LS Los Santos Fire Department — EMS Bureau Rettungsdienst
Los Santos Fire Department — EMS Bureau Kapitel 07 von 19 Nur für den Dienstgebrauch
Teil II — Recht und Befugnisse

Dokumentation und Schweigepflicht

Zwei Pflichten, die im Alltag zuerst untergehen — und deren Fehlen man sofort merkt, weil dann jeder alles über jeden weiß und von keinem Einsatz eine Spur bleibt.


1. Der Patient Care Report (PCR)

Der Einsatzbericht. Er ist die einzige Spur, die von einem Einsatz bleibt, und er hat drei Adressaten: die Klinik, die Qualitätssicherung und im Streitfall das Gericht.

Was hineingehört

Feld Inhalt
Wer Patient (Name, Alter, Geschlecht), Besatzung, Call Sign
Wann / Wo Alarmzeit, Ankunft, Abfahrt, Klinikankunft, Einsatzort
Meldebild Was durchgegeben wurde
Vorgeschichte Was der Patient und Umstehende berichten, wörtlich wo es zählt
Befund Primary und Secondary Survey, Vitalwerte mit Uhrzeit, im Verlauf
Maßnahmen Was wurde gemacht, wann, mit welchem Ergebnis
Medikamente Mittel, Menge, Weg, Zeit, Wirkung, wer gab es
Base Contact Ob, wann, mit wem, welche Weisung
Verlauf Verschlechterung, Verbesserung, Besonderheiten
Übergabe An wen, wann, was gesagt
Warum Die Begründung für Zielklinik, Fahrweise, Verzicht auf Maßnahmen
Hinweis

Das „Warum"-Feld ist der Bericht. Alles andere ist Formalie. Warum diese Klinik, warum Code 3, warum kein Zugang, warum kein Transport — das sind die Entscheidungen, die später hinterfragt werden. Wer sie nicht begründet hat, hat sie nicht getroffen, sondern ist in sie hineingerutscht.

Die drei Regeln

  1. Vitalwerte mit Zeitstempel und mehrfach. Ein einzelner Blutdruck ist eine Zahl. Zwei Blutdrücke im Abstand von zehn Minuten sind eine Aussage.
  2. Zitieren, nicht zusammenfassen, wo es zählt. „Patient gibt an: ‚Es fühlt sich an wie ein Elefant auf der Brust'" ist wertvoller als „Patient berichtet Brustschmerz".
  3. In derselben Schicht. Ein Bericht am nächsten Tag ist eine Erinnerung, kein Bericht.

Was nicht hineingehört

Nicht
Werturteile über den Patienten („Simulant", „wollte nur Aufmerksamkeit")
Vermutungen als Befund getarnt
Diagnosen, die du nicht stellen darfst
Lücken, die verdecken, dass etwas schiefging
Warnung

Ein beschönigter Bericht ist gefährlicher als ein Fehler. Der Fehler ist ein Vorfall, die Beschönigung ist ein Dienstvergehen — und der schnellste Weg zu einem Verfahren der Dienstaufsicht.


2. Schweigepflicht

Patientendaten sind vertraulich. In den USA regelt das HIPAA; für dieses Handbuch reicht der Grundsatz:

Grundsatz

Was du über einen Patienten erfährst, erfährst du für die Behandlung — nicht für Gespräche.

Wem du es sagen darfst

Darf Nicht
Der aufnehmenden Klinik Kollegen auf der Wache, „weil's interessant war"
Dem Base Hospital Angehörigen ohne Zustimmung des Patienten
Kollegen in diesem Einsatz Der Presse, auch nicht andeutungsweise
Der Polizei, soweit es eine Straftat betrifft Der Polizei alles Übrige
Der Qualitätssicherung im Nachgang Im offenen Funk

Der Funk ist nicht vertraulich

Deshalb keine Namen im Klartextfunk, keine Adressen in Verbindung mit Diagnosen. Im Funk heißt der Patient „männlich, etwa 40", nicht „Herr Müller".

Wo die Schweigepflicht endet

Ausnahme
Unmittelbare Gefahr für den Patienten oder andere
Meldepflichten — Schuss- und Stichverletzungen, Verdacht auf Misshandlung von Kindern oder älteren Menschen, bestimmte Infektionen
Gerichtliche Anordnung
Einwilligung des Patienten

Die Meldepflicht bei Schuss- und Stichverletzungen ist die praktisch wichtigste: Eine solche Verletzung wird der Polizei gemeldet, auch wenn der Patient das nicht will.


3. Die Übergabe in der Klinik

Der Moment, in dem Dokumentation mündlich wird. Sie hat ein festes Format — dasselbe ATMIST wie die Voranmeldung, plus das, was seit der Voranmeldung passiert ist.

# Schritt
1 An wen übergebe ich — Namen erfragen, nicht in den Raum sprechen
2 ATMIST aus Kapitel 03
3 Was hat sich geändert seit der Voranmeldung
4 Was habe ich gegeben, wann, mit welcher Wirkung
5 Was ist offen — was wollte ich noch, was hat nicht geklappt
6 Rückfragen abwarten
7 PCR übergeben bzw. digital freigeben
Hinweis

Die Übergabe ist erst zu Ende, wenn die Klinik es sagt. Wer die Trage abstellt und geht, hat den Patienten nicht übergeben, sondern abgestellt.


4. Beweismittel und Tatorte

Wenn der Einsatz gleichzeitig ein Tatort ist, hat der Rettungsdienst eine zweite Pflicht: so wenig zu verändern wie möglich. Details in Kapitel 15, hier die Dokumentationsseite:

Regel
Nichts wegwerfen. Verbandmaterialreste, abgeschnittene Kleidung, Ampullen — alles bleibt
Kleidung an den Nähten schneiden, nicht durch Einschusslöcher
Was du bewegt hast, sagst du der Polizei — und schreibst es in den PCR
Wo du gelaufen bist, möglichst auf einem Weg rein und raus
Wer war da, als du ankamst
Was der Patient gesagt hat, wörtlich — kann später eine Aussage sein

Der letzte Punkt ist der, den die Polizei am häufigsten braucht: Was ein Verletzter dem Sanitäter sagt, bevor er das Bewusstsein verliert, ist manchmal der einzige Hinweis, den es gibt.


5. Typische Fehler

Fehler Folge
Kein Bericht Der Einsatz existiert nicht, es gibt keine Vorgeschichte für den nächsten
Nur ein Satz Vitalwerte Kein Verlauf, keine Aussage
Werturteile im Bericht Beschwerdegrund, und vor Gericht peinlich
Bericht beschönigt Aus einem Fehler wird ein Dienstvergehen
Namen im Funk Bricht die Schweigepflicht
Patientengeschichten auf der Wache erzählt Dasselbe, nur gemütlicher
Trage abgestellt und gegangen Keine Übergabe
Kleidung durch das Einschussloch geschnitten Beweismittel zerstört
Verbandmüll eingesammelt und weggeworfen Dasselbe
Schussverletzung nicht gemeldet Meldepflicht verletzt

Dazu im Hub