LS Los Santos Fire Department — EMS Bureau Rettungsdienst
Los Santos Fire Department — EMS Bureau Kapitel 13 von 19 Nur für den Dienstgebrauch
Teil III — Einsatztaktik

Medizinische Notfälle

Die Einsätze, bei denen es nichts zu sehen gibt und man trotzdem etwas finden muss. Sie machen den Unterschied zwischen einem Rettungsdienst und einer Wundversorgung.


1. Brustschmerz und Herzinfarkt

Der wichtigste medizinische Notfall, weil er häufig, tödlich und zeitkritisch ist.

Erkennen

Typisch Untypisch — und deshalb gefährlich
Druck oder Enge hinter dem Brustbein Nur Oberbauchschmerz oder Übelkeit
Ausstrahlung in Arm, Hals, Kiefer, Rücken Nur Atemnot, ohne Schmerz
Kalter Schweiß, Übelkeit, Todesangst Nur ungewöhnliche Erschöpfung
Beschwerden halten an, unabhängig von Bewegung Häufiger bei Frauen, älteren Menschen und Diabetikern
Die Falle

Ein erheblicher Teil der Herzinfarkte verläuft untypisch. Wer nur nach dem Lehrbuchbild sucht, übersieht sie. Faustregel: Jeder Beschwerdekomplex zwischen Kiefer und Nabel ist bis zum Beweis des Gegenteils ein Herz.

Ablauf

# Schritt
1 Patient hinsetzen und beruhigen — nicht laufen lassen
2 Sauerstoff nach Bedarf, nicht routinemäßig hoch dosiert
3 EKG so früh wie möglich (Paramedic) — es entscheidet über die Zielklinik
4 OPQRST und SAMPLER (Kapitel 10)
5 Acetylsalicylsäure und Nitroglycerin nach Leitlinie und Scope (Kapitel 06)
6 Zugang, Schmerztherapie (Paramedic)
7 Zielklinik: STEMI Receiving Center bei typischem EKG-Befund
8 Voranmeldung mit dem Wort STEMI — die Klinik ruft dann das Katheterteam zusammen
9 Transport, Reanimationsbereitschaft — diese Patienten bleiben stehen
Warum die Klinikwahl hier so wichtig ist

Bei einem Herzinfarkt zählt die Zeit bis zur Wiedereröffnung des Gefäßes. Ein Krankenhaus ohne Katheterlabor kann das nicht und verlegt weiter. Der Umweg ins richtige Haus ist fast immer schneller als der Weg ins nächste.


2. Schlaganfall

Der zweite große Zeitnotfall. Hier ist der Rettungsdienst fast ausschließlich Erkennung und Transport — behandelt wird in der Klinik.

Erkennen — FAST

Buchstabe Prüfen
F — Face Bitten zu lächeln. Hängt ein Mundwinkel?
A — Arms Beide Arme nach vorn halten lassen. Sinkt einer ab?
S — Speech Einen Satz nachsprechen lassen. Verwaschen, falsche Wörter, gar nichts?
T — Time Wann hat es angefangen? Die wichtigste Frage des Einsatzes

Dazu: plötzlicher Sehverlust, stärkster Kopfschmerz, Schwindel mit Gangunsicherheit, Bewusstseinsstörung.

Die Zeitfrage

Grundsatz

„Wann war der Patient zuletzt sicher ohne Symptome?"

Nicht „wann wurde es bemerkt". Diese Unterscheidung entscheidet über die Behandlung in der Klinik. Bei jemandem, der mit Symptomen aufwacht, gilt der Zeitpunkt des Einschlafens — nicht des Aufwachens.

Deshalb wird immer nach einem Zeugen gesucht, und der Zeuge wird nach Möglichkeit mitgenommen oder seine Telefonnummer notiert.

Ablauf

# Schritt
1 FAST prüfen und dokumentieren, welche Ausfälle bestehen
2 Zeitpunkt klären, Zeugen befragen
3 Blutzucker messen — eine Unterzuckerung sieht genauso aus und ist behebbar
4 Sauerstoff nach Bedarf, Oberkörper leicht erhöht
5 Nichts zu essen oder zu trinken geben — Schluckstörung
6 Zugang (Paramedic), Blutdruck dokumentieren, nicht eigenmächtig senken
7 Zielklinik: Stroke Center
8 Voranmeldung mit Symptombeginn und Ausfällen
9 Zügiger Transport

3. Atemnot

Ursache Hinweise
Asthma Pfeifendes Ausatmen, bekannte Erkrankung, Auslöser, eigener Inhalator
COPD Rauchergeschichte, chronisch, sitzt aufrecht und stützt sich ab
Lungenödem Rasselnde Atmung, rosa-schaumiger Auswurf, Herzerkrankung, kann nicht flach liegen
Lungenembolie Plötzlich, einseitiger Brustschmerz, Beinschwellung, lange Immobilisation
Anaphylaxie Schwellung an Gesicht und Hals, Hautausschlag, Auslöser vor kurzem
Spannungspneumothorax Nach Trauma, einseitig fehlendes Atemgeräusch, Kreislauf bricht ein
Fremdkörper Beim Essen begonnen, greift sich an den Hals

Gemeinsamer Ablauf: Position, die dem Patienten hilft — meist aufrecht — Sauerstoff, beruhigen, Auskultation, Sättigung, dann ursachenbezogen im Rahmen des Scope. Bei Erschöpfung der Atemarbeit: Beatmung und ALS.

Hinweis

Die Position ist Therapie. Einen Menschen mit Atemnot flach zu legen, ist eine der wenigen Maßnahmen, die den Zustand sofort und deutlich verschlechtern. Er sitzt aufrecht, weil er es braucht — nicht, weil er unkooperativ ist.


4. Anaphylaxie

Der Notfall, der am schnellsten tödlich und am einfachsten behandelbar ist.

Erkennen
Auslöser vor Minuten bis Stunden — Insektenstich, Nahrung, Medikament
Hautausschlag, Quaddeln, Juckreiz, Rötung
Schwellung an Lippen, Zunge, Hals
Atemnot, Pfeifen, Engegefühl im Hals, Stimmveränderung
Kreislauf bricht ein
Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerz

Ablauf: Auslöser entfernen, Adrenalin — Pen des Patienten assistierend durch EMT, sonst Paramedic — Sauerstoff, flach lagern bei Kreislaufschwäche, aufrecht bei Atemnot, ALS und Transport. Wiederholte Gaben sind möglich, das entscheidet der Scope und gegebenenfalls die Base.

Warnung

Wer ein Adrenalin bekommen hat, fährt immer in die Klinik — auch wenn es ihm sofort besser geht. Die Reaktion kann nach Stunden zurückkehren. Eine Verweigerung nach Anaphylaxie ist eine Hochrisiko-Verweigerung (Kapitel 05) und gehört ans Base Hospital.


5. Unterzuckerung und Diabetes

Der häufigste behebbare Notfall — und der, der am häufigsten für etwas anderes gehalten wird.

Verwechselt mit Weil
Trunkenheit Verwaschene Sprache, Gangunsicherheit, Aggression
Schlaganfall Einseitige Ausfälle möglich
Psychose Verwirrtheit, Halluzination
Krampfanfall Kann tatsächlich einer sein
Erkennen
Kaltschweißig, blass, zittrig
Verwirrt, aggressiv, unkooperativ
Bekannter Diabetes, Insulin-Pen, Pumpe
Hat gespritzt, aber nicht gegessen
Blutzucker niedrig

Ablauf: Blutzucker messen. Beim wachen Patienten Zucker oral — Gel, Saft. Beim bewusstseinsgestörten Patienten nichts in den Mund, sondern Glukose intravenös (AEMT/Paramedic). Danach erneut messen und den Patienten essen lassen.

Die Regel, die aus diesem Abschnitt folgt

Jeder verwirrte, aggressive oder bewusstseinsgestörte Patient bekommt einen Blutzucker gemessen. Jeder. Ohne Ausnahme. Es ist die billigste Messung im Rettungsdienst und die mit dem höchsten Ertrag.


6. Krampfanfall

Während des Anfalls Nach dem Anfall
Nicht festhalten Seitenlage, Atemweg frei
Umgebung sichern, Kopf polstern Sauerstoff
Nichts in den Mund Blutzucker
Zeit messen — wie lange dauert er Verletzungen suchen — Sturz, Zungenbiss
Zusehen und beschreiben: wo fing es an, ein- oder beidseitig Orientierung prüfen, Nachschlafphase zulassen

Alarmzeichen: Anfall hält an oder wiederholt sich ohne Aufklaren, erster Anfall im Leben, Schwangerschaft, Trauma, Fieber beim Kind, kein Aufklaren. Dann ALS und Transport, bei anhaltendem Anfall Medikament durch den Paramedic, gegebenenfalls Base.


7. Intoxikation und Überdosis

Substanz Bild
Opioide Bewusstlos, sehr enge Pupillen, Atmung langsam bis stehend, blau
Stimulanzien Agitiert, schwitzend, Puls und Blutdruck hoch, Körpertemperatur hoch, Krampfgefahr
Alkohol Bewusstseinsstörung, Erbrechen, Unterkühlung, verdeckt Verletzungen
Beruhigungsmittel Schläfrig bis bewusstlos, Atmung flach
Unbekannt / Mischung Der Normalfall

Ablauf: Eigenschutz zuerst — Nadeln. Atemweg und Beatmung sind das Entscheidende. Bei Opioidverdacht Naloxon im Rahmen des Scope. Blutzucker. Wärmeerhalt. Alles mitnehmen, was Hinweise gibt: Packungen, Spritzen, Reste — und der Klinik übergeben.

Hinweis

Naloxon weckt den Patienten — und nimmt ihm das Opioid weg. Er wacht auf, ist im Entzug, ist wütend und will gehen. Das ist der Regelfall, nicht die Ausnahme, und es ist eine der unangenehmsten Lagen des Dienstes: ein Patient, der eben noch nicht geatmet hat, beschimpft dich und verweigert den Transport. Verfahren: Kapitel 05, und die Wirkung kann vor dem Opioid enden — deshalb gehört er in die Klinik.

Der Betrunkene mit Kopfverletzung

Eigene Zeile, weil es der gefährlichste Patient dieses Kapitels ist:

Hinweis

Alkohol verdeckt Verletzungen und Unterzuckerung. Ein Betrunkener mit Kopfverletzung ist bis zum Beweis des Gegenteils kein Betrunkener, sondern ein Schädel-Hirn-Trauma. Er ist nicht einwilligungsfähig, und er gehört nicht in die Ausnüchterungszelle.


8. Weitere Lagen in Kurzform

Lage Das Wesentliche
Hitzenotfall Aus der Hitze, kühlen, trinken beim Wachen. Heiße trockene Haut mit Bewusstseinsstörung ist lebensbedrohlich → Code 3
Unterkühlung Vorsichtig bewegen, passiv wärmen, nicht reiben. „Niemand ist tot, bis er warm und tot ist"
Verbrennung Kurz kühlen, dann wärmen; Fläche schätzen, Atemwegsbeteiligung prüfen (Ruß, heiserer Husten); Burn Center
Ertrinken Atemweg und Beatmung, Unterkühlung, immer Klinik — auch bei Wohlbefinden
Geburt Ruhe, Lagerung, nicht ziehen, Neugeborenes wärmen und abtrocknen, beide transportieren
Bauchschmerz Keine Diagnose vor Ort. Lagerung, Vitalwerte, Transport. Bei Schockzeichen und älterem Patienten an eine Gefäßkatastrophe denken
Psychische Krise Kapitel 15

9. Trainingsszenario

Runde Lage Was geprüft wird
1 55-jähriger, Druck auf der Brust, kalter Schweiß EKG, ASS/Nitro im Scope, STEMI Center, Voranmeldung
2 70-jährige, seit dem Aufwachen hängender Mundwinkel FAST, Zeitpunkt = Einschlafen, Blutzucker, Stroke Center
3 Bewusstlos, enge Pupillen, Atmung langsam Opioid erkannt, Beatmung zuerst, Naloxon, Transportpflicht
4 Wie 3 — Patient wacht auf und will gehen AMA-Verfahren, Base-Rücksprache
5 Aggressiver, schwitzender Patient, wirkt betrunken Blutzucker gemessen? (Antwort: Unterzuckerung)
6 Atemnot, sitzt aufrecht, pfeift Position gelassen, nicht flach gelegt
7 Insektenstich, Lippen schwellen, Atemnot Anaphylaxie erkannt, Adrenalin, Transportpflicht auch bei Besserung
8 Betrunkener mit Platzwunde am Kopf nach Sturz Als Schädel-Hirn-Trauma behandelt, nicht als Trunkenheit

Automatisch nicht bestanden: Blutzucker bei Bewusstseinsstörung nicht gemessen · Atemnotpatient flach gelegt · Herzinfarkt in die nächste statt ins STEMI Center · Schlaganfall ohne Zeitpunkt · Anaphylaxie ohne Transport entlassen · Betrunkenen mit Kopfverletzung gehen lassen.


10. Typische Fehler

Fehler Folge
Nur nach dem Lehrbuch-Herzinfarkt gesucht Der untypische wird übersehen
Herzinfarkt in die nächste Klinik Verlegung und verlorene Zeit
Beim Schlaganfall nicht nach dem Zeitpunkt gefragt Die Klinik kann nicht entscheiden
Blutzucker nicht gemessen Die häufigste verpasste behebbare Ursache
Atemnotpatient flach gelegt Sofortige Verschlechterung
Nach Adrenalin gehen gelassen Die Reaktion kann zurückkommen
Nach Naloxon gehen gelassen Die Wirkung endet vor dem Opioid
Betrunkenen als betrunken abgetan Die Blutung im Kopf wird zu spät gefunden
Nichts von der Einsatzstelle mitgenommen Die Klinik weiß nicht, womit sie es zu tun hat
Beim Krampfanfall festgehalten oder etwas in den Mund Verletzt Patient und Helfer
Verbrennung zu lange gekühlt Unterkühlung obendrauf