Einsatzablauf und Szenensicherheit
Der Ablauf, der für jeden Einsatz gilt. Wer ihn beherrscht, braucht für 80 % der Lagen kein weiteres Kapitel.
1. Die Reihenfolge, die nicht verhandelbar ist
1. SICHERHEIT Ich · Team · Patient · Umstehende — in dieser Reihenfolge
2. LAGE Was ist passiert, wie viele, was brauche ich
3. PATIENT Beurteilen (Kapitel 10)
4. BEHANDELN Im Rahmen des Scope (Kapitel 06)
5. TRANSPORT Richtige Klinik, richtige Fahrweise
6. ÜBERGABE Vollständig (Kapitel 07)
7. DOKUMENTIEREN In derselben Schicht
Die Reihenfolge der ersten Zeile ist die wichtigste Zeile des Handbuchs:
Ich — Team — Patient — Umstehende.
Das klingt egoistisch und ist das Gegenteil. Eine verletzte Rettungskraft bindet zwei weitere Kräfte, blockiert den Wagen und macht aus einem Patienten drei. Wer sich selbst schützt, schützt den Patienten.
2. Vor der Ankunft
| # | Schritt |
|---|---|
| 1 | Meldebild verarbeiten — was ist zu erwarten, welche Ausrüstung brauche ich (Kapitel 04) |
| 2 | Funktionen festlegen — wer ist Attendant, wer Driver (Kapitel 02) |
| 3 | Fahrweise entscheiden — Code 2 oder Code 3, nach Meldebild |
| 4 | Gefahren prüfen — ist Polizei nötig, ist Feuerwehr nötig, ist es eines der vier Staging-Meldebilder |
| 5 | Anfahrt melden |
Code 3 fahren
Dasselbe wie bei der Polizei (LSPD, Kapitel 09): defensiv schnell. An jeder Kreuzung Tempo raus, Blickkontakt mit dem Querverkehr, nie annehmen, dass die Sirene gehört wird.
Der Unterschied zur Polizei: Ein Rettungswagen ist hoch, schwer, schlecht gebremst und hat hinten jemanden stehen. Ein Rettungswagen, der auf dem Weg einen Unfall baut, hat die Lage verdreifacht.
3. Ankunft und Szenensicherheit
| # | Schritt |
|---|---|
| 1 | Nicht direkt heranfahren. Ein Stück davor halten, Sichtkontakt nehmen |
| 2 | Fahrzeug richtig stellen — siehe unten |
| 3 | Ankunft melden |
| 4 | Sitzen bleiben und schauen. Drei Sekunden: Wer ist da, wer bewegt sich, wer schreit, wer hat etwas in der Hand |
| 5 | Aussteigen und hören |
| 6 | Gefahren abarbeiten — Liste unten |
| 7 | Annähern, mit Blick auf die Hände der Umstehenden |
| 8 | Erste Lagemeldung funken, sobald du etwas weißt |
Das Fahrzeug stellen
| Lage | Wie |
|---|---|
| Verkehrsunfall | Schräg als Schutzschild zwischen Verkehr und Einsatzstelle, Warnblinker, hinter der Absperrung der Polizei. Der Rettungswagen ist der Airbag der Einsatzstelle. |
| Wohnung, Normallage | So, dass die Trage kurz getragen werden muss und der Wagen wegfahren kann, ohne zu rangieren |
| Unklare Lage | Mit der Nase in Fluchtrichtung. Nicht einparken |
| Polizeilage | In der Bereitstellung, außer Sicht- und Schusslinie, Motor an |
| Brand | Windaufwärts, bergauf, außerhalb des Trümmerbereichs, nicht auf Schläuchen |
Die Gefahrenliste
Sie wird jedes Mal abgearbeitet, auch bei der Platzwunde:
| Gefahr | Prüfen |
|---|---|
| Verkehr | Fließender Verkehr? Absperrung vorhanden? Warnkleidung an? |
| Menschen | Aggression? Alkohol? Menschenmenge? Hände sichtbar? |
| Waffen | Gemeldet? Sichtbar? Ist der Täter noch da? |
| Hunde | Der häufigste vermeidbare Personenschaden im Rettungsdienst |
| Strom | Freileitung, Bahn, beschädigte Installation |
| Feuer und Rauch | Nicht unser Auftrag. Feuerwehr holt den Patienten heraus |
| Gefahrstoffe | Gerüche, Behälter, Warntafeln, mehrere Patienten mit gleichen Beschwerden |
| Einsturz, Höhe, Wasser | Technische Rettung nötig? |
| Infektion | Handschuhe immer. Bei Husten, Blut, Erbrechen: Maske und Schutzbrille |
| Nadeln | Im Bett, in der Kleidung, auf dem Boden |
Ist die Einsatzstelle nicht sicher, wird sie erst sicher gemacht — durch Polizei, Feuerwehr, Energieversorger. Nicht betreten und hoffen.
Bereitstellung (Staging)
Bei Shooting, Stabbing, Assault und Structure Fire wird in einer Bereitstellung gewartet, bis freigegeben wird. Die Bereitstellung ist:
| Merkmal |
|---|
| Außer Sicht der Einsatzstelle — mindestens eine Straßenecke |
| Mit freier Ausfahrt |
| Position gefunkt, damit die Polizei weiß, wo sie freigeben soll |
| Motor an, Team im Fahrzeug |
Muster:
„Rescue 27, in Bereitstellung Ecke Grove Street und Carson Avenue, warten auf Freigabe durch LSPD."
Und die Freigabe kommt ausdrücklich:
„LSPD an Rescue 27: Einsatzstelle ist sicher, Code 4, kommen Sie vor."
4. Am Patienten
| # | Schritt |
|---|---|
| 1 | Vorstellen. „Guten Tag, ich bin Reyes vom Fire Department. Was ist passiert?" |
| 2 | Erlaubnis (Kapitel 05) |
| 3 | Primary Survey (Kapitel 10) |
| 4 | Lagemeldung funken |
| 5 | Behandeln |
| 6 | Secondary Survey |
| 7 | Transportentscheidung |
Die Lagemeldung
Der wichtigste Funkspruch des Einsatzes, und der am häufigsten vergessene. Sie kommt früh — sobald du weißt, wie viele Patienten es sind und wie schlimm es ist:
„Rescue 27, Lagemeldung: ein Patient, männlich, etwa 40, wach, Beinfraktur. Kein weiterer Bedarf, wir versorgen und transportieren."
Oder:
„Rescue 27, Lagemeldung: drei Patienten, einer kritisch. Brauchen zwei weitere Rescues und EMS Captain. Übernehme vorläufig die Einsatzleitung Rettungsdienst."
Dispatch kann nur disponieren, was sie weiß. Die Meldung „drei Patienten" nach zehn Minuten kostet zehn Minuten Anfahrt für die Wagen, die man dann braucht.
5. Transport
Drei Entscheidungen
| Entscheidung | Woran |
|---|---|
| Ob transportiert wird | Zustand und Wille des Patienten (Kapitel 05) |
| Wohin | Fähigkeit der Klinik, nicht Entfernung (Kapitel 01) |
| Wie | Code 2 oder Code 3 — braucht der Patient die Minuten? |
Ablauf
| # | Schritt |
|---|---|
| 1 | Patient lagern und sichern — Gurte, alle |
| 2 | Voranmeldung an die Klinik (ATMIST, Kapitel 03) |
| 3 | Transport an Dispatch melden |
| 4 | Unterwegs: Vitalwerte erneut erheben |
| 5 | Verschlechterung sofort nachmelden, gegebenenfalls Klinik wechseln |
| 6 | Übergabe (Kapitel 07) |
| 7 | Fahrzeug reinigen und auffüllen |
| 8 | Wieder einsatzklar melden |
Begleitpersonen: Ein Angehöriger vorne, angegurtet, wenn es ruhig bleibt. Bei Kindern ist ein Elternteil im Zweifel die wirksamste Beruhigungsmaßnahme, die es gibt.
6. Trainingsszenario
| Runde | Lage | Was geprüft wird |
|---|---|---|
| 1 | Sturz in einer Wohnung, unkompliziert | Vollständiger Ablauf, Handschuhe, Vorstellen, Lagemeldung, Trage |
| 2 | Verkehrsunfall auf einer Schnellstraße | Fahrzeugstellung, Warnkleidung, Absperrung, Absicherung vor Patientenkontakt |
| 3 | Meldebild „Assault", Täter laut Meldung noch vor Ort | Wird Staging eingehalten? |
| 4 | Wohnung, Patient wach, aber ein großer Hund im Raum | Wird die Gefahr erkannt und beseitigt, bevor jemand hineingeht? |
| 5 | Drei Patienten nach Sturz von einem Gerüst | Kommt die Lagemeldung mit Patientenzahl früh? |
| 6 | Patient verschlechtert sich während des Transports | Wird nachgemeldet und die Klinik informiert? |
Automatisch nicht bestanden: ohne Handschuhe angefasst · bei einem Staging-Meldebild hineingelaufen · Patientenzahl nicht gemeldet · Fahrzeug mitten in den fließenden Verkehr gestellt · Patient ohne Gurte transportiert.
7. Typische Fehler
| Fehler | Folge |
|---|---|
| Direkt an die Einsatzstelle gefahren | Keine Übersicht, kein Rückweg |
| Fahrzeug in den Verkehr gestellt | Der nächste Unfall passiert in deinem Rücken |
| Sofort ausgestiegen und hingelaufen | Gefahren nicht erkannt |
| Bei Staging-Meldebild vorgefahren | Aus einem Patienten werden drei |
| Keine Handschuhe | Fahrlässig — und für jeden Umstehenden sichtbar |
| Keine Warnkleidung auf der Straße | Dasselbe |
| Hund, Nadel, Strom nicht bedacht | Die drei häufigsten Verletzungen von Rettungskräften |
| Lagemeldung zu spät | Es kommt ein Wagen für drei Patienten |
| Falsche Klinik gewählt | Der Patient wird zweimal transportiert |
| Code 3 zur Klinik ohne Grund | Risiko für Unbeteiligte ohne Nutzen |
| Vitalwerte nur einmal erhoben | Keine Verlaufsbeurteilung |
| „Wieder einsatzklar" vergessen | Dispatch hält den Wagen für gebunden |