---|
| Brustschmerz |
| Kopfverletzung mit Bewusstlosigkeit in der Vorgeschichte |
| Blutverdünner und Sturz |
| Atemnot |
| Schwangerschaft mit Beschwerden |
| Suizidale Äußerung |
| Kind |
| Alkohol oder Drogen im Spiel |
Bei allem davon: Base Hospital anfunken. Nicht, um Verantwortung abzugeben, sondern weil eine zweite Meinung an genau dieser Stelle den Unterschied macht — und weil es die Szene aufwertet.
4. Minderjährige
| Lage | Was gilt |
|---|---|
| Elternteil vor Ort, willigt ein | Behandeln |
| Elternteil vor Ort, lehnt ab | Verweigerung durch den Vertreter, Verfahren wie AMA. Bei Lebensgefahr: Base-Rücksprache und LSPD |
| Kein Elternteil erreichbar, Notfall | Implied Consent — behandeln und transportieren |
| Kein Elternteil erreichbar, kein Notfall | Erreichbarkeit herstellen, nicht einfach mitnehmen |
| Emanzipierter Minderjähriger | Entscheidet wie ein Erwachsener — mit Nachweis |
| Minderjähriger will ablehnen, Elternteil will Behandlung | Elternteil entscheidet |
Ein nicht emanzipierter Minderjähriger kann eine Behandlung nicht wirksam ablehnen. Es gibt in einzelnen Bereichen Ausnahmen für „mature minors" — die sind aber eng und gehören nicht in den Rettungswagen.
5. Trainingsszenario
| Runde | Lage | Was geprüft wird |
|---|---|---|
| 1 | Kooperativer Patient mit Schnittwunde | Erklären, fragen, behandeln, dokumentieren |
| 2 | Patient lehnt Transport ab, ist klar orientiert | Vollständiges AMA-Verfahren. Wird er gehen gelassen? |
| 3 | Betrunkener nach Sturz lehnt ab | Erkennt der Anwärter die fehlende Einwilligungsfähigkeit — und greift er trotzdem nicht selbst zu? |
| 4 | Brustschmerz lehnt ab | Wird Base-Rücksprache gehalten? |
| 5 | Kind verletzt, Mutter lehnt ab | Vertreterverweigerung, Base, bei Lebensgefahr LSPD |
| 6 | Bewusstloser ohne Angehörige | Implied Consent — wird ohne Zögern behandelt? |
Automatisch nicht bestanden: einen einwilligungsfähigen Patienten gegen seinen Willen transportiert · einen Betrunkenen eigenhändig festgehalten · ohne ein Wort behandelt · den Satz „rufen Sie wieder an" vergessen.
6. Typische Fehler
| Fehler | Folge |
|---|---|
| Behandelt, ohne zu fragen | Übergriff — und der Patient verliert jede Kontrolle über sich |
| Einwilligungsfähigkeit nicht geprüft | Entweder wird jemand zwangsbehandelt oder jemand geht, der nicht gehen dürfte |
| Betrunkenen als einwilligungsfähig behandelt | Er geht — und liegt zwei Stunden später mit einer Hirnblutung da |
| Betrunkenen eigenhändig festgehalten | Kein Auftrag des Rettungsdienstes |
| Risiko als Drohung formuliert | Erzeugt Widerstand statt Einsicht |
| AMA nicht dokumentiert | Rechtlich existiert das Gespräch nicht |
| „Rufen Sie wieder an" vergessen | Der Weg zurück ist verbaut |
| Angehörige entscheiden lassen ohne Befugnis | Unwirksam |
| Minderjährigen ohne Elternteil mitgenommen, ohne Notfall | Nicht gedeckt |
| Bei Hochrisiko-Verweigerung keine Base-Rücksprache | Die eine Absicherung, die es gab, nicht genutzt |
Scope of Practice — wer darf was
Der Scope of Practice ist die Liste dessen, was eine Qualifikationsstufe tun darf. Er ist in Kalifornien in Title 22 der California Code of Regulations geregelt; die California EMS Authority (EMSA) setzt den Rahmen, die County-EMS-Agency die örtlichen Leitlinien.
Der Grundsatz:
Eine Maßnahme außerhalb deines Scope ist kein Kavaliersdelikt. Sie kostet die Zulassung — auch wenn sie geholfen hat.
1. Die drei Stufen im Vergleich
| Maßnahme | EMT | AEMT | Paramedic |
|---|---|---|---|
| Beurteilung, Vitalwerte | ✓ | ✓ | ✓ |
| Sauerstoff, Beatmungsbeutel, Absaugen | ✓ | ✓ | ✓ |
| Blutungskontrolle, Tourniquet, Beckenschlinge | ✓ | ✓ | ✓ |
| Immobilisation, Schienung | ✓ | ✓ | ✓ |
| AED | ✓ | ✓ | ✓ |
| Assistenz bei patienteneigenen Mitteln (Adrenalin-Pen, Nitro, Inhalator) | ✓ | ✓ | ✓ |
| Laufende Infusion überwachen und abstellen | ✓ | ✓ | ✓ |
| Infusion anlegen (peripherer Zugang) | ✗ | ✓ | ✓ |
| Supraglottische Atemwegshilfe | ✗ | ✓ | ✓ |
| Glukose intravenös | ✗ | ✓ | ✓ |
| Intraossärer Zugang | ✗ | (teils) | ✓ |
| Endotracheale Intubation | ✗ | ✗ | ✓ |
| Medikamente aus eigenem Bestand | ✗ | begrenzt | ✓ |
| EKG ableiten und beurteilen | ✗ | ✗ | ✓ |
| Manuelle Defibrillation, Kardioversion, Schrittmacher | ✗ | ✗ | ✓ |
| Thoraxentlastung bei Spannungspneumothorax | ✗ | ✗ | ✓ |
Die Zeile, die am häufigsten übertreten wird, ist der Venenzugang. Ein EMT legt keinen. Nicht „im Notfall", nicht „weil es schnell gehen musste". Wenn ein Zugang gebraucht wird und keiner da ist, der ihn legen darf, lautet die Antwort: ALS nachfordern und währenddessen das tun, was man darf.
2. Standing Orders und Base Contact
Ein Paramedic arbeitet nicht auf Zuruf eines Arztes, sondern auf zwei Grundlagen:
| Grundlage | Bedeutung |
|---|---|
| Standing Orders | Vorab erteilte Weisungen der County-EMS-Agency. „Bei diesem Befund tust du das" — ohne zu fragen. Der Normalfall. |
| Base Contact | Rücksprache mit dem Base Hospital, wenn die Lage über die Standing Orders hinausgeht, unklar ist, oder ein Abbruch zur Debatte steht |
Das ist die Antwort auf die Notarzt-Frage. Was in anderen Systemen „Notarzt anfordern" denken, ist im amerikanischen System: der Paramedic tut es selbst — und wenn es über seine Standing Orders hinausgeht, funkt er das Base Hospital an und lässt sich weisen.
Im Funk klingt das so:
„Base von Rescue 27, erbitte Weisung. Wir haben einen anhaltenden Krampfanfall nach der zweiten Gabe. Erbitten Freigabe für eine weitere Gabe."
Wann Base Contact
| Anlass |
|---|
| Maßnahme, die nicht durch Standing Orders gedeckt ist |
| Abbruch einer Reanimation → Kapitel 08 |
| Hochrisiko-Behandlungsverweigerung → Kapitel 05 |
| Unklare Zielklinik, Umleitung, Klinik überfüllt |
| DNR-Lage mit widersprechenden Angehörigen |
| Kind in kritischem Zustand |
| Alles, was dir ein ungutes Gefühl macht und Zeit lässt |
Und die Regel danach: Eine Weisung wird wiederholt und bestätigt, bevor sie ausgeführt wird. So wie bei einer Medikamentenanordnung im Krankenhaus.
„Verstanden, Base: eine weitere Gabe freigegeben. Rescue 27 führt aus."
3. Medikamente — ohne Dosierungen
Dieses Handbuch nennt bewusst keine Mengen. Es nennt, was es gibt und wofür — das reicht für den Dienstgebrauch; Mengen erteilt die Behandlungsleitlinie, nicht dieses Handbuch.
| Mittel | Wofür es da ist | Stufe |
|---|---|---|
| Sauerstoff | Sauerstoffmangel | EMT |
| Acetylsalicylsäure | Verdacht auf Herzinfarkt | EMT (assistierend) / Paramedic |
| Nitroglycerin | Brustschmerz kardialer Ursache | assistierend EMT / Paramedic |
| Adrenalin | Anaphylaxie, Reanimation, schwerer Asthmaanfall | Pen assistierend EMT · sonst Paramedic |
| Naloxon | Opioid-Überdosis | in vielen Systemen auch EMT (nasal) · Paramedic |
| Glukose | Unterzuckerung — oral als Gel beim wachen Patienten, intravenös beim bewusstlosen | Gel EMT · i.v. AEMT/Paramedic |
| Salbutamol | Atemnot bei Asthma und COPD | Paramedic (in manchen Systemen EMT) |
| Benzodiazepin | Anhaltender Krampfanfall, schwere Agitation | Paramedic |
| Opioid-Analgetikum | Starke Schmerzen | Paramedic |
| Antiemetikum | Übelkeit und Erbrechen | Paramedic |
| Kristalloide Infusion | Volumenmangel, Zugangsoffenhaltung | AEMT / Paramedic |
| Antiarrhythmika, Vasopressoren | Rhythmusstörungen, Reanimation | Paramedic |
4. Die fünf R der Medikamentengabe
Vor jeder Gabe, jedes Mal, auch beim zehnten Einsatz:
| # | Prüfung |
|---|---|
| 1 | Richtiger Patient |
| 2 | Richtiges Medikament — Ampulle laut lesen, nicht nach Form greifen |
| 3 | Richtige Dosis |
| 4 | Richtiger Weg — intravenös, intramuskulär, nasal, inhalativ |
| 5 | Richtiger Zeitpunkt |
Dazu zwei Fragen, die im Rettungsdienst dazugehören:
| # | Prüfung |
|---|---|
| 6 | Allergien? — jedes Mal fragen, auch wenn es drängt |
| 7 | Verfall und Klarheit? — Datum lesen, Ampulle ansehen |
5. Wenn du über deinen Scope hinaus musst
Es gibt diese Lage: Der Patient braucht etwas, das du nicht darfst, und Hilfe ist weit.
Die richtige Reihenfolge:
| # | Schritt |
|---|---|
| 1 | ALS nachfordern und Ankunftszeit erfragen |
| 2 | Alles tun, was du darfst — und das ist mehr, als man im Stress denkt: Atemweg, Sauerstoff, Beatmung, Blutung, Lagerung, Wärme, AED |
| 3 | Base Hospital anfunken und die Lage schildern |
| 4 | Transportentscheidung — manchmal ist Losfahren die richtige Maßnahme, weil die Klinik näher ist als der ALS-Wagen |
| 5 | Dokumentieren, warum du so entschieden hast |
Was nicht dazugehört: es trotzdem tun. Auch nicht, wenn du es „im Kurs mal gesehen" hast.
Ein EMT, der einen Patienten mit Beatmungsbeutel, Sauerstoff und Druckverband bis zur Klinik bringt, hat vollständige, korrekte, gute Arbeit gemacht. Ein EMT, der stattdessen einen Zugang legt, den er nicht legen darf, hat seine Zulassung riskiert und dem Patienten nichts gebracht.
6. Trainingsszenario
| Runde | Lage | Was geprüft wird |
|---|---|---|
| 1 | EMT-Besatzung, Patient mit Brustschmerz | Wird ALS nachgefordert, statt selbst zu improvisieren? |
| 2 | EMT-Besatzung, Anaphylaxie, Patient hat eigenen Adrenalin-Pen | Erkennt der Anwärter, dass Assistenz erlaubt ist? |
| 3 | Paramedic, Maßnahme außerhalb der Standing Orders | Wird Base Contact gehalten und die Weisung bestätigt? |
| 4 | Paramedic, Base antwortet nicht | Wird dokumentiert und nach Standing Orders weitergearbeitet, statt zu warten? |
| 5 | EMT wird von einem Umstehenden gedrängt, „doch endlich was zu machen" | Bleibt er im Scope und erklärt es? |
Automatisch nicht bestanden: Maßnahme außerhalb des Scope · Weisung ausgeführt ohne Rückbestätigung · „Notarzt" angefordert.
7. Typische Fehler
| Fehler | Folge |
|---|---|
| EMT legt einen Zugang | Außerhalb des Scope, Zulassung in Gefahr |
| Medikament ohne Base-Freigabe, wo sie nötig war | Eigenmächtige Maßnahme |
| Weisung nicht zurückbestätigt | Verwechslungen, und rechtlich unsauber |
| Allergien nicht gefragt | Der Fehler, der im echten Rettungsdienst Menschen umbringt |
| Ampulle nach Form gegriffen statt gelesen | Dasselbe |
| „Notarzt" gefunkt | Existiert nicht — gemeint ist ALS oder Base |
| Auf ALS gewartet, obwohl die Klinik näher war | Zeit verschenkt |
| Nichts getan, weil „ich darf ja nichts" | Falsch. Ein EMT darf viel, und das Wenige, das er nicht darf, ist selten das Entscheidende. |
Dokumentation und Schweigepflicht
Zwei Pflichten, die im Alltag zuerst untergehen — und deren Fehlen man sofort merkt, weil dann jeder alles über jeden weiß und von keinem Einsatz eine Spur bleibt.
1. Der Patient Care Report (PCR)
Der Einsatzbericht. Er ist die einzige Spur, die von einem Einsatz bleibt, und er hat drei Adressaten: die Klinik, die Qualitätssicherung und im Streitfall das Gericht.
Was hineingehört
| Feld | Inhalt |
|---|---|
| Wer | Patient (Name, Alter, Geschlecht), Besatzung, Call Sign |
| Wann / Wo | Alarmzeit, Ankunft, Abfahrt, Klinikankunft, Einsatzort |
| Meldebild | Was durchgegeben wurde |
| Vorgeschichte | Was der Patient und Umstehende berichten, wörtlich wo es zählt |
| Befund | Primary und Secondary Survey, Vitalwerte mit Uhrzeit, im Verlauf |
| Maßnahmen | Was wurde gemacht, wann, mit welchem Ergebnis |
| Medikamente | Mittel, Menge, Weg, Zeit, Wirkung, wer gab es |
| Base Contact | Ob, wann, mit wem, welche Weisung |
| Verlauf | Verschlechterung, Verbesserung, Besonderheiten |
| Übergabe | An wen, wann, was gesagt |
| Warum | Die Begründung für Zielklinik, Fahrweise, Verzicht auf Maßnahmen |
Das „Warum"-Feld ist der Bericht. Alles andere ist Formalie. Warum diese Klinik, warum Code 3, warum kein Zugang, warum kein Transport — das sind die Entscheidungen, die später hinterfragt werden. Wer sie nicht begründet hat, hat sie nicht getroffen, sondern ist in sie hineingerutscht.
Die drei Regeln
- Vitalwerte mit Zeitstempel und mehrfach. Ein einzelner Blutdruck ist eine Zahl. Zwei Blutdrücke im Abstand von zehn Minuten sind eine Aussage.
- Zitieren, nicht zusammenfassen, wo es zählt. „Patient gibt an: ‚Es fühlt sich an wie ein Elefant auf der Brust'" ist wertvoller als „Patient berichtet Brustschmerz".
- In derselben Schicht. Ein Bericht am nächsten Tag ist eine Erinnerung, kein Bericht.
Was nicht hineingehört
| Nicht |
|---|
| Werturteile über den Patienten („Simulant", „wollte nur Aufmerksamkeit") |
| Vermutungen als Befund getarnt |
| Diagnosen, die du nicht stellen darfst |
| Lücken, die verdecken, dass etwas schiefging |
Ein beschönigter Bericht ist gefährlicher als ein Fehler. Der Fehler ist ein Vorfall, die Beschönigung ist ein Dienstvergehen — und der schnellste Weg zu einem Verfahren der Dienstaufsicht.
2. Schweigepflicht
Patientendaten sind vertraulich. In den USA regelt das HIPAA; für dieses Handbuch reicht der Grundsatz:
Was du über einen Patienten erfährst, erfährst du für die Behandlung — nicht für Gespräche.
Wem du es sagen darfst
| Darf | Nicht |
|---|---|
| Der aufnehmenden Klinik | Kollegen auf der Wache, „weil's interessant war" |
| Dem Base Hospital | Angehörigen ohne Zustimmung des Patienten |
| Kollegen in diesem Einsatz | Der Presse, auch nicht andeutungsweise |
| Der Polizei, soweit es eine Straftat betrifft | Der Polizei alles Übrige |
| Der Qualitätssicherung im Nachgang | Im offenen Funk |
Der Funk ist nicht vertraulich
Deshalb keine Namen im Klartextfunk, keine Adressen in Verbindung mit Diagnosen. Im Funk heißt der Patient „männlich, etwa 40", nicht „Herr Müller".
Wo die Schweigepflicht endet
| Ausnahme |
|---|
| Unmittelbare Gefahr für den Patienten oder andere |
| Meldepflichten — Schuss- und Stichverletzungen, Verdacht auf Misshandlung von Kindern oder älteren Menschen, bestimmte Infektionen |
| Gerichtliche Anordnung |
| Einwilligung des Patienten |
Die Meldepflicht bei Schuss- und Stichverletzungen ist die praktisch wichtigste: Eine solche Verletzung wird der Polizei gemeldet, auch wenn der Patient das nicht will.
3. Die Übergabe in der Klinik
Der Moment, in dem Dokumentation mündlich wird. Sie hat ein festes Format — dasselbe ATMIST wie die Voranmeldung, plus das, was seit der Voranmeldung passiert ist.
| # | Schritt |
|---|---|
| 1 | An wen übergebe ich — Namen erfragen, nicht in den Raum sprechen |
| 2 | ATMIST aus Kapitel 03 |
| 3 | Was hat sich geändert seit der Voranmeldung |
| 4 | Was habe ich gegeben, wann, mit welcher Wirkung |
| 5 | Was ist offen — was wollte ich noch, was hat nicht geklappt |
| 6 | Rückfragen abwarten |
| 7 | PCR übergeben bzw. digital freigeben |
Die Übergabe ist erst zu Ende, wenn die Klinik es sagt. Wer die Trage abstellt und geht, hat den Patienten nicht übergeben, sondern abgestellt.
4. Beweismittel und Tatorte
Wenn der Einsatz gleichzeitig ein Tatort ist, hat der Rettungsdienst eine zweite Pflicht: so wenig zu verändern wie möglich. Details in Kapitel 15, hier die Dokumentationsseite:
| Regel |
|---|
| Nichts wegwerfen. Verbandmaterialreste, abgeschnittene Kleidung, Ampullen — alles bleibt |
| Kleidung an den Nähten schneiden, nicht durch Einschusslöcher |
| Was du bewegt hast, sagst du der Polizei — und schreibst es in den PCR |
| Wo du gelaufen bist, möglichst auf einem Weg rein und raus |
| Wer war da, als du ankamst |
| Was der Patient gesagt hat, wörtlich — kann später eine Aussage sein |
Der letzte Punkt ist der, den die Polizei am häufigsten braucht: Was ein Verletzter dem Sanitäter sagt, bevor er das Bewusstsein verliert, ist manchmal der einzige Hinweis, den es gibt.
5. Typische Fehler
| Fehler | Folge |
|---|---|
| Kein Bericht | Der Einsatz existiert nicht, es gibt keine Vorgeschichte für den nächsten |
| Nur ein Satz Vitalwerte | Kein Verlauf, keine Aussage |
| Werturteile im Bericht | Beschwerdegrund, und vor Gericht peinlich |
| Bericht beschönigt | Aus einem Fehler wird ein Dienstvergehen |
| Namen im Funk | Bricht die Schweigepflicht |
| Patientengeschichten auf der Wache erzählt | Dasselbe, nur gemütlicher |
| Trage abgestellt und gegangen | Keine Übergabe |
| Kleidung durch das Einschussloch geschnitten | Beweismittel zerstört |
| Verbandmüll eingesammelt und weggeworfen | Dasselbe |
| Schussverletzung nicht gemeldet | Meldepflicht verletzt |
Tod, DNR und Reanimationsabbruch
Das schwerste Kapitel dieses Handbuchs. Auf den meisten Servern ist Tod ein Timer und Wiederbelebung eine Taste. Damit fällt das weg, was diese Einsätze im echten Rettungsdienst prägt: die Entscheidung, nicht anzufangen — oder aufzuhören.
1. Wann nicht mit einer Reanimation begonnen wird
Es gibt Zustände, bei denen eine Reanimation nicht begonnen wird, weil sie offensichtlich sinnlos ist. Die Feststellung trifft in der Regel der Paramedic, in unklaren Fällen nach Base-Rücksprache.
| Zustand |
|---|
| Mit dem Leben nicht zu vereinbarende Verletzungen — Abtrennung des Kopfes, Zerstörung des Rumpfes |
| Vollständige Verbrennung über die gesamte Körperoberfläche |
| Totenflecken und Leichenstarre |
| Verwesung |
| Eine gültige DNR-Anordnung oder ein POLST mit entsprechender Festlegung |
| Bei einem MANV: Sichtungskategorie Schwarz — siehe Kapitel 14 |
„Sieht schlecht aus" ist keiner dieser Zustände. Unterkühlte, Ertrunkene, Kinder, Stromunfälle und Vergiftete werden reanimiert, auch wenn die Lage hoffnungslos wirkt. Bei Unterkühlung gilt der Merksatz „niemand ist tot, bis er warm und tot ist" — die Reanimation läuft bis in die Klinik.
2. DNR und POLST
| Dokument | Was es ist |
|---|---|
| DNR (Do Not Resuscitate) | Anordnung, im Falle eines Herz-Kreislauf-Stillstands keine Reanimation zu beginnen |
| POLST (Physician Orders for Life-Sustaining Treatment) | Differenzierteres Formular: legt fest, welche Maßnahmen gewünscht sind und welche nicht — von „alles" bis „nur Komfort" |
Die Regeln
- Ein gültiges DNR oder POLST schlägt die Anweisung von Angehörigen und Vertretern. Wenn der Sohn „machen Sie alles!" ruft und ein gültiges DNR vorliegt, gilt das DNR.
- Ein einwilligungsfähiger Patient kann seine eigene Festlegung jederzeit widerrufen. Wer bei Bewusstsein sagt „ich will doch behandelt werden", bekommt Behandlung.
- DNR heißt nicht „keine Behandlung". Es heißt „keine Reanimation". Schmerzlinderung, Sauerstoff, Lagerung, Zuwendung, Transport — alles weiter möglich und oft genau das, was gebraucht wird.
- Im Zweifel wird reanimiert. Kein Dokument auffindbar, Zweifel an der Gültigkeit, widersprüchliche Angaben: anfangen. Man kann eine Reanimation beenden, aber keine nachholen.
- Base-Rücksprache bei jeder DNR-Lage, die nicht eindeutig ist.
Der häufigste Fehler bei DNR-Patienten ist nicht, dass zu viel gemacht wird — sondern dass zu wenig gemacht wird. Eine Sterbende mit Atemnot hat Anspruch auf Erleichterung, auch wenn sie nicht reanimiert werden will.
3. Reanimationsabbruch im Feld
Eine begonnene Reanimation kann im Feld beendet werden. Das ist eine Entscheidung mit Verfahren, nicht ein Aufgeben.
Voraussetzungen
| Voraussetzung |
|---|
| Reanimation über einen ausreichenden Zeitraum leitliniengerecht durchgeführt |
| Atemweg gesichert, Beatmung wirksam |
| Kein Kreislauf wiedergekehrt |
| Ein nicht defibrillierbarer Rhythmus, durchgehend |
| Keine reversible Ursache, die noch behandelt werden kann |
| Keine besonderen Umstände (Unterkühlung, Kind, Vergiftung, Ertrinken, Schwangerschaft) |
| Base-Rücksprache und Freigabe |
Ablauf
| # | Schritt |
|---|---|
| 1 | Lage zusammenfassen — was wurde gemacht, wie lange, welcher Rhythmus |
| 2 | Base Hospital anfunken und Abbruch beantragen |
| 3 | Weisung abwarten und zurückbestätigen |
| 4 | Reanimation beenden, Zeitpunkt notieren |
| 5 | Angehörige informieren — persönlich, im Raum, nicht über die Schulter |
| 6 | Patient nicht bewegen, wenn eine Untersuchung folgt |
| 7 | LSPD anfordern, 11-44 funken |
| 8 | Angehörige nicht allein lassen, bis jemand da ist |
| 9 | PCR schreiben, vollständig |
Muster für die Base-Anfrage:
„Base von Rescue 27, erbitte Weisung zum Reanimationsabbruch. Männlich, etwa 70, Kollaps beobachtet, Beginn durch uns nach etwa acht Minuten. Reanimation läuft seit 28 Minuten, Atemweg gesichert, Beatmung wirksam. Durchgehend Asystolie, kein Kreislauf, keine reversible Ursache erkennbar. Keine Unterkühlung, keine Intoxikation bekannt. Erbitten Abbruch."
4. Die Angehörigen
Der Teil, der über die Qualität des Einsatzes entscheidet — und der am häufigsten vernachlässigt wird.
Was hilft
| Tun |
|---|
| Hinsetzen. Nicht über jemandem stehen, dem man das sagt |
| Klare Worte. „Er ist gestorben." Nicht „wir haben ihn verloren", nicht „er ist von uns gegangen" |
| Nicht ausweichen. Wer unklar spricht, muss es zweimal sagen |
| Pause lassen. Nach dem Satz kommt Stille, und die ist in Ordnung |
| Sagen, was ihr getan habt — ohne Fachsprache. Menschen wollen wissen, dass jemand gekämpft hat |
| Sagen, was jetzt passiert — Polizei kommt, Arzt kommt, Bestatter, Zeitrahmen |
| Berühren erlauben. Angehörige dürfen ihren Toten anfassen, wenn keine Untersuchung entgegensteht |
| Bleiben, bis jemand da ist |
Was nicht hilft
| Nicht |
|---|
| Fachsprache — „Asystolie", „ROSC ausgeblieben" |
| Schuldzuweisung, auch keine unterschwellige („hätten Sie früher angerufen …") |
| Falsche Hoffnung — „in der Klinik hätten sie vielleicht …" |
| Beschwichtigen — „er hat nichts gespürt" weiß niemand |
| Sofort einpacken und abfahren |
5. DOA — tot aufgefunden
Ist der Tod offensichtlich und lange eingetreten, ist es kein Rettungseinsatz mehr, sondern eine Fundsituation:
| # | Schritt |
|---|---|
| 1 | Tod feststellen — und die Feststellung begründen können |
| 2 | Nichts verändern. Auch keine Decke darüber, wenn es vermeidbar ist |
| 3 | LSPD anfordern, 11-44 |
| 4 | Coroner wird über die Polizei angefordert |
| 5 | Wer war da, was wurde berichtet — notieren |
| 6 | Am Ort bleiben, bis die Polizei übernimmt |
| 7 | PCR schreiben, auch ohne Patient im Sinne einer Behandlung |
Jeder unklare Todesfall ist zunächst ein potenzieller Tatort. Auch die Oma im Bett. Der Rettungsdienst entscheidet nicht, ob es einer ist — er verhält sich so, als wäre es einer, bis die Polizei es anders sagt.
6. Trainingsszenario
| Runde | Lage | Was geprüft wird |
|---|---|---|
| 1 | Kollaps, beobachtet, kein Puls | Wird sofort reanimiert? Teamführung? |
| 2 | Alte Frau im Bett, Totenflecken, Starre | Wird nicht reanimiert — und begründet? LSPD gerufen, 11-44? |
| 3 | Reanimation läuft 25 Minuten, Asystolie | Wird Base angefunkt und die Weisung bestätigt? |
| 4 | Wie 3, aber der Patient ist unterkühlt | Wird nicht abgebrochen? |
| 5 | Gültiges DNR, Angehöriger verlangt Reanimation | Gilt das DNR? Wird trotzdem Sauerstoff und Zuwendung gegeben? |
| 6 | Nach dem Tod: Ehefrau im Raum | Das ist die Prüfung. Hinsetzen, klare Worte, bleiben |
Automatisch nicht bestanden: Unterkühlten abgebrochen · abgebrochen ohne Base · bei
Zweifeln nicht angefangen · Angehörige mit Fachsprache abgefertigt · Leiche bewegt, bevor die
Polizei da war · ohne 11-44 abgefahren.
7. Typische Fehler
| Fehler | Folge |
|---|---|
| „Sieht hoffnungslos aus" als Grund, nicht anzufangen | Man kann beenden, nicht nachholen |
| Unterkühlten oder Ertrunkenen früh abgebrochen | Menschen sind daraus zurückgekommen |
| DNR als „keine Behandlung" gelesen | Der Patient leidet, obwohl man helfen darf |
| DNR ignoriert, weil ein Angehöriger drängt | Das Dokument schlägt den Angehörigen |
| Abbruch ohne Base-Freigabe | Eigenmächtig |
| Zeitpunkt nicht notiert | Fehlt in jeder späteren Urkunde |
| Leiche bewegt oder zugedeckt | Möglicher Tatort verändert |
11-44 nicht gefunkt |
Polizei und Coroner wissen nichts |
| Angehörige allein gelassen | Der Fehler, an den sich Menschen ein Leben lang erinnern |
| „Wir haben ihn verloren" statt „er ist gestorben" | Muss zweimal gesagt werden, und das ist grausamer |
Einsatzablauf und Szenensicherheit
Der Ablauf, der für jeden Einsatz gilt. Wer ihn beherrscht, braucht für 80 % der Lagen kein weiteres Kapitel.
1. Die Reihenfolge, die nicht verhandelbar ist
1. SICHERHEIT Ich · Team · Patient · Umstehende — in dieser Reihenfolge
2. LAGE Was ist passiert, wie viele, was brauche ich
3. PATIENT Beurteilen (Kapitel 10)
4. BEHANDELN Im Rahmen des Scope (Kapitel 06)
5. TRANSPORT Richtige Klinik, richtige Fahrweise
6. ÜBERGABE Vollständig (Kapitel 07)
7. DOKUMENTIEREN In derselben Schicht
Die Reihenfolge der ersten Zeile ist die wichtigste Zeile des Handbuchs:
Ich — Team — Patient — Umstehende.
Das klingt egoistisch und ist das Gegenteil. Eine verletzte Rettungskraft bindet zwei weitere Kräfte, blockiert den Wagen und macht aus einem Patienten drei. Wer sich selbst schützt, schützt den Patienten.
2. Vor der Ankunft
| # | Schritt |
|---|---|
| 1 | Meldebild verarbeiten — was ist zu erwarten, welche Ausrüstung brauche ich (Kapitel 04) |
| 2 | Funktionen festlegen — wer ist Attendant, wer Driver (Kapitel 02) |
| 3 | Fahrweise entscheiden — Code 2 oder Code 3, nach Meldebild |
| 4 | Gefahren prüfen — ist Polizei nötig, ist Feuerwehr nötig, ist es eines der vier Staging-Meldebilder |
| 5 | Anfahrt melden |
Code 3 fahren
Dasselbe wie bei der Polizei (LSPD, Kapitel 09): defensiv schnell. An jeder Kreuzung Tempo raus, Blickkontakt mit dem Querverkehr, nie annehmen, dass die Sirene gehört wird.
Der Unterschied zur Polizei: Ein Rettungswagen ist hoch, schwer, schlecht gebremst und hat hinten jemanden stehen. Ein Rettungswagen, der auf dem Weg einen Unfall baut, hat die Lage verdreifacht.
3. Ankunft und Szenensicherheit
| # | Schritt |
|---|---|
| 1 | Nicht direkt heranfahren. Ein Stück davor halten, Sichtkontakt nehmen |
| 2 | Fahrzeug richtig stellen — siehe unten |
| 3 | Ankunft melden |
| 4 | Sitzen bleiben und schauen. Drei Sekunden: Wer ist da, wer bewegt sich, wer schreit, wer hat etwas in der Hand |
| 5 | Aussteigen und hören |
| 6 | Gefahren abarbeiten — Liste unten |
| 7 | Annähern, mit Blick auf die Hände der Umstehenden |
| 8 | Erste Lagemeldung funken, sobald du etwas weißt |
Das Fahrzeug stellen
| Lage | Wie |
|---|---|
| Verkehrsunfall | Schräg als Schutzschild zwischen Verkehr und Einsatzstelle, Warnblinker, hinter der Absperrung der Polizei. Der Rettungswagen ist der Airbag der Einsatzstelle. |
| Wohnung, Normallage | So, dass die Trage kurz getragen werden muss und der Wagen wegfahren kann, ohne zu rangieren |
| Unklare Lage | Mit der Nase in Fluchtrichtung. Nicht einparken |
| Polizeilage | In der Bereitstellung, außer Sicht- und Schusslinie, Motor an |
| Brand | Windaufwärts, bergauf, außerhalb des Trümmerbereichs, nicht auf Schläuchen |
Die Gefahrenliste
Sie wird jedes Mal abgearbeitet, auch bei der Platzwunde:
| Gefahr | Prüfen |
|---|---|
| Verkehr | Fließender Verkehr? Absperrung vorhanden? Warnkleidung an? |
| Menschen | Aggression? Alkohol? Menschenmenge? Hände sichtbar? |
| Waffen | Gemeldet? Sichtbar? Ist der Täter noch da? |
| Hunde | Der häufigste vermeidbare Personenschaden im Rettungsdienst |
| Strom | Freileitung, Bahn, beschädigte Installation |
| Feuer und Rauch | Nicht unser Auftrag. Feuerwehr holt den Patienten heraus |
| Gefahrstoffe | Gerüche, Behälter, Warntafeln, mehrere Patienten mit gleichen Beschwerden |
| Einsturz, Höhe, Wasser | Technische Rettung nötig? |
| Infektion | Handschuhe immer. Bei Husten, Blut, Erbrechen: Maske und Schutzbrille |
| Nadeln | Im Bett, in der Kleidung, auf dem Boden |
Ist die Einsatzstelle nicht sicher, wird sie erst sicher gemacht — durch Polizei, Feuerwehr, Energieversorger. Nicht betreten und hoffen.
Bereitstellung (Staging)
Bei Shooting, Stabbing, Assault und Structure Fire wird in einer Bereitstellung gewartet, bis freigegeben wird. Die Bereitstellung ist:
| Merkmal |
|---|
| Außer Sicht der Einsatzstelle — mindestens eine Straßenecke |
| Mit freier Ausfahrt |
| Position gefunkt, damit die Polizei weiß, wo sie freigeben soll |
| Motor an, Team im Fahrzeug |
Muster:
„Rescue 27, in Bereitstellung Ecke Grove Street und Carson Avenue, warten auf Freigabe durch LSPD."
Und die Freigabe kommt ausdrücklich:
„LSPD an Rescue 27: Einsatzstelle ist sicher, Code 4, kommen Sie vor."
4. Am Patienten
| # | Schritt |
|---|---|
| 1 | Vorstellen. „Guten Tag, ich bin Reyes vom Fire Department. Was ist passiert?" |
| 2 | Erlaubnis (Kapitel 05) |
| 3 | Primary Survey (Kapitel 10) |
| 4 | Lagemeldung funken |
| 5 | Behandeln |
| 6 | Secondary Survey |
| 7 | Transportentscheidung |
Die Lagemeldung
Der wichtigste Funkspruch des Einsatzes, und der am häufigsten vergessene. Sie kommt früh — sobald du weißt, wie viele Patienten es sind und wie schlimm es ist:
„Rescue 27, Lagemeldung: ein Patient, männlich, etwa 40, wach, Beinfraktur. Kein weiterer Bedarf, wir versorgen und transportieren."
Oder:
„Rescue 27, Lagemeldung: drei Patienten, einer kritisch. Brauchen zwei weitere Rescues und EMS Captain. Übernehme vorläufig die Einsatzleitung Rettungsdienst."
Dispatch kann nur disponieren, was sie weiß. Die Meldung „drei Patienten" nach zehn Minuten kostet zehn Minuten Anfahrt für die Wagen, die man dann braucht.
5. Transport
Drei Entscheidungen
| Entscheidung | Woran |
|---|---|
| Ob transportiert wird | Zustand und Wille des Patienten (Kapitel 05) |
| Wohin | Fähigkeit der Klinik, nicht Entfernung (Kapitel 01) |
| Wie | Code 2 oder Code 3 — braucht der Patient die Minuten? |
Ablauf
| # | Schritt |
|---|---|
| 1 | Patient lagern und sichern — Gurte, alle |
| 2 | Voranmeldung an die Klinik (ATMIST, Kapitel 03) |
| 3 | Transport an Dispatch melden |
| 4 | Unterwegs: Vitalwerte erneut erheben |
| 5 | Verschlechterung sofort nachmelden, gegebenenfalls Klinik wechseln |
| 6 | Übergabe (Kapitel 07) |
| 7 | Fahrzeug reinigen und auffüllen |
| 8 | Wieder einsatzklar melden |
Begleitpersonen: Ein Angehöriger vorne, angegurtet, wenn es ruhig bleibt. Bei Kindern ist ein Elternteil im Zweifel die wirksamste Beruhigungsmaßnahme, die es gibt.
6. Trainingsszenario
| Runde | Lage | Was geprüft wird |
|---|---|---|
| 1 | Sturz in einer Wohnung, unkompliziert | Vollständiger Ablauf, Handschuhe, Vorstellen, Lagemeldung, Trage |
| 2 | Verkehrsunfall auf einer Schnellstraße | Fahrzeugstellung, Warnkleidung, Absperrung, Absicherung vor Patientenkontakt |
| 3 | Meldebild „Assault", Täter laut Meldung noch vor Ort | Wird Staging eingehalten? |
| 4 | Wohnung, Patient wach, aber ein großer Hund im Raum | Wird die Gefahr erkannt und beseitigt, bevor jemand hineingeht? |
| 5 | Drei Patienten nach Sturz von einem Gerüst | Kommt die Lagemeldung mit Patientenzahl früh? |
| 6 | Patient verschlechtert sich während des Transports | Wird nachgemeldet und die Klinik informiert? |
Automatisch nicht bestanden: ohne Handschuhe angefasst · bei einem Staging-Meldebild hineingelaufen · Patientenzahl nicht gemeldet · Fahrzeug mitten in den fließenden Verkehr gestellt · Patient ohne Gurte transportiert.
7. Typische Fehler
| Fehler | Folge |
|---|---|
| Direkt an die Einsatzstelle gefahren | Keine Übersicht, kein Rückweg |
| Fahrzeug in den Verkehr gestellt | Der nächste Unfall passiert in deinem Rücken |
| Sofort ausgestiegen und hingelaufen | Gefahren nicht erkannt |
| Bei Staging-Meldebild vorgefahren | Aus einem Patienten werden drei |
| Keine Handschuhe | Fahrlässig — und für jeden Umstehenden sichtbar |
| Keine Warnkleidung auf der Straße | Dasselbe |
| Hund, Nadel, Strom nicht bedacht | Die drei häufigsten Verletzungen von Rettungskräften |
| Lagemeldung zu spät | Es kommt ein Wagen für drei Patienten |
| Falsche Klinik gewählt | Der Patient wird zweimal transportiert |
| Code 3 zur Klinik ohne Grund | Risiko für Unbeteiligte ohne Nutzen |
| Vitalwerte nur einmal erhoben | Keine Verlaufsbeurteilung |
| „Wieder einsatzklar" vergessen | Dispatch hält den Wagen für gebunden |
Patientenbeurteilung
Die Kernfähigkeit des Rettungsdienstes. Behandeln kann man lernen; herausfinden, was los ist, ist die Arbeit.
Der Grundsatz:
Erst suchen, was tötet. Dann suchen, was wehtut.
Deshalb gibt es zwei Durchgänge: das Primary Survey, das in unter zwei Minuten die lebensbedrohlichen Probleme findet und behandelt — und das Secondary Survey, das danach alles Übrige systematisch abarbeitet.
1. Der erste Eindruck
Bevor du den Patienten berührst, in wenigen Sekunden von der Tür aus:
| Frage | Was sie verrät |
|---|---|
| Wie sieht die Umgebung aus? | Tabletten auf dem Tisch, Alkohol, ein Werkzeug, eine Leiter, ein Abschiedsbrief |
| Wie liegt oder sitzt er? | Aufrecht nach vorn gestützt = Atemnot. Zusammengekrümmt = Bauch. Reglos = schlecht |
| Spricht er? | Wer in ganzen Sätzen spricht, hat einen freien Atemweg und ausreichend Luft |
| Welche Farbe? | Blass, grau, blau, rot |
| Schwitzt er? | Kalter Schweiß ist ein Alarmzeichen |
| Ist sichtbar Blut da? | Wie viel, wo, spritzt es |
Wer die Sekunden nutzt, hat die halbe Beurteilung, bevor er kniet.
2. Primary Survey — das xABCDE
Die Reihenfolge ist bindend. Man geht nicht weiter, bis das Problem der aktuellen Stufe behandelt ist.
| Stufe | Prüfen | Behandeln |
|---|---|---|
| x — exsanguinating | Spritzende, lebensbedrohliche Blutung? | Sofort stoppen: Druck, Tourniquet, Wundpackung (Kapitel 12) |
| A — Atemweg | Frei? Verlegt durch Zunge, Blut, Erbrochenes, Fremdkörper? | Freimachen, Absaugen, Kopf lagern, Hilfsmittel im Rahmen des Scope |
| B — Beatmung | Atmet er? Wie schnell, wie tief? Beide Seiten belüftet? Sauerstoffsättigung? | Sauerstoff, Beatmungsbeutel, bei Verdacht auf Spannungspneumothorax → Paramedic |
| C — Kreislauf | Puls tastbar? Schnell, langsam, schwach? Haut kalt und feucht? Rekapillarisierung? Blutdruck? | Blutungen, Lagerung, Volumen im Rahmen des Scope |
| D — Defizit | Bewusstsein (AVPU oder GCS), Pupillen, Lähmungen, Blutzucker | Ursachen behandeln, die man behandeln kann — vor allem Unterzuckerung |
| E — Exposition | Entkleiden, soweit nötig — komplett anschauen. Danach wärmen | Wärmeerhalt. Unterkühlung verschlechtert alles |
Das „x" vor dem A ist die einzige Ausnahme von „Atemweg zuerst" und stammt aus der Traumaversorgung: Eine arterielle Blutung am Bein tötet schneller als ein teilverlegter Atemweg. Bei sichtbar spritzender Blutung wird sie vor allem anderen gestoppt.
AVPU — Bewusstsein in vier Stufen
| Stufe | Bedeutung |
|---|---|
| A — Alert | Wach und orientiert |
| V — Verbal | Reagiert auf Ansprache |
| P — Pain | Reagiert nur auf Schmerzreiz |
| U — Unresponsive | Keine Reaktion |
Schnell, im Funk verständlich und für die Erstbeurteilung ausreichend. Wer den GCS-Wert erheben kann, nutzt ihn zusätzlich.
Der Blutzucker gehört ins D
Der häufigste behandelbare Grund für Bewusstlosigkeit ist die Unterzuckerung. Sie sieht aus wie ein Schlaganfall, wie ein Rausch und wie Aggression — und ist in Minuten behoben. Wer bei einem bewusstseinsgestörten Patienten den Blutzucker nicht misst, übersieht regelmäßig genau die Ursache, die er hätte beheben können.
3. Die Entscheidung nach dem Primary Survey
An dieser Stelle fällt die wichtigste Entscheidung des Einsatzes:
Ist dieser Patient kritisch — oder habe ich Zeit?
| Kritisch — sofort transportieren, alles Weitere im Fahrzeug | Zeit — vor Ort weiter arbeiten |
|---|---|
| Atemweg nicht sicher zu halten | Wacher, orientierter Patient |
| Atmung unzureichend trotz Maßnahmen | Vitalwerte im Rahmen |
| Kreislauf instabil, Schockzeichen | Isolierte Verletzung |
| Bewusstsein auf P oder U | Kein Zeitdruck erkennbar |
| Unkontrollierbare Blutung | |
| Trauma-Kriterien erfüllt (Kapitel 12) |
Bei „kritisch" gilt die Zehn-Minuten-Regel: Nicht mehr als etwa zehn Minuten an der Einsatzstelle. Alles, was im Fahrzeug geht, passiert im Fahrzeug.
Der Fehler, der dieser Regel zugrunde liegt, heißt „Stay and Play": Man bleibt am Patienten, weil man noch einen Zugang legen, noch eine Messung machen, noch etwas optimieren will — während das, was er braucht, ein Operationssaal ist.
4. Secondary Survey
Erst wenn das Primary Survey abgearbeitet ist und der Patient nicht kritisch ist.
Von Kopf bis Fuß
Systematisch, in immer derselben Reihenfolge, damit man nichts auslässt:
Kopf → Gesicht → Hals → Brustkorb → Bauch → Becken →
Oberschenkel → Unterschenkel → Füße → Arme → Hände → Rücken
Je Region: ansehen, tasten, bewegen lassen — Verletzung, Verformung, Schmerz, Instabilität.
SAMPLER — die Vorgeschichte
| Buchstabe | Frage |
|---|---|
| S — Symptome | Was haben Sie? Was spüren Sie? |
| A — Allergien | Sind Allergien bekannt? |
| M — Medikamente | Was nehmen Sie? Blutverdünner? |
| P — Vorerkrankungen | Waren Sie schon einmal deswegen im Krankenhaus? |
| L — Letzte Mahlzeit | Wann haben Sie das letzte Mal gegessen und getrunken? |
| E — Ereignis | Was ist unmittelbar davor passiert? |
| R — Risikofaktoren | Rauchen, bekannte Herz- oder Lungenerkrankung, Schwangerschaft |
Blutverdünner? Sie verändert die Einschätzung jedes Sturzes, jeder Kopfverletzung und jeder Blutung völlig.
OPQRST — Schmerz einordnen
| Buchstabe | Frage |
|---|---|
| O — Onset | Wann hat es angefangen? Plötzlich oder langsam? |
| P — Provokation | Wird es bei Bewegung, Atmung, Druck besser oder schlechter? |
| Q — Qualität | Wie fühlt es sich an? — die Antwort wörtlich notieren |
| R — Region und Ausstrahlung | Wo genau? Zieht es irgendwohin? |
| S — Stärke | Auf einer Skala von 0 bis 10? |
| T — Time | Wie hat es sich seit Beginn verändert? |
5. Vitalwerte
| Wert | Wozu |
|---|---|
| Atemfrequenz | Der empfindlichste Frühwarnwert überhaupt — und der, der am häufigsten geschätzt statt gezählt wird |
| Sauerstoffsättigung | Ergänzung, kein Ersatz für das Hinsehen |
| Puls | Frequenz, Rhythmus, Qualität |
| Blutdruck | Beide Werte, an beiden Armen bei Verdacht auf Gefäßproblem |
| Bewusstsein | AVPU oder GCS |
| Pupillen | Größe, Seitengleichheit, Lichtreaktion |
| Blutzucker | Bei jeder Bewusstseinsstörung. Immer. |
| Temperatur | Bei Infektverdacht, Unterkühlung, Hitze |
| Hautbefund | Farbe, Temperatur, Feuchtigkeit |
| EKG | Paramedic, bei Brustschmerz und Rhythmusstörungen |
Die zwei Regeln:
- Mindestens zweimal, mit Uhrzeit. Ein einzelner Wert ist eine Momentaufnahme. Zwei Werte sind ein Trend, und der Trend ist die Information.
- Atemfrequenz zählen, nicht schätzen. Vollständige Atemzüge über einen gemessenen Zeitraum. Wer schätzt, schreibt „16" hin — immer.
6. Trainingsszenario
| Runde | Lage | Was geprüft wird |
|---|---|---|
| 1 | Sturz, wacher Patient, Beinschmerz | Vollständiges xABCDE + Secondary + SAMPLER + OPQRST |
| 2 | Bewusstloser ohne äußere Verletzung | Wird der Blutzucker gemessen? (Antwort: Unterzuckerung) |
| 3 | Sturz von der Leiter, spritzende Blutung am Arm | Wird die Blutung vor dem Atemweg gestoppt? |
| 4 | Brustschmerz | OPQRST vollständig, EKG angelegt, Klinikwahl STEMI Center |
| 5 | Verwirrter älterer Patient, Angehörige berichten | Wird die Fremdanamnese erhoben? Blutverdünner erfragt? |
| 6 | Patient wirkt stabil, verschlechtert sich nach acht Minuten | Wurden Vitalwerte ein zweites Mal erhoben? |
| 7 | Kritischer Patient, Anwärter will noch einen Zugang legen | Wird die Zehn-Minuten-Regel eingehalten? |
Automatisch nicht bestanden: Blutzucker bei Bewusstseinsstörung nicht gemessen · Atemfrequenz geschätzt · nur einmal Vitalwerte · beim kritischen Patienten über 15 Minuten an der Einsatzstelle · Blutverdünner nicht erfragt.
7. Typische Fehler
| Fehler | Folge |
|---|---|
| Mit dem Meldebild im Kopf angekommen und nicht mehr hingesehen | Man findet, was man erwartet hat |
| Reihenfolge des xABCDE verlassen | Man verbindet das Bein, während der Atemweg zugeht |
| Spritzende Blutung nicht zuerst gestoppt | Der einzige Fall, in dem A nicht zuerst kommt |
| Blutzucker nicht gemessen | Die häufigste verpasste behandelbare Ursache |
| Atemfrequenz geschätzt | Der empfindlichste Wert wird zur erfundenen Zahl |
| Vitalwerte nur einmal | Kein Trend, keine Aussage |
| Patient nicht entkleidet | Der Einschuss am Rücken bleibt unentdeckt |
| Nach dem Entkleiden nicht gewärmt | Unterkühlung verschlechtert Gerinnung und Kreislauf |
| Blutverdünner nicht erfragt | Der harmlose Sturz war keiner |
| Fremdanamnese ausgelassen | Bei Bewusstlosen die einzige Informationsquelle |
| „Stay and Play" beim kritischen Patienten | Zeit verschenkt, die er nicht hatte |
| Befund dem Patienten nicht mitgeteilt | Verschenkte Szene, und respektlos |
Reanimation
Der Einsatz, an dem sich der Rettungsdienst beweist. Er ist der lauteste, der personalstärkste — und der, bei dem die Rollenverteilung über den Unterschied zwischen Arbeit und Chaos entscheidet.
1. Erkennen
Ein Herz-Kreislauf-Stillstand liegt vor, wenn der Patient nicht reagiert und nicht normal atmet.
| Prüfen | Wie |
|---|---|
| Reaktion | Ansprechen, anfassen, Schmerzreiz |
| Atmung | Sehen, hören, fühlen — kurz, nicht lange |
| Puls | Nur durch Geübte, und nur kurz. Bei Unsicherheit: nicht weiter suchen |
Die Falle heißt Schnappatmung. In den ersten Minuten eines Stillstands macht der Patient oft einzelne, geräuschvolle, unregelmäßige Atemzüge. Das sieht wie Atmung aus und ist keine. Wer daraufhin nicht mit der Reanimation beginnt, verliert die entscheidenden Minuten.
Regel: Bei Zweifel wird reanimiert. Der Schaden einer nicht nötigen Herzdruckmassage ist klein, der Schaden einer versäumten ist endgültig.
2. Die Rollen
Eine Reanimation mit vier oder mehr Helfern braucht eine Person, die nicht drückt. Das ist der wichtigste Satz des Kapitels.
| Rolle | Aufgabe |
|---|---|
| Teamleitung | Drückt nicht, beatmet nicht. Behält die Übersicht, zählt die Zeit, trifft Entscheidungen, spricht mit den Angehörigen, funkt oder lässt funken |
| Kompression | Drückt. Wird regelmäßig gewechselt, weil die Qualität nach kurzer Zeit messbar abfällt |
| Atemweg | Sichert den Atemweg, beatmet |
| Monitor / Defibrillation | Klebt Elektroden, bedient das Gerät, meldet den Rhythmus |
| Zugang und Medikamente | Legt den Zugang, zieht auf, verabreicht auf Anordnung, sagt jede Gabe laut |
| Dokumentation | Schreibt mit — was, wann. Ohne das ist der Bericht hinterher erfunden |
Bei zwei Helfern übernimmt einer Kompression, einer Atemweg und Monitor, und die Teamleitung ist der, der gerade nicht drückt — mit Rollenwechsel. Und es wird sofort Verstärkung gefordert: Engine, zweiter Rescue, was da ist. Eine Reanimation mit zwei Leuten ist unterbesetzt.
Wie Teamführung klingt
Laut, knapp, namentlich — und mit Rückbestätigung:
„Ich führe. — Müller, Kompression. — Chen, Atemweg. — Reyes, Monitor. — Chen, wie ist der Atemweg?" „Atemweg frei, beatme." „Verstanden. Reyes, Rhythmus?" „Nicht defibrillierbar." „Verstanden, weiter drücken. Wechsel in einer Minute."
Die drei Regeln der Teamführung:
- Namen benutzen. „Jemand macht mal den Zugang" führt dazu, dass es niemand macht.
- Jede Anordnung wird zurückbestätigt. Sonst weiß niemand, ob sie angekommen ist.
- Die Teamleitung berührt den Patienten nicht. Wer drückt, sieht nur den Brustkorb.
3. Der Ablauf
| # | Schritt |
|---|---|
| 1 | Stillstand erkennen, Hilfe rufen, Team anfordern |
| 2 | Kompression beginnen — sofort, auf einer harten Fläche, ohne unnötige Pausen |
| 3 | Atemweg sichern und beatmen |
| 4 | Defibrillator anschließen, sobald er da ist — Rhythmus prüfen, bei defibrillierbarem Rhythmus schocken |
| 5 | Weiterdrücken, Unterbrechungen so kurz wie möglich |
| 6 | Zugang und Medikamente nach Standing Orders (Paramedic) |
| 7 | Reversible Ursachen abarbeiten — siehe unten |
| 8 | Rhythmuskontrollen in festen Abständen, Kompressionswechsel |
| 9 | Bei Kreislaufrückkehr (ROSC): sofort Nachsorge, siehe unten |
| 10 | Sonst: Abbruch erwägen nach Kapitel 08 |
Was die Qualität der Kompression ausmacht
| Punkt |
|---|
| Harte Fläche — auf einer Matratze drückt man die Matratze |
| Tief und vollständig entlasten |
| Regelmäßiger Rhythmus |
| Unterbrechungen minimieren — jede Pause kostet den aufgebauten Druck |
| Wechsel bevor man müde ist, nicht wenn man müde ist |
Reversible Ursachen
Die Ursachen, bei denen eine Reanimation Aussicht hat, weil man sie behandeln kann:
| Gruppe | Ursachen |
|---|---|
| Sauerstoff und Volumen | Sauerstoffmangel, Volumenmangel |
| Stoffwechsel | Kalium-Entgleisung, Unterzuckerung, Säure-Basen-Entgleisung |
| Temperatur | Unterkühlung |
| Mechanisch | Spannungspneumothorax, Herzbeuteltamponade |
| Extern | Vergiftung, Lungenembolie, Herzinfarkt |
Diese Liste ist der Grund, warum eine Reanimation eine Suche ist und kein Handgriff. Warum ist dieser Mensch zusammengebrochen? Die Tabletten auf dem Tisch, der eiskalte Körper, die Nadel im Arm, der geschwollene Hals — das sind Hinweise, und jeder davon ändert die Behandlung.
4. Nach der Kreislaufrückkehr (ROSC)
Der Moment, in dem die meisten aufatmen. Tatsächlich beginnt hier ein neuer, sehr kritischer Abschnitt: Diese Patienten brechen häufig wieder ein.
| # | Schritt |
|---|---|
| 1 | Nicht aufatmen. Monitor bleibt dran, Puls wird weiter kontrolliert |
| 2 | Atemweg und Beatmung sichern, Sauerstoff steuern |
| 3 | Kreislauf stützen, Blutdruck messen |
| 4 | EKG ableiten — die Ursache ist oft ein Herzinfarkt |
| 5 | Wärmeerhalt |
| 6 | Voranmeldung mit dem ausdrücklichen Wort ROSC |
| 7 | Transport in eine Klinik, die es kann — nicht in die nächste |
| 8 | Reanimationsbereitschaft während der ganzen Fahrt |
Muster:
„Pillbox Hill von Rescue 27, Voranmeldung, hohe Priorität. Männlich, etwa 60. Beobachteter Kollaps vor 20 Minuten, Reanimation durch uns, ROSC seit vier Minuten. Bewusstlos, beatmet, Kreislauf grenzwertig, EKG abgeleitet. Erbitten Schockraum und Kardiologie. Ankunft in sechs Minuten."
5. Die Angehörigen während der Reanimation
Sie stehen daneben. Immer. Und wie man mit ihnen umgeht, entscheidet, wie sie diesen Tag erinnern.
| Tun |
|---|
| Eine Person zuweisen — bei knappem Personal die Teamleitung, sonst ein Helfer |
| Dabeisein erlauben, wenn sie es wollen und es die Arbeit nicht behindert |
| Erklären, was passiert — in normalen Worten, während es läuft |
| Zwischenstände geben. Auch schlechte |
| Nicht wegschicken, ohne ihnen zu sagen, wohin und warum |
Und wenn es nicht gut ausgeht: Kapitel 08, Abschnitt 4.
6. Trainingsszenario
| Runde | Lage | Was geprüft wird |
|---|---|---|
| 1 | Beobachteter Kollaps, zwei Helfer | Sofortbeginn, Verstärkung gefordert, Rollen getauscht |
| 2 | Wie 1, aber mit vier Helfern | Führt einer, ohne zu drücken? Namentliche Anordnungen? |
| 3 | Schnappatmung | Wird sie als Stillstand erkannt? |
| 4 | Tabletten und Abschiedsbrief neben dem Patienten | Wird die reversible Ursache erkannt und gefunkt? |
| 5 | Ehefrau im Raum, weint | Bekommt sie jemanden zugewiesen? |
| 6 | ROSC nach zwölf Minuten | Wird weiter überwacht, EKG abgeleitet, ROSC in der Voranmeldung genannt, richtige Klinik gewählt? |
| 7 | Kein ROSC nach 28 Minuten, Asystolie | Base-Rücksprache nach Kapitel 08 |
Automatisch nicht bestanden: Schnappatmung als Atmung gewertet · niemand hat geführt · Angehörige ignoriert · nach ROSC Monitor abgenommen · Reanimation still durchgespielt.
7. Typische Fehler
| Fehler | Folge |
|---|---|
| Schnappatmung für Atmung gehalten | Verlorene Minuten, die man nicht zurückbekommt |
| Zu lange nach dem Puls gesucht | Jede Sekunde ohne Kompression zählt |
| Alle drücken, keiner führt | Chaos, doppelte Gaben, niemand funkt |
| Keine Verstärkung gefordert | Zwei Leute halten eine Reanimation nicht durch |
| Kompression auf der Matratze | Man drückt das Bett, nicht das Herz |
| Zu späte Wechsel | Qualität fällt ab, bevor man es merkt |
| Reversible Ursachen nicht bedacht | Der Unterkühlte, der Vergiftete, der Unterzuckerte wird aufgegeben |
| Nach ROSC entspannt | Der Wiedereinbruch kommt genau dann |
| ROSC nicht in der Voranmeldung genannt | Klinik ruft das falsche Team zusammen |
| Nächste statt richtige Klinik | Patient wird zweimal transportiert |
| Angehörige weggeschickt, ohne zu erklären | Der Fehler, der bleibt |
| Nichts dokumentiert | Der Bericht ist hinterher erfunden |
Trauma und Blutungskontrolle
Trauma ist der häufigste schwere Einsatz — Schüsse, Stiche, Verkehrsunfälle, Stürze. Dieses Kapitel entscheidet deshalb am meisten darüber, wie gut ein Rettungsdienst arbeitet.
Der Grundsatz:
Der Schwerverletzte braucht keinen Rettungsdienst. Er braucht einen Operationssaal. Unsere Aufgabe ist, ihn dorthin zu bringen — nicht, ihn vor Ort zu heilen.
1. Der Unterschied zum medizinischen Notfall
| Medizinischer Notfall | Trauma | |
|---|---|---|
| Ziel vor Ort | Ursache finden und behandeln | Stabilisieren und transportieren |
| Zeit vor Ort | Kann länger sein | So kurz wie möglich |
| Was hilft | Medikamente, Beurteilung | Blutung stoppen, Sauerstoff, Wärme, Fahren |
| Zielklinik | Nach Fachgebiet | Trauma Center, wenn Kriterien erfüllt |
Die Zehn-Minuten-Regel aus Kapitel 10 gilt hier besonders: Beim kritischen Traumapatienten nicht länger als etwa zehn Minuten an der Einsatzstelle. Zugang legen, Werte messen, schienen — alles, was im fahrenden Wagen geht, passiert im fahrenden Wagen.
2. Blutungskontrolle — die Stufenleiter
Das x aus dem xABCDE. Es wird in dieser Reihenfolge eskaliert, und jede Stufe wird ausprobiert, bevor die nächste kommt:
| Stufe | Maßnahme | Wann |
|---|---|---|
| 1 | Direkter Druck | Immer zuerst. Mit der Hand, fest, auf die Blutungsquelle — nicht daneben |
| 2 | Druckverband | Wenn der Druck hält und man die Hand braucht |
| 3 | Wundpackung | Bei tiefen Wunden an Rumpf-Übergängen (Leiste, Achsel, Hals), wo kein Tourniquet greift |
| 4 | Tourniquet | Bei lebensbedrohlicher Blutung an Arm oder Bein, die mit Druck nicht steht |
| 5 | Beckenschlinge | Bei Verdacht auf Beckenverletzung — dort blutet man innerlich aus |
Tourniquet
| Regel |
|---|
| Hoch und fest. Oberhalb der Verletzung, nicht direkt am Rand |
| Zuziehen, bis die Blutung steht. Ein Tourniquet, das noch bluten lässt, ist ein Stauschlauch und verschlimmert es |
| Zeitpunkt notieren — auf dem Tourniquet selbst und im PCR. Die Klinik muss es wissen |
| Nicht wieder lösen. Das entscheidet die Klinik, nicht der Rettungsdienst |
| Sichtbar lassen. Nicht unter eine Decke |
| Es tut weh. Das ist kein Zeichen eines Fehlers |
Das Tourniquet ist bei lebensbedrohlicher Extremitätenblutung die richtige Maßnahme und kein letztes Mittel. Der historische Reflex „nur im äußersten Notfall" hat Menschen das Leben gekostet. Umgekehrt gilt: Auf einer Platzwunde am Unterarm hat es nichts zu suchen.
Innere Blutung
Die, die man nicht sieht und nicht stillen kann. Verdacht bei:
| Zeichen |
|---|
| Schockzeichen ohne sichtbare äußere Blutung |
| Bauch gespannt, druckschmerzhaft, wird härter |
| Beckenverletzung |
| Sturz aus Höhe, Hochrasanztrauma |
| Rippenbrüche, Prellmarke am Rumpf |
| Blutverdünner in der Medikation |
Behandlung: Es gibt keine vor Ort. Sauerstoff, Wärme, Lagerung, Transport ins Trauma Center, Voranmeldung mit dem Wort „Verdacht auf innere Blutung". Der Rest ist Chirurgie.
3. Schock
Schock ist Kreislaufversagen — nicht Aufregung. Er ist der Zustand, an dem Traumapatienten sterben, und er wird regelmäßig zu spät erkannt.
Zeichen
| Früh | Spät |
|---|---|
| Unruhe, Angst, „mir ist schlecht" | Bewusstseinstrübung |
| Blasse, kalte, feuchte Haut | Grau-marmorierte Haut |
| Puls schnell und schwach | Puls kaum tastbar |
| Atmung schnell | Atmung unregelmäßig |
| Durst | Kein Blutdruck mehr messbar |
| Blutdruck noch normal |
Der Blutdruck fällt spät. Ein junger Mensch kann einen erheblichen Blutverlust lange mit Herzfrequenz kompensieren — und bricht dann plötzlich ein. Wer auf einen niedrigen Blutdruck wartet, um einen Schock zu diagnostizieren, diagnostiziert ihn im Moment des Zusammenbruchs.
Ein schneller Puls bei kalter, feuchter Haut ist ein Schock. Punkt.
Behandlung
| Maßnahme |
|---|
| Blutung stoppen — das ist die Behandlung |
| Sauerstoff |
| Flach lagern, Beine hoch, solange es keine Kontraindikation gibt |
| Wärmen — Decke, Heizung im Fahrzeug hoch. Unterkühlung verschlechtert die Gerinnung |
| Volumen im Rahmen des Scope (AEMT/Paramedic) |
| Transport, Code 3, Trauma Center |
Der Dreiklang, an dem Traumapatienten sterben: Unterkühlung, Übersäuerung, Gerinnungsstörung. Das einzige davon, was der Rettungsdienst beeinflussen kann, ist die Temperatur. Deshalb ist die Decke keine Freundlichkeit, sondern Therapie.
4. Trauma-Center-Kriterien
Wann der Patient nicht in das nächste Krankenhaus fährt, sondern in ein Trauma Center. In LA County ist das nach festen Kriterien geregelt; sinngemäß:
Vitalparameter
| Kriterium |
|---|
| Anhaltende Zeichen schlechter Durchblutung |
| Beatmungspflichtigkeit |
| Deutlich eingeschränktes Bewusstsein oder Verschlechterung im Verlauf |
| Bedarf an sofortiger Blutgabe |
Verletzungsmuster
| Kriterium |
|---|
| Penetrierende Verletzung von Kopf, Hals, Brust oder Bauch |
| Extremitätenverletzung mit fehlendem Puls oder Nervenausfall |
| Zwei oder mehr Brüche langer Röhrenknochen |
| Instabiler Brustkorb, instabiles Becken |
| Amputation oberhalb von Hand oder Fuß |
| Lähmung, Verdacht auf Wirbelsäulenverletzung mit Ausfällen |
| Schwere Verbrennung — oder Burn Center |
Unfallmechanismus
| Kriterium |
|---|
| Sturz aus erheblicher Höhe |
| Hochrasanzunfall, Insasse eingeklemmt oder Mitinsasse verstorben |
| Fußgänger oder Radfahrer von einem Fahrzeug erfasst |
| Motorradunfall mit Trennung von Fahrer und Maschine |
Und die Zeile, die alle anderen schlägt
Ein Patient, bei dem eine lebens- oder gliedmaßenerhaltende Maßnahme innerhalb der nächsten Stunden wahrscheinlich nötig wird, gehört ins Trauma Center — auch wenn er formal kein Kriterium erfüllt.
Das ist kein Hintertürchen, sondern ausdrücklich vorgesehen. Wenn dein Bauch sagt „der ist schlechter, als er aussieht", dann fährst du ins Trauma Center und begründest es im PCR.
5. Schuss- und Stichverletzungen
In Los Santos ein Standardeinsatz, deshalb ein eigener Abschnitt.
| # | Besonderheit |
|---|---|
| 1 | Einsatzstelle ist bis zur Freigabe unsicher. Staging, siehe Kapitel 09. Der Täter ist erstaunlich oft noch da |
| 2 | Alle Wunden finden. Ein Einschuss hat oft einen Ausschuss, und Patienten werden mehrfach getroffen. Vollständig entkleiden, Rücken und Achseln ansehen |
| 3 | Zählen und dokumentieren. Wie viele Wunden, wo. Die Polizei braucht das, und die Klinik auch |
| 4 | Nicht sondieren. Nicht hineinfassen, nicht messen, nichts herausziehen |
| 5 | Steckengebliebene Gegenstände bleiben stecken und werden stabilisiert — nicht gezogen |
| 6 | Offene Brustwunde: abdecken nach lokaler Leitlinie, Atmung eng überwachen. Verschlechterung unter Beatmung → Verdacht auf Spannungspneumothorax → Paramedic |
| 7 | Meldepflicht. Schuss- und Stichverletzungen werden der Polizei gemeldet, auch wenn der Patient es nicht will (Kapitel 07) |
| 8 | Beweismittel schonen — Kleidung an den Nähten schneiden, nicht durch die Löcher. Nichts wegwerfen (Kapitel 15) |
| 9 | Was der Patient sagt, wörtlich notieren. Manchmal die einzige Aussage, die es gibt |
6. Immobilisation
Der Bereich, in dem sich die Praxis am stärksten gewandelt hat. Früher wurde jeder Verkehrsunfallpatient auf ein Brett geschnallt; heute wird zurückhaltender immobilisiert, weil die Maßnahme selbst Schaden anrichten kann.
| Immobilisieren bei | Nicht nötig bei |
|---|---|
| Schmerz oder Druckschmerz an der Wirbelsäule | Wachem, orientiertem Patienten ohne Nacken- oder Rückenschmerz und ohne Ausfälle |
| Neurologischen Ausfällen, Kribbeln, Lähmung | |
| Bewusstseinsstörung nach Trauma | |
| Erheblicher Verletzungsmechanismus mit unklarem Befund | |
| Alkohol- oder Drogeneinfluss, der die Beurteilung unmöglich macht |
Wie: Kopf in Neutralposition, achsengerecht bewegen, möglichst wenig umlagern. Beim kritischen Patienten hat die Immobilisation Vorrang hinter dem Transport — niemand stirbt an einer nicht angelegten Halskrause, aber viele an zehn verlorenen Minuten.
7. Trainingsszenario
| Runde | Lage | Was geprüft wird |
|---|---|---|
| 1 | Platzwunde am Unterarm, blutet stark | Stufenleiter: Druck → Verband. Kein Tourniquet |
| 2 | Spritzende Blutung am Oberschenkel | Tourniquet, hoch und fest, Zeit notiert, sichtbar gelassen |
| 3 | Sturz aus 6 m, wach, klagt über Bauchschmerz, Haut kalt und feucht | Schock erkannt trotz normalen Blutdrucks? Trauma Center? |
| 4 | Schussverletzung Bauch, Einsatzstelle laut Meldung unsicher | Staging eingehalten? Ausschuss gesucht? Meldepflicht? |
| 5 | Messer steckt im Rücken | Wird es dringelassen und stabilisiert? |
| 6 | Verkehrsunfall, Patient wach und orientiert, keine Rückenschmerzen | Wird auf die Immobilisation verzichtet und begründet? |
| 7 | Kritischer Traumapatient, Anwärter will vor Ort noch zwei Zugänge legen | Zehn-Minuten-Regel |
Automatisch nicht bestanden: Tourniquet bei harmloser Blutung · steckengebliebenen Gegenstand gezogen · Wunde sondiert · Patient nicht vollständig entkleidet und Ausschuss übersehen · Schussverletzung nicht gemeldet · über 15 Minuten beim kritischen Patienten vor Ort · nicht gewärmt.
8. Typische Fehler
| Fehler | Folge |
|---|---|
| Druck daneben statt auf die Quelle | Blutung läuft weiter |
| Tourniquet zu locker | Stauschlauch, Blutung wird schlimmer |
| Tourniquet bei Bagatellblutung | Unnötiger Schaden |
| Tourniquet-Zeit nicht notiert | Klinik kann nicht planen |
| Tourniquet zugedeckt | Wird in der Klinik übersehen |
| Schock erst bei niedrigem Blutdruck erkannt | Zu spät |
| Nicht gewärmt | Gerinnung bricht zusammen |
| Patient nicht vollständig entkleidet | Zweite Wunde übersehen |
| Wunde sondiert oder Gegenstand gezogen | Schwere Blutung ausgelöst |
| Kleidung durch das Einschussloch geschnitten | Beweismittel zerstört |
| In das nächste statt ins richtige Krankenhaus | Zweiter Transport, verlorene Zeit |
| „Stay and Play" beim kritischen Trauma | Der häufigste vermeidbare Todesfall im Rettungsdienst |
| Jeden Unfallpatienten immobilisiert | Zeitverlust und eigener Schaden |
Medizinische Notfälle
Die Einsätze, bei denen es nichts zu sehen gibt und man trotzdem etwas finden muss. Sie machen den Unterschied zwischen einem Rettungsdienst und einer Wundversorgung.
1. Brustschmerz und Herzinfarkt
Der wichtigste medizinische Notfall, weil er häufig, tödlich und zeitkritisch ist.
Erkennen
| Typisch | Untypisch — und deshalb gefährlich |
|---|---|
| Druck oder Enge hinter dem Brustbein | Nur Oberbauchschmerz oder Übelkeit |
| Ausstrahlung in Arm, Hals, Kiefer, Rücken | Nur Atemnot, ohne Schmerz |
| Kalter Schweiß, Übelkeit, Todesangst | Nur ungewöhnliche Erschöpfung |
| Beschwerden halten an, unabhängig von Bewegung | Häufiger bei Frauen, älteren Menschen und Diabetikern |
Ein erheblicher Teil der Herzinfarkte verläuft untypisch. Wer nur nach dem Lehrbuchbild sucht, übersieht sie. Faustregel: Jeder Beschwerdekomplex zwischen Kiefer und Nabel ist bis zum Beweis des Gegenteils ein Herz.
Ablauf
| # | Schritt |
|---|---|
| 1 | Patient hinsetzen und beruhigen — nicht laufen lassen |
| 2 | Sauerstoff nach Bedarf, nicht routinemäßig hoch dosiert |
| 3 | EKG so früh wie möglich (Paramedic) — es entscheidet über die Zielklinik |
| 4 | OPQRST und SAMPLER (Kapitel 10) |
| 5 | Acetylsalicylsäure und Nitroglycerin nach Leitlinie und Scope (Kapitel 06) |
| 6 | Zugang, Schmerztherapie (Paramedic) |
| 7 | Zielklinik: STEMI Receiving Center bei typischem EKG-Befund |
| 8 | Voranmeldung mit dem Wort STEMI — die Klinik ruft dann das Katheterteam zusammen |
| 9 | Transport, Reanimationsbereitschaft — diese Patienten bleiben stehen |
Bei einem Herzinfarkt zählt die Zeit bis zur Wiedereröffnung des Gefäßes. Ein Krankenhaus ohne Katheterlabor kann das nicht und verlegt weiter. Der Umweg ins richtige Haus ist fast immer schneller als der Weg ins nächste.
2. Schlaganfall
Der zweite große Zeitnotfall. Hier ist der Rettungsdienst fast ausschließlich Erkennung und Transport — behandelt wird in der Klinik.
Erkennen — FAST
| Buchstabe | Prüfen |
|---|---|
| F — Face | Bitten zu lächeln. Hängt ein Mundwinkel? |
| A — Arms | Beide Arme nach vorn halten lassen. Sinkt einer ab? |
| S — Speech | Einen Satz nachsprechen lassen. Verwaschen, falsche Wörter, gar nichts? |
| T — Time | Wann hat es angefangen? Die wichtigste Frage des Einsatzes |
Dazu: plötzlicher Sehverlust, stärkster Kopfschmerz, Schwindel mit Gangunsicherheit, Bewusstseinsstörung.
Die Zeitfrage
„Wann war der Patient zuletzt sicher ohne Symptome?"
Nicht „wann wurde es bemerkt". Diese Unterscheidung entscheidet über die Behandlung in der Klinik. Bei jemandem, der mit Symptomen aufwacht, gilt der Zeitpunkt des Einschlafens — nicht des Aufwachens.
Deshalb wird immer nach einem Zeugen gesucht, und der Zeuge wird nach Möglichkeit mitgenommen oder seine Telefonnummer notiert.
Ablauf
| # | Schritt |
|---|---|
| 1 | FAST prüfen und dokumentieren, welche Ausfälle bestehen |
| 2 | Zeitpunkt klären, Zeugen befragen |
| 3 | Blutzucker messen — eine Unterzuckerung sieht genauso aus und ist behebbar |
| 4 | Sauerstoff nach Bedarf, Oberkörper leicht erhöht |
| 5 | Nichts zu essen oder zu trinken geben — Schluckstörung |
| 6 | Zugang (Paramedic), Blutdruck dokumentieren, nicht eigenmächtig senken |
| 7 | Zielklinik: Stroke Center |
| 8 | Voranmeldung mit Symptombeginn und Ausfällen |
| 9 | Zügiger Transport |
3. Atemnot
| Ursache | Hinweise |
|---|---|
| Asthma | Pfeifendes Ausatmen, bekannte Erkrankung, Auslöser, eigener Inhalator |
| COPD | Rauchergeschichte, chronisch, sitzt aufrecht und stützt sich ab |
| Lungenödem | Rasselnde Atmung, rosa-schaumiger Auswurf, Herzerkrankung, kann nicht flach liegen |
| Lungenembolie | Plötzlich, einseitiger Brustschmerz, Beinschwellung, lange Immobilisation |
| Anaphylaxie | Schwellung an Gesicht und Hals, Hautausschlag, Auslöser vor kurzem |
| Spannungspneumothorax | Nach Trauma, einseitig fehlendes Atemgeräusch, Kreislauf bricht ein |
| Fremdkörper | Beim Essen begonnen, greift sich an den Hals |
Gemeinsamer Ablauf: Position, die dem Patienten hilft — meist aufrecht — Sauerstoff, beruhigen, Auskultation, Sättigung, dann ursachenbezogen im Rahmen des Scope. Bei Erschöpfung der Atemarbeit: Beatmung und ALS.
Die Position ist Therapie. Einen Menschen mit Atemnot flach zu legen, ist eine der wenigen Maßnahmen, die den Zustand sofort und deutlich verschlechtern. Er sitzt aufrecht, weil er es braucht — nicht, weil er unkooperativ ist.
4. Anaphylaxie
Der Notfall, der am schnellsten tödlich und am einfachsten behandelbar ist.
| Erkennen |
|---|
| Auslöser vor Minuten bis Stunden — Insektenstich, Nahrung, Medikament |
| Hautausschlag, Quaddeln, Juckreiz, Rötung |
| Schwellung an Lippen, Zunge, Hals |
| Atemnot, Pfeifen, Engegefühl im Hals, Stimmveränderung |
| Kreislauf bricht ein |
| Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerz |
Ablauf: Auslöser entfernen, Adrenalin — Pen des Patienten assistierend durch EMT, sonst Paramedic — Sauerstoff, flach lagern bei Kreislaufschwäche, aufrecht bei Atemnot, ALS und Transport. Wiederholte Gaben sind möglich, das entscheidet der Scope und gegebenenfalls die Base.
Wer ein Adrenalin bekommen hat, fährt immer in die Klinik — auch wenn es ihm sofort besser geht. Die Reaktion kann nach Stunden zurückkehren. Eine Verweigerung nach Anaphylaxie ist eine Hochrisiko-Verweigerung (Kapitel 05) und gehört ans Base Hospital.
5. Unterzuckerung und Diabetes
Der häufigste behebbare Notfall — und der, der am häufigsten für etwas anderes gehalten wird.
| Verwechselt mit | Weil |
|---|---|
| Trunkenheit | Verwaschene Sprache, Gangunsicherheit, Aggression |
| Schlaganfall | Einseitige Ausfälle möglich |
| Psychose | Verwirrtheit, Halluzination |
| Krampfanfall | Kann tatsächlich einer sein |
| Erkennen |
|---|
| Kaltschweißig, blass, zittrig |
| Verwirrt, aggressiv, unkooperativ |
| Bekannter Diabetes, Insulin-Pen, Pumpe |
| Hat gespritzt, aber nicht gegessen |
| Blutzucker niedrig |
Ablauf: Blutzucker messen. Beim wachen Patienten Zucker oral — Gel, Saft. Beim bewusstseinsgestörten Patienten nichts in den Mund, sondern Glukose intravenös (AEMT/Paramedic). Danach erneut messen und den Patienten essen lassen.
Jeder verwirrte, aggressive oder bewusstseinsgestörte Patient bekommt einen Blutzucker gemessen. Jeder. Ohne Ausnahme. Es ist die billigste Messung im Rettungsdienst und die mit dem höchsten Ertrag.
6. Krampfanfall
| Während des Anfalls | Nach dem Anfall |
|---|---|
| Nicht festhalten | Seitenlage, Atemweg frei |
| Umgebung sichern, Kopf polstern | Sauerstoff |
| Nichts in den Mund | Blutzucker |
| Zeit messen — wie lange dauert er | Verletzungen suchen — Sturz, Zungenbiss |
| Zusehen und beschreiben: wo fing es an, ein- oder beidseitig | Orientierung prüfen, Nachschlafphase zulassen |
Alarmzeichen: Anfall hält an oder wiederholt sich ohne Aufklaren, erster Anfall im Leben, Schwangerschaft, Trauma, Fieber beim Kind, kein Aufklaren. Dann ALS und Transport, bei anhaltendem Anfall Medikament durch den Paramedic, gegebenenfalls Base.
7. Intoxikation und Überdosis
| Substanz | Bild |
|---|---|
| Opioide | Bewusstlos, sehr enge Pupillen, Atmung langsam bis stehend, blau |
| Stimulanzien | Agitiert, schwitzend, Puls und Blutdruck hoch, Körpertemperatur hoch, Krampfgefahr |
| Alkohol | Bewusstseinsstörung, Erbrechen, Unterkühlung, verdeckt Verletzungen |
| Beruhigungsmittel | Schläfrig bis bewusstlos, Atmung flach |
| Unbekannt / Mischung | Der Normalfall |
Ablauf: Eigenschutz zuerst — Nadeln. Atemweg und Beatmung sind das Entscheidende. Bei Opioidverdacht Naloxon im Rahmen des Scope. Blutzucker. Wärmeerhalt. Alles mitnehmen, was Hinweise gibt: Packungen, Spritzen, Reste — und der Klinik übergeben.
Naloxon weckt den Patienten — und nimmt ihm das Opioid weg. Er wacht auf, ist im Entzug, ist wütend und will gehen. Das ist der Regelfall, nicht die Ausnahme, und es ist eine der unangenehmsten Lagen des Dienstes: ein Patient, der eben noch nicht geatmet hat, beschimpft dich und verweigert den Transport. Verfahren: Kapitel 05, und die Wirkung kann vor dem Opioid enden — deshalb gehört er in die Klinik.
Der Betrunkene mit Kopfverletzung
Eigene Zeile, weil es der gefährlichste Patient dieses Kapitels ist:
Alkohol verdeckt Verletzungen und Unterzuckerung. Ein Betrunkener mit Kopfverletzung ist bis zum Beweis des Gegenteils kein Betrunkener, sondern ein Schädel-Hirn-Trauma. Er ist nicht einwilligungsfähig, und er gehört nicht in die Ausnüchterungszelle.
8. Weitere Lagen in Kurzform
| Lage | Das Wesentliche |
|---|---|
| Hitzenotfall | Aus der Hitze, kühlen, trinken beim Wachen. Heiße trockene Haut mit Bewusstseinsstörung ist lebensbedrohlich → Code 3 |
| Unterkühlung | Vorsichtig bewegen, passiv wärmen, nicht reiben. „Niemand ist tot, bis er warm und tot ist" |
| Verbrennung | Kurz kühlen, dann wärmen; Fläche schätzen, Atemwegsbeteiligung prüfen (Ruß, heiserer Husten); Burn Center |
| Ertrinken | Atemweg und Beatmung, Unterkühlung, immer Klinik — auch bei Wohlbefinden |
| Geburt | Ruhe, Lagerung, nicht ziehen, Neugeborenes wärmen und abtrocknen, beide transportieren |
| Bauchschmerz | Keine Diagnose vor Ort. Lagerung, Vitalwerte, Transport. Bei Schockzeichen und älterem Patienten an eine Gefäßkatastrophe denken |
| Psychische Krise | Kapitel 15 |
9. Trainingsszenario
| Runde | Lage | Was geprüft wird |
|---|---|---|
| 1 | 55-jähriger, Druck auf der Brust, kalter Schweiß | EKG, ASS/Nitro im Scope, STEMI Center, Voranmeldung |
| 2 | 70-jährige, seit dem Aufwachen hängender Mundwinkel | FAST, Zeitpunkt = Einschlafen, Blutzucker, Stroke Center |
| 3 | Bewusstlos, enge Pupillen, Atmung langsam | Opioid erkannt, Beatmung zuerst, Naloxon, Transportpflicht |
| 4 | Wie 3 — Patient wacht auf und will gehen | AMA-Verfahren, Base-Rücksprache |
| 5 | Aggressiver, schwitzender Patient, wirkt betrunken | Blutzucker gemessen? (Antwort: Unterzuckerung) |
| 6 | Atemnot, sitzt aufrecht, pfeift | Position gelassen, nicht flach gelegt |
| 7 | Insektenstich, Lippen schwellen, Atemnot | Anaphylaxie erkannt, Adrenalin, Transportpflicht auch bei Besserung |
| 8 | Betrunkener mit Platzwunde am Kopf nach Sturz | Als Schädel-Hirn-Trauma behandelt, nicht als Trunkenheit |
Automatisch nicht bestanden: Blutzucker bei Bewusstseinsstörung nicht gemessen · Atemnotpatient flach gelegt · Herzinfarkt in die nächste statt ins STEMI Center · Schlaganfall ohne Zeitpunkt · Anaphylaxie ohne Transport entlassen · Betrunkenen mit Kopfverletzung gehen lassen.
10. Typische Fehler
| Fehler | Folge |
|---|---|
| Nur nach dem Lehrbuch-Herzinfarkt gesucht | Der untypische wird übersehen |
| Herzinfarkt in die nächste Klinik | Verlegung und verlorene Zeit |
| Beim Schlaganfall nicht nach dem Zeitpunkt gefragt | Die Klinik kann nicht entscheiden |
| Blutzucker nicht gemessen | Die häufigste verpasste behebbare Ursache |
| Atemnotpatient flach gelegt | Sofortige Verschlechterung |
| Nach Adrenalin gehen gelassen | Die Reaktion kann zurückkommen |
| Nach Naloxon gehen gelassen | Die Wirkung endet vor dem Opioid |
| Betrunkenen als betrunken abgetan | Die Blutung im Kopf wird zu spät gefunden |
| Nichts von der Einsatzstelle mitgenommen | Die Klinik weiß nicht, womit sie es zu tun hat |
| Beim Krampfanfall festgehalten oder etwas in den Mund | Verletzt Patient und Helfer |
| Verbrennung zu lange gekühlt | Unterkühlung obendrauf |
Sichtung und MANV
MANV (Massenanfall von Verletzten), englisch MCI (Mass Casualty Incident): mehr Patienten, als die anwesenden Kräfte einzeln versorgen können.
Der Grundsatz, der allem widerspricht, was man sonst tut:
Bei einem MANV wird nicht behandelt. Es wird sortiert.
Wer sich beim ersten Schwerverletzten hinkniet, hat den Einsatz verloren. Die ersten Minuten gehören der Übersicht, nicht dem Patienten.
Das ist die härteste Umstellung im Rettungsdienst — und der Grund, warum MANV geübt werden muss und nicht improvisiert werden kann.
1. Wann es ein MANV ist
Nicht an der Zahl, sondern am Verhältnis:
Patienten > Kräfte.
Drei Patienten und ein Rettungswagen ist ein MANV. Zehn Patienten und sechs Rettungswagen ist ein Großeinsatz, aber keine Sichtungslage.
Stufen aus Kapitel 04:
| Stufe | Patienten |
|---|---|
| Multi-Patient | 3–5 |
| MCI Level 1 | ca. 6–15 |
| MCI Level 2 | ca. 16–50 |
| MCI Level 3 | über 50 |
2. Die ersten fünf Minuten
Das Wichtigste am ganzen Kapitel. Wer als Erster ankommt, macht das — und nichts anderes:
| # | Schritt |
|---|---|
| 1 | Nicht aussteigen und behandeln. Erst Übersicht |
| 2 | Umfahren oder überblicken, soweit möglich — wie groß ist die Fläche, wo liegen Patienten |
| 3 | Gefahren feststellen — Feuer, Gefahrstoff, Einsturz, Täter, Verkehr |
| 4 | Zahl schätzen — grob reicht. „Etwa zehn" ist brauchbar, „unklar" nicht |
| 5 | MANV erklären und melden — Lage, Zahl, Gefahren, Bedarf, Zugangsweg |
| 6 | Einsatzleitung Rettungsdienst vorläufig übernehmen und das ansagen |
| 7 | Sichtung beginnen — nach START, nicht behandeln |
| 8 | Übergeben, sobald ein EMS Captain oder Battalion Chief eintrifft |
Die Erstmeldung
Sie ist der Funkspruch, an dem der ganze Einsatz hängt:
„Dispatch von Rescue 27: Ich erkläre MCI Level 1. Kreuzung Vespucci Boulevard und Rockford Drive, Bus gegen Lkw. Etwa zehn bis zwölf Patienten, davon mehrere gehfähig. Keine Gefahrstoffe erkennbar, Verkehr läuft noch. Brauchen Battalion, vier Rescues, eine Engine und LSPD zur Absperrung. Zufahrt über Rockford Drive von Norden. Rescue 27 übernimmt vorläufig die Einsatzleitung Rettungsdienst und beginnt die Sichtung."
Fünf Angaben: Stufe · Ort und Ursache · Zahl · Gefahren · Bedarf. Dazu Zufahrt und Führung. Mehr nicht, und nichts davon weglassen.
Zu spät erklärt ist der häufigere Fehler als zu früh. Eine zurückgenommene MANV-Erklärung kostet nichts außer ein paar Kilometern Anfahrt. Eine zu späte kostet die Zeit, in der die Kräfte schon unterwegs gewesen wären.
3. START — das Sichtungsverfahren
START steht für Simple Triage and Rapid Treatment. Es wurde 1983 in Newport Beach, Kalifornien, entwickelt und ist das in den USA am weitesten verbreitete Sichtungsverfahren. Es gilt für Patienten, die älter als etwa acht Jahre erscheinen.
Gemerkt wird es als RPM: Respirations, Perfusion, Mental Status.
Der Ablauf
Kann der Patient gehen?
│
├─ JA ──────────────────────────────────────────► GRÜN (leicht)
│ "Wer laufen kann, geht bitte dort hinüber."
│
└─ NEIN
│
▼ ATMUNG
├─ Atmet nicht ──► Atemweg freimachen
│ ├─ atmet jetzt ─────────► ROT (sofort)
│ └─ atmet nicht ─────────► SCHWARZ
│
├─ Atmung sehr schnell ─────────────────────► ROT
│
└─ Atmung normal
│
▼ KREISLAUF
├─ Rekapillarisierung verzögert
│ ODER kein Puls am Handgelenk ──────► ROT
│
└─ Kreislauf in Ordnung
│
▼ BEWUSSTSEIN
├─ Kann einfache Aufforderung
│ nicht befolgen ───────────────► ROT
│
└─ Kann sie befolgen ─────────────► GELB (dringend)
Die Kategorien
| Farbe | Bedeutung | Transport |
|---|---|---|
| ROT | Sofort. Lebensbedrohlich, aber mit guten Überlebensaussichten | Zuerst |
| GELB | Dringend. Schwer verletzt, kann aber warten | Danach |
| GRÜN | Leicht. Gehfähig | Zuletzt, oft gesammelt |
| SCHWARZ | Tot oder unter den gegebenen Mitteln nicht überlebensfähig | Kein Transport |
Die drei Regeln beim Sichten
- Maximal 30 Sekunden pro Patient. Man stellt drei Dinge fest und geht weiter.
- Es wird genau zweierlei behandelt: ein verlegter Atemweg wird freigemacht und eine lebensbedrohliche Blutung wird gestillt. Sonst nichts. Kein Zugang, keine Schiene, kein Sauerstoff.
- Jeder wird markiert, auch der Grüne, auch der Schwarze. Ein unmarkierter Patient wird ein zweites Mal gesichtet, und das kostet die Zeit von jemandem, der wartet.
Er sortiert in Sekunden den größten Teil der Patienten aus. Bei einem Busunfall mit zwölf Verletzten sind sieben gehfähig. Die stehen dann an einer Stelle, sind grün, und man hat sich zwölf Einzelbeurteilungen auf fünf reduziert.
Schwarz
Der schwerste Teil. Bei einem MANV bedeutet Schwarz nicht nur „tot", sondern auch „unter den verfügbaren Mitteln nicht zu retten".
Ein Patient, der nach Freimachen des Atemwegs nicht atmet, wird bei einem MANV nicht reanimiert. Nicht, weil er es nicht wert wäre, sondern weil die zwei Helfer, die ihn reanimieren würden, in derselben Zeit vier rote Patienten versorgen könnten.
Das ist die Entscheidung, die den Unterschied zwischen Sichtung und Einzelversorgung ausmacht, und sie ist der Grund, warum niemand das gerne übt. Sie muss aber getroffen werden, und zwar von der Person, die sichtet — nicht diskutiert.
4. Einsatzstellenorganisation
Sobald genug Kräfte da sind, wird die Fläche gegliedert. Jeder Abschnitt hat eine Person, die ihn führt.
| Abschnitt | Aufgabe |
|---|---|
| Einsatzleitung | Gesamtlage, Anforderungen, Kontakt zu Polizei und Feuerwehr |
| Sichtung | Findet und markiert alle Patienten. Meldet Zahlen je Farbe |
| Behandlung | Behandlungsplatz, nach Farben getrennt. Hier wird erst wirklich behandelt |
| Transport | Wer fährt wohin und wann. Führt die Liste |
| Bereitstellung | Sammelplatz für ankommende Fahrzeuge und Kräfte |
| Sicherheit | Beobachtet Gefahren, kann den Abschnitt räumen lassen |
Der Transportabschnitt ist der Engpass
Nicht die Behandlung. Der Transportabschnitt entscheidet:
| Frage |
|---|
| Welcher Patient fährt als Nächstes? |
| In welche Klinik? |
| Wie viele hat diese Klinik schon bekommen? |
| Wer sitzt in welchem Fahrzeug? |
Nicht alle Roten in dasselbe Krankenhaus. Wer sechs Schwerverletzte in ein Trauma Center fährt, hat aus einem MANV an der Straße einen MANV im Schockraum gemacht. Die Verteilung ist Aufgabe des Transportabschnitts, im Zweifel in Rücksprache mit dem Base Hospital.
Die Liste
Eine Patientenliste wird vom ersten Moment an geführt. Minimal:
| Nr. | Farbe | Geschlecht/Alter | Kurzbefund | Fahrzeug | Klinik | Zeit |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Rot | m, ~40 | Thoraxtrauma | R27 | Pillbox | 21:14 |
| 2 | Gelb | w, ~30 | Unterarm offen | R802 | Central | 21:22 |
Ohne Liste weiß hinterher niemand, wer wohin gefahren ist — und das ist der Fehler, der Angehörige tagelang suchen lässt.
5. Trainingsszenario
Aufbau: Sechs bis zwölf Übungspatienten mit Rollenkarte („Sie atmen nicht", „Sie können gehen, haben Schmerzen im Arm", „Sie sind bewusstlos, atmen schnell"). Zwei Rettungswagen, eine Engine, ein Ausbilder als Beobachter.
| Runde | Lage | Was geprüft wird |
|---|---|---|
| 1 | Vier Patienten, ein Rettungswagen | Wird MANV erklärt? Wird gesichtet statt behandelt? |
| 2 | Zehn Patienten, davon sechs gehfähig | Wird der Grün-Satz gerufen? Zeitverbrauch pro Patient? |
| 3 | Ein Patient atmet nach Atemwegsfreimachung nicht | Wird Schwarz markiert und weitergegangen? |
| 4 | Sichtung fertig, drei Rot | Werden die drei auf verschiedene Kliniken verteilt? |
| 5 | Angehöriger hält den sichtenden Sanitäter fest | Bleibt er bei der Sichtung? Delegiert er den Angehörigen? |
| 6 | EMS Captain kommt an | Wird die Einsatzleitung förmlich übergeben — mit Lage, Zahlen, Abschnitten? |
Automatisch nicht bestanden: beim ersten Patienten hingekniet und behandelt · MANV nicht erklärt · mehr als eine Minute pro Patient · Patienten nicht markiert · bei einem MANV reanimiert · alle Roten in dieselbe Klinik · keine Liste geführt.
6. Typische Fehler
| Fehler | Folge |
|---|---|
| Beim ersten Schwerverletzten hingekniet | Elf andere ungesichtet. Der Fehler. |
| MANV zu spät erklärt | Kräfte kommen zu spät, weil sie zu spät losgefahren sind |
| Patientenzahl nicht geschätzt | Dispatch kann nicht disponieren |
| Zu lange pro Patient | Die Sichtung dauert länger als der Einsatz erlaubt |
| Nicht markiert | Doppelte Sichtung, verlorene Zeit |
| Bei einem MANV reanimiert | Vier rote Patienten unversorgt |
| Grüne nicht weggeschickt | Elf Einzelbeurteilungen statt fünf |
| Grüne vergessen | Unter „nur leicht verletzt" steckt regelmäßig ein Ernstfall |
| Kein Behandlungsplatz festgelegt | Patienten liegen verstreut, niemand findet sie wieder |
| Keine Patientenliste | Niemand weiß, wer wohin gefahren ist |
| Alle Roten in eine Klinik | Der MANV wird in den Schockraum verschoben |
| Einsatzleitung nicht förmlich übergeben | Zwei Leute glauben, sie führen |
Zusammenarbeit mit dem LSPD
Das wichtigste Kapitel für gemischte Einsätze — und das, dessen Fehlen man auf Servern am deutlichsten sieht: Sanitäter, die in Schusswechsel laufen, und Officer, die eine Bereitstellung vergessen.
Es hat ein Gegenstück im Polizeihandbuch: LSPD, Kapitel 15. Am besten liest man beide.
1. Die Grundaufteilung
| Wer | Verantwortet |
|---|---|
| LSPD | Die Sicherheit der Einsatzstelle. Absperrung, Täter, Waffen, Menschenmenge, Beweismittel |
| LSFD/EMS | Den Patienten. Beurteilung, Behandlung, Transport, Zielklinik |
Beide Sätze gelten auch dann, wenn der andere anderer Meinung ist:
Die Polizei sagt, wann der Rettungsdienst hineingeht. Der Rettungsdienst sagt, wann und wohin der Patient fährt.
Ein Officer entscheidet nicht, ob ein Patient transportfähig ist. Ein Paramedic entscheidet nicht, ob eine Einsatzstelle sicher ist. Wer über die Linie greift, produziert genau den Streit, den beide vermeiden wollten.
2. Bereitstellung und Freigabe
Das Verfahren, das Leben rettet — und nur funktioniert, wenn beide Seiten es einhalten.
Für den Rettungsdienst
Bei den Meldebildern Shooting, Stabbing, Assault und Structure Fire wird in einer Bereitstellung gewartet:
| # | Schritt |
|---|---|
| 1 | Position außer Sicht der Einsatzstelle, mindestens eine Straßenecke |
| 2 | Freie Ausfahrt, Motor an, Team im Fahrzeug |
| 3 | Position funken, damit die Polizei weiß, wo sie freigeben soll |
| 4 | Warten — auch wenn man Schreie hört. Besonders dann |
| 5 | Auf ausdrückliche Freigabe vorfahren |
„Rescue 27 in Bereitstellung, Ecke Grove Street und Carson Avenue, warten auf Freigabe."
Für die Polizei
Die Freigabe ist eine Pflicht, nicht eine Gefälligkeit — und sie ist ausdrücklich:
„7-Adam-15 an Rescue 27: Einsatzstelle ist sicher, ein Verdächtiger in Gewahrsam, Code 4. Zufahrt über Grove Street von Süden, ein Patient im Hinterhof."
Und wenn sie nicht sicher ist, wird das auch gesagt — mit Zeitangabe, wenn möglich:
„7-Adam-15 an Rescue 27: Einsatzstelle noch nicht sicher, Schütze nicht lokalisiert. Bleiben Sie in Bereitstellung, ich melde mich."
Rettung unter Polizeischutz
Wenn ein Patient liegt und die Lage nicht vollständig sicher zu machen ist, gibt es einen Mittelweg: Officer sichern einen Korridor, der Rettungsdienst holt den Patienten heraus und versorgt ihn außerhalb.
| Regel |
|---|
| Ein Officer führt, ein Sanitäter arbeitet — abgesprochen, nicht improvisiert |
| Nur Bergen, nicht Behandeln. Behandelt wird hinter der Deckung |
| Vorher absprechen: Weg hinein, Weg hinaus, Abbruchsignal |
| Der Rettungsdienst geht nicht vor die Deckung |
3. Am Tatort arbeiten
Ein Patient kann gleichzeitig ein Beweismittel-Umfeld sein. Der Rettungsdienst hat Vorrang — Leben vor Spuren — verändert aber so wenig wie möglich.
| Regel |
|---|
| Ein Weg hinein, derselbe hinaus. Nicht über die Fläche verteilen |
| Nichts anfassen, was nicht gebraucht wird — Waffen niemals |
| Kleidung an den Nähten schneiden, nicht durch Einschuss- oder Stichlöcher |
| Nichts wegwerfen. Verbandreste, abgeschnittene Kleidung, Ampullen bleiben am Ort oder gehen mit |
| Was du bewegt hast, sagst du der Polizei — und schreibst es in den PCR |
| Keine Leichen bewegen, außer zur Versorgung eines anderen Patienten |
| Was der Patient sagt, wörtlich notieren — kann eine Aussage sein |
Der Rettungsdienst fasst keine Waffen an. Nicht, um sie „sicher wegzulegen". Wenn eine Waffe im Weg liegt, sagt man es einem Officer.
4. Patienten in Gewahrsam
Ein Festgenommener, der behandelt wird, ist doppelt gebunden: Er ist Patient und in Gewahrsam.
| Regel |
|---|
| Handschellen bleiben, sofern sie die Behandlung nicht verhindern. Die Entscheidung trifft die Polizei |
| Ein Officer begleitet den Transport — im Rettungswagen oder direkt dahinter |
| Behandlungsentscheidungen liegen beim Rettungsdienst, nicht beim Officer |
| Einwilligung gilt weiter. Ein Festgenommener darf eine Behandlung ablehnen, wenn er einwilligungsfähig ist (Kapitel 05) |
| Schweigepflicht gilt weiter. Der Officer erfährt, was für die Sicherheit nötig ist — nicht die Krankengeschichte (Kapitel 07) |
| Bei Fesselung in Bauchlage: sofort umlagern. Siehe Warnung unten |
Ein gefesselter Patient in Bauchlage ist eine Notlage, nicht eine Haltung. Wer bäuchlings gefesselt liegt, kann seine Atemarbeit nicht leisten. Der Rettungsdienst verlangt die Umlagerung in die Seitenlage oder ins Sitzen — und das ist keine Bitte. Dasselbe gilt für den Satz „ich kann nicht atmen": Er wird als Befund behandelt, nicht als Widerstand.
5. Psychische Krise und 5150
5150 ist die kalifornische Rechtsgrundlage für eine Zwangsunterbringung zur psychiatrischen Begutachtung für bis zu 72 Stunden — bei Eigengefährdung, Fremdgefährdung oder wenn sich die Person nicht mehr selbst versorgen kann.
Die Aufteilung
| Wer | Macht |
|---|---|
| LSPD | Stellt den 5150 fest, sorgt für Sicherheit, begleitet |
| EMS | Prüft und behandelt körperliche Ursachen, transportiert |
Eine psychische Krise ist oft keine. Unterzuckerung, Sauerstoffmangel, Kopfverletzung, Vergiftung, Infektion sehen aus wie Verwirrtheit, Aggression oder Psychose (Kapitel 13).
Deshalb gilt: Jeder 5150 bekommt einen Blutzucker gemessen. Jeder. Es ist die Messung, die verhindert, dass ein unterzuckerter Diabetiker in der Psychiatrie landet.
Ablauf
| # | Schritt |
|---|---|
| 1 | Reizarm machen — Sirene und Blaulicht aus, Zuschauer weg, Kräfte zurücknehmen |
| 2 | Einer redet. Nur einer, und zwar der, zu dem die Person am ehesten Kontakt hat |
| 3 | Abstand halten, nicht umstellen |
| 4 | Körperliche Ursachen ausschließen — Blutzucker, Sauerstoff, Verletzungen, Medikamente, Drogen |
| 5 | Nicht lügen. „Wir fahren nur mal kurz" zerstört das Vertrauen genau da, wo man es braucht |
| 6 | Ankündigen, was als Nächstes passiert, bevor es passiert |
| 7 | Transport in eine Einrichtung, die 5150 aufnimmt — nicht in ein beliebiges Krankenhaus |
| 8 | Zwang nur durch die Polizei. Der Rettungsdienst fesselt nicht |
Sätze, die funktionieren
„Ich bin nicht hier, um Sie festzunehmen. Ich bin vom Rettungsdienst." „Ich will nur sehen, ob es Ihnen körperlich gut geht. Darf ich Ihren Finger nehmen?" „Ich sage Ihnen, was ich als Nächstes mache, bevor ich es mache." „Ich habe Zeit."
6. Officer down
Der Einsatz mit der höchsten emotionalen Ladung — und der, bei dem am meisten schiefgeht, weil alle gleichzeitig helfen wollen.
| # | Regel |
|---|---|
| 1 | Ist die Lage sicher? Ein verletzter Officer heißt, dass jemand geschossen hat. Der ist oft noch da |
| 2 | Ein Team behandelt. Nicht sechs. Die anderen Officer sichern — das ist ihre Aufgabe |
| 3 | Ausrüstung runter. Weste, Gürtel, Funk müssen weg, um den Rumpf beurteilen zu können. Vorher ansagen |
| 4 | Alle Wunden suchen. Westen verschieben Einschüsse an unerwartete Stellen |
| 5 | Trauma Center, Voranmeldung |
| 6 | Kollegen wegschicken oder ihnen eine Aufgabe geben. Beides ist besser als sechs Leute am Patienten |
| 7 | Nach dem Einsatz: Nachsorge, für alle Beteiligten — siehe unten |
„Ich brauche zwei von Ihnen — einer hält die Infusion, einer hält die Menschen weg." Officer, die eine Aufgabe haben, stehen nicht im Weg.
7. Gemeinsame Sprache
Was beide Seiten kennen müssen. Vollständig in Kapitel 04 und LSPD, Kapitel 04.
| Code | Bedeutung | Wer benutzt es |
|---|---|---|
| Code 2 / Code 3 | Fahrweise | beide |
| Code 4 | Lage im Griff | beide — und der Rettungsdienst hört darauf, wann er vorfahren darf |
| 11-41 | Rettungswagen erforderlich | LSPD → EMS |
| 11-44 | Todesopfer am Einsatzort | beide |
| 11-80 / 11-81 | Unfall mit schweren / leichten Verletzungen | LSPD → EMS |
| 5150 | Psychiatrische Zwangsunterbringung | beide |
| MCI Level 1–3 | Massenanfall | EMS → alle |
| BLS / ALS | Fähigkeitsstufe des Wagens | EMS — Officer sollten es verstehen |
„Notarzt" gibt es nicht. Wer mehr Kompetenz am Patienten braucht, fordert ALS an. Und ein BLS-Wagen kann keine Medikamente geben — wer das weiß, funkt beim Brustschmerz gleich richtig.
8. Nachsorge
Der Teil, den niemand einplant — und der über die Belastbarkeit einer Wache entscheidet.
Nach belastenden Einsätzen — Kind, Kollege, Reanimation eines Bekannten, Großschadenslage — gibt es eine Nachbesprechung: kurz, im Team, ohne Schuldsuche.
| Frage |
|---|
| Was ist passiert? |
| Was hat gut funktioniert? |
| Was hat uns belastet? |
| Braucht jemand mehr als dieses Gespräch? |
9. Trainingsszenario
Gemeinsam mit dem LSPD durchführen — sonst lernt nur eine Seite.
| Runde | Lage | Was geprüft wird |
|---|---|---|
| 1 | Shooting, Täter flüchtig, ein Patient | Bereitstellung durch EMS und Freigabe durch LSPD |
| 2 | Wie 1, aber LSPD „vergisst" die Freigabe | Fragt der Rettungsdienst nach? Fällt es dem Officer auf? |
| 3 | Patient hinter einem Fahrzeug, Lage nicht vollständig sicher | Rettung unter Polizeischutz, abgesprochen |
| 4 | Festgenommener klagt über Brustschmerz | Wer entscheidet über Transport? Officer als Begleitung? |
| 5 | Festgenommener bäuchlings gefesselt, sagt „ich kann nicht atmen" | Wird sofort umgelagert? |
| 6 | 5150, Person mit Messer, nur selbstgefährdend | Einer redet, Blutzucker gemessen, kein Zwang durch EMS |
| 7 | Officer down, sechs Officer vor Ort | Ein Behandlungsteam? Werden Officer mit Aufgaben versehen? |
| 8 | Tatort mit Schussverletzung | Kleidung an den Nähten, nichts weggeworfen, Waffe nicht angefasst |
Automatisch nicht bestanden: ohne Freigabe vorgefahren · Freigabe vergessen (LSPD) · Waffe angefasst · „ich kann nicht atmen" ignoriert · 5150 ohne Blutzucker · Officer hat den Transport entschieden · Kleidung durch das Einschussloch geschnitten.
10. Typische Fehler
| Fehler | Wer | Folge |
|---|---|---|
| Ohne Freigabe vorgefahren | EMS | Aus einem Patienten werden drei |
| Freigabe vergessen | LSPD | Der Patient stirbt, während der Wagen um die Ecke steht |
| Bereitstellung am Rand der Szene | EMS | Keine Deckung, keine Ausfahrt |
| Waffe angefasst | EMS | Beweismittel und Eigengefährdung |
| Kleidung durch die Löcher geschnitten | EMS | Beweismittel zerstört |
| Verbandmüll eingesammelt | EMS | Dasselbe |
| Über die Fläche gelaufen | EMS | Spuren zerstört |
| Transportentscheidung durch den Officer | LSPD | Zuständigkeit überschritten |
| Sicherheitsbewertung durch den Sanitäter | EMS | Dasselbe, umgekehrt |
| Krankengeschichte an den Officer weitergegeben | EMS | Schweigepflicht |
| Gefesselten in Bauchlage gelassen | beide | Lebensgefahr |
| 5150 ohne Blutzucker | EMS | Der Unterzuckerte landet in der Psychiatrie |
| Zwang durch den Rettungsdienst | EMS | Nicht sein Auftrag |
| Sechs Officer am verletzten Kollegen | LSPD | Niemand sichert, niemand kann arbeiten |
| Keine Nachbesprechung nach einem schweren Einsatz | beide | Verschenkte Charakterentwicklung |
Das Field Training Program
Dieses Kapitel richtet sich an Preceptors — die Rettungsdienst-Entsprechung zum Training Officer bei der Polizei (LSPD, Kapitel 16).
1. Das Prinzip
Der Anwärter fährt echte Einsätze. Der Preceptor beobachtet, bewertet und coacht. Er behandelt nicht für ihn.
Der Anwärter macht die Arbeit. Ein Preceptor, der bei jedem Patienten übernimmt, weil es schneller geht, bildet niemanden aus — er produziert jemanden, der nach 30 Einsätzen noch nie selbst entschieden hat.
Es gibt eine Grenze, und die ist absolut: Bei Gefahr für den Patienten wird sofort übernommen. Ohne Diskussion, ohne Rücksicht auf die Lernsituation. Die Nachbesprechung kommt danach.
2. Die vier Phasen
| Phase | Dienste | Anwärter | Preceptor |
|---|---|---|---|
| 1 — Beobachten | 1–4 | Schaut zu, trägt Material, dokumentiert mit. Kein Patientenkontakt in Verantwortung | Macht alles vor und denkt laut: „Ich messe jetzt den Blutzucker, weil …" |
| 2 — Assistieren | 5–10 | Führt einfache Fälle (Platzwunde, Sturz ohne Verdacht, Transportfahrt) unter direkter Anleitung | Steht daneben, korrigiert sofort |
| 3 — Führen | 11–18 | Ist Attendant bei allen Fällen. Beurteilt, entscheidet, funkt, gibt den Base-Report | Beobachtet, schweigt so lange wie möglich |
| 4 — Prüfen | 19–24 | Führt alles allein. Der Preceptor verhält sich wie ein normaler Partner | Bewertet nur. Keine Hilfe, außer sie wird verlangt |
Phasenübergang nur nach ausdrücklicher Bewertung. Wer Phase 2 nicht besteht, bleibt in Phase 2.
3. Der Daily Observation Report
Nach jedem Dienst. Bewertung je Punkt: 1 = ungenügend, 3 = akzeptabel, 5 = überdurchschnittlich, oder n/b (nicht beobachtet).
| # | Kategorie | Was bewertet wird |
|---|---|---|
| 1 | Erscheinung und Ausrüstung | Uniform, Handschuhe dabei, Ausrüstung vollständig |
| 2 | Fahrzeugcheck | Gründlich oder abgehakt |
| 3 | Fahren | Sicher, Code 3 defensiv schnell |
| 4 | Funk — Dispatch | Vier Teile, Lagemeldung früh, Statuswechsel |
| 5 | Funk — Base-Report | ATMIST-Schema, vollständig, knapp |
| 6 | Szenensicherheit | Gefahren erkannt, Fahrzeug richtig gestellt, Staging eingehalten |
| 7 | Kontaktaufnahme | Vorstellen, Erlaubnis, Umgangsform |
| 8 | Primary Survey | xABCDE in der Reihenfolge, nichts übersprungen |
| 9 | Secondary Survey | Systematisch, SAMPLER, OPQRST |
| 10 | Vitalwerte | Vollständig, mehrfach, Atemfrequenz gezählt |
| 11 | Blutzucker | Bei jeder Bewusstseinsstörung gemessen |
| 12 | Maßnahmen | Richtig, im Scope, in sinnvoller Reihenfolge |
| 13 | Scope-Treue | Bleibt bei dem, was er darf — und fordert nach, was er braucht |
| 14 | Einwilligung | Fragt, erklärt, prüft Einwilligungsfähigkeit |
| 15 | Transportentscheidung | Ob, wohin, wie — und begründet |
| 16 | Übergabe | Strukturiert, vollständig, wartet Rückfragen ab |
| 17 | Dokumentation | PCR vollständig, „Warum"-Feld ausgefüllt |
| 18 | Teamarbeit | Rollen geklärt, Partner informiert, laut gearbeitet |
| 19 | Umgang mit Angehörigen | Angesprochen, einbezogen, nicht übergangen |
| 20 | Entscheiden unter Druck | Entscheidet — oder friert ein, oder überstürzt |
| 21 | Annahme von Kritik | Nimmt an oder verteidigt sich |
| 22 | Eigeninitiative | Sieht Arbeit, ohne dass man sie zeigt |
Dazu drei Freitextfelder — die eigentlich wichtigen:
| Feld | Inhalt |
|---|---|
| Beste Leistung heute | Eine konkrete Sache. Immer eine finden |
| Kritischster Punkt | Die eine Sache für morgen. Nicht fünf |
| Ziel für den nächsten Dienst | Messbar. „Bei jeder Bewusstseinsstörung Blutzucker, ohne Erinnerung" |
Regeln für den DOR
- Jeden Dienst. Ein DOR nur nach schlechten Diensten ist eine Strafe, kein Werkzeug.
- Konkret. „Funk war schlecht" ist wertlos. „Bei der Grove Street hat er die Patientenzahl nicht gemeldet" ist brauchbar.
- Besprechen, nicht abgeben. Am Ende des Dienstes, gemeinsam durchgehen.
- Eine Baustelle auf einmal.
4. Wie man ausbildet
| Technik | Wie |
|---|---|
| Laut denken | Der Preceptor spricht seine Entscheidungen aus. Der Anwärter hört die Begründung, nicht nur die Handlung |
| Fragen statt sagen | „Was siehst du?" — „Was ist dein nächster Schritt?" — „Warum diese Klinik?" |
| Sofort nach dem Einsatz | Zwei Minuten im Fahrzeug, nicht am Schichtende |
| Machen lassen | Auch wenn es langsamer ist. Der Anwärter muss den Fehler machen, um ihn zu verstehen |
| Eingreifen bei Gefahr | Unmittelbar, ohne Diskussion |
Die drei Fragen nach jedem Einsatz
- „Was hatte der Patient?" — Lässt rekonstruieren und deckt Wahrnehmungslücken auf.
- „Was würdest du anders machen?" — Selbstkritik vor Fremdkritik. Meistens nennt der Anwärter den Fehler selbst.
- „Was war gut?" — Nicht optional. Ein Anwärter, der nur Kritik hört, wird vorsichtig statt kompetent — und Vorsicht ist im Rettungsdienst kein Ersatz für Kompetenz.
Was ein Preceptor nicht tut
| Nicht |
|---|
| Den Anwärter vor Patienten oder Angehörigen zurechtweisen |
| Jeden Patienten selbst übernehmen |
| Eigene Abkürzungen weitergeben („den Blutzucker lassen wir hier meistens weg") |
| Persönlich werden |
| Fehler durchwinken, weil man den Anwärter mag |
| Jemanden bestehen lassen, der Szenensicherheit oder Scope-Treue nicht beherrscht |
Die letzte Zeile ist die wichtigste. Wer jemanden passieren lässt, der ohne Freigabe in Polizeilagen läuft oder Maßnahmen außerhalb seines Scope durchführt, hat nicht nett gehandelt — er hat den nächsten Partner dieses Anwärters gefährdet.
5. Abschluss
| # | Schritt |
|---|---|
| 1 | Abschlussbeurteilung durch den Preceptor |
| 2 | Praktische Prüfung → Kapitel 17 |
| 3 | Gespräch mit dem EMS Captain |
| 4 | Bestanden → volle Berechtigung als EMT bzw. Paramedic |
| 5 | Nicht bestanden → Verlängerung, Phasenwiederholung, oder Ende |
Drei Ausgänge, und alle drei müssen möglich sein:
| Ausgang | Bedeutung |
|---|---|
| Bestanden | Volle Berechtigung |
| Verlängert | Vier weitere Dienste in der Phase, die nicht sitzt. Klar benanntes Defizit |
| Nicht bestanden | Der Charakter ist nicht geeignet. Das muss möglich sein. |
Ein Programm, das niemand nicht besteht, ist keine Ausbildung, sondern eine Wartezeit.
6. Der Preceptor selbst
Preceptor ist eine eigene Qualifikation ab Senior Paramedic:
| Voraussetzung |
|---|
| Beherrscht die Verfahren dieses Handbuchs — nicht nur kennt sie |
| Kann erklären, warum etwas so gemacht wird |
| Hat Geduld, jemanden langsam arbeiten zu lassen |
| Formuliert Kritik sachlich |
| Nimmt selbst Kritik an |
| Ist bereit, jemanden nicht zu bestehen |
Die Qualifikation kann man auch wieder verlieren.
7. Typische Fehler von Preceptors
| Fehler | Folge |
|---|---|
| Alles selbst gemacht | Der Anwärter hat zugeschaut, nicht gelernt |
| Vor dem Patienten korrigiert | Untergräbt den Anwärter beim Patienten |
| Keine Nachbesprechung | Der Fehler wiederholt sich |
| Kein DOR | Keine Nachvollziehbarkeit |
| Zwanzig Kritikpunkte auf einmal | Keiner wird bearbeitet |
| Nur Kritik, kein Lob | Anwärter wird passiv |
| Eigene Unsitten weitergegeben | Fehler pflanzen sich über Generationen fort |
| Bestanden, obwohl Szenensicherheit fehlt | Gefährdet den nächsten Partner |
| Abgeschlossen ohne Fallbreite | Jemand mit 24 Transportfahrten ist kein Rettungssanitäter |
Prüfungen und Szenarien
Ein Ausbildungssystem ohne Prüfung ist eine Leseempfehlung. Dieses Kapitel liefert die Prüfungen — direkt übernehmbar.
1. Aufbau der Academy
Vier Termine:
| Termin | Inhalt | Kapitel |
|---|---|---|
| 1 — Theorie | Organisation, Qualifikationen, Funk, Meldebilder | 01–04 |
| 2 — Recht | Einwilligung, Scope, Dokumentation, Tod und DNR | 05–08 |
| 3 — Praxis trocken | Einsatzablauf, Beurteilung, Reanimation, Trauma | 09–12 |
| 4 — Prüfung | Schriftlich + drei praktische Szenarien | dieses Kapitel |
Danach Field Training nach Kapitel 16.
2. Schriftliche Prüfung
30 Fragen, Bestehensgrenze 24 von 30. Die mit ★ markierten sind Ausschlussfragen — wer eine davon falsch hat, ist unabhängig von der Gesamtpunktzahl durchgefallen.
Teil A — Organisation und Funk (10 Fragen)
| # | Frage |
|---|---|
| 1 | Was bedeutet Code 2, Code 3, Code 4? |
| 2 ★ | Was ist der Unterschied zwischen einem ALS- und einem BLS-Rescue? |
| 3 ★ | Was bedeutet Rescue 827 im Verhältnis zu Rescue 27? |
| 4 | Was bedeutet 11-41, 11-44, 11-80? |
| 5 | Aus welchen vier Teilen besteht eine Meldung an Dispatch? |
| 6 ★ | Nenne die sechs Bestandteile von ATMIST. |
| 7 | Wer erteilt eine medizinische Weisung im Einzelfall — und wie heißt die Rolle? |
| 8 ★ | Ein Patient hat Brustschmerz. Warum fährt er nicht ins nächste Krankenhaus? |
| 9 | Wann erklärt man ein MCI? |
| 10 ★ | Warum gibt es in Los Santos keinen Notarzt — und was fordert man stattdessen an? |
Teil B — Recht und Scope (10 Fragen)
| # | Frage |
|---|---|
| 11 ★ | Nenne die drei Kriterien der Einwilligungsfähigkeit. |
| 12 ★ | Ein orientierter Erwachsener lehnt den Transport ab. Was tust du? |
| 13 | Was ist Implied Consent und wann gilt er? |
| 14 | Kann ein 14-Jähriger eine Behandlung wirksam ablehnen? |
| 15 ★ | Nenne drei Maßnahmen, die ein EMT nicht durchführen darf. |
| 16 | Was darf ein EMT mit einer laufenden Infusion tun? |
| 17 ★ | Wann ist Base Contact erforderlich? Nenne drei Fälle. |
| 18 | Was bedeutet DNR — und was bedeutet es nicht? |
| 19 ★ | Nenne drei Zustände, bei denen eine Reanimation nicht begonnen wird. |
| 20 | Welche Verletzung muss der Polizei gemeldet werden, auch gegen den Willen des Patienten? |
Teil C — Praxis (10 Fragen)
| # | Frage |
|---|---|
| 21 ★ | Nenne die Reihenfolge des xABCDE. Was bedeutet das „x"? |
| 22 ★ | In welcher Reihenfolge steht Sicherheit? |
| 23 ★ | Bei welchen Patienten wird der Blutzucker gemessen? |
| 24 | Nenne die Stufenleiter der Blutungskontrolle. |
| 25 ★ | Warum ist ein normaler Blutdruck kein Ausschluss für einen Schock? |
| 26 | Nenne vier Trauma-Center-Kriterien. |
| 27 ★ | Was ist Schnappatmung und was folgt daraus? |
| 28 ★ | Nenne die vier START-Kategorien und die drei Prüfschritte. |
| 29 ★ | Was wird bei einer Sichtung behandelt — und was nicht? |
| 30 ★ | Bei welchen vier Meldebildern wartest du in Bereitstellung? |
3. Praktische Prüfung
Drei Szenarien. Alle drei müssen bestanden werden.
Szenario 1 — Medizinischer Notfall
Aufbau: Wohnung. Patient, 60, sitzt aufrecht, schwitzt, klagt über Druck auf der Brust seit 20 Minuten. Ein Angehöriger ist anwesend und nervös.
| # | Kriterium |
|---|---|
| 1 | Handschuhe vor dem Patientenkontakt |
| 2 | Vorgestellt, Erlaubnis eingeholt |
| 3 | Patient sitzen gelassen, nicht flach gelegt, nicht laufen lassen |
| 4 | xABCDE vollständig, in der Reihenfolge |
| 5 | Vitalwerte zweimal, Atemfrequenz gezählt |
| 6 | OPQRST und SAMPLER, Allergien erfragt |
| 7 | EKG (Paramedic) bzw. ALS nachgefordert (EMT) |
| 8 | Maßnahmen im Scope |
| 9 | Zielklinik STEMI Center, laut begründet |
| 10 | Voranmeldung nach ATMIST |
| 11 | Angehörigen einbezogen |
| 12 | Übergabe vollständig, PCR |
Automatisch nicht bestanden: flach gelegt · Scope überschritten · nächste statt richtige Klinik · keine Voranmeldung · Allergien nicht gefragt.
Szenario 2 — Trauma mit unsicherer Einsatzstelle
Aufbau: Meldebild „Shooting". Ein Patient im Hinterhof, Schussverletzung Oberschenkel mit spritzender Blutung. Ein zweiter, unentdeckter Einschuss am Rücken. Die Polizei gibt nach drei Minuten frei.
| # | Kriterium |
|---|---|
| 1 | Bereitstellung eingehalten, Position gefunkt |
| 2 | Erst nach ausdrücklicher Freigabe vorgefahren |
| 3 | Handschuhe |
| 4 | Blutung zuerst — vor dem Atemweg |
| 5 | Stufenleiter: Druck, dann Tourniquet hoch und fest |
| 6 | Tourniquet-Zeit notiert, sichtbar gelassen |
| 7 | Patient vollständig entkleidet, Kleidung an den Nähten |
| 8 | Zweiter Einschuss gefunden |
| 9 | Schockzeichen erkannt, gewärmt |
| 10 | Trauma Center, Voranmeldung |
| 11 | Unter 15 Minuten an der Einsatzstelle |
| 12 | Nichts weggeworfen, Waffe nicht angefasst, Meldepflicht beachtet |
Automatisch nicht bestanden: ohne Freigabe vorgefahren · zweiten Einschuss übersehen · Tourniquet-Zeit nicht notiert · nicht gewärmt · über 20 Minuten vor Ort · Waffe angefasst.
Szenario 3 — Einwilligung und Deeskalation
Aufbau: Ein Patient, 35, nach Sturz vom Fahrrad. Platzwunde am Kopf, war kurz bewusstlos, nimmt Blutverdünner, riecht nicht nach Alkohol, ist orientiert — und will nicht mitfahren.
Der Übungspatient handelt nach Rollenkarte: Er willigt am Ende in den Transport ein, wenn das Team ruhig bleibt, die Risiken konkret und ohne Drohung erklärt und ihm Alternativen anbietet. Er verweigert endgültig, wenn gedroht, gedrängt oder von oben herab gesprochen wird.
| # | Kriterium |
|---|---|
| 1 | Beurteilt, soweit erlaubt |
| 2 | Einwilligungsfähigkeit anhand der drei Kriterien geprüft |
| 3 | Blutverdünner erfragt — und die Bedeutung erkannt |
| 4 | Risiken konkret erklärt, nicht gedroht |
| 5 | Rückerzählen lassen |
| 6 | Alternativen angeboten |
| 7 | Als Hochrisiko-Verweigerung erkannt → Base-Rücksprache |
| 8 | Satz „wenn es schlimmer wird, rufen Sie sofort wieder an" gesagt |
| 9 | Dokumentiert |
| 10 | Kein Zwang, kein Festhalten |
Automatisch nicht bestanden: gedroht · gegen den Willen transportiert · Blutverdünner nicht erfragt · keine Base-Rücksprache · den Rückruf-Satz vergessen.
Dieses Szenario ist das wichtigste der drei. Wer 1 und 2 besteht und 3 nicht, ist technisch brauchbar und im Umgang mit Menschen eine Belastung — und der Rettungsdienst besteht überwiegend aus Umgang mit Menschen.
4. Weiterführende Szenarien
Für Fortbildung und regelmäßiges Training.
| # | Szenario | Prüft | Kapitel |
|---|---|---|---|
| 1 | Bewusstloser ohne Verletzung | Blutzucker | 10 |
| 2 | Schnappatmung | Stillstand erkennen | 11 |
| 3 | Reanimation mit vier Helfern | Führt einer, ohne zu drücken? | 11 |
| 4 | Reanimation 28 min, Asystolie | Base-Abbruch | 08 |
| 5 | Wie 4, Patient unterkühlt | Nicht abbrechen | 08 |
| 6 | Gültiges DNR, Angehöriger verlangt Reanimation | DNR schlägt Angehörigen | 08 |
| 7 | Zehn Patienten, Busunfall | START, MCI-Erklärung | 14 |
| 8 | Aufgewachter Opioid-Patient will gehen | AMA + Transportpflicht | 13 |
| 9 | 5150 mit Messer, nur selbstgefährdend | Einer redet, Blutzucker, kein Zwang | 15 |
| 10 | Gefesselter Patient bäuchlings, „kann nicht atmen" | Sofort umlagern | 15 |
| 11 | Officer down, sechs Officer vor Ort | Ein Behandlungsteam | 15 |
| 12 | Nach dem Tod: Ehefrau im Raum | Hinsetzen, klare Worte, bleiben | 08 |
| 13 | Kollege überschreitet seinen Scope | Schreitet er ein? | 06 |
Szenario 13 ist das unbequemste. Ein Anwärter, der zusieht, wie ein erfahrener Kollege eine Maßnahme außerhalb seines Scope durchführt, und nichts sagt, hat eine Dienstpflicht verletzt. Das muss geübt werden, weil es gegen jeden Gruppeninstinkt geht.
5. Bewertungsbogen
Zum Kopieren:
PRÜFUNGSBOGEN — LSFD EMS ACADEMY
────────────────────────────────────────────────
Anwärter: ______________________
Prüfer: ______________________
Datum: ______________________
Angestrebte Stufe: [ ] EMT [ ] Paramedic
SCHRIFTLICH
Punkte: ____ / 30 (>= 24 = bestanden)
Ausschlussfragen: [ ] alle richtig [ ] Fehler bei: ______
Ergebnis: [ ] bestanden [ ] nicht bestanden
PRAKTISCH
Szenario 1 — Medizinischer Notfall [ ] bestanden [ ] nicht
Szenario 2 — Trauma, unsichere Lage [ ] bestanden [ ] nicht
Szenario 3 — Einwilligung [ ] bestanden [ ] nicht
FALLBREITE IM FIELD TRAINING
[ ] Trauma [ ] Med. Notfall [ ] Reanimation
[ ] Verweigerung [ ] Mehrere Patienten
Stärkste Leistung:
____________________________________________
Kritischster Punkt:
____________________________________________
GESAMTERGEBNIS
[ ] Bestanden [ ] Wiederholung: ________
[ ] Nicht bestanden
Unterschrift Prüfer: ______________________
────────────────────────────────────────────────
Fehlerkatalog
Die Fehler aus allen Kapiteln, nach Schwere sortiert. Gedacht als Nachbesprechungshilfe: Wenn ein Einsatz schlecht gelaufen ist, findet man hier meistens, was es war.
1. Die zehn Fehler, die Rettungskräfte umbringen
In dieser Reihenfolge.
| # | Fehler | Wo |
|---|---|---|
| 1 | Ohne Freigabe in eine Polizeilage gefahren. Aus einem Patienten werden drei. | 09 · 15 |
| 2 | Fahrzeug in den fließenden Verkehr gestellt. Der nächste Unfall passiert im Rücken. | 09 |
| 3 | Sofort ausgestiegen und hingelaufen. Gefahren nicht erkannt. | 09 |
| 4 | Code 3 gefahren wie ein Rennen. Der Rettungswagen ist hoch, schwer und hat hinten jemanden stehen. | 04 |
| 5 | Hund, Nadel, Strom nicht bedacht. Die drei häufigsten Verletzungen im Rettungsdienst. | 09 |
| 6 | Keine Handschuhe. | 09 |
| 7 | Keine Warnkleidung auf der Straße. | 09 |
| 8 | Eigenhändig Zwang gegen einen wehrhaften Patienten. Nicht unser Auftrag. | 05 |
| 9 | Waffe angefasst. | 15 |
| 10 | Reihenfolge Ich–Team–Patient–Umstehende verlassen. | 09 |
2. Die zehn Fehler, die Patienten umbringen
| # | Fehler | Wo |
|---|---|---|
| 1 | Blutzucker nicht gemessen. Die häufigste verpasste behebbare Ursache — bei jeder Bewusstseinsstörung, jedem Verwirrten, jedem 5150. | 10 |
| 2 | Schnappatmung für Atmung gehalten. Verlorene Minuten, die man nicht zurückbekommt. | 11 |
| 3 | „Stay and Play" beim kritischen Patienten. Er braucht keinen Rettungsdienst, er braucht einen OP. | 10 · 12 |
| 4 | Schock erst bei niedrigem Blutdruck erkannt. Der Druck fällt spät. | 12 |
| 5 | Patient nicht vollständig entkleidet. Der zweite Einschuss, die Wunde am Rücken. | 10 · 12 |
| 6 | Nicht gewärmt. Unterkühlung bricht die Gerinnung. | 12 |
| 7 | Atemnotpatient flach gelegt. Sofortige Verschlechterung. | 13 |
| 8 | Betrunkenen mit Kopfverletzung als betrunken abgetan. | 13 |
| 9 | Gefesselten in Bauchlage gelassen oder „ich kann nicht atmen" als Widerstand gewertet. | 15 |
| 10 | Falsche Klinik. Der Patient wird zweimal transportiert, und die Zeit hatte er nicht. | 01 · 12 |
3. Fehler, die Verfahren zerstören
| Fehler | Folge | Wo |
|---|---|---|
| Maßnahme außerhalb des Scope | Zulassung in Gefahr, auch wenn es geholfen hat | 06 |
| Einwilligungsfähigen gegen seinen Willen transportiert | Übergriff | 05 |
| Ohne Einwilligung behandelt, obwohl Einwilligung möglich war | Dasselbe | 05 |
| AMA nicht dokumentiert | Rechtlich hat das Gespräch nicht stattgefunden | 05 |
| Weisung ausgeführt, ohne sie zurückzubestätigen | Verwechslungen | 06 |
| Reanimation abgebrochen ohne Base-Freigabe | Eigenmächtig | 08 |
| DNR ignoriert, weil ein Angehöriger drängte | Das Dokument schlägt den Angehörigen | 08 |
| Kein PCR | Der Einsatz existiert nicht, es gibt keine Vorgeschichte | 07 |
| Bericht beschönigt | Aus einem Fehler wird ein Dienstvergehen | 07 |
| Namen im Klartextfunk | Schweigepflicht | 07 |
| Schussverletzung nicht gemeldet | Meldepflicht verletzt | 07 |
| Kleidung durch das Einschussloch geschnitten | Beweismittel zerstört | 15 |
| Verbandmüll eingesammelt und weggeworfen | Dasselbe | 15 |
4. Fehler von Preceptors
| Fehler | Folge |
|---|---|
| Alles selbst gemacht | Der Anwärter hat zugeschaut, nicht gelernt |
| Vor dem Patienten korrigiert | Untergräbt ihn genau da, wo er Autorität braucht |
| Keine Nachbesprechung | Der Fehler wiederholt sich |
| Kein DOR | Keine Entwicklung nachvollziehbar |
| Zwanzig Kritikpunkte auf einmal | Keiner wird bearbeitet |
| Nur Kritik, kein Lob | Vorsicht statt Kompetenz |
| Eigene Abkürzungen weitergegeben | Fehler pflanzen sich fort |
| Bestanden ohne Fallbreite | 24 Transportfahrten sind keine Ausbildung |
| Bestanden trotz fehlender Szenensicherheit | Gefährdet den nächsten Partner |
5. Die Nachbesprechung
Nach jedem Einsatz, der schlecht gelaufen ist. Fünf Minuten, vier Fragen:
| # | Frage | Zweck |
|---|---|---|
| 1 | „Was hatte der Patient?" | Rekonstruktion. Deckt auf, dass zwei Leute verschiedene Einsätze erlebt haben |
| 2 | „An welcher Stelle hätte es anders laufen können?" | Sucht den Entscheidungspunkt, nicht den Schuldigen |
| 3 | „Was war der eine Fehler?" | Einer. Der wichtigste |
| 4 | „Was war gut?" | Nicht optional |
Und bei belastenden Einsätzen zusätzlich die Fragen aus Kapitel 15, Abschnitt 9 — was hat uns mitgenommen, braucht jemand mehr als dieses Gespräch.
Zwei Regeln: Sie richtet sich gegen den Ablauf, nicht gegen die Person. Und sie ist IC oder unter vier Augen oder im Team, aber nicht beides.
6. Die Kurzfassung
Wenn jemand nur eine Seite dieses Handbuchs liest, dann diese:
- Ich — Team — Patient — Umstehende. In dieser Reihenfolge.
- Handschuhe an, bevor du anfasst.
- Bei Shooting, Stabbing, Assault, Structure Fire: Bereitstellung. Warte auf Freigabe.
- Frag, bevor du anfasst. Erklär, bevor du machst.
- xABCDE, in der Reihenfolge. Spritzende Blutung zuerst.
- Blutzucker bei jeder Bewusstseinsstörung. Ohne Ausnahme.
- Der Kritische bleibt zehn Minuten, nicht dreißig.
- Wärmen. Immer.
- Die richtige Klinik, nicht die nächste. Und melde ihn vor.
- „Nein" ist eine gültige Antwort.
Meldebild-Karte
Zum Ausdrucken, Pinnen oder als Bild in den Discord. Eine Seite, alles Wesentliche.
╔══════════════════════════════════════════════════════════════════════════════╗
║ L S F D E M S — E I N S A T Z K A R T E ║
╠══════════════════════════════════════════════════════════════════════════════╣
║ ║
║ CALL SIGNS ║
║ Rescue 27 ALS-Krankenwagen der Wache 27 ║
║ Rescue 827 BLS-Krankenwagen derselben Wache (Wache + 800) ║
║ Rescue 906 BLS-Wagen der Wache 106 (>100: erste Stelle = 9) ║
║ Engine 27 Löschfahrzeug Battalion 11 Einsatzleitung ║
║ EMS 11 EMS Captain Air Ops 1 Hubschrauber ║
║ ║
╠══════════════════════════════════════════════════════════════════════════════╣
║ MELDUNG AN DISPATCH ║ BASE-REPORT — ATMIST ║
║ ║ ║
║ 1. WER Call Sign ║ A Age Alter, Geschlecht ║
║ 2. WO Position ║ T Time Wann ist es passiert ║
║ 3. WAS Lage + ZAHL ║ M Mechanism Was ist passiert ║
║ 4. BEDARF oder nichts ║ I Injuries Befunde, Kopf bis Fuß ║
║ ║ S Signs Vitalwerte, Bewusstsein ║
║ ║ T Treatment Gemacht + was du brauchst ║
╠══════════════════════════════════════════════════════════════════════════════╣
║ CODES ║ 11-CODES (VERKEHR) ║
║ ║ ║
║ Code 1 Bestätigen ║ 11-41 Rettungswagen erforderlich ║
║ Code 2 Dringend, ohne ║ 11-44 TODESOPFER am Einsatzort ║
║ Sondersignal ║ 11-80 Unfall, SCHWERE Verletzungen ║
║ Code 3 NOTFALL, Licht ║ 11-81 Unfall, leichte Verletzungen ║
║ und Sirene ║ 11-82 Unfall, nur Sachschaden ║
║ Code 4 Lage im Griff ║ 11-85 Abschleppwagen ║
║ Code 7 Pause ║ ║
║ ║ 10-CODES ║
║ MCI Level 1 ca. 6-15 ║ 10-4 Verstanden 10-20 Position? ║
║ MCI Level 2 ca. 16-50 ║ 10-8 Einsatzklar 10-23 Am Ort ║
║ MCI Level 3 ueber 50 ║ 10-9 Wiederholen 10-33 Kanal sperren ║
╠══════════════════════════════════════════════════════════════════════════════╣
║ xABCDE — REIHENFOLGE IST BINDEND ║
║ ║
║ x Spritzende Blutung? -> SOFORT stoppen, vor allem anderen ║
║ A Atemweg frei? -> freimachen, absaugen, lagern ║
║ B Atmung? -> Sauerstoff, beatmen, beide Seiten hoeren ║
║ C Kreislauf? -> Puls, Haut, Rekap, Blutdruck ║
║ D Defizit? -> AVPU, Pupillen + B L U T Z U C K E R ║
║ E Exposition -> entkleiden, anschauen, dann W A E R M E N ║
║ ║
║ AVPU: A wach · V auf Ansprache · P auf Schmerz · U keine Reaktion ║
╠══════════════════════════════════════════════════════════════════════════════╣
║ BLUTUNG — STUFENLEITER ║ SCHOCK — FRUEHZEICHEN ║
║ ║ ║
║ 1. Direkter Druck ║ Unruhe, Angst, Durst ║
║ 2. Druckverband ║ Haut blass, kalt, feucht ║
║ 3. Wundpackung ║ Puls schnell und schwach ║
║ 4. Tourniquet (Zeit!) ║ Atmung schnell ║
║ 5. Beckenschlinge ║ BLUTDRUCK NOCH NORMAL <- die Falle ║
╠══════════════════════════════════════════════════════════════════════════════╣
║ START — SICHTUNG BEI MANV ║
║ ║
║ Kann gehen? -------------------------------------------> GRUEN ║
║ Atmet nicht -> Atemweg frei -> atmet jetzt -----------> ROT ║
║ -> atmet nicht -----------> SCHWARZ ║
║ Atmung sehr schnell ------------------------------------> ROT ║
║ Rekap verzoegert ODER kein Radialispuls ----------------> ROT ║
║ Befolgt einfache Aufforderung nicht --------------------> ROT ║
║ Befolgt sie -------------------------------------------> GELB ║
║ ║
║ Max. 30 Sekunden pro Patient. Behandelt wird NUR: ║
║ Atemweg freimachen und lebensbedrohliche Blutung stoppen. ║
║ Jeder wird markiert — auch Gruen, auch Schwarz. ║
╠══════════════════════════════════════════════════════════════════════════════╣
║ ZIELKLINIK ║ BEREITSTELLUNG — NICHT VORFAHREN BEI ║
║ ║ ║
║ Trauma Center Trauma ║ Shooting ║
║ STEMI Center Herzinfarkt ║ Stabbing ║
║ Stroke Center Schlaganfall║ Assault ║
║ Burn Center Verbrennung ║ Structure Fire ║
║ Pediatric Kinder ║ ║
║ Psych Facility 5150 ║ Warten auf AUSDRUECKLICHE Freigabe! ║
║ ║ ║
║ Die RICHTIGE Klinik, ║ FAST bei Schlaganfall: ║
║ nicht die naechste. ║ Face · Arms · Speech · TIME ║
╠══════════════════════════════════════════════════════════════════════════════╣
║ DIE VIER FRAGEN — VOR JEDER HANDLUNG ║
║ ║
║ 1. Ist es sicher? ICH - TEAM - PATIENT - UMSTEHENDE ║
║ 2. Was hat er? xABCDE, strukturiert, nicht raten ║
║ 3. Darf ich das? Einwilligung + Scope ║
║ 4. Wer weiss es? Lage, ZAHL, Bedarf, Zielklinik gefunkt? ║
║ ║
║ Es gibt keinen Notarzt. Was du willst, ist ALS oder Base Contact. ║
╚══════════════════════════════════════════════════════════════════════════════╝
Mini-Karte für die Hosentasche
| Merksatz | |
|---|---|
| Sicherheit | Ich — Team — Patient — Umstehende |
| Beurteilung | x-A-B-C-D-E, Reihenfolge bindend |
| Immer | Handschuhe · Blutzucker · Wärmen |
| Kritisch | max. 10 Minuten vor Ort |
| Sichtung | Gehfähig = Grün · 30 s pro Patient · nur Atemweg und Blutung |
| Bereitstellung | Shooting · Stabbing · Assault · Structure Fire |
| Funk Dispatch | Wer — Wo — Was + Zahl — Bedarf |
| Funk Klinik | A-T-M-I-S-T |
| Klinik | Die richtige, nicht die nächste |
| Kein Notarzt | → ALS nachfordern oder Base Contact |
Glossar Deutsch / Englisch
Die englischen Begriffe sind die, die im Funk und Dienstbetrieb tatsächlich gesprochen werden. Deutsche Entsprechungen dienen dem Verständnis, nicht dem Gebrauch im Funk.
1. Organisation und Dienstbetrieb
| Englisch | Deutsch | Bedeutung |
|---|---|---|
| LAFD / LSFD | Feuerwehr Los Angeles / Los Santos | Führt in LA auch den Rettungsdienst |
| EMS (Emergency Medical Services) | Rettungsdienst | |
| EMS Bureau | Fachabteilung Rettungsdienst | Innerhalb der Feuerwehr |
| County EMS Agency | Landkreis-Rettungsdienstbehörde | Setzt die medizinischen Regeln |
| Prehospital Care Manual | Behandlungsleitlinien | Das Regelwerk der County-Behörde |
| Base Hospital | Funkleitklinik | Erteilt medizinische Weisungen im Einzelfall |
| MICN (Mobile Intensive Care Nurse) | Fachpflegekraft am Base-Funk | Die Rolle, die Weisungen gibt |
| Medical Director | Ärztliche Leitung | |
| Fire Station | Wache | „Station 27" |
| Engine | Löschfahrzeug | Besatzung mindestens EMT |
| Truck | Drehleiter / technische Rettung | |
| Rescue Ambulance (RA) | Rettungswagen | Im Funk „Rescue" |
| Squad / USAR | Technische Rettung, schwere Bergung | |
| Battalion Chief | Bataillonsführer | Übernimmt die Einsatzleitung an größeren Lagen |
| EMS Captain | Fachaufsicht Rettungsdienst im Feld | |
| Attendant | Betreuer am Patienten | Beurteilt, behandelt, entscheidet |
| Driver / Operator | Fahrer | Funkt, holt Material, dokumentiert |
| Preceptor | Praxisanleiter | Gegenstück zum T.O. bei der Polizei |
| Field Training Program | Praxisausbildung | |
| DOR (Daily Observation Report) | Tagesbeurteilung | |
| Staging | Bereitstellung | Warten in sicherer Entfernung |
| Trauma Center | Traumazentrum | |
| STEMI Receiving Center | Herzkatheterklinik | |
| Stroke Center | Schlaganfallzentrum | |
| Burn Center | Verbrennungszentrum |
2. Qualifikationen
| Englisch | Deutsch | Bedeutung |
|---|---|---|
| EMT (Emergency Medical Technician) | Rettungssanitäter, Grundstufe | Nicht-invasiv |
| AEMT (Advanced EMT) | Zwischenstufe | Zugang, begrenzte Medikamente |
| Paramedic | Höchste präklinische Stufe | Intubation, EKG, Medikamente |
| Firefighter/Paramedic | Doppelfunktion | Feuerwehrmann und Paramedic |
| BLS (Basic Life Support) | Grundversorgung | |
| ALS (Advanced Life Support) | Erweiterte Versorgung | |
| Scope of Practice | Befugnisrahmen | Was eine Stufe tun darf |
| Standing Orders | Vorab-Weisungen | Erlauben Handeln ohne Rückfrage |
| Base Contact | Rücksprache mit der Funkleitklinik |
3. Beurteilung und Behandlung
| Englisch | Deutsch | Bedeutung |
|---|---|---|
| Primary Survey | Erstuntersuchung | Findet, was tötet |
| Secondary Survey | Zweituntersuchung | Findet alles Übrige |
| xABCDE | — | Blutung, Atemweg, Beatmung, Kreislauf, Defizit, Exposition |
| AVPU | — | Wach · auf Ansprache · auf Schmerz · keine Reaktion |
| GCS (Glasgow Coma Scale) | Glasgow-Koma-Skala | |
| SAMPLER | — | Symptome, Allergien, Medikamente, Vorerkrankungen, letzte Mahlzeit, Ereignis, Risiken |
| OPQRST | — | Schmerzanamnese |
| ATMIST | — | Meldeschema an die Klinik |
| Capillary Refill | Rekapillarisierungszeit | Wie schnell die Haut nach Druck wieder rosig wird |
| Vital Signs | Vitalwerte | |
| Bag-Valve Mask (BVM) | Beatmungsbeutel | |
| AED | Automatisierter externer Defibrillator | |
| ROSC (Return of Spontaneous Circulation) | Wiedereinsetzen des Kreislaufs | |
| CPR | Herz-Lungen-Wiederbelebung | |
| Agonal Breathing | Schnappatmung | Sieht wie Atmung aus, ist keine |
| Tourniquet | Abbindesystem | |
| Wound Packing | Wundpackung | |
| Pelvic Binder | Beckenschlinge | |
| Spinal Motion Restriction | Wirbelsäulenimmobilisation | |
| Tension Pneumothorax | Spannungspneumothorax | |
| Anaphylaxis | Anaphylaxie | Schwere allergische Reaktion |
| Hypoglycemia | Unterzuckerung | |
| CVA / Stroke | Schlaganfall | |
| STEMI | Herzinfarkt mit typischem EKG-Befund | |
| FAST | — | Face, Arms, Speech, Time |
| Overdose (OD) | Überdosis | |
| Naloxone | Opioid-Gegenmittel |
4. Recht und Dokumentation
| Englisch | Deutsch | Bedeutung |
|---|---|---|
| Expressed Consent | Ausdrückliche Einwilligung | |
| Implied Consent | Stillschweigende Einwilligung | Notfall, Patient kann nicht einwilligen |
| Capacity | Einwilligungsfähigkeit | Verstehen, begründen, unbeeinträchtigt |
| AMA (Against Medical Advice) | Behandlungsverweigerung | |
| Emancipated Minor | Emanzipierter Minderjähriger | Entscheidet wie ein Erwachsener |
| DNR (Do Not Resuscitate) | Reanimationsverzicht | |
| POLST | Ärztliche Festlegung zur Behandlung am Lebensende | Differenzierter als DNR |
| Advance Directive | Patientenverfügung | |
| Termination of Resuscitation | Reanimationsabbruch | |
| DOA (Dead on Arrival) | Tot aufgefunden | |
| Coroner | Leichenschauamt | Wird über die Polizei angefordert |
| PCR (Patient Care Report) | Einsatzbericht | |
| HIPAA | US-Datenschutzrecht im Gesundheitswesen | Hier: Schweigepflicht |
| Chain of Custody | Beweismittelkette | |
| Mandatory Reporting | Meldepflicht | Schuss- und Stichverletzungen, Misshandlung |
| Title 22 CCR | Kalifornische Rechtsgrundlage des Scope | |
| 5150 | Psychiatrische Zwangsunterbringung | Bis 72 Stunden |
5. Lagearten
| Englisch | Deutsch |
|---|---|
| MCI (Mass Casualty Incident) | MANV — Massenanfall von Verletzten |
| START | Sichtungsverfahren (Simple Triage and Rapid Treatment) |
| Triage | Sichtung |
| Immediate / Delayed / Minor / Expectant | Rot / Gelb / Grün / Schwarz |
| Treatment Area | Behandlungsplatz |
| Transport Officer | Transportabschnittsleiter |
| Traffic Collision (TC) | Verkehrsunfall |
| Man Down | Person liegt, Ursache unklar |
| Cardiac Arrest | Herz-Kreislauf-Stillstand |
| Chest Pain | Brustschmerz |
| Difficulty Breathing | Atemnot |
| Seizure | Krampfanfall |
| Structure Fire | Gebäudebrand |
| Officer Down | Verletzter Polizist |
| Rescue Task Force | Rettungstrupp unter Polizeischutz |
Funksprüche-Spickzettel
Fertige Formulierungen. Zwei Empfänger, zwei Schemata — siehe
Kapitel 03. Platzhalter in ⟨spitzen Klammern⟩ ersetzen.
1. Dienstbetrieb
| Anlass | Funkspruch |
|---|---|
| Dienstantritt | „Dispatch, Rescue 27 im Dienst, 10-8." |
| Dienstende | „Rescue 27, außer Dienst, 10-7." |
| Bestätigen | „Rescue 27, verstanden." / „10-4." |
| Nicht verstanden | „Dispatch von Rescue 27, bitte wiederholen." |
| Position | „Rescue 27, Position ⟨Straße⟩, Ecke ⟨Straße⟩." |
| Pause | „Rescue 27, Code 7, ⟨Ort⟩." |
| Wieder verfügbar | „Rescue 27, wieder einsatzklar." |
2. Anfahrt und Ankunft
| Anlass | Funkspruch |
|---|---|
| Einsatz übernehmen | „Rescue 27, verstanden, sind unterwegs, Code 3." |
| Code 2 fahren | „Rescue 27, sind unterwegs, Code 2." |
| Ankunft | „Rescue 27, am Einsatzort, ⟨Adresse⟩." |
| Lagemeldung | „Rescue 27, Lagemeldung: ⟨Zahl⟩ Patient(en), ⟨Geschlecht, Alter⟩, ⟨Zustand in einem Satz⟩. ⟨Bedarf oder: kein weiterer Bedarf⟩." |
| Fehlalarm | „Rescue 27, kein Patient vor Ort, wieder einsatzklar." |
| Lage beendet | „Rescue 27, Code 4." |
3. Nachforderungen
| Anlass | Funkspruch |
|---|---|
| Zweiter Rettungswagen | „Rescue 27, brauchen einen zweiten Rescue an ⟨Adresse⟩, ⟨Zahl⟩ Patienten, ⟨Grund⟩." |
| ALS nachfordern | „Rescue 827, wir sind BLS, brauchen ALS an ⟨Adresse⟩, ⟨Befund⟩, Code 3." |
| EMS Captain | „Rescue 27, brauchen EMS Captain an ⟨Adresse⟩." |
| Battalion | „Rescue 27, brauchen Battalion an ⟨Adresse⟩, ⟨Grund⟩." |
| Engine (mehr Hände) | „Rescue 27, brauchen eine Engine an ⟨Adresse⟩, Reanimation läuft." |
| Technische Rettung | „Rescue 27, brauchen Truck an ⟨Adresse⟩, Person eingeklemmt." |
| Polizei | „Rescue 27, brauchen LSPD an ⟨Adresse⟩, ⟨Grund⟩, Code 3." |
| Hubschrauber | „Rescue 27, erbitten Air Ops an ⟨Adresse⟩, ⟨Grund⟩." |
| Abschleppwagen | „Rescue 27, 11-85 an ⟨Adresse⟩." |
| Eigener Notruf | „Rescue 27, Mayday! ⟨Adresse⟩! ⟨Lage in drei Worten⟩! Brauchen LSPD Code 3!" |
4. Bereitstellung
| Anlass | Funkspruch |
|---|---|
| Bereitstellung melden | „Rescue 27 in Bereitstellung, Ecke ⟨Straße⟩ und ⟨Straße⟩, warten auf Freigabe durch LSPD." |
| Nachfragen | „LSPD von Rescue 27: Lagestand an ⟨Adresse⟩? Wir stehen seit ⟨Minuten⟩ in Bereitstellung." |
| Freigabe bestätigen | „Rescue 27, verstanden, fahren vor." |
| Rückzug | „Rescue 27, ziehen zurück in die Bereitstellung, Einsatzstelle nicht sicher." |
5. Transport
| Anlass | Funkspruch |
|---|---|
| Transport melden | „Rescue 27, Transport zu ⟨Klinik⟩, ⟨Zahl⟩ Patient(en), Code ⟨2/3⟩, ⟨Zahl⟩ Begleiter." |
| Verschlechterung | „Rescue 27, Patient verschlechtert sich, gehen auf Code 3, ⟨Befund⟩." |
| Klinikwechsel | „Rescue 27, ändern Ziel auf ⟨Klinik⟩, Grund: ⟨Grund⟩." |
| Ankunft Klinik | „Rescue 27, an ⟨Klinik⟩." |
| Übergeben | „Rescue 27, übergeben, reinigen und melden uns." |
| Keine Transportnotwendigkeit | „Rescue 27, Patient bleibt vor Ort, kein Transport, Verweigerung dokumentiert." |
6. Base Hospital — Voranmeldung
Schema ATMIST. Immer mit der Klinik ansprechen, damit erkennbar ist, an wen es geht.
„⟨Klinik⟩ von Rescue 27, Voranmeldung. ⟨Geschlecht, Alter⟩. Ereignis vor ⟨Zeit⟩, ⟨Mechanismus⟩. ⟨Befunde, Kopf bis Fuß⟩. ⟨Bewusstsein, Vitalwerte⟩. ⟨Maßnahmen⟩. Erbitten ⟨Bedarf⟩. Ankunft in etwa ⟨Minuten⟩ Minuten."
Beispiele
Trauma:
„Pillbox Hill von Rescue 27, Voranmeldung. Männlich, etwa 40. Ereignis vor 15 Minuten, Sturz aus vier Metern. Offene Unterschenkelfraktur links, Prellmarke Brustkorb rechts, Atemgeräusch rechts abgeschwächt. Wach und orientiert, Kreislauf grenzwertig, Atmung angestrengt. Sauerstoff läuft, Blutung gestillt, Zugang liegt, immobilisiert. Erbitten Schockraum und Traumateam. Ankunft in acht Minuten."
Herzinfarkt:
„Central von Rescue 27, Voranmeldung, STEMI. Männlich, etwa 60. Beschwerden seit 40 Minuten, Druck retrosternal mit Ausstrahlung in den linken Arm. Kaltschweißig, Kreislauf stabil. 12-Kanal-EKG abgeleitet, Befund passend. ASS und Nitro gegeben, Zugang liegt, Schmerztherapie erfolgt. Erbitten Katheterlabor. Ankunft in sechs Minuten."
Schlaganfall:
„Central von Rescue 27, Voranmeldung, Stroke Alert. Weiblich, etwa 70. Letzter symptomfreier Zeitpunkt: 23 Uhr gestern Abend, mit Symptomen aufgewacht. Hängender Mundwinkel rechts, Arm rechts sinkt ab, Sprache verwaschen. Wach, orientiert, Kreislauf stabil, Blutzucker normal. Sauerstoff, Zugang liegt, Oberkörper erhöht. Erbitten Stroke Team und Bildgebung. Ankunft in zehn Minuten."
Nach Reanimation:
„Pillbox Hill von Rescue 27, Voranmeldung, hohe Priorität. Männlich, etwa 60. Beobachteter Kollaps vor 20 Minuten, Reanimation durch uns, ROSC seit vier Minuten. Bewusstlos, beatmet, Kreislauf grenzwertig, EKG abgeleitet. Erbitten Schockraum und Kardiologie. Ankunft in sechs Minuten."
7. Base Hospital — Weisung erbitten
| Anlass | Funkspruch |
|---|---|
| Weisung | „Base von Rescue 27, erbitte Weisung: ⟨Lage in zwei Sätzen⟩. Erbitten ⟨Maßnahme⟩." |
| Zurückbestätigen | „Verstanden, Base: ⟨Maßnahme⟩ freigegeben. Rescue 27 führt aus." |
| Reanimationsabbruch | „Base von Rescue 27, erbitte Weisung zum Reanimationsabbruch. ⟨Alter, Geschlecht⟩, ⟨Dauer⟩, Atemweg gesichert, durchgehend ⟨Rhythmus⟩, keine reversible Ursache, keine Unterkühlung. Erbitten Abbruch." |
| Hochrisiko-Verweigerung | „Base von Rescue 27, Hochrisiko-Verweigerung. ⟨Alter, Geschlecht⟩, ⟨Befund⟩, einwilligungsfähig, lehnt Transport ab. Erbitten Rat." |
| Klinik überfüllt | „Base von Rescue 27, ⟨Klinik⟩ meldet Aufnahmestopp. Erbitten Alternativziel für ⟨Befund⟩." |
8. MANV
| Anlass | Funkspruch |
|---|---|
| Erstmeldung | „Dispatch von Rescue 27: Ich erkläre MCI Level ⟨1/2/3⟩. ⟨Ort und Ursache⟩. Etwa ⟨Zahl⟩ Patienten. ⟨Gefahren⟩. Brauchen ⟨Bedarf⟩. Zufahrt über ⟨Weg⟩. Rescue 27 übernimmt vorläufig die Einsatzleitung Rettungsdienst und beginnt die Sichtung." |
| Sichtungsergebnis | „Rescue 27, Sichtung abgeschlossen: ⟨Zahl⟩ Rot, ⟨Zahl⟩ Gelb, ⟨Zahl⟩ Grün, ⟨Zahl⟩ Schwarz." |
| Behandlungsplatz | „Rescue 27, Behandlungsplatz eingerichtet ⟨Ort⟩." |
| Führung übergeben | „Rescue 27 an EMS 11: Übergabe der Einsatzleitung. ⟨Lage, Zahlen, Abschnitte, offene Punkte⟩." |
| Kliniken verteilen | „Transport an Dispatch: Erbitten Aufnahmekapazität. Zwei Rot nach Pillbox, einer nach Central." |
| Rücknahme | „Rescue 27, MCI-Erklärung wird zurückgenommen, Lage ist mit den anwesenden Kräften beherrschbar." |
9. Patientenbeschreibung im Funk
Keine Namen, keine Adressen in Verbindung mit Diagnosen — siehe Kapitel 07.
⟨Geschlecht⟩ → ⟨geschätztes Alter⟩ → ⟨Bewusstsein⟩ → ⟨Hauptbefund⟩ → ⟨Zustand: stabil / instabil / kritisch⟩
„Männlich, etwa 40, wach und orientiert, offene Unterschenkelfraktur, stabil." „Weiblich, etwa 70, reagiert nur auf Schmerzreiz, Verdacht auf Schlaganfall, instabil."
10. Die fünf Sprüche, die jeder können muss
1. "Rescue 27, am Einsatzort, ⟨Adresse⟩."
2. "Rescue 27, Lagemeldung: ⟨Zahl⟩ Patienten, ⟨Zustand⟩,
⟨Bedarf oder kein weiterer Bedarf⟩."
3. "Rescue 827, wir sind BLS, brauchen ALS an ⟨Adresse⟩, ⟨Befund⟩, Code 3."
4. "⟨Klinik⟩ von Rescue 27, Voranmeldung. ⟨ATMIST⟩."
5. "Rescue 27, wieder einsatzklar."