Vorwort
Wofür dieses Handbuch da ist
Die meisten Einsätze, die schiefgehen, gehen nicht in der Schießerei schief, sondern in der Minute davor. Ein Officer fährt in eine Lage, weiß nicht, wer sie führt, funkt nicht, bezieht keine Position, ruft keine Verstärkung — und löst das Problem dann mit der Waffe, weil ihm nichts anderes übrig bleibt.
Das Handbuch soll drei Dinge leisten:
- Ein gemeinsames Vokabular. Wenn drei Officer „Code 4" hören und dasselbe verstehen, funktioniert Funk. Wenn nicht, ist Funk Rauschen.
- Verfahren, die man abrufen kann. Unter Druck erfindet niemand ein Verfahren. Man ruft eines ab, das man geübt hat — oder man improvisiert schlecht.
- Eine Begründungspflicht. Jeder Eingriff in die Freiheit eines Menschen braucht einen Grund, den man in einem Satz sagen kann. Wer den nicht hat, hat keinen Einsatz, sondern eine Beschwerde.
Was dieses Handbuch nicht leistet
Es ist keine Rechtsberatung und ersetzt keine Dienstanweisung. Es ist auch kein Handbuch für die Gewinnung eines Feuerkampfs. Das erklärte Ziel praktisch jedes Kapitels ist, den Feuerkampf nicht stattfinden zu lassen.
Der Grundsatz
Wir deeskalieren die Situation.
Das ist die Kernaufgabe. Eine Lage, die ohne Gewalt endet, ist immer der bessere Einsatz — dienstrechtlich, rechtlich und für jeden Beteiligten.
Die vier Fragen
Diese vier Fragen beantwortet ein Officer in jeder Lage, bevor er handelt. Sie sind der rote Faden des ganzen Handbuchs:
| Frage | Kapitel |
|---|---|
| Was darf ich? — Habe ich Reasonable Suspicion, Probable Cause oder nichts? | 05 |
| Wo stehe ich? — Deckung, Abstand, Fluchtweg, Contact/Cover-Rolle | 09 |
| Wer weiß es? — Habe ich Position, Lage und Bedarf gefunkt? | 03 |
| Wie komme ich hier ohne Gewalt raus? — Was ist die nächstniedrigere Stufe? | 08 |
Ein Officer, der diese vier Fragen zuverlässig beantwortet, ist besser als der Durchschnitt seiner Recruit Class. Das ist die ganze Ausbildung.
Aufbau der Kapitel
Jedes Praxiskapitel ist gleich gebaut:
- Lage — worum es geht
- Rechtsgrundlage — was der Eingriff voraussetzt
- Ablauf — der Schritt-für-Schritt-Teil, nummeriert
- Funk — was gefunkt wird, mit Musterformulierung
- Trainingsszenario — eine Lage, die man im Trockenlauf oder im Feld nachstellen kann
- Typische Fehler — was schiefgeht
Der Fehlerkatalog am Ende jedes Kapitels ist nicht Beiwerk. Er sammelt, was in dieser Lage tatsächlich schiefgeht — und ist damit die kürzeste Fassung des Kapitels.