LS Los Santos Fire Department — EMS Bureau Rettungsdienst
Los Santos Fire Department — EMS Bureau Kapitel 10 von 19 Nur für den Dienstgebrauch
Teil III — Einsatztaktik

Patientenbeurteilung

Die Kernfähigkeit des Rettungsdienstes. Behandeln kann man lernen; herausfinden, was los ist, ist die Arbeit.

Der Grundsatz:

Grundsatz

Erst suchen, was tötet. Dann suchen, was wehtut.

Deshalb gibt es zwei Durchgänge: das Primary Survey, das in unter zwei Minuten die lebensbedrohlichen Probleme findet und behandelt — und das Secondary Survey, das danach alles Übrige systematisch abarbeitet.


1. Der erste Eindruck

Bevor du den Patienten berührst, in wenigen Sekunden von der Tür aus:

Frage Was sie verrät
Wie sieht die Umgebung aus? Tabletten auf dem Tisch, Alkohol, ein Werkzeug, eine Leiter, ein Abschiedsbrief
Wie liegt oder sitzt er? Aufrecht nach vorn gestützt = Atemnot. Zusammengekrümmt = Bauch. Reglos = schlecht
Spricht er? Wer in ganzen Sätzen spricht, hat einen freien Atemweg und ausreichend Luft
Welche Farbe? Blass, grau, blau, rot
Schwitzt er? Kalter Schweiß ist ein Alarmzeichen
Ist sichtbar Blut da? Wie viel, wo, spritzt es

Wer die Sekunden nutzt, hat die halbe Beurteilung, bevor er kniet.


2. Primary Survey — das xABCDE

Die Reihenfolge ist bindend. Man geht nicht weiter, bis das Problem der aktuellen Stufe behandelt ist.

Stufe Prüfen Behandeln
xexsanguinating Spritzende, lebensbedrohliche Blutung? Sofort stoppen: Druck, Tourniquet, Wundpackung (Kapitel 12)
A — Atemweg Frei? Verlegt durch Zunge, Blut, Erbrochenes, Fremdkörper? Freimachen, Absaugen, Kopf lagern, Hilfsmittel im Rahmen des Scope
B — Beatmung Atmet er? Wie schnell, wie tief? Beide Seiten belüftet? Sauerstoffsättigung? Sauerstoff, Beatmungsbeutel, bei Verdacht auf Spannungspneumothorax → Paramedic
C — Kreislauf Puls tastbar? Schnell, langsam, schwach? Haut kalt und feucht? Rekapillarisierung? Blutdruck? Blutungen, Lagerung, Volumen im Rahmen des Scope
D — Defizit Bewusstsein (AVPU oder GCS), Pupillen, Lähmungen, Blutzucker Ursachen behandeln, die man behandeln kann — vor allem Unterzuckerung
E — Exposition Entkleiden, soweit nötig — komplett anschauen. Danach wärmen Wärmeerhalt. Unterkühlung verschlechtert alles
Hinweis

Das „x" vor dem A ist die einzige Ausnahme von „Atemweg zuerst" und stammt aus der Traumaversorgung: Eine arterielle Blutung am Bein tötet schneller als ein teilverlegter Atemweg. Bei sichtbar spritzender Blutung wird sie vor allem anderen gestoppt.

AVPU — Bewusstsein in vier Stufen

Stufe Bedeutung
A — Alert Wach und orientiert
V — Verbal Reagiert auf Ansprache
P — Pain Reagiert nur auf Schmerzreiz
U — Unresponsive Keine Reaktion

Schnell, im Funk verständlich und für die Erstbeurteilung ausreichend. Wer den GCS-Wert erheben kann, nutzt ihn zusätzlich.

Der Blutzucker gehört ins D

Der häufigste behandelbare Grund für Bewusstlosigkeit ist die Unterzuckerung. Sie sieht aus wie ein Schlaganfall, wie ein Rausch und wie Aggression — und ist in Minuten behoben. Wer bei einem bewusstseinsgestörten Patienten den Blutzucker nicht misst, übersieht regelmäßig genau die Ursache, die er hätte beheben können.


3. Die Entscheidung nach dem Primary Survey

An dieser Stelle fällt die wichtigste Entscheidung des Einsatzes:

Grundsatz

Ist dieser Patient kritisch — oder habe ich Zeit?

Kritisch — sofort transportieren, alles Weitere im Fahrzeug Zeit — vor Ort weiter arbeiten
Atemweg nicht sicher zu halten Wacher, orientierter Patient
Atmung unzureichend trotz Maßnahmen Vitalwerte im Rahmen
Kreislauf instabil, Schockzeichen Isolierte Verletzung
Bewusstsein auf P oder U Kein Zeitdruck erkennbar
Unkontrollierbare Blutung
Trauma-Kriterien erfüllt (Kapitel 12)

Bei „kritisch" gilt die Zehn-Minuten-Regel: Nicht mehr als etwa zehn Minuten an der Einsatzstelle. Alles, was im Fahrzeug geht, passiert im Fahrzeug.

Hinweis

Der Fehler, der dieser Regel zugrunde liegt, heißt „Stay and Play": Man bleibt am Patienten, weil man noch einen Zugang legen, noch eine Messung machen, noch etwas optimieren will — während das, was er braucht, ein Operationssaal ist.


4. Secondary Survey

Erst wenn das Primary Survey abgearbeitet ist und der Patient nicht kritisch ist.

Von Kopf bis Fuß

Systematisch, in immer derselben Reihenfolge, damit man nichts auslässt:

Kopf → Gesicht → Hals → Brustkorb → Bauch → Becken →
Oberschenkel → Unterschenkel → Füße → Arme → Hände → Rücken

Je Region: ansehen, tasten, bewegen lassen — Verletzung, Verformung, Schmerz, Instabilität.

SAMPLER — die Vorgeschichte

Buchstabe Frage
S — Symptome Was haben Sie? Was spüren Sie?
A — Allergien Sind Allergien bekannt?
M — Medikamente Was nehmen Sie? Blutverdünner?
P — Vorerkrankungen Waren Sie schon einmal deswegen im Krankenhaus?
L — Letzte Mahlzeit Wann haben Sie das letzte Mal gegessen und getrunken?
E — Ereignis Was ist unmittelbar davor passiert?
R — Risikofaktoren Rauchen, bekannte Herz- oder Lungenerkrankung, Schwangerschaft
Die eine Frage, die man nie vergisst

Blutverdünner? Sie verändert die Einschätzung jedes Sturzes, jeder Kopfverletzung und jeder Blutung völlig.

OPQRST — Schmerz einordnen

Buchstabe Frage
O — Onset Wann hat es angefangen? Plötzlich oder langsam?
P — Provokation Wird es bei Bewegung, Atmung, Druck besser oder schlechter?
Q — Qualität Wie fühlt es sich an? — die Antwort wörtlich notieren
R — Region und Ausstrahlung Wo genau? Zieht es irgendwohin?
S — Stärke Auf einer Skala von 0 bis 10?
T — Time Wie hat es sich seit Beginn verändert?

5. Vitalwerte

Wert Wozu
Atemfrequenz Der empfindlichste Frühwarnwert überhaupt — und der, der am häufigsten geschätzt statt gezählt wird
Sauerstoffsättigung Ergänzung, kein Ersatz für das Hinsehen
Puls Frequenz, Rhythmus, Qualität
Blutdruck Beide Werte, an beiden Armen bei Verdacht auf Gefäßproblem
Bewusstsein AVPU oder GCS
Pupillen Größe, Seitengleichheit, Lichtreaktion
Blutzucker Bei jeder Bewusstseinsstörung. Immer.
Temperatur Bei Infektverdacht, Unterkühlung, Hitze
Hautbefund Farbe, Temperatur, Feuchtigkeit
EKG Paramedic, bei Brustschmerz und Rhythmusstörungen

Die zwei Regeln:

  1. Mindestens zweimal, mit Uhrzeit. Ein einzelner Wert ist eine Momentaufnahme. Zwei Werte sind ein Trend, und der Trend ist die Information.
  2. Atemfrequenz zählen, nicht schätzen. Vollständige Atemzüge über einen gemessenen Zeitraum. Wer schätzt, schreibt „16" hin — immer.

6. Trainingsszenario

Runde Lage Was geprüft wird
1 Sturz, wacher Patient, Beinschmerz Vollständiges xABCDE + Secondary + SAMPLER + OPQRST
2 Bewusstloser ohne äußere Verletzung Wird der Blutzucker gemessen? (Antwort: Unterzuckerung)
3 Sturz von der Leiter, spritzende Blutung am Arm Wird die Blutung vor dem Atemweg gestoppt?
4 Brustschmerz OPQRST vollständig, EKG angelegt, Klinikwahl STEMI Center
5 Verwirrter älterer Patient, Angehörige berichten Wird die Fremdanamnese erhoben? Blutverdünner erfragt?
6 Patient wirkt stabil, verschlechtert sich nach acht Minuten Wurden Vitalwerte ein zweites Mal erhoben?
7 Kritischer Patient, Anwärter will noch einen Zugang legen Wird die Zehn-Minuten-Regel eingehalten?

Automatisch nicht bestanden: Blutzucker bei Bewusstseinsstörung nicht gemessen · Atemfrequenz geschätzt · nur einmal Vitalwerte · beim kritischen Patienten über 15 Minuten an der Einsatzstelle · Blutverdünner nicht erfragt.


7. Typische Fehler

Fehler Folge
Mit dem Meldebild im Kopf angekommen und nicht mehr hingesehen Man findet, was man erwartet hat
Reihenfolge des xABCDE verlassen Man verbindet das Bein, während der Atemweg zugeht
Spritzende Blutung nicht zuerst gestoppt Der einzige Fall, in dem A nicht zuerst kommt
Blutzucker nicht gemessen Die häufigste verpasste behandelbare Ursache
Atemfrequenz geschätzt Der empfindlichste Wert wird zur erfundenen Zahl
Vitalwerte nur einmal Kein Trend, keine Aussage
Patient nicht entkleidet Der Einschuss am Rücken bleibt unentdeckt
Nach dem Entkleiden nicht gewärmt Unterkühlung verschlechtert Gerinnung und Kreislauf
Blutverdünner nicht erfragt Der harmlose Sturz war keiner
Fremdanamnese ausgelassen Bei Bewusstlosen die einzige Informationsquelle
„Stay and Play" beim kritischen Patienten Zeit verschenkt, die er nicht hatte
Befund dem Patienten nicht mitgeteilt Verschenkte Szene, und respektlos

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