LS Los Santos Fire Department — EMS Bureau Rettungsdienst
Los Santos Fire Department — EMS Bureau Kapitel 12 von 19 Nur für den Dienstgebrauch
Teil III — Einsatztaktik

Trauma und Blutungskontrolle

Trauma ist der häufigste schwere Einsatz — Schüsse, Stiche, Verkehrsunfälle, Stürze. Dieses Kapitel entscheidet deshalb am meisten darüber, wie gut ein Rettungsdienst arbeitet.

Der Grundsatz:

Hinweis

Der Schwerverletzte braucht keinen Rettungsdienst. Er braucht einen Operationssaal. Unsere Aufgabe ist, ihn dorthin zu bringen — nicht, ihn vor Ort zu heilen.


1. Der Unterschied zum medizinischen Notfall

Medizinischer Notfall Trauma
Ziel vor Ort Ursache finden und behandeln Stabilisieren und transportieren
Zeit vor Ort Kann länger sein So kurz wie möglich
Was hilft Medikamente, Beurteilung Blutung stoppen, Sauerstoff, Wärme, Fahren
Zielklinik Nach Fachgebiet Trauma Center, wenn Kriterien erfüllt

Die Zehn-Minuten-Regel aus Kapitel 10 gilt hier besonders: Beim kritischen Traumapatienten nicht länger als etwa zehn Minuten an der Einsatzstelle. Zugang legen, Werte messen, schienen — alles, was im fahrenden Wagen geht, passiert im fahrenden Wagen.


2. Blutungskontrolle — die Stufenleiter

Das x aus dem xABCDE. Es wird in dieser Reihenfolge eskaliert, und jede Stufe wird ausprobiert, bevor die nächste kommt:

Stufe Maßnahme Wann
1 Direkter Druck Immer zuerst. Mit der Hand, fest, auf die Blutungsquelle — nicht daneben
2 Druckverband Wenn der Druck hält und man die Hand braucht
3 Wundpackung Bei tiefen Wunden an Rumpf-Übergängen (Leiste, Achsel, Hals), wo kein Tourniquet greift
4 Tourniquet Bei lebensbedrohlicher Blutung an Arm oder Bein, die mit Druck nicht steht
5 Beckenschlinge Bei Verdacht auf Beckenverletzung — dort blutet man innerlich aus

Tourniquet

Regel
Hoch und fest. Oberhalb der Verletzung, nicht direkt am Rand
Zuziehen, bis die Blutung steht. Ein Tourniquet, das noch bluten lässt, ist ein Stauschlauch und verschlimmert es
Zeitpunkt notieren — auf dem Tourniquet selbst und im PCR. Die Klinik muss es wissen
Nicht wieder lösen. Das entscheidet die Klinik, nicht der Rettungsdienst
Sichtbar lassen. Nicht unter eine Decke
Es tut weh. Das ist kein Zeichen eines Fehlers
Warnung

Das Tourniquet ist bei lebensbedrohlicher Extremitätenblutung die richtige Maßnahme und kein letztes Mittel. Der historische Reflex „nur im äußersten Notfall" hat Menschen das Leben gekostet. Umgekehrt gilt: Auf einer Platzwunde am Unterarm hat es nichts zu suchen.

Innere Blutung

Die, die man nicht sieht und nicht stillen kann. Verdacht bei:

Zeichen
Schockzeichen ohne sichtbare äußere Blutung
Bauch gespannt, druckschmerzhaft, wird härter
Beckenverletzung
Sturz aus Höhe, Hochrasanztrauma
Rippenbrüche, Prellmarke am Rumpf
Blutverdünner in der Medikation

Behandlung: Es gibt keine vor Ort. Sauerstoff, Wärme, Lagerung, Transport ins Trauma Center, Voranmeldung mit dem Wort „Verdacht auf innere Blutung". Der Rest ist Chirurgie.


3. Schock

Schock ist Kreislaufversagen — nicht Aufregung. Er ist der Zustand, an dem Traumapatienten sterben, und er wird regelmäßig zu spät erkannt.

Zeichen

Früh Spät
Unruhe, Angst, „mir ist schlecht" Bewusstseinstrübung
Blasse, kalte, feuchte Haut Grau-marmorierte Haut
Puls schnell und schwach Puls kaum tastbar
Atmung schnell Atmung unregelmäßig
Durst Kein Blutdruck mehr messbar
Blutdruck noch normal
Die Falle

Der Blutdruck fällt spät. Ein junger Mensch kann einen erheblichen Blutverlust lange mit Herzfrequenz kompensieren — und bricht dann plötzlich ein. Wer auf einen niedrigen Blutdruck wartet, um einen Schock zu diagnostizieren, diagnostiziert ihn im Moment des Zusammenbruchs.

Ein schneller Puls bei kalter, feuchter Haut ist ein Schock. Punkt.

Behandlung

Maßnahme
Blutung stoppen — das ist die Behandlung
Sauerstoff
Flach lagern, Beine hoch, solange es keine Kontraindikation gibt
Wärmen — Decke, Heizung im Fahrzeug hoch. Unterkühlung verschlechtert die Gerinnung
Volumen im Rahmen des Scope (AEMT/Paramedic)
Transport, Code 3, Trauma Center

Der Dreiklang, an dem Traumapatienten sterben: Unterkühlung, Übersäuerung, Gerinnungsstörung. Das einzige davon, was der Rettungsdienst beeinflussen kann, ist die Temperatur. Deshalb ist die Decke keine Freundlichkeit, sondern Therapie.


4. Trauma-Center-Kriterien

Wann der Patient nicht in das nächste Krankenhaus fährt, sondern in ein Trauma Center. In LA County ist das nach festen Kriterien geregelt; sinngemäß:

Vitalparameter

Kriterium
Anhaltende Zeichen schlechter Durchblutung
Beatmungspflichtigkeit
Deutlich eingeschränktes Bewusstsein oder Verschlechterung im Verlauf
Bedarf an sofortiger Blutgabe

Verletzungsmuster

Kriterium
Penetrierende Verletzung von Kopf, Hals, Brust oder Bauch
Extremitätenverletzung mit fehlendem Puls oder Nervenausfall
Zwei oder mehr Brüche langer Röhrenknochen
Instabiler Brustkorb, instabiles Becken
Amputation oberhalb von Hand oder Fuß
Lähmung, Verdacht auf Wirbelsäulenverletzung mit Ausfällen
Schwere Verbrennung — oder Burn Center

Unfallmechanismus

Kriterium
Sturz aus erheblicher Höhe
Hochrasanzunfall, Insasse eingeklemmt oder Mitinsasse verstorben
Fußgänger oder Radfahrer von einem Fahrzeug erfasst
Motorradunfall mit Trennung von Fahrer und Maschine

Und die Zeile, die alle anderen schlägt

Einschätzung der Einsatzkräfte

Ein Patient, bei dem eine lebens- oder gliedmaßenerhaltende Maßnahme innerhalb der nächsten Stunden wahrscheinlich nötig wird, gehört ins Trauma Center — auch wenn er formal kein Kriterium erfüllt.

Das ist kein Hintertürchen, sondern ausdrücklich vorgesehen. Wenn dein Bauch sagt „der ist schlechter, als er aussieht", dann fährst du ins Trauma Center und begründest es im PCR.


5. Schuss- und Stichverletzungen

In Los Santos ein Standardeinsatz, deshalb ein eigener Abschnitt.

# Besonderheit
1 Einsatzstelle ist bis zur Freigabe unsicher. Staging, siehe Kapitel 09. Der Täter ist erstaunlich oft noch da
2 Alle Wunden finden. Ein Einschuss hat oft einen Ausschuss, und Patienten werden mehrfach getroffen. Vollständig entkleiden, Rücken und Achseln ansehen
3 Zählen und dokumentieren. Wie viele Wunden, wo. Die Polizei braucht das, und die Klinik auch
4 Nicht sondieren. Nicht hineinfassen, nicht messen, nichts herausziehen
5 Steckengebliebene Gegenstände bleiben stecken und werden stabilisiert — nicht gezogen
6 Offene Brustwunde: abdecken nach lokaler Leitlinie, Atmung eng überwachen. Verschlechterung unter Beatmung → Verdacht auf Spannungspneumothorax → Paramedic
7 Meldepflicht. Schuss- und Stichverletzungen werden der Polizei gemeldet, auch wenn der Patient es nicht will (Kapitel 07)
8 Beweismittel schonen — Kleidung an den Nähten schneiden, nicht durch die Löcher. Nichts wegwerfen (Kapitel 15)
9 Was der Patient sagt, wörtlich notieren. Manchmal die einzige Aussage, die es gibt

6. Immobilisation

Der Bereich, in dem sich die Praxis am stärksten gewandelt hat. Früher wurde jeder Verkehrsunfallpatient auf ein Brett geschnallt; heute wird zurückhaltender immobilisiert, weil die Maßnahme selbst Schaden anrichten kann.

Immobilisieren bei Nicht nötig bei
Schmerz oder Druckschmerz an der Wirbelsäule Wachem, orientiertem Patienten ohne Nacken- oder Rückenschmerz und ohne Ausfälle
Neurologischen Ausfällen, Kribbeln, Lähmung
Bewusstseinsstörung nach Trauma
Erheblicher Verletzungsmechanismus mit unklarem Befund
Alkohol- oder Drogeneinfluss, der die Beurteilung unmöglich macht

Wie: Kopf in Neutralposition, achsengerecht bewegen, möglichst wenig umlagern. Beim kritischen Patienten hat die Immobilisation Vorrang hinter dem Transport — niemand stirbt an einer nicht angelegten Halskrause, aber viele an zehn verlorenen Minuten.


7. Trainingsszenario

Runde Lage Was geprüft wird
1 Platzwunde am Unterarm, blutet stark Stufenleiter: Druck → Verband. Kein Tourniquet
2 Spritzende Blutung am Oberschenkel Tourniquet, hoch und fest, Zeit notiert, sichtbar gelassen
3 Sturz aus 6 m, wach, klagt über Bauchschmerz, Haut kalt und feucht Schock erkannt trotz normalen Blutdrucks? Trauma Center?
4 Schussverletzung Bauch, Einsatzstelle laut Meldung unsicher Staging eingehalten? Ausschuss gesucht? Meldepflicht?
5 Messer steckt im Rücken Wird es dringelassen und stabilisiert?
6 Verkehrsunfall, Patient wach und orientiert, keine Rückenschmerzen Wird auf die Immobilisation verzichtet und begründet?
7 Kritischer Traumapatient, Anwärter will vor Ort noch zwei Zugänge legen Zehn-Minuten-Regel

Automatisch nicht bestanden: Tourniquet bei harmloser Blutung · steckengebliebenen Gegenstand gezogen · Wunde sondiert · Patient nicht vollständig entkleidet und Ausschuss übersehen · Schussverletzung nicht gemeldet · über 15 Minuten beim kritischen Patienten vor Ort · nicht gewärmt.


8. Typische Fehler

Fehler Folge
Druck daneben statt auf die Quelle Blutung läuft weiter
Tourniquet zu locker Stauschlauch, Blutung wird schlimmer
Tourniquet bei Bagatellblutung Unnötiger Schaden
Tourniquet-Zeit nicht notiert Klinik kann nicht planen
Tourniquet zugedeckt Wird in der Klinik übersehen
Schock erst bei niedrigem Blutdruck erkannt Zu spät
Nicht gewärmt Gerinnung bricht zusammen
Patient nicht vollständig entkleidet Zweite Wunde übersehen
Wunde sondiert oder Gegenstand gezogen Schwere Blutung ausgelöst
Kleidung durch das Einschussloch geschnitten Beweismittel zerstört
In das nächste statt ins richtige Krankenhaus Zweiter Transport, verlorene Zeit
„Stay and Play" beim kritischen Trauma Der häufigste vermeidbare Todesfall im Rettungsdienst
Jeden Unfallpatienten immobilisiert Zeitverlust und eigener Schaden