LS Los Santos Police Department Polizei
Los Santos Police Department Kapitel 09 von 19 Nur für den Dienstgebrauch
Teil III — Einsatztaktik

Streifendienst: Contact & Cover, Positionierung

Der Streifendienst ist der Beruf. Alles andere in diesem Handbuch sind Sonderfälle.


1. Contact und Cover

Das Grundprinzip jeder Zweipersonen-Einheit. Es wird vor dem Aussteigen festgelegt, nicht danach ausgehandelt.

KONTAKT (Contact)                    DECKUNG (Cover)
─────────────────────                ─────────────────────
Redet.                               Redet nicht.
Stellt die Fragen.                   Beobachtet.
Nimmt Papiere.                       Hält die Hände im Blick.
Legt Handschellen an.                Behält die Umgebung.
Tastet ab.                           Greift nur ein, wenn es nötig wird.
Beschäftigt sich mit der Person.     Beschäftigt sich mit allem anderen.

Die Rollenverteilung ist explizit anzusprechen, bevor es losgeht:

Wortlaut

"Ich bin Kontakt, du Deckung."

Und beim nächsten Einsatz getauscht:

Wortlaut

"Dann bist du Kontakt und ich Deckung."

Warum das nicht verhandelbar ist

Der Kontaktbeamte ist beschäftigt. Er schaut auf einen Führerschein, hört einer Erklärung zu, legt Handschellen an. In diesen Sekunden ist er praktisch blind für alles außer der Person vor ihm. Der Deckungsbeamte ist seine Augen.

Der häufigste tödliche Fehler im Streifendienst: Beide Officer werden zu Kontakt. Beide reden, beide schauen auf dieselbe Person, beide sehen nicht, wer aus dem Haus kommt.

Regeln für den Deckungsbeamten

  1. Nicht mitreden. Zwei Stimmen erzeugen Verwirrung und Widerstand. Wenn du etwas Wichtiges hast, sag es kurz und einmal.
  2. Nicht mit anfassen. Wenn du beide Hände an der Person hast, deckst du nicht.
  3. Anderer Winkel. Steh nicht neben dem Kontaktbeamten, sondern schräg versetzt — damit du siehst, was er nicht sieht, und damit ein Schuss nicht beide trifft.
  4. Hände. Hände töten, nicht Blicke. Du schaust auf Hände — die der Person, die deines Gegenübers, und die von jedem, der dazukommt.
  5. Die Umgebung. Fenster, Türen, Ecken, andere Fahrzeuge, Zuschauer, die näher kommen.

2. Deckung — die physische Art

Es gibt zwei Begriffe, die im Deutschen beide "Deckung" heißen und völlig Verschiedenes bedeuten:

Cover (Deckung) Concealment (Sichtschutz)
Schützt vor Kugeln Blicken
Beispiele Motorblock, Mauerwerk, Betonpfeiler, Bordsteinkante Hecke, Gardine, Sperrholztür, Autotür, Dunkelheit

Das ist keine Spitzfindigkeit. Eine Autotür hält keine Pistolenkugel. Wer hinter einer Autotür kniet und glaubt, in Deckung zu sein, ist in Sichtschutz und wird durchschossen. Der Motorblock eines Fahrzeugs ist Deckung. Die Räder und Achsen sind Deckung. Der Rest des Autos ist Sichtschutz.

Die Regeln

  1. Deckung zuerst, dann handeln. Bewegung zur Deckung ist die erste Reaktion auf Schüsse, nicht das Erwidern des Feuers.
  2. Abstand zur Deckung halten. Nicht dran kleben. Ein bis zwei Schritte hinter der Deckung erweitert das Blickfeld und schützt vor Abprallern und Splittern.
  3. Um die Deckung herumschauen, nicht darüber. Seitlich vorbeischauen ist niedriger, schneller und exponiert weniger.
  4. Die Höhe wechseln. Wer zweimal an derselben Stelle in derselben Höhe rausschaut, wird erwartet.
  5. Deckung ist kein Ort zum Bleiben. Deckung kauft Zeit. Nutze die Zeit — funken, Position verbessern, Verstärkung abwarten, reden.
Hinweis

Auch eine Bordsteinkante ist Deckung, wenn nichts anderes da ist. Flach hinter einem Bordstein zu liegen ist ein legitimer, in der Praxis dokumentierter letzter Ausweg.


3. Positionierung am Fahrzeug

Der Streifenwagen bei der Kontrolle

                    Fahrbahn
   ──────────────────────────────────────────

        ┌──────────┐
        │ Kontrol- │      ← das angehaltene Fahrzeug
        │ liertes  │
        └──────────┘
              ▲
           ca. 4–5 m
              │
     ┌──────────────┐
     │ Streifenwagen│  ← versetzt nach links (ca. 1/2 Fahrzeugbreite)
     └──────────────┘      Räder nach links eingeschlagen

Warum so:

  • Versetzt nach links: Der Streifenwagen schirmt den Officer gegen den fließenden Verkehr ab. Die "Offset"-Stellung erzeugt einen geschützten Korridor auf der Fahrerseite.
  • 4–5 m Abstand: Genug, um bei einem Rückwärtsstoß nicht eingeklemmt zu werden, und genug, um den Motorblock als Deckung zu nutzen.
  • Räder eingeschlagen: Wird der Streifenwagen von hinten gerammt, rollt er nicht in den Officer, sondern in die Sperrfläche.
  • Scheinwerfer / Spotlight auf die Heckscheibe und die Außenspiegel des kontrollierten Fahrzeugs. Der Fahrer sieht dich schlecht, du siehst ihn gut.

Die "V" am Fahrzeug

Der taktisch richtige Standort am angehaltenen Fahrzeug ist die "V" — der Winkel zwischen geöffneter Tür und A-Säule. Diese Position bietet die beste Kombination aus Deckung, Sicht ins Fahrzeug und Ansprechbarkeit. Sie ist die Standardposition bei Felony Stops (siehe Kapitel 11).

Der Anlauf an die Fahrertür

Anlauf hinten links (Standard) Anlauf rechts (Passenger Side Approach)
Wann Normalfall Nachts, an Schnellstraßen, bei starkem Verkehr, bei diffusem Unbehagen
Vorteil Direkter Zugang zum Fahrer Der Fahrer erwartet dich nicht dort; kein Verkehr im Rücken
Regel Nie zwischen den Fahrzeugen stehen bleiben Nie hinter dem kontrollierten Fahrzeug vorbeigehen, ohne den Kofferraumdeckel anzutippen

Immer:

  • Kofferraumdeckel im Vorbeigehen mit der Hand kurz herunterdrücken — prüft, ob er verriegelt ist, und hinterlässt einen Fingerabdruck am Fahrzeug
  • Nicht vor der C-Säule stehen bleiben, sondern hinter der B-Säule — du siehst die Hände des Fahrers, er muss sich verdrehen, um dich zu sehen
  • Die Hände des Fahrers und aller Insassen im Blick, bevor du sprichst

4. Lagebewusstsein

Tunnelblick

Unter Stress verengt sich Wahrnehmung: Das Blickfeld schrumpft, das Gehör setzt aus, die Zeitwahrnehmung verzerrt. Das ist Physiologie, nicht Charakterschwäche. Man kann es nicht abschalten — man kann nur dagegen arbeiten.

Gegenmittel:

  1. Atmen. Vier Sekunden ein, vier halten, vier aus. Funktioniert, ist unauffällig, senkt den Puls.
  2. Bewusst scannen. Aktiv den Kopf drehen. Nicht nur auf das Problem starren — links, rechts, hinten, oben.
  3. Laut sprechen. Die Lage zu benennen ("ein Verdächtiger, unbewaffnet, keine weiteren Personen sichtbar") zwingt das Gehirn, die Umgebung zu verarbeiten.
  4. Funken. Eine Funkmeldung ist erzwungenes Strukturieren. Wer funkt, sortiert.

Die 360-Grad-Regel

Wenn du irgendwo stehst und die Lage bearbeitest, musst du sagen können:

  • Wer ist hinter mir?
  • Wo ist mein Fluchtweg?
  • Wo ist die nächste Deckung?
  • Wo ist mein Partner?

Vier Fragen. Wenn eine davon unbeantwortet ist, steh anders.

Die Hände

Hinweis

Hände töten. Nicht Blicke, nicht Worte, nicht Haltung.

Wenn du die Hände einer Person nicht siehst, ist das dein einziges Problem, bis du sie siehst. Nicht "verdächtig" — ein Problem, das zuerst gelöst wird:

Wortlaut

"Zeigen Sie mir Ihre Hände." — "Hände aus den Taschen." — "Hände auf das Lenkrad."


5. Der Streifenwagen

Vor Dienstbeginn: Fahrzeugkontrolle

Prüfen Warum
Rückbank und Fußraum Waffen, Drogen und Handys, die der Vorgänger-Festgenommene dort gelassen hat. Wird ein Fund später gemacht, hängt er dir an.
Blaulicht, Sirene, Scheinwerfer, Spotlight Ein Code 3 ohne Sirene ist ein Code 2 mit Lebensgefahr
Funk — Reichweite und Kanal Prüfen, nicht hoffen
Erste Hilfe, Feuerlöscher, Kegel, Absperrband Braucht man genau dann, wenn man keine Zeit hat zu suchen
Langwaffe, Munition, Weste Vollständigkeit
Reifen, Kraftstoff, Schäden Vorschäden dokumentieren, sonst sind es deine

Fahren

  1. Beifahrer funkt und navigiert. Der Fahrer fährt. Wer beim Fahren im MDT tippt, baut einen Unfall.
  2. Code 3 heißt defensiv schnell. An jeder Kreuzung Tempo raus, Blickkontakt suchen, nie annehmen, dass die Sirene gehört wird. Der Officer, der auf dem Weg zum Einsatz einen Unfall baut, hat die Lage verschlimmert, nicht verbessert.
  3. Nie beide Officer im Blindflug. Wenn einer das MDT bedient, hat der andere die Straße.
  4. Vor dem Einsatzort: "Cold Approach". Blaulicht und Sirene ein Stück vor der Adresse aus, dann ruhig heranfahren. Das kostet fünf Sekunden und nimmt dem Gegenüber die Vorwarnung.

6. Ankunft am Einsatzort

Ein Ablauf, der für fast jede Lage funktioniert:

# Schritt
1 Ein Stück vorher halten. Nicht direkt vor der Adresse. Fluchtweg für den Streifenwagen freihalten.
2 Code 6 funken, mit exakter Position.
3 Rollen klären. "Ich bin Kontakt, du Deckung."
4 Aussteigen und stehenbleiben. Zwei bis drei Sekunden: hören und schauen. Streit? Schüsse? Wer läuft weg?
5 Annähern, nicht auflaufen. Nicht frontal vor die Tür, nicht vor ein Fenster.
6 Ansprechen. Wer du bist, warum du da bist.
7 Lagemeldung, sobald du etwas weißt. Bei Eskalation: sofort.
8 Code 4, wenn die Lage steht.

7. Typische Fehler

Fehler Folge
Beide Officer sind Kontakt Niemand sieht die Umgebung
Rollen nicht vorher geklärt Werden im Ernstfall nicht mehr geklärt
Hinter der Autotür "in Deckung" Sichtschutz, keine Deckung
An der Deckung kleben Kein Blickfeld, Splitter und Abpraller
Direkt hinter dem kontrollierten Fahrzeug stehen Wird bei einem Rückwärtsstoß eingeklemmt
Frontal vor der Wohnungstür stehen Die Tür ist Sichtschutz, nicht Deckung — und die Position ist vorhersehbar
Blaulicht bis vor die Haustür Vorwarnung für alle Beteiligten
Streifenwagen nicht vor Dienstbeginn kontrolliert Der Fund auf der Rückbank gehört jetzt dir
Hände der Person nicht gesehen und trotzdem weitergeredet Der Fehler, der Officer umbringt