LS Los Santos Police Department Vollständig
Los Santos Police Department 22 Abschnitte Nur für den Dienstgebrauch
Polizei

Los Santos Police Department

Das vollständige Handbuch auf einer Seite — zum Durcharbeiten und zum Ausdrucken. Zum Nachschlagen sind die einzelnen Kapitel schneller.

Vorwort

Wofür dieses Handbuch da ist

Die meisten Einsätze, die schiefgehen, gehen nicht in der Schießerei schief, sondern in der Minute davor. Ein Officer fährt in eine Lage, weiß nicht, wer sie führt, funkt nicht, bezieht keine Position, ruft keine Verstärkung — und löst das Problem dann mit der Waffe, weil ihm nichts anderes übrig bleibt.

Das Handbuch soll drei Dinge leisten:

  1. Ein gemeinsames Vokabular. Wenn drei Officer „Code 4" hören und dasselbe verstehen, funktioniert Funk. Wenn nicht, ist Funk Rauschen.
  2. Verfahren, die man abrufen kann. Unter Druck erfindet niemand ein Verfahren. Man ruft eines ab, das man geübt hat — oder man improvisiert schlecht.
  3. Eine Begründungspflicht. Jeder Eingriff in die Freiheit eines Menschen braucht einen Grund, den man in einem Satz sagen kann. Wer den nicht hat, hat keinen Einsatz, sondern eine Beschwerde.

Was dieses Handbuch nicht leistet

Es ist keine Rechtsberatung und ersetzt keine Dienstanweisung. Es ist auch kein Handbuch für die Gewinnung eines Feuerkampfs. Das erklärte Ziel praktisch jedes Kapitels ist, den Feuerkampf nicht stattfinden zu lassen.

Der Grundsatz

Grundsatz

Wir deeskalieren die Situation.

Das ist die Kernaufgabe. Eine Lage, die ohne Gewalt endet, ist immer der bessere Einsatz — dienstrechtlich, rechtlich und für jeden Beteiligten.

Die vier Fragen

Diese vier Fragen beantwortet ein Officer in jeder Lage, bevor er handelt. Sie sind der rote Faden des ganzen Handbuchs:

Frage Kapitel
Was darf ich? — Habe ich Reasonable Suspicion, Probable Cause oder nichts? 05
Wo stehe ich? — Deckung, Abstand, Fluchtweg, Contact/Cover-Rolle 09
Wer weiß es? — Habe ich Position, Lage und Bedarf gefunkt? 03
Wie komme ich hier ohne Gewalt raus? — Was ist die nächstniedrigere Stufe? 08

Ein Officer, der diese vier Fragen zuverlässig beantwortet, ist besser als der Durchschnitt seiner Recruit Class. Das ist die ganze Ausbildung.

Aufbau der Kapitel

Jedes Praxiskapitel ist gleich gebaut:

  • Lage — worum es geht
  • Rechtsgrundlage — was der Eingriff voraussetzt
  • Ablauf — der Schritt-für-Schritt-Teil, nummeriert
  • Funk — was gefunkt wird, mit Musterformulierung
  • Trainingsszenario — eine Lage, die man im Trockenlauf oder im Feld nachstellen kann
  • Typische Fehler — was schiefgeht

Der Fehlerkatalog am Ende jedes Kapitels ist nicht Beiwerk. Er sammelt, was in dieser Lage tatsächlich schiefgeht — und ist damit die kürzeste Fassung des Kapitels.

Organisation des Departments

Los Santos ist nach Los Angeles gebaut, das LSPD nach dem LAPD. Wer die echte Struktur kennt, kennt die Struktur, kann jede Funkmeldung und jede Zuständigkeitsfrage beantworten. Dieses Kapitel beschreibt, wer welche Aufgabe hat und welche Einheit wofür zuständig ist.


1. Die fünf Oberkommandos

Das LAPD gliedert sich unter dem Chief of Police in fünf große Kommandos:

Kommando Zuständigkeit
Office of the Chief of Police Amtsleitung
Office of Operations Der gesamte Streifendienst — alle 21 Areas, in vier geografischen Bureaus
Office of Special Operations Detective Bureau, Counter-Terrorism and Special Operations Bureau, Transit Services Bureau, Major Events Group
Office of Support Services Training, IT, Personal, Kommunikation (Dispatch), Records, Custody (Gefangenenwesen), Fuhrpark
Constitutional Policing and Policy Aufsicht, Policy, Beschwerden — wird zivil geleitet

Für den Streifendienst ist praktisch nur das Office of Operations relevant. Alles, was ein Officer im Feld als "Metro", "SWAT", "Air" oder "RHD" anfordert, hängt am Office of Special Operations.


2. Die vier geografischen Bureaus und die 21 Areas

Der Streifendienst ist in vier Bureaus mit insgesamt 21 Areas (auch "Divisions" genannt) organisiert. Jede Area hat ein eigenes Community Police Station.

Central Bureau

Innenstadt und Osten. Das am dichtesten besiedelte der vier Bureaus.

  • Central
  • Rampart
  • Newton Street
  • Northeast
  • Hollenbeck

South Bureau

Süd-L.A. (ohne Inglewood und Compton — eigene Städte mit eigener Polizei).

  • 77th Street
  • Southwest
  • Southeast
  • Harbor (reicht bis San Pedro und den Hafen)
  • South Bureau Homicide Division (Ermittlungseinheit, keine Area)

West Bureau

Hollywood, Westside, Küste.

  • Hollywood
  • Wilshire
  • Olympic
  • Pacific
  • West Los Angeles
  • LAX Field Services Division (Flughafen)

Valley Bureau

San Fernando Valley. Das größte Bureau nach Anzahl der Areas.

  • Van Nuys
  • West Valley
  • North Hollywood
  • Foothill
  • Devonshire
  • Mission
  • Topanga
Randnotiz

Die in Serien häufig genannte Mid-Wilshire Division gibt es real nicht — real ist Wilshire Division, Area-Nummer 7, West Bureau. Daher das Call Sign 7-Adam-15 (siehe Kapitel 03).


3. Die Area-Nummern

Jede Area hat eine Nummer, und diese Nummer ist die erste Zahl in jedem Call Sign. Das ist die klassische LAPD-Nummerierung:

Nr. Area Nr. Area
1 Central 10 West Valley
2 Rampart 11 Northeast
3 Southwest 12 77th Street
4 Hollenbeck 13 Newton
5 Harbor 14 Pacific (historisch "Venice")
6 Hollywood 15 North Hollywood
7 Wilshire 16 Foothill
8 West L.A. 17 Devonshire
9 Van Nuys

Southeast, Mission, Olympic und Topanga sind später hinzugekommen (Olympic und Topanga am 4. Januar 2009) und liegen in der Nummerierung oberhalb von 17.


4. Nicht-geografische Bureaus

Das sind die Einheiten, die ein Streifenofficer anfordert, nicht die, in denen er Dienst hat. Details zu den einzelnen Einheiten in Kapitel 02.

Bureau Enthält u. a.
Detective Bureau Robbery-Homicide Division (RHD), Gang and Narcotics Division, Commercial Crimes, Juvenile Division, Technical Investigation Division
Counter-Terrorism and Special Operations Bureau (CTSOB) Metropolitan Division (inkl. SWAT, K-9, Mounted), Air Support Division, Emergency Services Division, Bomb Squad
Transit Services Bureau Transit Services Division, Traffic Coordination Division, die Traffic Divisions
Professional Standards Bureau Internal Affairs, Force Investigation Division (FID)
Training Bureau Police Academy, Field Training Program, In-Service Training

5. Die Dienstschicht (Watch)

Ein Streifendienst-Tag ist in Watches geteilt. Real arbeitet das LAPD überwiegend mit 3/12-Schichten; die klassische Dreiteilung lautet:

Watch Zeit Charakter
Watch I (Morning Watch) ca. 23:00 – 07:00 Wenig Verkehr, mehr Einbrüche und DUI, dünne Besetzung
Watch II (Day Watch) ca. 07:00 – 15:00 Verkehr, Ladendiebstahl, Anzeigenaufnahme, Publikumsverkehr
Watch III (PM Watch) ca. 15:00 – 23:00 Einsatzstärkste Schicht: Raub, Körperverletzung, häusliche Gewalt

Jede Watch hat einen Watch Commander (in der Regel ein Lieutenant) auf der Wache und Field Supervisors (Sergeants) im Feld.

Roll Call

Jede Schicht beginnt mit dem Roll Call — dem Antreten. Inhalt:

  1. Anwesenheit und Fahrzeugzuteilung (wer fährt welches Shop, wer ist mit wem Partner)
  2. Crime Briefing — was in der letzten Schicht passiert ist, offene Fahndungen, Officer-Safety-Hinweise
  3. Tagesauftrag, Schwerpunkte, besondere Lagen (Demos, Events, Straßensperrungen)
  4. Ausrüstungs- und Erscheinungskontrolle

6. Die Befehlskette

Chief of Police
  └─ Assistant Chief
      └─ Deputy Chief            (Bureau)
          └─ Commander
              └─ Captain          (Commanding Officer einer Area)
                  └─ Lieutenant   (Watch Commander)
                      └─ Sergeant (Field Supervisor)
                          └─ Police Officer III (Training Officer)
                              └─ Police Officer II
                                  └─ Police Officer I (Probationary / Rookie)

Regeln für den Umgang mit der Befehlskette:

  1. Melde nach oben, nicht nach der Seite. Ein Problem geht an deinen Sergeant, nicht an deinen Kumpel auf einer anderen Wache.
  2. Der Sergeant ist im Feld der Chef. Er trägt die Verantwortung für taktische Entscheidungen — Pursuit-Abbruch, Felony Stop, Waffenfreigabe, Metro-Anforderung.
  3. Ein Officer kann einen Befehl verweigern, der offensichtlich rechtswidrig ist — aber er muss das begründen und dokumentieren können — schriftlich, nicht im Wortgefecht.
  4. Rang ersetzt keine Zuständigkeit. Ein Lieutenant aus einer anderen Division übernimmt nicht einfach deine Lage.

Ränge, Dienstgrade und Spezialeinheiten

Das LAPD hat ein eigentümliches Rangsystem: Es mischt Ränge (Sergeant, Lieutenant, Captain) mit Paygrades innerhalb eines Rangs (Police Officer I, II, III). Ein Police Officer III ist kein Vorgesetzter eines Police Officer II — er ist derselbe Rang, nur erfahrener und besser bezahlt. Aus den Paygrades wird häufig versehentlich eine Befehlskette gelesen, die es nicht gibt.


1. Die vollständige Rangfolge

Von unten nach oben. Fett = eigenständiger Rang, kursiv = Paygrade innerhalb eines Rangs.

# Rang / Paygrade Insignien Typische Verwendung
1 Police Officer I keine Probationary Officer. Rookie im Field Training. Nicht alleine im Feld.
2 Police Officer II Service-Hashmarks am unteren Ärmel Probezeit bestanden, voll einsetzbar, kann sich auf Spezialeinheiten bewerben
3 Police Officer III zusätzliche Hashmark Der erfahrene Streifenofficer. Aus diesem Paygrade kommen die Training Officers. Höchster Rang ohne Vorgesetztenprüfung.
4 Police Officer III+1 wie P-III Senior Lead Officer (SLO) — festes Revier, Ansprechpartner für die Nachbarschaft, Bindeglied zur Community
5 Detective I Hashmarks + goldenes Detective-Shield statt Silberstern Ermittler im Einstieg, arbeitet Fälle unter Anleitung
6 Detective II Hashmarks + Goldshield Führt Fälle selbstständig
7 Detective III Hashmarks + Goldshield Senior-Ermittler, führt Großverfahren, koordiniert Teams
8 Sergeant I drei Chevrons pro Oberarm (Spitze nach oben) Field Supervisor. Führt 4–7 Officer im Feld. Der wichtigste Rang der ganzen Liste.
9 Sergeant II drei Chevrons + Rocker (Bogen darunter) Führt eine komplette Schicht einer Division, oft Assistant Watch Commander
10 Lieutenant I ein Balken am Kragen Watch Commander. Verantwortlich für die Wache während seiner Schicht
11 Lieutenant II Balken + Rocker Officer in Charge (OIC) einer Spezialeinheit oder Abteilung
12 Captain I goldene Kragenbalken Führt eine kleinere Spezialeinheit oder unterstützt eine Division
13 Captain II goldene Doppelbalken ("Railroad Tracks") Commanding Officer einer Area — der Chef einer Wache
14 Captain III Railroad Tracks Führt eine große Area oder eine herausgehobene Division
15 Commander ein goldener Stern Führt divisionsübergreifende Operationen
16 Deputy Chief zwei goldene Sterne Führt ein Bureau
17 Assistant Chief drei goldene Sterne Führt ein Oberkommando (Operations, Special Operations, Support Services)
18 Chief of Police vier goldene Sterne Amtsleiter. Wird vom Bürgermeister ernannt, vom City Council bestätigt
Zu den Insignien

Die Rangfolge ist gesichert, die Insignien-Details nicht durchgehend. Öffentliche Quellen widersprechen sich vor allem beim Commander (goldener Stern vs. goldenes Eichenlaub) und bei der genauen Anzahl der Hashmarks für Police Officer II/III. Die verbindliche Quelle ist die Seite Rank Structure auf lapdonline.org; sie ist maschinell nicht abrufbar und wurde für dieses Handbuch nicht gegengeprüft. Für den Dienst ist das eine Kosmetikfrage — die Rangfolge ist das, was zählt.

Zwei Dinge, die man sich merken muss

  1. Detective ist keine Beförderung über Sergeant. Detective I/II/III und Sergeant I/II liegen in der Bezahlung ineinander verschachtelt, aber Detectives sind Ermittler ohne Führungsfunktion im Feld. Ein Detective III befiehlt keinem Sergeant etwas. Er hat in seinem Fall die Sachleitung, aber die taktische Leitung an einem Einsatzort hat der Sergeant.
  2. Police Officer I ist nie allein. Ein P-I fährt immer mit einem Training Officer. Wer im einen Rookie alleine auf Streife schickt, hat das Ausbildungssystem nicht verstanden.

2. Spezialeinheiten und Unterabteilungen

Das sind die Einheiten, die ein Streifenofficer kennt, weil er sie anfordert. Die Struktur folgt dem echten LAPD.

3.1 Metropolitan Division ("Metro")

Die citywide Eliteeinheit unter dem Counter-Terrorism and Special Operations Bureau. Metro hat kein eigenes Revier — Metro wird dorthin geschickt, wo es brennt. Metro gilt als der Karriereschritt für ambitionierte Streifenofficer.

Metro ist in Platoons gegliedert:

Platoon Aufgabe
B Platoon Citywide Tactical Response Team — taktische Unterstützung, Schwerpunkteinsätze, Unterstützung von Ermittlern bei Schwerkriminalität
C Platoon Zweites Citywide Tactical Response Team, gleiche Aufgabe
D Platoon SWAT — ca. 60 Officer, 6 Sergeants, 1 Lieutenant als SWAT Commander, der direkt dem Chief of Police berichtet
E Platoon Mounted Unit — Reiterstaffel, ca. 28 Pferde, Crowd Control und Großveranstaltungen
K-9 Platoon Diensthundeführer — Suche nach Personen und Beweismitteln
H Platoon Headquarters Platoon
M Platoon Administrative Unterstützung
Underwater Dive Unit Taucher — Beweismittelsuche im Wasser

3.2 Air Support Division ("Air", "Air-X")

Hubschrauberstaffel. Im Funk der wichtigste Kraftmultiplikator überhaupt: Ein Luftfahrzeug über einer Verfolgung erlaubt es den Bodenfahrzeugen, den Abstand zu vergrößern — was die Verfolgung sicherer macht und die Abbruchschwelle senkt.

Angefunkt wird direkt: "7-Adam-15 an Air Support: …"

3.3 Detective Bureau

Division Zuständigkeit
Robbery-Homicide Division (RHD) Mord, Serientaten, schwerer Raub, Fälle mit besonderer öffentlicher Bedeutung. Übernimmt von der Area, wenn ein Fall zu groß wird.
Gang and Narcotics Division (GND) Banden und Drogenhandel. Undercover-Operationen.
Commercial Crimes Division Betrug, Fälschung, Wirtschaftskriminalität, Cyber
Juvenile Division Straftaten von und gegen Minderjährige
Technical Investigation Division Spurensicherung, Forensik, Fotografie, Latent Prints
South Bureau Homicide Division Tötungsdelikte im South Bureau — die einzige bureau-eigene Mordkommission

Zusätzlich hat jede Area eigene Area Detectives (Burglary, Auto Theft, Assault, Sex Crimes, Juvenile) — das sind die Detectives, mit denen ein Streifenofficer täglich zu tun hat.

3.4 Transit Services Bureau

  • Transit Services Division — Bahn und Bus
  • Traffic Coordination Division — Koordination der Verkehrsdienste
  • Traffic Divisions (Central, South, Valley, West Traffic) — Unfallaufnahme, schwere Verkehrsunfälle, DUI-Schwerpunkte, Verkehrsermittlung. Motorräder sind hier zu Hause.

3.5 Professional Standards Bureau

Division Zuständigkeit
Internal Affairs Group (IA) Beschwerden gegen Officer, Dienstvergehen
Force Investigation Division (FID) Untersucht jeden Schusswaffengebrauch und jede Gewaltanwendung mit schweren Verletzungen

3.6 Training Bureau

  • Police Academy — Grundausbildung
  • Field Training Program — das T.O.-System, siehe Kapitel 16
  • In-Service Training — Fortbildung, Schießstand, Fahrtraining, Taktik
  • Force Science / Use of Force Training — Deeskalation, Waffengebrauch

3.7 Weitere Einheiten, die im Funk auftauchen

Einheit Funktion
Bomb Squad (Emergency Services Division) Sprengstoffentschärfung
Vice ("Sitte") Prostitution, illegales Glücksspiel, Alkoholdelikte
Mental Evaluation Unit (MEU) Einsätze mit psychisch Auffälligen, siehe Kapitel 15
Threat Management Unit Stalking, Bedrohungslagen
Communications Division Dispatch — "die Zentrale"
Custody Services Division Gefangenenwesen, Booking, Jail

3. Beförderung — wie man aufsteigt

Ein Rangsystem ohne nachvollziehbaren Aufstiegsweg produziert Frust. Der Aufstiegsweg dieses Departments:

Schritt Voraussetzung
Cadet → Officer (Probationary) Academy abgeschlossen, Prüfung nach Kapitel 17 bestanden
Probationary → Officer Field Training abgeschlossen, DORs positiv, Abschlussbeurteilung durch den T.O.
Officer → Senior Officer Dienstzeit + saubere Aktenlage + Empfehlung eines Sergeants
Senior Officer → T.O. Zusatzausbildung als Training Officer
Senior Officer → Detective Bewerbung + Fallbearbeitungsprüfung
Senior Officer → Sergeant Prüfung, nicht Dienstzeit. Schriftlich + Lageführungs-Szenario.
Sergeant → Lieutenant Prüfung + Beurteilung
Lieutenant → Captain Ernennung durch den Chief

Zwei harte Regeln, die sich bewährt haben:

  1. Kein Rang durch Spielzeit allein. Wer nur lange da ist, wird Senior Officer — nicht Sergeant. Führung ist eine Fähigkeit, keine Belohnung.
  2. Ränge können zurückgenommen werden. Ein Sergeant, der Lagen nicht führt, wird wieder Senior Officer. Das muss ausgesprochen möglich sein, sonst verstopft die Hierarchie.

Funkdisziplin und Call Signs

Funk ist die einzige Fähigkeit in diesem Handbuch, die jeder Officer in jeder Lage braucht. Ein Officer, der taktisch mittelmäßig ist, aber sauber funkt, ist brauchbar. Ein Officer, der taktisch brillant ist, aber nicht funkt, ist eine Gefahr — weil niemand weiß, wo er ist, wenn es schiefgeht.


1. Aufbau eines Call Signs

Das LAPD baut Call Signs aus drei Teilen:

   7      -     Adam     -     15
   │            │              │
 Area       Fahrzeugtyp     Beat / laufende Nummer
  • Erste Zahl = Area. 7 = Wilshire. Siehe die Nummerntabelle in Kapitel 01.
  • Buchstabe = Art der Einheit. Gesprochen wird der Buchstabe nach dem LAPD-Buchstabier­alphabet (A = "Adam"), nicht nach NATO ("Alpha").
  • Zweite Zahl = Beat oder laufende Nummer innerhalb der Area.

7-Adam-15 heißt also: Zweimann-Streifenwagen, Area 7 (Wilshire), Beat 15. Das ist der klassische Streifenwagen der Wilshire Area.

Wie es gesprochen wird

Es sind zwei Formen im Umlauf:

  • 7-Adam-15 — "Seven-Adam-Fifteen". Die formal korrekte Form, wie Dispatch die Einheit ruft.
  • Adam 7-15 — die Form, mit der sich die Einheit im Funk selbst meldet. Sie ist in der Praxis die häufigere.

Beispielhafte Einheiten einer Area

Call Sign Einheit
7-Adam-07 Streifenwagen, Beat 7
7-Adam-15 Streifenwagen, Beat 15
7-Adam-19 Streifenwagen, Beat 19
7-Adam-100 Field Supervisor — die Endung 100 kennzeichnet den Sergeant
7-Adam-200 Zweiter Supervisor / Watch Commander
Hinweis

Die Endung -100 für den Supervisor ist eine einfache, sehr brauchbare Konvention. Übernimm sie: Jeder Officer erkennt am Call Sign sofort, ob gerade ein Vorgesetzter im Funk ist.


2. Die Fahrzeugtyp-Buchstaben

Die vollständige Systematik. Im Streifendienst begegnen einem regelmäßig nur die fett markierten.

Buchstabe Gesprochen Bedeutung
A Adam Zweimann-Streifenwagen — der Normalfall
L Lincoln Einmann-Streifenwagen
X X-Ray Extra Patrol — zusätzliche Streife, Schwerpunkteinsatz
Z Zebra Unmarkiertes Fahrzeug
M Mary Motorrad
T Tom Verkehrsermittlung / Traffic
B Boy Gefangenentransport
W William Division Detective
V Victor Vice ("Sitte")
F Frank Ermittlung Schwerkriminalität
FB Frank-Boy Fußstreife
K King Headquarters Detective
J John Jugendsachen
R Robert Metropolitan Division
D David Air Support
U Union Anzeigenaufnahme
Q Queen Sonderveranstaltungen
C Charles Parkraumüberwachung
H Henry Sondereinheit HQ
Y Young Verwaltung HQ
Quellenhinweis

Diese Liste folgt der klassischen LAPD-Unit-Numbering-Systematik. Einzelne Zuordnungen haben sich über die Jahrzehnte geändert; im Zweifel gilt die Dienstanweisung.

3. Der Aufbau einer Funkmeldung

Jede Meldung hat vier Teile, immer in dieser Reihenfolge:

1. WER  — dein Call Sign
2. WO   — Position, so präzise wie möglich
3. WAS  — die Lage in einem Satz
4. WAS BRAUCHT ES — Verstärkung, RTW, Air, Supervisor, oder: nichts

Das ist alles. Wer diese vier Teile in dieser Reihenfolge sagt, funkt richtig.

Beispielmeldungen

Musterformulierungen, an denen man das Schema abliest:

Meldung Was sie richtig macht
"Adam 7-15, Fahrzeugkontrolle …" Wer + Was, Position folgt
"Adam 7-15, verfolgen roten Jeep …" Wer + Was + Fahrzeugbeschreibung
"Adam 7-15, wir haben jetzt einen 187 …" Lageeskalation sofort gemeldet
"Adam 7-15, Code 6, wieder klar zum Einsatz." Statuswechsel gemeldet — Dispatch weiß, dass der Wagen verfügbar ist
"Adam 7-15. Brauchen Verstärkung …" Bedarf explizit benannt
"Adam 7-15, brauchen RTW für eine Frau …" Rettungsdienst mit Grund
"Zentrale, Adam 7-07, Fahrzeugkontrolle …" Adressat zuerst — auch korrekt
"Adam 7-15, Code 3, sind außerhalb …" Fahrweise + Statuswechsel
"Adam 7-15, bitte kommen." Anfrage, wenn die Zentrale nicht reagiert
"Adam 7-15, wir übernehmen das." Einsatzübernahme bestätigt

Muster zum Auswendiglernen

Einsatz übernehmen:

Funkspruch

"7-Adam-15, verstanden, sind unterwegs, Code 2."

Ankunft:

Funkspruch

"7-Adam-15, Code 6 an der Grove Street, Ecke Vine."

Verkehrskontrolle melden:

Funkspruch

"7-Adam-15, Fahrzeugkontrolle, Vespucci Boulevard nordwärts auf Höhe Rockford Drive, blauer Sultan, Kennzeichen 34 Adam Boy Charles 12."

Verstärkung:

Funkspruch

"7-Adam-15, brauchen Verstärkung an der Sandy Shores Medical, ein Verdächtiger unkooperativ, keine Waffe sichtbar."

Notruf (der einzige Funkspruch, der alles unterbricht):

Funkspruch

"7-Adam-15, Officer needs help! Schüsse gefallen, Grove Street 12, Code 3!"

Lage beendet:

Funkspruch

"7-Adam-15, Code 4, keine weitere Verstärkung nötig."

Wieder verfügbar:

Funkspruch

"7-Adam-15, wieder klar zum Einsatz."


4. Die zehn Regeln der Funkdisziplin

  1. Zuerst denken, dann drücken. Formuliere die Meldung im Kopf, bevor du sendest. Vier Teile: wer, wo, was, was brauchst du.
  2. Position vor allem anderen. Wenn du nur einen Satz sagen kannst, sag, wo du bist. Alles andere kann jemand anders herausfinden — deine Position nicht.
  3. Kein Klartext-Roman. Der Funk ist ein geteilter Kanal. Jede Sekunde, die du sendest, kann ein anderer nicht senden.
  4. Keine Namen, keine Nebengespräche, keine Witze auf dem Hauptkanal. Geplauder gehört auf einen Nebenkanal oder ins Auto.
  5. Immer bestätigen. Eine unbestätigte Anweisung gilt als nicht angekommen. "Verstanden" ist ein vollständiger, korrekter Funkspruch.
  6. Statuswechsel melden. Unterwegs, angekommen, Lage beendet, wieder verfügbar. Dispatch kann nur disponieren, was sie weiß.
  7. Jede Eskalation sofort melden. Aus einer Verkehrskontrolle wird eine Flucht? Sofort auf den Funk. "Adam 7-15, wir haben jetzt einen 187" ist genau das.
  8. Bei Notruf schweigen alle anderen. Wenn "Officer needs help" läuft, ist der Kanal gesperrt, bis Code 4 kommt. Kein "bin auch unterwegs"-Chor.
  9. Fahrzeuge und Personen nach Schema beschreiben. Fahrzeug: Farbe → Typ → Kennzeichen → Fahrtrichtung. Person: Geschlecht → Alter → Kleidung oben → Kleidung unten → Besonderheiten → Fluchtrichtung → Waffe ja/nein.
  10. Buchstabiere Kennzeichen. 34ABC12 ist "Drei-Vier-Adam-Boy-Charles-Eins-Zwei". Nie "ABC" am Stück.

5. Typische Fehler

Fehler Warum es schadet
Call Sign vergessen Dispatch weiß nicht, wer sendet, und kann nicht zurückrufen
Position ungenau ("irgendwo in Sandy Shores") Verstärkung findet dich nicht
Eskalation nicht gemeldet Verstärkung kommt mit falscher Erwartung und falscher Fahrweise
Code 4 vergessen Sechs Wagen fahren Code 3 zu einer beendeten Lage. Gefährlichster Funkfehler überhaupt.
Während Notruf senden Blockiert genau den Spruch, der Leben rettet
Nebengespräche im Funk Blockieren den Kanal und untergraben die Disziplin
Codes benutzen, die man nicht kann Ein falsch benutzter Code ist schlimmer als Klartext. Bei Unsicherheit: Klartext.

Funkcodes

Kalifornien benutzt vier verschiedene Codesysteme parallel. Das ist verwirrend, hat aber Logik:

System Antwortet auf die Frage Beispiel
Code-X Wie soll ich fahren / wie ist der Status? Code 3 = mit Blaulicht und Sirene
10-Codes Verwaltungskram 10-4 = verstanden
11-Codes Verkehr (primär CHP / Highway Patrol) 11-80 = Unfall mit Schwerverletzten
Penal Codes Welche Straftat? 187 = Mord
Wichtige Eigenheit

Das LAPD funkt vergleichsweise viel Klartext. Wo andere Behörden 10-Codes stapeln, sagt das LAPD, was ist, und benutzt Codes vor allem für Status (Code-X) und Straftatbestand (Penal Code). Die 11-Codes sind überwiegend California Highway Patrol.

Das heißt: Man braucht nicht 80 Codes, sondern ungefähr fünfzehn. Der Rest ist Nachschlagewerk.


1. Code-X — die wichtigste Gruppe

Diese Codes muss jeder Officer im Schlaf können.

Code Bedeutung Fahrweise
Code 1 Meldung bestätigen / per Funk antworten
Code 2 Dringend, ohne Sondersignal. Zügig, aber Verkehrsregeln gelten. keine Sondersignale
Code 3 Notfall — Blaulicht und Sirene, Sonderrechte Blaulicht + Sirene
Code 4 Keine weitere Unterstützung nötig. Lage im Griff.
Code 4A Keine Verstärkung nötig, Täter aber nicht in Gewahrsam — weiter aufmerksam
Code 5 Observation / Stakeout. Uniformierte Einheiten sollen wegbleiben.
Code 6 Am Einsatzort, Überprüfung läuft. Ich bin raus aus dem Wagen.
Code 6-Charles Wie Code 6, aber: Person ist gesucht / Officer-Safety-Warnung
Code 7 Pause / Essen
Code 10 Bitte Frequenz freihalten
Code 12 Fehlalarm
Code 20 Presse vor Ort / Medienhubschrauber
Code 30 Einbruchsalarm (Alarmanlage)
Code 37 Fahrzeug ist als gestohlen gemeldet
Code 100 Position zur Abriegelung besetzt (Fluchtweg abgedeckt)
Code Robert Freigabe: Urban Police Rifle (Gewehr) ausgeben
Code Sam Freigabe: Schrotflinte mit Slug-Munition
Hinweis

Historisch existiert auch Code 2-High (dringender als Code 2, aber ohne Sirene). Beim LAPD ist er nicht mehr in Gebrauch. Nicht verwenden.

Die drei, die über Leben entscheiden

Code 3 ist eine Entscheidung, keine Fahrweise. Sonderrechte heißen nicht "freie Fahrt". Wer Code 3 fährt, fährt defensiv schnell: an jeder Kreuzung Tempo raus, Blickkontakt mit dem Querverkehr, nie davon ausgehen, dass die Sirene gehört wird.

Code 4 ist der wichtigste Funkspruch im ganzen Handbuch — und der, der am häufigsten vergessen wird. Ohne Code 4 fahren weiter Einheiten Code 3 zu einer Lage, die längst vorbei ist. Jeder Unfall auf dem Weg zu einer beendeten Lage ist ein vermeidbarer Unfall.

Code 6 ist Officer Safety. Es bedeutet: "Ich bin aus dem Fahrzeug, ich bin zu Fuß, ich bin beschäftigt." Wer Code 6 funkt und sich zehn Minuten nicht meldet, löst eine Überprüfung aus. Genau dafür ist der Code da.


2. 10-Codes

Das LAPD benutzt nur einen Teil davon regelmäßig. Fett = lernen. Rest = Nachschlagewerk.

Code Bedeutung
10-1 Empfang schlecht
10-2 Empfang gut
10-4 Verstanden
10-6 Beschäftigt
10-7 Außer Dienst / nicht verfügbar
10-8 Im Dienst / verfügbar
10-9 Bitte wiederholen
10-20 Position?
10-21 Telefonisch melden
10-22 Auftrag stornieren
10-23 Am Einsatzort eingetroffen
10-26 Verkehrskontrolle
10-27 Führerscheinabfrage
10-28 Fahrzeughalterabfrage
10-29 Fahndungsabfrage (Person/Fahrzeug)
10-30 Lagemeldung
10-33 Notfallverkehr — Frequenz sperren
10-34 Verstärkung erforderlich
10-80 Verfolgung läuft
10-97 Am Einsatzort
10-98 Einsatz beendet
10-99 Officer in Not / Notfall
Warnung

10-Codes sind nicht bundesweit einheitlich. 10-50 heißt bei einer Behörde "Unfall" und bei einer anderen "Funkkontrolle". Deshalb: Wenn du unsicher bist, Klartext. Ein verstandener Klartextsatz ist immer besser als ein missverstandener Code.


3. 11-Codes (Verkehr)

Primär California Highway Patrol, aber im Verkehrsbereich auch beim LAPD anzutreffen.

Code Bedeutung
11-24 Verlassenes Fahrzeug auf der Fahrbahn
11-25 Verkehrshindernis / Gefahrenstelle
11-44 Todesopfer am Einsatzort
11-80 Verkehrsunfall mit schweren Verletzungen
11-81 Verkehrsunfall mit leichten Verletzungen
11-82 Verkehrsunfall, nur Sachschaden
11-85 Abschleppwagen anfordern

4. Penal Codes — Straftatbestände im Funk

Die Gruppe, die den Funk kurz hält. Statt "wir haben hier einen Mord" funkt man "wir haben jetzt einen 187".

Die essentiellen zehn

Code Straftat Deutsch
187 Murder Mord / Tötungsdelikt
207 Kidnapping Entführung
211 Robbery Raub
240 / 242 Assault / Battery Bedrohung / Körperverletzung
245 Assault with a Deadly Weapon (ADW) Gefährliche Körperverletzung
261 Rape Vergewaltigung
415 Disturbing the Peace Ruhestörung / Streit
417 Brandishing a Weapon Bedrohung mit einer Waffe
459 Burglary Einbruch
484 Petty Theft Diebstahl (geringwertig)

Erweiterte Liste

Code Straftat
148 Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte
182 Verschwörung
203 / 205 Verstümmelung / schwere Körperverletzung
211 (Silent) Stiller Raubalarm
213 Raubversuch
243 Körperverletzung, qualifiziert
273.5 Häusliche Gewalt (Körperverletzung im Partnerschaftsverhältnis)
286 / 288 Sexualdelikte, u. a. an Minderjährigen
311 Kinderpornografie
314 Exhibitionismus
368 Misshandlung älterer Menschen
390 Betrunkene Person
451 Brandstiftung
470 Fälschung
487 Grand Theft (Diebstahl, hochwertig)
496 Hehlerei
502.5 Zechbetrug
594 Sachbeschädigung
602 Hausfriedensbruch
646.9 Stalking
647 Ordnungswidriges Verhalten in der Öffentlichkeit
653m Belästigende Anrufe

Weitere Gesetzbücher

Vehicle Code (VC) — Straßenverkehr

Code Bedeutung
10851 Fahrzeugdiebstahl (Grand Theft Auto)
23103 Reckless Driving
23152 DUI — Fahren unter Alkohol- oder Drogeneinfluss
20001 Unfallflucht mit Personenschaden
20002 Unfallflucht, nur Sachschaden
12500 Fahren ohne Führerschein
14601 Fahren trotz Entziehung der Fahrerlaubnis

Health & Safety Code (H&S) — Drogen

Code Bedeutung
11350 Besitz von Betäubungsmitteln
11351 Besitz mit Handelsabsicht
11352 Handel / Abgabe
11377 Besitz nicht-narkotischer kontrollierter Substanzen
11378 Besitz von Methamphetamin mit Handelsabsicht

Welfare & Institutions Code (W&I)

Code Bedeutung
5150 Zwangsunterbringung zur psychiatrischen Begutachtung, 72 Stunden
601 Jugendlicher — Statusdelikt (Schulverweigerung, Weglaufen)
602 Jugendlicher — Straftat

5150 ist der wichtigste dieser Codes und hat ein eigenes Kapitel: Kapitel 15.


Rechtsgrundlagen: Reasonable Suspicion und Probable Cause

Dieses Kapitel ist der Unterschied zwischen einem Officer und einer Uniform. Wer es nicht beherrscht, hält Leute ohne Grund an, durchsucht ohne Befugnis und produziert damit eine Beschwerde nach der anderen.

Der Satz, der alles zusammenfasst:

Grundsatz

Jeder Eingriff braucht einen Grund, den du in einem Satz aussprechen kannst.

Nicht "der war mir verdächtig". Sondern: "Er trug im Sommer einen dicken Mantel, hat beim Anblick des Streifenwagens die Richtung gewechselt und griff dabei zweimal an die Hüfte." Das ist ein Satz, der einen Eingriff trägt. Das erste ist Bauchgefühl und trägt nichts.


1. Die drei Stufen

Es gibt genau drei Stufen der Interaktion, und jede hat andere Voraussetzungen und andere Befugnisse.

Stufe 1 — Consensual Encounter (freiwilliges Gespräch)

Voraussetzung: Keine. Ein Officer darf jeden ansprechen.

Befugnis: Fragen stellen. Das ist alles.

Das Entscheidende: Die Person darf jederzeit gehen. Sie muss nicht antworten, keinen Ausweis zeigen, nicht stehen bleiben. Wenn du ihr den Weg blockierst, sie am Arm festhältst, ihr sagst "Sie bleiben hier" oder mit drei Wagen und Blaulicht auffährst, ist es kein Consensual Encounter mehr — dann bist du auf Stufe 2 und brauchst einen Grund.

Stufe 2 — Detention / Terry Stop (vorläufige Festhaltung)

Voraussetzung: Reasonable Suspicion — begründeter Verdacht.

Begründet heißt: konkrete, benennbare Tatsachen, die bei einem vernünftigen Officer den Verdacht wecken, dass diese Person an einer Straftat beteiligt ist, war oder sein wird.

Der Standard kommt aus Terry v. Ohio (1968): Der Supreme Court erlaubte darin, eine Person kurz festzuhalten und nach Waffen abzutasten — auf Grundlage von weniger als Probable Cause, aber auf Basis eines individualisierten, in Tatsachen begründeten Verdachts.

Befugnis:

  • Die Person kurz festhalten, so lange wie zur Klärung des Verdachts nötig
  • Identität feststellen
  • Fragen stellen
  • Pat-Down nach Waffen — nur wenn du zusätzlich Gründe hast, anzunehmen, dass die Person bewaffnet und gefährlich ist. Der Pat-Down ist eine Waffensuche, keine Beweismittelsuche.

Was nicht erlaubt ist:

  • Taschen leeren, Rucksack öffnen, Auto durchsuchen — das braucht mehr
  • Beliebig lange festhalten
  • Zur Wache mitnehmen

Beispiele für Reasonable Suspicion:

Trägt Trägt nicht
Passt zur Täterbeschreibung einer Meldung von vor 5 Minuten, 200 m vom Tatort "War in der Gegend"
Flieht beim Anblick der Streife in einem Gebiet mit aktueller Einbruchsserie "Ist weggegangen"
Rüttelt an Autotürgriffen auf einem Parkplatz "Stand neben Autos"
Sichtbare Beule unter der Jacke + greift wiederholt danach "Sah nervös aus"
Läuft mit einem Fernseher ohne Karton um 3 Uhr nachts aus einem Laden mit zerbrochener Scheibe "Trug etwas"

Stufe 3 — Arrest (Festnahme)

Voraussetzung: Probable Cause — hinreichender Tatverdacht.

Probable Cause heißt: Die bekannten Tatsachen und Umstände machen es für einen vernünftigen Officer wahrscheinlich, dass eine Straftat begangen wurde und dass diese Person sie begangen hat.

Das ist deutlich mehr als Reasonable Suspicion. Es ist aber deutlich weniger als "zweifelsfreier Beweis" — das ist die Hürde für eine Verurteilung, nicht für eine Festnahme.

Befugnis:

  • Festnahme
  • Vollständige Durchsuchung der Person (Search Incident to Arrest)
  • Transport zur Wache, Booking
  • Sicherstellung von Beweismitteln

2. Die Stufen im Überblick

Consensual Encounter Detention (Terry Stop) Arrest
Voraussetzung keine Reasonable Suspicion Probable Cause
Darf gehen? jederzeit nein, für kurze Zeit nein
Dauer beliebig so kurz wie möglich bis Freilassung/Haftrichter
Abtasten? nein ja, wenn Waffenverdacht ja, volle Durchsuchung
Miranda nötig? nein nein (außer bei Custodial Interrogation) ja, vor Befragung
Funkcode Code 6 Festnahme melden

3. Die Eskalation läuft nur in eine Richtung

Du kannst auf jeder Stufe hochgehen, wenn du unterwegs neue Tatsachen dazugewinnst:

Consensual Encounter
   ↓  Person greift nach der Hüfte
Detention + Pat-Down
   ↓  Pat-Down findet eine Waffe, Person hat keinen Waffenschein
Arrest (Probable Cause)
   ↓  Search Incident to Arrest findet Drogen
Zusätzlicher Tatvorwurf 11350

Das ist ein legitimer, saubere Ablauf. Jede Stufe ist durch das getragen, was auf der vorherigen gefunden wurde.

Was nicht funktioniert: rückwärts begründen. Du darfst nicht erst durchsuchen und dann nach einem Grund suchen. Wenn der Grund nicht vor dem Eingriff vorlag, trägt der Eingriff nicht — und das heißt: der Officer hat ein Problem, nicht der Verdächtige.


4. Die Ein-Satz-Regel

Bevor du jemanden anhältst, formuliere im Kopf einen Satz:

Wortlaut

"Ich halte diese Person an, weil …"

Wenn der Satz nicht fertig wird, halte niemanden an.

Das gilt genauso für Fahrzeuge:

Funkspruch

"Ich halte dieses Fahrzeug an, weil …" — … es über eine rote Ampel gefahren ist. — … das Kennzeichen als gestohlen gemeldet ist (Code 37). — … das Rücklicht defekt ist. — … es der Beschreibung aus der 211-Meldung entspricht.

Nicht: "… es mir komisch vorkam." Das ist kein Satz, das ist eine Lücke.


5. Pretext Stops

Ein Pretext Stop ist eine Kontrolle, bei der ein echter, aber nebensächlicher Verstoß (defektes Rücklicht) als Anlass benutzt wird, um eigentlich etwas anderes zu untersuchen. Real ist das zulässig, aber in Los Angeles politisch stark eingeschränkt worden — die Stadt hat Maßnahmen ergriffen, um pretextual traffic stops beim LAPD zu begrenzen, weil sie überproportional Minderheiten getroffen haben.


6. Wenn du falsch lagst

Ein Officer hält jemanden mit gutem Grund an, und es stellt sich heraus: nichts. Das ist kein Fehler. Reasonable Suspicion ist der Standard, nicht Allwissenheit.

Der richtige Abschluss:

  1. Der Person sagen, warum sie angehalten wurde
  2. Sagen, dass die Sache geklärt ist
  3. Sich für die Verzögerung bedanken oder entschuldigen
  4. Code 4 funken und die Person gehen lassen
Hinweis

Das ist der wertvollste Abschluss, den eine Kontrolle haben kann. Ein Officer, der sich korrekt erklärt und entschuldigt, wenn er falsch lag, tut mehr für das Ansehen des Departments als zehn erfolgreiche Festnahmen.


7. Typische Fehler

Fehler Was daran falsch ist
"Ausweis!" ohne Grund Auf Stufe 1 gibt es keine Ausweispflicht. Wer sie behauptet, ist auf Stufe 2 ohne Grundlage.
Pat-Down bei jeder Detention Der Pat-Down braucht zusätzlich Waffenverdacht. Nicht jede Detention rechtfertigt ihn.
Pat-Down als Beweismittelsuche Ein Pat-Down sucht Waffen. Wer in Taschen greift, weil er Drogen sucht, überschreitet Terry.
Detention, die 20 Minuten dauert Eine Detention ist kurz. Wer nach kurzer Zeit keinen Probable Cause hat, lässt gehen.
Grund erst im Bericht erfinden Der Grund muss vor dem Eingriff existieren.
"Widerstand" als Anlass produzieren Wer eskaliert, um eine 148 zu bekommen, begeht selbst ein Dienstvergehen.
Festnahme ohne Probable Cause Rechtswidrig. Folge: Freilassung, Beschwerde, Verfahren der Dienstaufsicht.

Belehrungen: Miranda und Lybarger

Ein Officer hat es mit zwei grundlegend verschiedenen Belehrungen zu tun, und sie werden regelmäßig verwechselt:

Miranda Warning Lybarger Admonition
Richtet sich an Verdächtige / Festgenommene Officer selbst
Anlass Strafverfahren Innerdienstliche Untersuchung (IA)
Kernaussage "Du musst nicht reden." "Du musst reden."
Folge des Schweigens keine Disziplinarmaßnahme bis zur Entlassung
Verwertbarkeit Aussage ist im Strafverfahren verwertbar Aussage ist im Strafverfahren unverwertbar
Quelle Miranda v. Arizona (1966) Lybarger v. City of Los Angeles (1985)

Teil A dieses Kapitels behandelt Miranda — was ein Officer einem Verdächtigen sagt. Teil B behandelt Lybarger — was einem Officer gesagt wird, wenn er selbst untersucht wird.


Teil A — Miranda Warning

1. Der Wortlaut

Die Miranda Warning geht auf Miranda v. Arizona (1966) zurück. Sie hat vier Bestandteile, und alle vier müssen genannt werden:

Englisch (Originalform)

  1. "You have the right to remain silent."
  2. "Anything you say can and will be used against you in a court of law."
  3. "You have the right to an attorney."
  4. "If you cannot afford an attorney, one will be provided for you."

Anschließend die Verständnisfrage: "Do you understand the rights I have just read to you? With these rights in mind, do you wish to speak to me?"

Deutsche Fassung — die gängige Übertragung:

Wortlaut

"Sie haben das Recht zu schweigen. Alles, was Sie sagen, kann gegen Sie verwendet werden. Sie haben das Recht auf einen Anwalt. Können Sie sich keinen leisten, wird Ihnen einer gestellt."


2. Wann Miranda Pflicht ist

Das ist der Teil, der am häufigsten falsch gemacht wird. Miranda wird nicht bei der Festnahme fällig. Miranda wird fällig bei Custodial Interrogation — und das sind zwei Bedingungen, die beide erfüllt sein müssen:

  Custody              +          Interrogation          =   Miranda erforderlich
  (Person ist in                  (Officer stellt Fragen
   Gewahrsam / darf                zur Sache, die auf eine
   nicht gehen)                    Selbstbelastung zielen)
Lage Custody? Interrogation? Miranda?
Verkehrskontrolle, "Wissen Sie, wie schnell Sie waren?" nein ja nein
Terry Stop, "Was machen Sie hier?" nein ja nein
Festnahme, keine Fragen gestellt ja nein nein
Festnahme, "Wo ist die Waffe?" ja ja ja
Im Streifenwagen, "Warum hast du das getan?" ja ja ja
Im Verhörraum ja ja ja
Verdächtiger redet unaufgefordert von selbst ja nein nein (spontane Äußerung)

Die drei Konsequenzen

  1. Du kannst jemanden festnehmen, ohne Miranda zu sagen. Solange du ihn nicht zur Sache befragst, ist das vollkommen korrekt. Die Belehrung kommt dann vor dem Verhör auf der Wache.
  2. Du kannst Miranda sofort bei der Festnahme sagen. Das ist praktisch üblich, weil man dann nicht vergisst, ob man schon belehrt hat — und weil es die Szene sauber macht.
  3. Verletzt du Miranda, ist nicht die Festnahme kaputt, sondern die Aussage. Die Festnahme bleibt gültig; das Verhörergebnis ist vor Gericht unverwertbar. Das ist eine hervorragende Folge: Der Fall platzt nicht, aber die Staatsanwaltschaft ist sauer, und die Aussage fliegt raus.

3. Die Ausnahme: Public Safety Exception

Wenn eine unmittelbare Gefahr besteht, dürfen Fragen gestellt werden, die der Gefahrenabwehr dienen — ohne Belehrung.

Wortlaut

"Wo ist die Waffe?" bei einem festgenommenen Schützen in einer Menschenmenge. "Ist noch jemand im Haus?" bei einem Einbruch mit Verdacht auf Opfer. "Ist die Bombe scharf?"

Das ist eine enge Ausnahme. Sie gilt für Fragen zur Gefahr, nicht für Fragen zur Tat. "Wo ist die Waffe?" ist zulässig. "Warum hast du geschossen?" ist es nicht.


4. Wenn die Person ihre Rechte in Anspruch nimmt

Das Verhör endet. Sofort.

Person sagt Was zu tun ist
"Ich sage nichts." Befragung beenden. Keine weiteren Fragen zur Sache.
"Ich will einen Anwalt." Befragung beenden, bis der Anwalt da ist. Kein Nachfragen, kein "Bist du sicher?"
"Vielleicht sollte ich einen Anwalt haben …" Uneindeutig. Nachfragen ist zulässig: "Wollen Sie einen Anwalt, ja oder nein?"
Schweigt einfach Schweigen allein ist keine Inanspruchnahme. Aber: nicht ausquetschen.

Was ausdrücklich nicht geht: weiterreden, um ihn umzustimmen. Wenn ein Verdächtiger einen Anwalt verlangt und der Officer weiter Fragen stellt, ist alles, was danach kommt, unverwertbar — und der Officer hat ein Dienstvergehen.


5. Typische Fehler

Fehler Folge
Miranda mitten im Gerangel heruntergeleiert Keine wirksame Belehrung — die Person muss sie verstehen können
Belehrung vergessen und dann im Wagen befragt Aussage unverwertbar
Nach "Ich will einen Anwalt" weiter gefragt Aussage unverwertbar + Dienstvergehen
Miranda bei einer Verkehrskontrolle vorgelesen Nicht falsch, aber unnötig — und es signalisiert der Person, dass sie festgenommen ist
Nur "Sie haben das Recht zu schweigen" gesagt Unvollständig. Alle vier Teile oder keiner.
Miranda vorgelesen, dann trotzdem nicht dokumentiert Im Zweifel gilt: nicht belehrt

Teil B — Lybarger Admonition

6. Worum es geht

Ein Officer, gegen den ein Verfahren läuft, steht in einer Zwickmühle: Als Beschuldigter in einem Strafverfahren hat er das Recht zu schweigen (Fifth Amendment). Als Angestellter einer Behörde ist er verpflichtet, Fragen zu seinen Dienstpflichten zu beantworten — wer das verweigert, begeht Insubordination.

Der kalifornische Supreme Court hat diesen Konflikt in Lybarger v. City of Los Angeles (1985) 40 Cal.3d 822 entschieden. Der Fall betraf einen LAPD-Officer, dessen Einheit von Internal Affairs wegen falscher Festnahmen, Freiheitsberaubung, Bestechung und Verschwörung untersucht wurde.

Das Ergebnis ist ein Tauschgeschäft:

Grundsatz

Du bist verpflichtet zu antworten. Dafür kann deine Antwort nicht gegen dich in einem Strafverfahren verwendet werden.

Ein öffentlicher Bediensteter kann in einer verwaltungsinternen Untersuchung zur Aussage gezwungen werden. Alles, was er unter diesem Zwang sagt — und alles, was daraus abgeleitet wird — darf im Strafverfahren nicht gegen ihn verwendet werden.

Hinweis

Der bundesweite Vorläufer ist Garrity v. New Jersey (1967). Deshalb spricht man außerhalb Kaliforniens von "Garrity Rights" und in Kalifornien von der "Lybarger Admonition". Gemeint ist dasselbe Prinzip.


7. Der Wortlaut

Die Belehrung muss drei Dinge enthalten. Fehlt eines, ist sie unwirksam.

Englisch (Standardform)

"This is an administrative investigation. You are required to answer questions that relate to your job duties and to the allegations made against you. If you refuse to answer, you may be subject to discipline, up to and including termination. However, any statements you make cannot be used against you in a criminal proceeding."

Deutsch

"Dies ist eine innerdienstliche Untersuchung. Sie sind verpflichtet, Fragen zu beantworten, die Ihre Dienstpflichten und die gegen Sie erhobenen Vorwürfe betreffen. Wenn Sie die Aussage verweigern, kann das disziplinarrechtliche Folgen haben, bis zur Entlassung. Alles, was Sie hier sagen, darf jedoch in einem Strafverfahren nicht gegen Sie verwendet werden."

Die drei Pflichtbestandteile

# Bestandteil Warum er nötig ist
1 Es ist eine administrative Untersuchung, und es besteht Aussagepflicht Der Officer muss wissen, dass er hier nicht als Beschuldigter, sondern als Angestellter sitzt
2 Schweigen kann als Insubordination gewertet werden und disziplinarrechtliche Folgen bis zur Entlassung haben Ohne diesen Satz gibt es keinen Zwang — und ohne Zwang keine Immunität
3 Die Aussage ist im Strafverfahren unverwertbar Das ist die Gegenleistung für den Zwang

Best Practice: Mündlich vorlesen, dann schriftlich bestätigen lassen — Datum, Uhrzeit, Unterschrift des Officers und des Untersuchungsführers.


8. Die Reihenfolge, die zählt

Das ist der Punkt, an dem Behörden regelmäßig scheitern: Man kann nicht beides gleichzeitig.

Es gibt einen Strafverdacht gegen den Officer.
│
├── Strafrechtliche Ermittlung (FID / Staatsanwaltschaft)
│      → MIRANDA. Der Officer darf schweigen wie jeder andere.
│      → Kein Zwang. Keine Disziplinardrohung.
│
└── Innerdienstliche Untersuchung (Internal Affairs)
       → LYBARGER. Aussagepflicht.
       → Die Aussage ist strafrechtlich verbrannt.

Die Konsequenz: Wer einem Officer zuerst Lybarger gibt und ihn zur Aussage zwingt, hat seine Aussage für das Strafverfahren vernichtet — samt allem, was daraus abgeleitet wird. Deshalb läuft in der Praxis die strafrechtliche Ermittlung zuerst, und die innerdienstliche Untersuchung danach oder parallel durch ein getrenntes Team.


9. POBR — die Rechte des Officers in der Untersuchung

Der Public Safety Officers Procedural Bill of Rights Act (POBR, California Government Code § 3300 ff., Kernvorschrift § 3303) regelt, wie ein Officer befragt werden darf.

Wird ein Officer wegen eines Vorwurfs befragt, der zu einer Disziplinarmaßnahme führen kann, gilt:

Recht Inhalt
Zumutbare Zeit Die Befragung erfolgt zu einer vertretbaren Uhrzeit, vorzugsweise während der Dienstzeit des Officers
Vorherige Information Der Officer ist vor der Befragung über die Art der Untersuchung zu informieren
Beistand Recht auf einen Vertreter eigener Wahl, inklusive Vorgespräch mit ihm. Der Vertreter ist kein stiller Beobachter — er darf für den Officer sprechen und ihn unterstützen
Höchstens zwei Befrager Nicht mehr als zwei Personen stellen Fragen
Keine Drohungen, keine Versprechen Keine beleidigende Sprache, keine Drohung mit Disziplinarmaßnahmen als Druckmittel, keine Belohnungsversprechen für Antworten
Aufzeichnung Der Officer darf die Befragung aufzeichnen. Wird behördlich aufgezeichnet, hat er Zugang zur Aufnahme, wenn weitere Schritte folgen
Akteneinsicht Anspruch auf Abschrift von Mitschriften; Zugang zu Berichten und Beschwerden der Ermittler — allerdings nicht automatisch vor jeder weiteren Befragung
Hinweis

Zur Einschränkung beim letzten Punkt: § 3303(g) verlangt keine automatische Herausgabe von Berichten und Beschwerden, bevor der Officer erneut befragt wird.

Der Widerspruch, den man aushalten muss: POBR verbietet, mit Disziplinarmaßnahmen zu drohen — Lybarger verlangt, über Disziplinarfolgen zu belehren. Der Unterschied: Die Belehrung ist eine sachliche Aufklärung über die Rechtslage, zu Beginn und einmal. Eine Drohung ist der wiederholte Hinweis "wenn du jetzt nicht redest, bist du morgen weg", um Druck zu erzeugen. Das erste ist Pflicht, das zweite rechtswidrig.


10. Typische Fehler bei Lybarger

Fehler Folge
Lybarger gegeben, obwohl es eine strafrechtliche Befragung ist Die Aussage ist strafrechtlich unverwertbar — das Verfahren ist beschädigt
Miranda gegeben und trotzdem mit Entlassung gedroht Beides unwirksam. Die Drohung macht die Aussage erzwungen, obwohl Miranda Freiwilligkeit voraussetzt
Nur Bestandteil 1 und 2 gesagt, Immunitätshinweis vergessen Belehrung unwirksam, Zwang rechtswidrig
Officer den Beistand verweigert POBR-Verstoß, Verfahren angreifbar
Vier Leute im Raum, die alle Fragen stellen POBR-Verstoß
Befragung um 3 Uhr nachts nach einer Doppelschicht POBR-Verstoß
Officer nicht gesagt, worum es geht POBR-Verstoß
Strafrechtliche und innerdienstliche Untersuchung vom selben Team geführt Kontamination — das Strafverfahren erbt die erzwungene Aussage

Durchsuchung und Beschlagnahme

Grundlage ist das Fourth Amendment: Schutz vor unangemessenen Durchsuchungen und Beschlagnahmen. Der Grundsatz lautet:

Grundsatz

Eine Durchsuchung braucht einen Durchsuchungsbeschluss (Warrant) — es sei denn, eine anerkannte Ausnahme greift.

In der Praxis arbeitet der Streifendienst fast ausschließlich mit den Ausnahmen. Die muss man kennen, und zwar namentlich, weil man im Bericht und vor Gericht sagen muss, auf welche man sich stützt.


1. Der Warrant

Ein Durchsuchungsbeschluss wird von einem Richter ausgestellt, auf Antrag mit einer Affidavit (eidesstattliche Darlegung des Probable Cause). Er ist inhaltlich begrenzt: Er nennt den Ort und die Gegenstände, nach denen gesucht werden darf.

  • Warrant für eine Waffe im Wohnzimmer → keine Berechtigung, den Laptop mitzunehmen
  • Warrant für Haus A → keine Berechtigung für die Garage von Haus B

2. Die Ausnahmen

Die Person stimmt zu. Dann ist keine weitere Grundlage nötig.

Voraussetzungen:

  • Freiwillig. Kein Druck, keine Drohung, keine Täuschung. "Wenn Sie nichts zu verbergen haben, lassen Sie mich nachsehen" ist Druck.
  • Von einer berechtigten Person. Der Mitbewohner kann für Gemeinschaftsräume einwilligen, nicht für dein verschlossenes Zimmer.
  • Widerruflich, jederzeit. Sagt die Person "Stop", ist die Durchsuchung beendet.
  • Begrenzbar. "Sie dürfen in den Kofferraum, nicht ins Handschuhfach" ist wirksam.

Die korrekte Frage: "Haben Sie etwas dagegen, wenn ich in Ihr Fahrzeug schaue?" — und dann die Antwort abwarten und akzeptieren.

2.2 Search Incident to Arrest

Nach einer rechtmäßigen Festnahme darf die Person vollständig durchsucht werden, ebenso der unmittelbare Greifbereich. Zweck: Waffen und Beweismittel.

Beim Fahrzeug ist das enger als viele denken: Nach der Festnahme des Fahrers darf der Innenraum nur dann durchsucht werden, wenn der Festgenommene noch Zugriff darauf haben könnte oder wenn Grund zur Annahme besteht, dass sich Beweismittel zur Festnahmetat darin befinden. Wer schon gefesselt im Streifenwagen sitzt, hat keinen Zugriff mehr.

2.3 Terry Frisk (Pat-Down)

Behandelt in Kapitel 05. Zusammengefasst:

  • Voraussetzung: Detention plus begründete Annahme, dass die Person bewaffnet und gefährlich ist
  • Umfang: Abtasten der Außenkleidung, Suche nach Waffen
  • Kein Griff in Taschen, kein Öffnen von Behältnissen

Plain Feel / Plain Touch: Wenn du beim Abtasten durch den Stoff hindurch eindeutig erkennst, dass es sich um Rauschgift oder Schmuggelware handelt, darfst du es sicherstellen. Was du nicht darfst: einen Gegenstand befühlen, drücken und kneten, um erst herauszufinden, was es ist. Wenn die Erkennung nicht sofort und eindeutig ist, hört die Befugnis auf.

2.4 Plain View

Was ein Officer von einem Ort, an dem er sich rechtmäßig aufhält, offen sehen kann und eindeutig als Beweismittel oder Schmuggelware erkennt, darf er sicherstellen.

Drei Voraussetzungen:

  1. Der Officer ist rechtmäßig dort, wo er steht
  2. Der Gegenstand ist tatsächlich offen sichtbar
  3. Der Charakter als Beweismittel/Contraband ist sofort erkennbar

Eine Pistole auf dem Beifahrersitz bei einer Verkehrskontrolle: Plain View. Eine Pistole in einer geschlossenen Tasche im Fußraum: nicht Plain View.

Plain View erlaubt die Sicherstellung — nicht die Durchsuchung. Die Waffe darf du nehmen. Danach den ganzen Wagen zu durchsuchen, braucht eine eigene Grundlage (dann aber liefert der Fund meist genau den Probable Cause dafür).

2.5 Automobile Exception

Bei Fahrzeugen gilt eine gelockerte Regel, weil sie mobil sind: Mit Probable Cause, dass sich Beweismittel oder Schmuggelware im Fahrzeug befinden, darf ohne Warrant durchsucht werden — und zwar jeder Teil, in dem der gesuchte Gegenstand sein kann, inklusive Kofferraum und Behältnissen.

Probable Cause heißt hier: mehr als ein Gefühl. Der Geruch von Marihuana, sichtbare Drogenutensilien, die Aussage eines Mitfahrers, eine glaubwürdige Meldung.

2.6 Protective Sweep des Fahrzeugs

Wenn Grund zur Annahme besteht, dass Insassen gefährlich sind und im Fahrgastraum eine Waffe erreichbar ist, darf eine Schutzdurchsuchung des Fahrgastraums durchgeführt werden — begrenzt auf Bereiche, in denen eine Waffe sein kann, und begrenzt auf die Suche nach Waffen.

2.7 Exigent Circumstances (Gefahr im Verzug)

Ohne Warrant zulässig, wenn Warten unvertretbar wäre:

Lage Beispiel
Hot Pursuit Verfolgung eines Täters, der in ein Gebäude flieht
Gefahr für Leben Schreie aus der Wohnung, Blutspur unter der Tür
Vernichtung von Beweismitteln Hörbares Spülen einer Toilette bei Drogenverdacht
Emergency Aid Person liegt reglos hinter dem Fenster

Der Umfang bleibt begrenzt auf das, was die Gefahr rechtfertigt. Wer wegen eines Schreis in eine Wohnung geht, darf nachsehen, ob jemand verletzt ist — nicht Schubladen durchsuchen.

Wird ein Fahrzeug abgeschleppt und in Obhut genommen, wird sein Inhalt standardmäßig inventarisiert. Das ist keine Beweismittelsuche, sondern eine Bestandsaufnahme — und muss nach festem Schema für jedes Fahrzeug gleich erfolgen. Eine "Inventarisierung", die nur bei verdächtigen Personen stattfindet, ist eine verkappte Durchsuchung.

Personen auf Bewährung oder Parole haben in Kalifornien häufig eine Search Condition — sie sind ohne Warrant und ohne Probable Cause durchsuchbar. Vor Nutzung: im MDT prüfen, ob die Bedingung tatsächlich besteht.


3. Entscheidungsbaum

Willst du durchsuchen?
│
├─ Hast du einen Warrant? ────────────────────► Durchsuchen, im Rahmen des Warrants
│
├─ Stimmt die Person freiwillig zu? ──────────► Durchsuchen, im Rahmen der Zustimmung
│
├─ Ist die Person rechtmäßig festgenommen? ───► Person + Greifbereich
│
├─ Ist es ein Fahrzeug UND hast du PC? ───────► Automobile Exception, ganzes Fahrzeug
│
├─ Siehst du es offen liegen? ────────────────► Plain View: sicherstellen (nicht durchsuchen)
│
├─ Detention + Waffenverdacht? ───────────────► Pat-Down, nur Außenkleidung, nur Waffen
│
├─ Gefahr im Verzug? ─────────────────────────► Exigent Circumstances, begrenzt auf die Gefahr
│
└─ Nichts davon? ─────────────────────────────► NICHT DURCHSUCHEN

Wenn du am Ende dieses Baums ankommst, ohne einen Ast gefunden zu haben: Nicht durchsuchen. Der Fund, den du ohne Grundlage machst, ist kein Erfolg, sondern ein Verfahrensfehler.


4. Sicherstellung und Beweismittelkette

Was du sicherstellst, musst du dokumentieren. Die Chain of Custody bricht, sobald ein Gegenstand unbeaufsichtigt oder undokumentiert die Hand wechselt.

Minimaldokumentation pro Gegenstand:

Feld Beispiel
Was Halbautomatische Pistole, schwarz, Kal. 9 mm, Seriennr. ausgekratzt
Wo gefunden Beifahrerfußraum, roter Sultan, Kennz. 34ABC12
Wann 22:14
Von wem Officer Reyes, 7-Adam-15
Grundlage Plain View bei Verkehrskontrolle
Wohin Property Room, Beleg-Nr.

5. Typische Fehler

Fehler Folge
"Standarddurchsuchung" bei jeder Kontrolle Es gibt keine. Jede Durchsuchung braucht eine benannte Grundlage.
Consent erzwungen ("sonst hole ich den Hund") Zustimmung unwirksam, Fund unverwertbar
Nach Widerruf weiter durchsucht Alles ab dem Widerruf unverwertbar
Pat-Down bis in die Hosentaschen Überschreitet Terry
Behältnisse befühlen, um sie zu identifizieren Überschreitet Plain Feel
Kofferraum bei Plain View eines Gegenstands im Innenraum Plain View trägt keine Durchsuchung
Wohnung ohne Warrant, weil "der ist eh schuldig" Rechtswidrig. Der Fall platzt, die Dienstaufsicht ermittelt.
Sicherstellung ohne Dokumentation Beweismittel wertlos

Gewaltanwendung (Use of Force)

Das wichtigste Kapitel dieses Handbuchs — und das, dessen Regeln am häufigsten übergangen werden, weil sie im Augenblick der Entscheidung unbequem sind.


1. Der Maßstab: "necessary", nicht "reasonable"

Kalifornien hat den Maßstab für tödliche Gewalt 2019 mit AB 392 verschärft. Das Gesetz wurde am 19. August 2019 unterzeichnet und gilt seit dem 1. Januar 2020. Es hat die Penal Code Sections 196 und 835a geändert.

Der Kern: Der Maßstab wurde von "reasonable" (angemessen) auf "necessary" (erforderlich) angehoben.

Hinweis

Ein Peace Officer ist zur Anwendung tödlicher Gewalt nur berechtigt, wenn er auf Grundlage der Gesamtheit der Umstände vernünftigerweise davon ausgeht, dass diese Gewalt erforderlich ist — zur Verteidigung gegen eine unmittelbare Gefahr für das Leben oder eine schwere Körperverletzung, bei ihm selbst oder bei anderen.

Die gesetzgeberische Absicht war ausdrücklich: tödliche Gewalt nur zur Verteidigung von Menschenleben.

Was das praktisch bedeutet: Es reicht nicht mehr, dass ein Schuss nachvollziehbar war. Er muss erforderlich gewesen sein. Wenn es eine realistische Alternative gab — Deckung nehmen, Abstand vergrößern, warten, verhandeln, Taser — dann war der Schuss nicht erforderlich, und damit nicht gerechtfertigt.

Für Gewalt unterhalb der Todesschwelle gilt der verwandte Grundsatz:

Wortlaut

"Unverhältnismäßige Gewalt ist solche, die größer ist als das, was unter den Umständen angewendet würde." — Definition aus dem Field Training


2. Die Stufen der Gewaltanwendung

Es gibt keine Treppe, die man Stufe für Stufe hochgehen muss. Die Stufe richtet sich nach dem Verhalten der Person, nicht nach der Reihenfolge. Ein Officer darf sofort auf Stufe 4, wenn die Lage das erfordert — und muss sofort wieder herunter, wenn sie es nicht mehr tut.

Stufe Verhalten der Person Zulässige Mittel
0 — Präsenz kooperativ Uniform, Streifenwagen, Anwesenheit
1 — Verbal fragend, unsicher, laut Ansprache, klare Anweisung, Deeskalation, Verhandlung
2 — Passiver Widerstand geht nicht mit, lässt sich fallen, hält sich fest Führungsgriffe, Tragen, Handschellen unter Zwang, Schmerzgriffe minimal
3 — Aktiver Widerstand reißt sich los, stößt weg, flieht Körperliche Kontrolltechniken, Bodentechniken, OC-Spray, Taser
4 — Aggressive Aggression greift an, schlägt, tritt Schlagstock, Taser, harte Kontrolltechniken, Diensthund
5 — Tödliche Bedrohung Waffe, unmittelbare Lebensgefahr Schusswaffe

Die Grundregel

Hinweis

Ein Officer benutzt so viel Gewalt wie nötig — und nicht eine Stufe mehr. Wenn die Person aufhört, hört der Officer auf. Sofort.

Das ist der Punkt, an dem die meisten Use-of-Force-Verfahren hängen: nicht am Einsatz von Gewalt, sondern daran, dass sie weiterging, als sie nicht mehr nötig war.


3. Deeskalation ist Pflicht, nicht Stil

Deeskalation ist keine Weichheit, sondern die vorgeschriebene erste Wahl — und ein eigenes Ausbildungsfach neben Platzieren am Bordstein, Kontaktaufnahme und der Frage, wann ein Psychiater gebraucht wird.

Die Werkzeuge

Werkzeug Wie
Zeit Die wichtigste Ressource. Fast jede Lage wird besser, wenn man wartet. Wer nicht sofort handeln muss, handelt nicht sofort.
Abstand Abstand schafft Zeit. Ein Schritt zurück ist keine Niederlage.
Deckung Deckung schafft Abstand, ohne Boden aufzugeben. Siehe Kapitel 09.
Stimme Ruhig, langsam, tief. Anweisungen einzeln, nicht als Salve. Namen benutzen.
Anzahl Ein Officer redet. Alle anderen sind still. Sechs Leute, die gleichzeitig Befehle rufen, sind der Grund, warum Menschen nicht gehorchen.
Absicht erklären "Ich lege Ihnen jetzt Handschellen an, weil …" nimmt Panik heraus.
Sichtbare Alternativen "Wir können das hier ohne Handschellen machen, wenn Sie sich hinsetzen."
Ressourcen Sergeant, MEU, Verhandler, Angehörige, Dolmetscher

Die verbalen Kommandos

Klar, kurz, einzeln. Diese Formeln sind kurz genug, um unter Stress verstanden zu werden:

Kommando Wofür
"Zeigen Sie mir Ihre Hände!" Das erste Kommando in fast jeder Lage. Hände töten.
"Hände hoch!" Grundkommando bei Bedrohungsverdacht
"Hände hinter den Kopf! Finger verschränken!" Kontrollposition vor der Fesselung
"Hände aus den Taschen!" Wenn Hände verdeckt sind
"Hände auf das Lenkrad!" Fahrzeugkontrolle
"Keine Bewegung!" Lage einfrieren
"Nicht bewegen!" Dasselbe, nach begonnener Bewegung
"Waffe fallen lassen!" Nicht "weglegen" — fallen lassen
"Auf den Boden!" Wenn Kontrolle nicht anders herzustellen ist
"Motor abstellen!" Fahrzeugkontrolle, vor dem Aussteigen
"Steigen Sie langsam aus!" Mit "langsam", immer
"Drehen Sie sich langsam um!" Waffenkontrolle am Körper
"Gehen Sie rückwärts zu meiner Stimme!" Felony Stop

Regel: Ein Kommando, dann eine Pause. Menschen brauchen unter Stress ein bis zwei Sekunden, um eine Anweisung zu verarbeiten. "Hände hoch, Waffe runter, auf den Boden, nicht bewegen!" in einem Atemzug ist kein Kommando, sondern Lärm — und es produziert genau die Verzögerung, die dann als Widerstand gedeutet wird.


4. Schusswaffengebrauch

Wann

Nur bei unmittelbarer Gefahr für Leben oder Leib — bei sich selbst oder bei anderen — und nur, wenn es keine realistische Alternative gibt.

Unmittelbar heißt: jetzt, nicht potenziell. Eine Waffe im Hosenbund ist nicht unmittelbar. Eine Waffe, die gerade hochgerissen wird, ist es.

Was ausdrücklich nicht trägt

Kein Grund für den Schusswaffengebrauch
Flucht allein — auch bei einem Tatverdacht wegen einer Straftat
Sachbeschädigung, auch erhebliche
Beleidigung, Bedrohung ohne Mittel
Widerstand ohne Waffe
Ein Fahrzeug, das wegfährt
"Er hätte eine Waffe haben können"

Regeln

  1. Kein Warnschuss. Jede abgegebene Kugel muss ein identifiziertes Ziel haben.
  2. Nicht auf fahrende Fahrzeuge, außer die Insassen bedrohen mit anderen Mitteln als dem Fahrzeug Leben. Ein Fahrer, der auf dich zufährt: du gehst aus dem Weg, du schießt nicht auf den Motorblock.
  3. Hintergrund identifizieren. Was ist hinter dem Ziel? In einer Stadt: fast immer Menschen.
  4. Einstellen, sobald die Bedrohung endet. Der Schuss auf einen am Boden liegenden, entwaffneten Menschen ist nie gerechtfertigt.
  5. Erste Hilfe. Sobald es taktisch möglich ist, wird dem Getroffenen geholfen und der Rettungsdienst gerufen. Das ist Pflicht, nicht Kulanz.
Funk

"7-Adam-15, Schüsse gefallen, Officer involved shooting, Grove Street 12, brauchen RTW und Supervisor, Code 3."


5. Was nach jeder Gewaltanwendung passiert

Der Teil, an dem sich entscheidet, ob die Regeln dieses Kapitels etwas bedeuten. Die Force Investigation Division (FID) untersucht jede Gewaltanwendung mit schweren Verletzungen und jeden Schusswaffengebrauch.

Der Ablauf

Schritt Wer
1. Lage sichern, Erste Hilfe, RTW Officer
2. Supervisor anfordern (Pflicht) Officer
3. Tatort sichern, nichts anfassen Officer
4. Waffe wird sichergestellt und ersetzt Supervisor
5. Officer wird vom Einsatzort abgezogen, Zeugen getrennt Supervisor
6. Use of Force Report Officer + Supervisor
7. Untersuchung FID
8. Officer im Innendienst, bis geklärt Department

6. Die Frage, die man sich vorher stellt

Vor jeder Gewaltanwendung, in einem Satz:

Grundsatz

"Was passiert, wenn ich noch fünf Sekunden warte?"

Wenn die Antwort ist: "Jemand stirbt" — dann handle. Wenn die Antwort ist: "Nichts" oder "Er redet weiter" oder "Er läuft weg" — dann warte.

Die meisten fehlerhaften Gewaltanwendungen entstehen nicht aus Bosheit, sondern aus Ungeduld.


7. Typische Fehler

Fehler Was daran falsch ist
Waffe gezogen bei jeder Kontrolle Waffe ziehen ist selbst eine Gewaltanwendung und rechtfertigungspflichtig
Auf Flüchtende schießen Flucht ist kein Grund
Auf Fahrzeuge schießen Fast immer unzulässig, oft lebensgefährlich für Dritte
Taser auf eine Person, die schon am Boden gefesselt ist Gewalt nach Ende der Bedrohung
Fünf Officer rufen gleichzeitig Befehle Erzeugt die Nichtbefolgung, die dann eskaliert wird
Keine Erste Hilfe nach dem Schuss Dienstvergehen
Kein Supervisor gerufen Dienstvergehen
Kein Bericht Ohne Bericht gibt es keine Kontrolle — und damit keine Grenze
"Er hat sich verdächtig bewegt" als einzige Begründung Kein artikulierbarer Grund

Streifendienst: Contact & Cover, Positionierung

Der Streifendienst ist der Beruf. Alles andere in diesem Handbuch sind Sonderfälle.


1. Contact und Cover

Das Grundprinzip jeder Zweipersonen-Einheit. Es wird vor dem Aussteigen festgelegt, nicht danach ausgehandelt.

KONTAKT (Contact)                    DECKUNG (Cover)
─────────────────────                ─────────────────────
Redet.                               Redet nicht.
Stellt die Fragen.                   Beobachtet.
Nimmt Papiere.                       Hält die Hände im Blick.
Legt Handschellen an.                Behält die Umgebung.
Tastet ab.                           Greift nur ein, wenn es nötig wird.
Beschäftigt sich mit der Person.     Beschäftigt sich mit allem anderen.

Die Rollenverteilung ist explizit anzusprechen, bevor es losgeht:

Wortlaut

"Ich bin Kontakt, du Deckung."

Und beim nächsten Einsatz getauscht:

Wortlaut

"Dann bist du Kontakt und ich Deckung."

Warum das nicht verhandelbar ist

Der Kontaktbeamte ist beschäftigt. Er schaut auf einen Führerschein, hört einer Erklärung zu, legt Handschellen an. In diesen Sekunden ist er praktisch blind für alles außer der Person vor ihm. Der Deckungsbeamte ist seine Augen.

Der häufigste tödliche Fehler im Streifendienst: Beide Officer werden zu Kontakt. Beide reden, beide schauen auf dieselbe Person, beide sehen nicht, wer aus dem Haus kommt.

Regeln für den Deckungsbeamten

  1. Nicht mitreden. Zwei Stimmen erzeugen Verwirrung und Widerstand. Wenn du etwas Wichtiges hast, sag es kurz und einmal.
  2. Nicht mit anfassen. Wenn du beide Hände an der Person hast, deckst du nicht.
  3. Anderer Winkel. Steh nicht neben dem Kontaktbeamten, sondern schräg versetzt — damit du siehst, was er nicht sieht, und damit ein Schuss nicht beide trifft.
  4. Hände. Hände töten, nicht Blicke. Du schaust auf Hände — die der Person, die deines Gegenübers, und die von jedem, der dazukommt.
  5. Die Umgebung. Fenster, Türen, Ecken, andere Fahrzeuge, Zuschauer, die näher kommen.

2. Deckung — die physische Art

Es gibt zwei Begriffe, die im Deutschen beide "Deckung" heißen und völlig Verschiedenes bedeuten:

Cover (Deckung) Concealment (Sichtschutz)
Schützt vor Kugeln Blicken
Beispiele Motorblock, Mauerwerk, Betonpfeiler, Bordsteinkante Hecke, Gardine, Sperrholztür, Autotür, Dunkelheit

Das ist keine Spitzfindigkeit. Eine Autotür hält keine Pistolenkugel. Wer hinter einer Autotür kniet und glaubt, in Deckung zu sein, ist in Sichtschutz und wird durchschossen. Der Motorblock eines Fahrzeugs ist Deckung. Die Räder und Achsen sind Deckung. Der Rest des Autos ist Sichtschutz.

Die Regeln

  1. Deckung zuerst, dann handeln. Bewegung zur Deckung ist die erste Reaktion auf Schüsse, nicht das Erwidern des Feuers.
  2. Abstand zur Deckung halten. Nicht dran kleben. Ein bis zwei Schritte hinter der Deckung erweitert das Blickfeld und schützt vor Abprallern und Splittern.
  3. Um die Deckung herumschauen, nicht darüber. Seitlich vorbeischauen ist niedriger, schneller und exponiert weniger.
  4. Die Höhe wechseln. Wer zweimal an derselben Stelle in derselben Höhe rausschaut, wird erwartet.
  5. Deckung ist kein Ort zum Bleiben. Deckung kauft Zeit. Nutze die Zeit — funken, Position verbessern, Verstärkung abwarten, reden.
Hinweis

Auch eine Bordsteinkante ist Deckung, wenn nichts anderes da ist. Flach hinter einem Bordstein zu liegen ist ein legitimer, in der Praxis dokumentierter letzter Ausweg.


3. Positionierung am Fahrzeug

Der Streifenwagen bei der Kontrolle

                    Fahrbahn
   ──────────────────────────────────────────

        ┌──────────┐
        │ Kontrol- │      ← das angehaltene Fahrzeug
        │ liertes  │
        └──────────┘
              ▲
           ca. 4–5 m
              │
     ┌──────────────┐
     │ Streifenwagen│  ← versetzt nach links (ca. 1/2 Fahrzeugbreite)
     └──────────────┘      Räder nach links eingeschlagen

Warum so:

  • Versetzt nach links: Der Streifenwagen schirmt den Officer gegen den fließenden Verkehr ab. Die "Offset"-Stellung erzeugt einen geschützten Korridor auf der Fahrerseite.
  • 4–5 m Abstand: Genug, um bei einem Rückwärtsstoß nicht eingeklemmt zu werden, und genug, um den Motorblock als Deckung zu nutzen.
  • Räder eingeschlagen: Wird der Streifenwagen von hinten gerammt, rollt er nicht in den Officer, sondern in die Sperrfläche.
  • Scheinwerfer / Spotlight auf die Heckscheibe und die Außenspiegel des kontrollierten Fahrzeugs. Der Fahrer sieht dich schlecht, du siehst ihn gut.

Die "V" am Fahrzeug

Der taktisch richtige Standort am angehaltenen Fahrzeug ist die "V" — der Winkel zwischen geöffneter Tür und A-Säule. Diese Position bietet die beste Kombination aus Deckung, Sicht ins Fahrzeug und Ansprechbarkeit. Sie ist die Standardposition bei Felony Stops (siehe Kapitel 11).

Der Anlauf an die Fahrertür

Anlauf hinten links (Standard) Anlauf rechts (Passenger Side Approach)
Wann Normalfall Nachts, an Schnellstraßen, bei starkem Verkehr, bei diffusem Unbehagen
Vorteil Direkter Zugang zum Fahrer Der Fahrer erwartet dich nicht dort; kein Verkehr im Rücken
Regel Nie zwischen den Fahrzeugen stehen bleiben Nie hinter dem kontrollierten Fahrzeug vorbeigehen, ohne den Kofferraumdeckel anzutippen

Immer:

  • Kofferraumdeckel im Vorbeigehen mit der Hand kurz herunterdrücken — prüft, ob er verriegelt ist, und hinterlässt einen Fingerabdruck am Fahrzeug
  • Nicht vor der C-Säule stehen bleiben, sondern hinter der B-Säule — du siehst die Hände des Fahrers, er muss sich verdrehen, um dich zu sehen
  • Die Hände des Fahrers und aller Insassen im Blick, bevor du sprichst

4. Lagebewusstsein

Tunnelblick

Unter Stress verengt sich Wahrnehmung: Das Blickfeld schrumpft, das Gehör setzt aus, die Zeitwahrnehmung verzerrt. Das ist Physiologie, nicht Charakterschwäche. Man kann es nicht abschalten — man kann nur dagegen arbeiten.

Gegenmittel:

  1. Atmen. Vier Sekunden ein, vier halten, vier aus. Funktioniert, ist unauffällig, senkt den Puls.
  2. Bewusst scannen. Aktiv den Kopf drehen. Nicht nur auf das Problem starren — links, rechts, hinten, oben.
  3. Laut sprechen. Die Lage zu benennen ("ein Verdächtiger, unbewaffnet, keine weiteren Personen sichtbar") zwingt das Gehirn, die Umgebung zu verarbeiten.
  4. Funken. Eine Funkmeldung ist erzwungenes Strukturieren. Wer funkt, sortiert.

Die 360-Grad-Regel

Wenn du irgendwo stehst und die Lage bearbeitest, musst du sagen können:

  • Wer ist hinter mir?
  • Wo ist mein Fluchtweg?
  • Wo ist die nächste Deckung?
  • Wo ist mein Partner?

Vier Fragen. Wenn eine davon unbeantwortet ist, steh anders.

Die Hände

Hinweis

Hände töten. Nicht Blicke, nicht Worte, nicht Haltung.

Wenn du die Hände einer Person nicht siehst, ist das dein einziges Problem, bis du sie siehst. Nicht "verdächtig" — ein Problem, das zuerst gelöst wird:

Wortlaut

"Zeigen Sie mir Ihre Hände." — "Hände aus den Taschen." — "Hände auf das Lenkrad."


5. Der Streifenwagen

Vor Dienstbeginn: Fahrzeugkontrolle

Prüfen Warum
Rückbank und Fußraum Waffen, Drogen und Handys, die der Vorgänger-Festgenommene dort gelassen hat. Wird ein Fund später gemacht, hängt er dir an.
Blaulicht, Sirene, Scheinwerfer, Spotlight Ein Code 3 ohne Sirene ist ein Code 2 mit Lebensgefahr
Funk — Reichweite und Kanal Prüfen, nicht hoffen
Erste Hilfe, Feuerlöscher, Kegel, Absperrband Braucht man genau dann, wenn man keine Zeit hat zu suchen
Langwaffe, Munition, Weste Vollständigkeit
Reifen, Kraftstoff, Schäden Vorschäden dokumentieren, sonst sind es deine

Fahren

  1. Beifahrer funkt und navigiert. Der Fahrer fährt. Wer beim Fahren im MDT tippt, baut einen Unfall.
  2. Code 3 heißt defensiv schnell. An jeder Kreuzung Tempo raus, Blickkontakt suchen, nie annehmen, dass die Sirene gehört wird. Der Officer, der auf dem Weg zum Einsatz einen Unfall baut, hat die Lage verschlimmert, nicht verbessert.
  3. Nie beide Officer im Blindflug. Wenn einer das MDT bedient, hat der andere die Straße.
  4. Vor dem Einsatzort: "Cold Approach". Blaulicht und Sirene ein Stück vor der Adresse aus, dann ruhig heranfahren. Das kostet fünf Sekunden und nimmt dem Gegenüber die Vorwarnung.

6. Ankunft am Einsatzort

Ein Ablauf, der für fast jede Lage funktioniert:

# Schritt
1 Ein Stück vorher halten. Nicht direkt vor der Adresse. Fluchtweg für den Streifenwagen freihalten.
2 Code 6 funken, mit exakter Position.
3 Rollen klären. "Ich bin Kontakt, du Deckung."
4 Aussteigen und stehenbleiben. Zwei bis drei Sekunden: hören und schauen. Streit? Schüsse? Wer läuft weg?
5 Annähern, nicht auflaufen. Nicht frontal vor die Tür, nicht vor ein Fenster.
6 Ansprechen. Wer du bist, warum du da bist.
7 Lagemeldung, sobald du etwas weißt. Bei Eskalation: sofort.
8 Code 4, wenn die Lage steht.

7. Typische Fehler

Fehler Folge
Beide Officer sind Kontakt Niemand sieht die Umgebung
Rollen nicht vorher geklärt Werden im Ernstfall nicht mehr geklärt
Hinter der Autotür "in Deckung" Sichtschutz, keine Deckung
An der Deckung kleben Kein Blickfeld, Splitter und Abpraller
Direkt hinter dem kontrollierten Fahrzeug stehen Wird bei einem Rückwärtsstoß eingeklemmt
Frontal vor der Wohnungstür stehen Die Tür ist Sichtschutz, nicht Deckung — und die Position ist vorhersehbar
Blaulicht bis vor die Haustür Vorwarnung für alle Beteiligten
Streifenwagen nicht vor Dienstbeginn kontrolliert Der Fund auf der Rückbank gehört jetzt dir
Hände der Person nicht gesehen und trotzdem weitergeredet Der Fehler, der Officer umbringt

Verkehrskontrolle (Low-Risk Traffic Stop)

Die häufigste Interaktion zwischen Polizei und Bürger, und die, bei der real die meisten Officer sterben. Es gibt keine "Routinekontrolle".


1. Rechtsgrundlage

Eine Verkehrskontrolle ist eine Detention — sie braucht Reasonable Suspicion, dass ein Verstoß oder eine Straftat vorliegt. Siehe Kapitel 05.

Trägt eine Kontrolle:

Anlass Beispiel
Verkehrsverstoß Rotlicht, Geschwindigkeit, Vorfahrt, Handy, kein Gurt
Technischer Mangel Rücklicht, Kennzeichen fehlt oder unlesbar, Reifen
Fahrzeugabfrage Kennzeichen als gestohlen gemeldet (Code 37), Halter gesucht
Fahndung Fahrzeug entspricht der Beschreibung aus einer Meldung
Fahrweise Schlangenlinien, überhöhte Geschwindigkeit, Reckless Driving

Trägt keine Kontrolle: "kam mir verdächtig vor", "teures Auto in der Gegend", "hat mich angeschaut".

Die Ein-Satz-Regel gilt: Bevor du das Blaulicht einschaltest, steht der Satz "Ich halte dieses Fahrzeug an, weil …" fertig im Kopf.


2. Ablauf

Phase 1 — Vor dem Anhalten

# Schritt
1 Kennzeichen abfragen (MDT), bevor du anhältst. Gestohlen? Halter gesucht? Waffenbesitz bekannt?
2 Anhalteort wählen. Kein Kurvenausgang, keine Brücke, keine Engstelle, keine unbeleuchtete Ecke, keine Einfahrt. Gut: breite Seitenstraße, Parkplatz, beleuchteter Abschnitt.
3 Funken — Call Sign, Position, Fahrzeugbeschreibung, Kennzeichen, Grund.
4 Anhalten — Blaulicht, kurzer Sirenenton, Fahrer soll rechts ranfahren.

Funkmuster:

Funkspruch

"7-Adam-15, Fahrzeugkontrolle, Vespucci Boulevard nordwärts auf Höhe Rockford Drive, blauer Sultan, Kennzeichen 34 Adam Boy Charles 12, Rotlichtverstoß."

Das ist der wichtigste Funkspruch einer Verkehrskontrolle. Wenn danach zwei Minuten Funkstille ist und nichts mehr kommt, weiß Dispatch wo und wen sie suchen muss.

Phase 2 — Positionierung

Siehe Kapitel 09, Abschnitt 3. Kurz:

  • Streifenwagen versetzt nach links, 4–5 m Abstand, Räder eingeschlagen
  • Spotlight auf Heckscheibe und Außenspiegel
  • Rollen klären: Kontakt / Deckung
  • Erst aussteigen, wenn der Fahrer stillsteht und die Hände sichtbar sind

Phase 3 — Annäherung

# Schritt
1 Kofferraumdeckel im Vorbeigehen andrücken
2 Insassen zählen und die Hände aller im Blick behalten
3 Hinter der B-Säule stehen bleiben, nicht neben dem Fahrer
4 Deckungsbeamter geht auf die andere Seite, schräg versetzt

Phase 4 — Ansprache

Die Reihenfolge ist festgelegt und wird nicht improvisiert:

  1. Grüßen und identifizieren:

    Wortlaut

    "Guten Abend. Officer Reyes, Los Santos Police Department."

  2. Grund nennen:

    Wortlaut

    "Ich habe Sie angehalten, weil Sie an der Kreuzung Vespucci/Rockford bei Rot gefahren sind."

  3. Papiere verlangen:

    Wortlaut

    "Führerschein und Fahrzeugpapiere, bitte."

  4. Ankündigen, was passiert:

    Wortlaut

    "Ich gehe zurück zum Fahrzeug und prüfe das. Bleiben Sie bitte im Auto."

Warum der Grund zuerst kommt: Ein Fahrer, der nicht weiß, warum er angehalten wurde, ist ängstlich oder wütend. Beides erschwert alles Weitere. Der Grund zuerst nimmt 80 % der Spannung aus der Situation, und er ist ohnehin Pflicht.

Phase 5 — Überprüfung

  • Zurück zum Streifenwagen, nicht mit dem Rücken zum kontrollierten Fahrzeug
  • Abfrage im MDT: Führerschein gültig? Haftbefehl? Fahrzeug versichert und angemeldet?
  • Deckungsbeamter behält das Fahrzeug im Blick, die ganze Zeit

Phase 6 — Abschluss

Vier möglich Ausgänge:

Ausgang Wann
Verwarnung Geringfügig, kooperativ, Ersttäter. Erklären, was falsch war.
Verwarnungsgeld / Ticket Regelfall bei nachweisbarem Verstoß
Fahrzeug stillgelegt / abgeschleppt Kein Führerschein, keine Versicherung, nicht fahrbereit. 11-85 für den Abschleppwagen.
Eskalation Haftbefehl, Fahrzeug gestohlen, Drogen- oder Waffenfund, DUI → Kapitel 13 bzw. Kapitel 11

Immer zum Abschluss:

  1. Papiere zurückgeben
  2. Sagen, was jetzt passiert und was der Fahrer tun muss
  3. Warten, bis das Fahrzeug sicher im Verkehr ist — nicht vorher wegfahren
  4. Funken: Code 4 und wieder verfügbar
Funkspruch

"7-Adam-15, Code 4, Verwarnung erteilt, wieder klar zum Einsatz."


3. Wenn der Fahrer nicht anhält

Nicht jedes Nicht-Anhalten ist eine Flucht. Unterscheide:

Verhalten Deutung Reaktion
Fährt langsam weiter, Blinker rechts Sucht einen sicheren Halteort Folgen, Sirene kurz, abwarten
Fährt normal weiter, reagiert nicht Hat nicht bemerkt Sirene, Hupe, Spotlight
Beschleunigt, weicht aus Flucht Kapitel 12

Bei Flucht sofort funken:

Funkspruch

"7-Adam-15, Fahrzeug flieht, Verfolgung, Vespucci Boulevard nordwärts, blauer Sultan, 34 Adam Boy Charles 12, Code 3."


4. Insassen aus dem Fahrzeug holen

Ein Officer darf Fahrer und Insassen bei einer rechtmäßigen Kontrolle zum Aussteigen auffordern. Das ist keine Eskalation und braucht keinen zusätzlichen Grund. Es ist aber eine Entscheidung — und zwar eine, die die Lage verändert.

Sinnvoll bei:

  • Verdacht auf Alkohol oder Drogen (Fahrtauglichkeitsprüfung)
  • Waffenverdacht
  • Wenn du die Hände nicht zuverlässig sehen kannst
  • Bei drei oder mehr Insassen und nur zwei Officern (dann besser: warten auf Verstärkung)

Wie:

Wortlaut

"Ich möchte, dass Sie den Motor abstellen und langsam aussteigen. Steigen Sie mit den Händen voran aus, und lassen Sie die Hände, wo ich sie sehen kann."

Dann: Platzieren am Bordstein — die Person setzt sich auf den Bordstein oder stellt sich mit den Händen an der Karosserie zur Fahrzeugrückseite. Eine sitzende Person kann nicht schnell aufstehen und nicht schnell weglaufen; eine stehende Person mit Händen an der Karosserie ist kontrollierbar. Das ist eine Kontrolltechnik, keine Festnahme — sag das auch:

Wortlaut

"Sie sind nicht festgenommen. Ich möchte nur, dass wir das hier sicher machen."


5. Trainingsszenario

Aufbau: Ein Kadett, ein T.O., ein Zivilist als Fahrer.

Runde Lage Was geprüft wird
1 Rotlichtverstoß, kooperativer Fahrer Vollständiger Ablauf: Funk, Positionierung, Ansprache, Abschluss
2 Defektes Rücklicht, Fahrer wortkarg und genervt Bleibt der Kadett sachlich? Eskaliert er ohne Grund?
3 Kennzeichen als gestohlen gemeldet (Code 37) Erkennt der Kadett, dass das kein Low-Risk Stop mehr ist? → Verstärkung, Kapitel 11
4 Fahrer riecht nach Alkohol Aussteigen lassen, Fahrtauglichkeit prüfen, 23152
5 Fahrer fährt an, sobald der Kadett aussteigt Reaktion, Funk, Entscheidung über Verfolgung

Bestehen erfordert: Funkmeldung mit Grund vor dem Aussteigen, Rollenzuweisung Kontakt/ Deckung, Grundnennung gegenüber dem Fahrer, Code 4 am Ende. Fehlt eines davon: nicht bestanden.


6. Typische Fehler

Fehler Folge
Nicht gefunkt, wen und wo man kontrolliert Wenn es schiefgeht, weiß niemand, wo du bist. Der schlimmste Fehler dieses Kapitels.
Kennzeichen erst nach dem Anhalten abgefragt Man steigt aus, ohne zu wissen, wer da sitzt
Grund nicht genannt Erzeugt Feindschaft und ist pflichtwidrig
Direkt hinter dem Fahrzeug positioniert Einklemmgefahr
Beide Officer an der Fahrertür Niemand deckt
Auf Höhe der Fahrertür stehen geblieben Der Fahrer hat dich im Blick und im Griff
Vor dem Fahrzeug hergelaufen Nie zwischen die Fahrzeuge, nie vor den Kühler
Papiere gelesen, ohne aufzublicken Der Kontaktbeamte ist blind — dafür gibt es den Deckungsbeamten
"Routinekontrolle" gesagt oder gedacht Es gibt keine
Durchsucht, weil nichts gefunden wurde Umgekehrte Logik. Ohne Grundlage: nicht durchsuchen.
Weggefahren, während der Fahrer noch am Bordstein stand Unvollständiger Abschluss, Unfallgefahr
Code 4 vergessen Verstärkung fährt weiter Code 3

Felony Stop (High-Risk Vehicle Stop)

Ein Felony Stop — auch High-Risk Vehicle Stop — ist eine taktische Fahrzeugkontrolle, die durchgeführt wird, wenn Officer begründet annehmen, dass Insassen an einer schweren Straftat beteiligt sind: bewaffneter Raub, gefährliche Körperverletzung, Tötungsdelikt, Fahrzeugdiebstahl mit Waffe.

Er ist kein eskalierter Low-Risk Stop. Er ist ein anderes Verfahren, das man vorher entscheidet, nicht mittendrin.


1. Wann

Voraussetzung: Probable Cause oder mindestens ein belastbarer, artikulierbarer Verdacht, dass das Fahrzeug an einer schweren Straftat beteiligt ist.

Auslöser
Fahrzeug entspricht der Beschreibung aus einer 211-Meldung (Raub)
Fahrzeug als gestohlen gemeldet (Code 37) mit Verdacht auf bewaffnete Insassen
Insassen wurden bei einer Schusswaffenabgabe beobachtet
Fahndungsfahrzeug nach 187 (Tötungsdelikt) oder 245 (ADW)
Nach einer beendeten Verfolgung
Rechtlicher Warnhinweis

Ein High-Risk Stop ist ein erheblicher Eingriff. Ein Bundesgericht hat entschieden, dass LAPD-Officer keine Qualified Immunity genossen, nachdem sie einen High-Risk Vehicle Stop auf Grundlage von nicht mehr als Reasonable Suspicion durchgeführt hatten, dass das Fahrzeug gestohlen sei. Die Lehre daraus: Ein Felony Stop braucht mehr als einen dünnen Verdacht. Ein reiner Kennzeichen-Treffer, ohne weitere Hinweise auf Bewaffnung oder Gefahr, trägt ihn nicht.

Ausbildungsvoraussetzung: Ein Felony Stop wird nur von Officern geführt, die dafür ausgebildet sind, und nur mit Freigabe eines Sergeants.


2. Vorbereitung — und warum sie das Entscheidende ist

Ein Felony Stop beginnt nicht mit dem Blaulicht. Er beginnt damit, dass man wartet.

# Schritt
1 Nicht sofort anhalten. Abstand halten, folgen, nicht auffallen.
2 Funken: Lage, Fahrzeug, Kennzeichen, Richtung, Anzahl der Insassen, Bewaffnung.
3 Anfordern: Verstärkung, Supervisor, wenn möglich Air Support.
4 Auf Verstärkung warten. Minimum: zwei Einheiten, besser drei. Ein Felony Stop mit einer Einheit ist ein Fehler, nicht Mut.
5 Anhalteort wählen — kontrollierbar, wenig Verkehr, wenig Publikum, gute Sicht, Deckung vorhanden. Nicht in einer Kurve, nicht in einer Engstelle, nicht neben einer Schule.
6 Plan absprechen — wer ist Kontakt, wer deckt welche Tür, wer fesselt, wer räumt das Fahrzeug.
7 Erst dann anhalten.

Funkmuster:

Funkspruch

"7-Adam-15, folgen Fahrzeug aus der 211-Meldung Vinewood Boulevard: grauer Buffalo, Kennzeichen 41 Frank Tom Sam 88, zwei Insassen, südwärts auf dem Vespucci Boulevard. Brauchen Verstärkung und Supervisor für einen Felony Stop, Air Support wenn verfügbar. Keine Waffen sichtbar, Meldung sprach von einer Handfeuerwaffe."

Hinweis

Der häufigste Fehler ist Ungeduld. Wer ein Fahrzeug mit zwei bewaffneten Verdächtigen alleine anhält, hat zwei Gegner, zwei Türen, zwei Blickrichtungen und einen Officer. Das geht nicht auf. Folgen kostet nichts. Warte auf die zweite Einheit.


3. Positionierung

                    Fahrbahn
   ══════════════════════════════════════════════════

              ┌──────────────┐
              │  Verdächtiges│
              │   Fahrzeug   │
              └──────────────┘
                     ▲
                  8–10 m
                     │
        ┌──────────────────────┐
        │  EINHEIT 1 (Primary) │   ← Fahrerseite versetzt
        └──────────────────────┘
              ▲            ▲
              │            │
         Officer A     Officer B
         (in der "V")  (in der "V")

              ┌──────────────────────┐
              │ EINHEIT 2 (Secondary)│  ← versetzt rechts, deckt Beifahrerseite
              └──────────────────────┘

Der Standort: die "V"

Die taktische Grundposition ist die "V" — der Winkel zwischen der geöffneten Fahrzeugtür und der A-Säule des eigenen Streifenwagens. Diese Stellung bietet gleichzeitig:

  • Deckung durch Türrahmen, A-Säule und Motorblock
  • freie Sicht auf das verdächtige Fahrzeug
  • eine stabile Auflage
  • Möglichkeit, sich hinter den Motorblock fallen zu lassen

Weitere Regeln:

  • Größerer Abstand als beim Low-Risk Stop — 8–10 m statt 4–5 m. Abstand ist Zeit.
  • Niemand geht ans Fahrzeug. Der ganze Punkt des Verfahrens ist, dass die Insassen zu dir kommen, nicht du zu ihnen.
  • Kein Crossfire. Vor dem Aufbau sagen, wer wo steht. Kein Officer darf im Schussfeld eines anderen stehen. Das ist die wichtigste Absprache des ganzen Verfahrens.
  • Scheinwerfer und Spotlights auf das Fahrzeug. Sie sehen dich nicht, du siehst sie.

4. Der Callout — Insassen einzeln herausholen

Das ist der Kern des LAPD-Verfahrens: Die Insassen werden einer nach dem anderen aus dem Fahrzeug gerufen und auf dem Boden platziert. Nie zwei gleichzeitig.

Es spricht genau ein Officer

Der Officer mit der besten Sicht auf das Fahrzeug — in der Regel der Beifahrer der primären Einheit — ist der einzige, der Kommandos gibt. Alle anderen sind still.

Der Grund

Sechs Menschen, die gleichzeitig Befehle rufen, erzeugen Unverständnis, und Unverständnis wird als Widerstand gedeutet. Fast jede Katastrophe bei einem Felony Stop fängt so an.

Die Kommandofolge

Jedes Kommando einzeln. Nach jedem Kommando: warten, bis es ausgeführt ist.

 1. "Fahrer! Stellen Sie den Motor ab und werfen Sie die Schlüssel aus dem Fenster."
 2. "Hände aus dem Fenster, wo ich sie sehen kann."
 3. "Öffnen Sie die Tür von außen, mit der linken Hand."
 4. "Steigen Sie langsam aus. Hände oben."
 5. "Drehen Sie sich langsam einmal im Kreis." (Waffenkontrolle am Körper)
 6. "Heben Sie das Hemd hoch." (Hosenbund prüfen)
 7. "Gehen Sie langsam rückwärts zu meiner Stimme."
 8. "Auf die Knie. Hände hinter den Kopf. Finger verschränken."
 9. "Auf den Boden, bäuchlings. Arme ausgestreckt, Handflächen nach oben."
10. → Fesselung durch zwei Officer, die aus der Deckung vortreten
11. Zurück in die Deckung, dann der nächste Insasse.

Die Kommandoformeln, die dabei fallen, sind kurz und einprägsam — und genau deshalb funktionieren sie:

Wortlaut

"Hände hoch!" — "Keine Bewegung!" — "Waffe fallen lassen!" — "Hände hinter den Kopf!" — "Steigen Sie aus!" — "Drehen Sie sich um!" — "Auf den Boden!" — "Nicht bewegen!"

Fesselung

Ein Insasse wird gefesselt von zwei Officern:

  • Einer fesselt (Contact)
  • Einer deckt mit der Waffe, aber ohne im Schussfeld des Fesselnden zu stehen (Cover)
  • Beide brechen kurz die Deckung. Das ist der gefährlichste Moment des Verfahrens.
  • Danach: Person weg vom Fahrzeug, hinter die eigene Linie, abgetastet, in einen Streifenwagen.

Erst wenn dieser Insasse weg ist, kommt der nächste.


5. Das Fahrzeug räumen (Clearing)

Erst wenn alle bekannten Insassen draußen und gesichert sind:

# Schritt
1 Von mehreren Positionen in das Fahrzeug schauen — es kann jemand im Fußraum oder Kofferraum sein
2 Anzahl der bekannten Insassen mit der Beobachtung abgleichen. Wurden vier gemeldet und drei sind draußen? Das Fahrzeug ist nicht leer.
3 Annäherung von hinten, aus dem Totwinkel der Spiegel, mit Deckung
4 Fahrgastraum kontrollieren, dann Kofferraum
5 Erst danach: Durchsuchung nach Kapitel 07
Funkspruch

"7-Adam-15, Fahrzeug ist leer, drei Personen in Gewahrsam, Code 4."


6. Abschluss

  1. Code 4 funken — sofort, wenn die Lage steht
  2. Supervisor informiert die Lage über den Verlauf
  3. Insassen getrennt transportieren (siehe Kapitel 13)
  4. Fahrzeug sicherstellen oder abschleppen (11-85)
  5. Beweismittel dokumentieren
  6. Wenn Gewalt angewendet wurde: Kapitel 08, Use-of-Force-Bericht
  7. Wenn sich der Verdacht nicht bestätigt: Erklären, entschuldigen, Kontaktdaten für eine Beschwerde geben, freilassen. Das ist Pflicht, nicht Kür.

7. Trainingsszenario

Aufbau: Drei Einheiten (mindestens vier Officer), ein Sergeant, zwei Zivilisten als Insassen, ein Ausbilder als Beobachter.

Runde Lage Was geprüft wird
1 Fahrzeug aus 211-Meldung, zwei kooperative Insassen Vollständiger Ablauf, Funk, Positionierung, Kommandofolge
2 Wie 1, aber ein dritter Insasse liegt versteckt im Fußraum Zählt jemand nach? Wird das Fahrzeug richtig geräumt?
3 Ein Insasse stellt sich dumm und bewegt sich langsam falsch Bleibt es bei einem Sprecher? Wird eskaliert, obwohl keine Bedrohung vorliegt?
4 Der Verdacht bestätigt sich nicht — falsches Kennzeichen Wird korrekt erklärt, entschuldigt, freigelassen?

Automatisch nicht bestanden bei:

  • Alleine angehalten, ohne auf Verstärkung zu warten
  • Mehr als ein Officer gibt Kommandos
  • Ein Officer steht im Schussfeld eines anderen
  • Jemand geht ans Fahrzeug, bevor alle Insassen gesichert sind
  • Zwei Insassen gleichzeitig herausgerufen
  • Code 4 vergessen

8. Typische Fehler

Fehler Folge
Alleine angehalten Zwei Türen, ein Officer. Geht nicht auf.
Felony Stop bei dünnem Verdacht Rechtswidriger Eingriff, keine Immunität
Vier Officer rufen gleichzeitig Befehle Der Verdächtige versteht nichts und erstarrt — das wird dann als Widerstand gewertet
Kommandos zu schnell aneinander Niemand kann sie unter Stress ausführen
Zu geringer Abstand Kein Reaktionsraum
Crossfire nicht abgesprochen Officer schießt Officer
Zum Fahrzeug gegangen, statt die Insassen herauszurufen Das ganze Verfahren war umsonst
Nicht nachgezählt Der vierte Insasse liegt noch im Fahrzeug
Kofferraum nicht kontrolliert Ebenso
Fesselung durch einen Officer allein Niemand deckt in dem Moment, in dem es am gefährlichsten ist
Code 4 vergessen Weitere Einheiten fahren Code 3 zu einer beendeten Lage
Nach nicht bestätigtem Verdacht einfach weggefahren Beschwerde, IA-Verfahren — zu Recht

Verfolgungsfahrten (Pursuit)

Verfolgungsfahrten sind die Einsatzart mit dem schlechtesten Verhältnis von Nutzen zu Risiko. Ein Officer, der eine Verfolgung abbricht, hat in den meisten Fällen die richtige Entscheidung getroffen — nicht die feige.


1. Der Balance Test

Das LAPD verlangt während einer Verfolgung einen laufenden "Balance Test": die Dringlichkeit der Festnahme gegen die Gefahr für alle anderen auf der Straße. In die Abwägung gehen ein:

  • die Schwere der Tat
  • Verkehrsdichte und Tageszeit
  • Fußgänger, Schulwege, Wohngebiete
  • Wetter und Straßenzustand
  • Geschwindigkeit des flüchtenden Fahrzeugs
  • der tatsächliche Verlauf der Verfolgung
  • ist der Täter identifiziert? (Dann kann man ihn später holen.)

Der Test läuft dauerhaft, nicht einmal am Anfang. Eine Verfolgung, die bei Kilometer 1 vertretbar war, kann bei Kilometer 4 unvertretbar sein.

Derselbe Test entscheidet auch über Spike Strips, PIT und Air Support.

Die Kernfrage, in einem Satz

Ist das, weswegen ich ihn verfolge, schlimmer als das, was passiert, wenn er jemanden tötet?

Bei einem Tötungsdelikt: ja. Bei einem Rotlichtverstoß: nein. Bei fast allem dazwischen: hängt von der Straße ab.


2. Wann man verfolgt

Verfolgung in der Regel vertretbar Verfolgung in der Regel nicht vertretbar
Tötungsdelikt (187) Verkehrsverstoß
Bewaffneter Raub (211) Technischer Mangel
Gefährliche Körperverletzung (245) Ordnungswidrigkeit
Entführung (207) Einfacher Diebstahl (484)
Schütze auf der Flucht Fahrzeugdiebstahl ohne weitere Gefahr, wenn der Täter identifiziert ist
Unmittelbare Gefahr für Dritte Reine Flucht vor einer Verkehrskontrolle

Die unangenehme Wahrheit: Die meisten Verfolgungen beginnen mit einem Verkehrsverstoß und enden im besten Fall mit Blechschaden. Deshalb sind die Regeln so streng.


3. Rollen

Rolle Aufgabe
Primary Unit Fährt direkt hinter dem Fahrzeug. Fährt und schaut, funkt nicht.
Secondary Unit Fährt dahinter. Übernimmt den kompletten Funk. Das ist ihre Hauptaufgabe.
Supervisor Hört mit, bewertet, entscheidet über Abbruch. Fährt nicht mit.
Air Support Führt von oben. Sobald Air dran ist, können die Bodenfahrzeuge zurückfallen.
Alle übrigen Bleiben weg. Sie besetzen Kreuzungen, sperren ab (Code 100), halten sich bereit — sie hängen sich nicht an.

Wechsel der Primary Unit

Ist die Primary Unit beschädigt, abgehängt oder erschöpft, wird gewechselt — durch klare Funkansage:

Funkspruch

"7-Adam-19 übernimmt Primary. 7-Adam-15 fällt zurück."


4. Funk während der Verfolgung

Die Secondary Unit funkt. Kontinuierlich, aber nicht ununterbrochen — alle 15–30 Sekunden oder bei jeder Änderung.

Der Anfang:

Funkspruch

"7-Adam-15, Verfolgung. Grauer Buffalo, Kennzeichen 41 Frank Tom Sam 88, südwärts auf dem Vespucci Boulevard auf Höhe der Del Perro Freeway-Auffahrt. Grund: bewaffneter Raub, 211. Zwei Insassen, eine Handfeuerwaffe gemeldet. Geschwindigkeit etwa 120. Code 3. Brauchen Air Support und Supervisor."

Laufende Meldungen — jeweils:

Inhalt Beispiel
Position und Richtung "Jetzt westwärts auf dem Great Ocean Highway"
Geschwindigkeit "Etwa 140"
Verkehr und Umgebung "Mäßiger Verkehr, Wohngebiet"
Fahrverhalten "Fährt Gegenverkehr", "hat einen Fußgänger fast erfasst"
Neue Erkenntnisse "Beifahrer hat eine Waffe aus dem Fenster gehalten"

Das Ende — immer:

Funkspruch

"7-Adam-15, Verfolgung beendet, Fahrzeug steht, Vespucci Beach Parkplatz, gehen in den Felony Stop." (→ Kapitel 11)

oder

Funkspruch

"7-Adam-15, Verfolgung abgebrochen, letzte Sichtung Great Ocean Highway westwärts, Fahndung läuft, Code 4."


5. Abbruch

Wer abbricht

  • Der Supervisor kann jederzeit abbrechen. Sein Abbruch ist verbindlich.
  • Der Officer kann jederzeit selbst abbrechen. Das ist ausdrücklich sein Recht und wird nicht hinterfragt.

Wann abgebrochen wird

Abbruchkriterium
Die Gefahr für Unbeteiligte übersteigt den Nutzen der Festnahme
Der Täter ist identifiziert — man kann ihn später festnehmen
Das eigene Fahrzeug ist beschädigt oder nicht mehr sicher fahrbar
Sichtkontakt verloren
Das flüchtende Fahrzeug fährt in den Gegenverkehr, in Schulzonen, über Bürgersteige
Schlechtes Wetter, Nässe, schlechte Sicht
Kein Funk mehr, keine Koordination möglich
Der Supervisor ordnet es an
Geschwindigkeit und Straße passen nicht mehr zusammen

Wie abgebrochen wird — richtig

Abbrechen heißt nicht langsamer werden, während man dranbleibt.

# Schritt
1 Blaulicht und Sirene aus
2 Geschwindigkeit reduzieren, Verkehr wieder einordnen
3 Richtung ändern oder anhalten — der Flüchtende muss sehen, dass es vorbei ist
4 Funken: Abbruch, letzte Sichtung, Richtung, Beschreibung
5 Fahndung: Kennzeichen und Beschreibung bleiben im System
Warum Schritt 3

Solange der Flüchtende glaubt, verfolgt zu werden, fährt er weiter wie ein Verfolgter. Ein "Abbruch", bei dem man in Sichtweite hinterherfährt, hat alle Risiken der Verfolgung und keinen ihrer Vorteile.


6. Beendigungstechniken

Alle brauchen Supervisor-Freigabe und eine Abwägung nach dem Balance Test.

Spike Strips (Stachelband)

Zur Beendigung einer Verfolgung zugelassen, wenn es angemessen ist und nach Ankündigung an die Primary Unit oder den Watch Commander.

Voraussetzung
Position ist im Voraus bekannt und gemeldet
Officer steht in Deckung, nicht auf der Fahrbahn
Kein Motorrad im Ziel (lebensgefährlich)
Keine Fußgänger im Bereich
Die Primary Unit ist gewarnt, damit sie nicht selbst darüberfährt

PIT (Pursuit Intervention Technique)

Die Entscheidung für einen PIT erfolgt nach sorgfältiger Würdigung aller Umstände und nur, wenn die Bedingungen es erlauben. In die Abwägung gehen ein: Verkehrsdichte, Fußgänger, Schulzonen, Wetter, Straßenzustand, Geschwindigkeit des flüchtenden Fahrzeugs und die Sicherheit der Officer.

Voraussetzung
Supervisor-Freigabe
Niedrige Geschwindigkeit — ein PIT bei hoher Geschwindigkeit ist potenziell tödlich
Ausbildung an der Technik
Freier Bereich: keine Fußgänger, kein Gegenverkehr, keine Brücke, kein Abhang
Kein Motorrad, kein Fahrzeug mit hohem Schwerpunkt
Nachher: Use-of-Force-Bericht — ein PIT ist Gewaltanwendung

Roadblock / Absperrung (Code 100)

Einheiten besetzen Positionen entlang der wahrscheinlichen Route und riegeln ab. Eine komplette Sperre, in die ein Fahrzeug ungebremst hineinfährt, ist tödliche Gewalt und nur unter den Bedingungen aus Kapitel 08 zulässig. Eine Verengung oder eine rollende Sperre ist das übliche Mittel.

Was verboten ist

Verboten Warum
Auf ein fahrendes Fahrzeug schießen Fast immer unzulässig. Ein Fahrer, der getroffen wird, wird ein unkontrolliertes Geschoss von 1,5 Tonnen.
Rammen ohne Freigabe und Ausbildung Gewaltanwendung ohne Grundlage
Entgegen der Fahrtrichtung fahren, um abzuschneiden Erzeugt Frontalkollisionen
Verfolgung ohne Funk Niemand kann koordinieren oder abbrechen

7. Trainingsszenario

Runde Lage Was geprüft wird
1 Flucht nach Verkehrskontrolle, leere Straße Funk, Rollenverteilung Primary/Secondary
2 Dieselbe Flucht, aber durch ein Wohngebiet mit Fußgängern Wird abgebrochen? Das ist die einzige richtige Antwort.
3 Flucht nach 211, Täter bewaffnet, Freeway Verfolgung vertretbar — aber wird Air angefordert? Fallen die Bodenfahrzeuge zurück?
4 Verfolgung, Supervisor bricht ab Wird der Abbruch sofort und vollständig umgesetzt — Licht aus, Sirene aus, Richtung geändert?
5 Fahrzeug hält an, Insassen bleiben sitzen Erkennt die Einheit, dass jetzt Kapitel 11 gilt, und nicht "hinlaufen"?

Automatisch nicht bestanden bei: Nicht abgebrochen bei Runde 2; weiter hinterhergefahren nach Supervisor-Abbruch; kein Funk; mehr als zwei Einheiten in der Verfolgung; auf das Fahrzeug geschossen.


8. Typische Fehler

Fehler Folge
Verfolgung wegen einer Bagatelle Unverhältnismäßig. Die tote Rentnerin an der Kreuzung war ein Rotlichtverstoß nicht wert.
Primary Unit funkt selbst Fährt schlechter, funkt schlechter, beides gefährlich
Elf Einheiten in der Kolonne Auffahrunfälle, blockierter Funk, niemand sperrt ab
Kein Supervisor informiert Es gibt niemanden, der abbrechen kann
"Abbruch", aber weiter dahinter Alle Risiken, kein Vorteil
Spike Strips ohne Vorwarnung Die eigene Primary Unit fährt drüber
PIT bei 160 km/h Tödlich für alle Beteiligten
Auf das Fahrzeug geschossen Unzulässig, tötet Unbeteiligte
Abbruch nicht gefunkt Andere Einheiten fahren weiter Code 3
Verfolgung bis zum Stillstand, dann hingelaufen Aus einer Verfolgung wird ein Felony Stop, nicht ein Spaziergang

Festnahme, Fesselung, Transport, Booking


1. Rechtsgrundlage

Eine Festnahme braucht Probable Cause — siehe Kapitel 05. Ohne Probable Cause ist es keine Festnahme, sondern eine Freiheitsberaubung.

Drei Arten, wie es dazu kommt:

Art Voraussetzung
On View Der Officer beobachtet die Tat selbst
Probable Cause Aus Beweisen, Zeugen, Umständen
Warrant Es liegt ein Haftbefehl vor
Citizen's Arrest Eine Privatperson nimmt fest und übergibt. Der Officer prüft die Rechtmäßigkeit — angemessene Gewalt ist dabei zulässig, unverhältnismäßige macht den Festnehmenden selbst zum Täter.

2. Ablauf der Festnahme

Phase 1 — Entscheidung und Ankündigung

Vorher entscheiden, nicht während des Griffs. Eine Festnahme, die man mittendrin beschließt, wird ein Gerangel.

Ankündigen:

Wortlaut

"Sie sind festgenommen wegen Verdachts auf schweren Raub, Paragraph 211. Drehen Sie sich um und legen Sie die Hände hinter den Rücken."

Der Grund gehört dazu. Er ist Pflicht, und er nimmt die Panik heraus.

Phase 2 — Fesselung

# Schritt
1 Contact & Cover. Einer fesselt, einer deckt. Immer.
2 Hände hinter den Rücken, Handflächen nach außen
3 Handschellen anlegen, doppelt verriegeln (Double-Lock) — sonst ziehen sie sich zu
4 Sitz prüfen: ein Finger muss zwischen Schelle und Handgelenk passen
5 Erst jetzt durchsuchen (Search Incident to Arrest)
6 Belehrung, wenn befragt werden soll → Kapitel 06

Regeln:

  • Nie mit den Händen vorne fesseln, außer bei dokumentiertem medizinischen Grund
  • Nie an einen Gegenstand fesseln und alleine zurücklassen
  • Nie in Bauchlage liegen lassen, nachdem gefesselt wurde — Erstickungsgefahr. Sofort in die Seitenlage oder aufsetzen.
  • Beschwerden ernst nehmen. "Ich kann nicht atmen" ist keine Taktik, bis das Gegenteil bewiesen ist. Position ändern, Rettungsdienst rufen, wenn unklar.

Phase 3 — Durchsuchung der Person

Nach rechtmäßiger Festnahme ist die Person vollständig durchsuchbar. Systematisch, nicht zufällig:

Kopf → Kragen → Achseln → Arme → Hände → Brust → Rücken → Gürtel/Hosenbund →
Gesäß → Leiste → Oberschenkel → Knie → Waden → Knöchel → Schuhe (innen)
  • Taschen von außen abtasten, dann leeren
  • Schuhe immer prüfen — der klassische Ort für Messer und Drogen
  • Hosenbund und Gürtelschnalle — der klassische Ort für Waffen
  • Geschlechtergetrennt, wo möglich. Eine gründliche Durchsuchung durch einen Officer des anderen Geschlechts nur, wenn es keine Alternative gibt, und dann dokumentieren.
  • Alles Gefundene dokumentierenKapitel 07, Abschnitt 4

Phase 4 — Transport

# Schritt
1 Rückbank vor dem Einsetzen prüfen — und nach dem Aussteigen erneut. Was jetzt da liegt, hat die Person hineingelegt.
2 Person mit dem Kopf zuerst einsetzen, Kopf schützen
3 Gurt anlegen
4 Mitgefangene trennen. Mehrere Verdächtige derselben Tat fahren nicht zusammen — sie stimmen ihre Aussagen ab.
5 Kilometerstand und Zeit notieren, wenn eine Person des anderen Geschlechts transportiert wird
6 Funken: Transport mit Ziel und Anzahl
7 Während der Fahrt: keine Befragung ohne Belehrung
Funkspruch

"7-Adam-15, transportieren einen Festgenommenen zur Wache, ein Insasse, Abfahrt jetzt."

Phase 5 — Booking

# Schritt
1 Übergabe an Custody / Jail
2 Personalien, Foto, Fingerabdrücke
3 Tatvorwurf und Paragraph eintragen
4 Eigentum inventarisieren und quittieren
5 Medizinische Erstsichtung — Verletzungen, Medikamente, Entzug
6 Telefonat ermöglichen
7 Bericht schreiben. Derselbe Officer, dieselbe Schicht.

3. Widerstand

Passiver Widerstand

Geht nicht mit, lässt sich fallen, hält sich fest. → Führungsgriffe, Tragen. Kein Taser, kein Spray.

Aktiver Widerstand

Reißt sich los, stößt weg, läuft weg. → Kontrolltechniken, Bodentechnik, ggf. Taser oder Spray nach Kapitel 08.

Angriff

→ Höhere Stufe, sofort, aber nur so lange wie nötig.

Die Regel: Wenn die Person aufhört, hörst du auf. Gewalt, die nach dem Ende des Widerstands weitergeht, ist ein Dienstvergehen — unabhängig davon, wie gerechtfertigt sie eine Sekunde vorher war.

§ 148 PC (Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte) ist ein eigener Tatvorwurf. Aber:

Hinweis

Wer eskaliert, um eine 148 zu erzeugen, begeht selbst ein Dienstvergehen. Eine 148, die aus einer vom Officer verschuldeten Eskalation entsteht, hält vor keiner Prüfung.


4. Nach der Festnahme

Pflicht
Bericht, in derselben Schicht
Beweismittel ins Property Room, dokumentiert
Zeugenangaben aufgenommen
Use-of-Force-Bericht, wenn Gewalt angewendet wurde
Übergabe an den Detective, wenn es ein Ermittlungsfall ist

Der Bericht

Ein Festnahmebericht beantwortet sechs Fragen. Nicht mehr, nicht weniger:

Frage Inhalt
Wer Festgenommener, Officer, Zeugen
Was Tatvorwurf mit Paragraph
Wann / Wo Zeit und Ort von Tat und Festnahme
Warum Der Probable Cause. Das wichtigste Feld des ganzen Berichts.
Wie Ablauf, angewendete Gewalt, Belehrung ja/nein und wann
Womit Sichergestellte Gegenstände
Hinweis

Das "Warum"-Feld ist der Bericht. Alles andere ist Formalie. Wenn dort "war verdächtig" steht, ist der Bericht wertlos und die Festnahme angreifbar. Dort muss stehen, welche konkreten Tatsachen den Probable Cause getragen haben.


5. Trainingsszenario

Runde Lage Was geprüft wird
1 Kooperativer Festgenommener Vollständiger Ablauf: Ankündigung mit Grund, Fesselung, Durchsuchung, Belehrung, Transport
2 Person geht passiv nicht mit Bleibt es bei Stufe 2? Wird Taser oder Spray falsch eingesetzt?
3 Person reißt sich los und läuft Verfolgung zu Fuß, Kontrolltechnik, Verhältnismäßigkeit
4 Zwei Verdächtige derselben Tat Werden sie getrennt transportiert?
5 Festgenommener sagt "Ich kann nicht atmen" Wird die Position geändert und RTW gerufen?
6 Nach dem Transport liegt ein Messer auf der Rückbank Wurde die Rückbank vorher geprüft? Wenn nicht: nicht bestanden.

6. Typische Fehler

Fehler Folge
Festnahme ohne Probable Cause Rechtswidrig, Freilassung, IA-Verfahren
Grund nicht genannt Pflichtverstoß, erzeugt Panik und Widerstand
Alleine gefesselt, ohne Deckung Der gefährlichste Moment ohne Absicherung
Handschellen nicht doppelt verriegelt Verletzungen, Beschwerde
Zu eng gefesselt Körperverletzung im Amt
Nicht durchsucht Waffe im Streifenwagen, Waffe in der Zelle
Schuhe nicht geprüft Der klassische Fund, den man verpasst
Rückbank nicht vor und nach dem Transport geprüft Fund gehört dir, nicht ihm
Zwei Mitverdächtige zusammen transportiert Abgestimmte Aussagen, Fall beschädigt
Bauchlage nach dem Fesseln beibehalten Lebensgefahr
"Ich kann nicht atmen" ignoriert Im Ernstfall ein Todesfall
Im Wagen ohne Belehrung befragt Aussage unverwertbar
Kein Bericht Die Festnahme existiert rechtlich nicht
Eskaliert, um eine 148 zu bekommen Dienstvergehen

Gebäude- und Raumdurchsuchung, Active Shooter

Das taktisch anspruchsvollste, was ein Streifenofficer tut. Die Grundregel:

Hinweis

Ein Gebäude wird nicht von zwei Officern geräumt, wenn man warten kann. Man wartet auf Verstärkung, sperrt ab und lässt Metro oder SWAT arbeiten.

Die einzige Ausnahme: Es ist jemand drin, der jetzt Hilfe braucht.


1. Rechtsgrundlage

Ohne Einwilligung oder Warrant darf ein Gebäude nur unter Exigent Circumstances betreten werden — siehe Kapitel 07, Abschnitt 2.7:

Grund Beispiel
Hot Pursuit Der Verfolgte ist hineingelaufen
Gefahr für Leben Schreie, Schüsse, Hilferufe, Blut
Emergency Aid Reglose Person sichtbar
Beweismittelvernichtung Nur in engen Grenzen

Der Umfang bleibt begrenzt. Wer wegen eines Schreis in eine Wohnung geht, sucht die verletzte Person — nicht die Drogen in der Schublade.


2. Grundbegriffe

Begriff Bedeutung
Slicing the Pie Um eine Ecke herum in kleinen Schritten seitlich versetzen. Man arbeitet den Raum scheibchenweise ab, statt hineinzuspringen.
Fatal Funnel Der Türrahmen. Der gefährlichste Punkt eines Gebäudes — jeder im Raum sieht ihn, und jeder rechnet mit ihm. Nicht darin stehenbleiben.
Threshold Evaluation Vor dem Eintreten von außen so viel wie möglich vom Raum erfassen.
Dead Space Der Bereich, den man von außen nicht einsehen kann. Er ist erst geklärt, wenn man ihn gesehen hat.
Hard Corner Die Ecke direkt neben der Tür, an der Seite, an der man nicht steht. Der häufigste Platz für jemanden, der wartet.
Buttonhook Beim Eintreten scharf um den Türrahmen herum, entlang der Wand.
Crisscross Zwei Officer treten diagonal ein, jeder in die gegenüberliegende Ecke.

3. Ablauf einer Gebäudedurchsuchung

Phase 1 — Außen

# Schritt
1 Nicht direkt vor dem Gebäude halten. Ein Stück entfernt, außer Sicht.
2 Umrunden, wenn möglich: Wie viele Zugänge? Wie viele Etagen? Fenster offen? Licht?
3 Absperren — Zugänge besetzen (Code 100). Ein abgeriegeltes Gebäude ist ein gelöstes Problem.
4 Funken: Adresse, Gebäudeart, Anzahl der Zugänge, was bekannt ist
5 Verstärkung abwarten. Minimum vier Officer für ein Einfamilienhaus.
6 Plan machen: Wer geht rein, wer bleibt draußen, wer hat welchen Ausgang, wo ist der Sammelpunkt
7 Ansprechen, wenn möglich: "Los Santos Police Department! Kommen Sie mit erhobenen Händen heraus!" Ein Gebäude, in das man nicht hineingehen muss, ist das beste Gebäude.

Phase 2 — Eintreten

# Schritt
1 Türrahmen bewerten (Threshold Evaluation) — von außen so viel sehen wie möglich
2 Nie im Fatal Funnel stehenbleiben. Durch die Tür heißt: durch, nicht in der Tür.
3 Hard Corners zuerst. Die Ecken neben der Tür sind die Bedrohung, nicht die Raummitte.
4 Zwei Officer, entgegengesetzte Richtungen (Crisscross). Jeder hat eine Hälfte.
5 Ansagen, was man macht: "Ich gehe links." — "Links klar."
6 Geräumte Räume markieren. Tür weit öffnen, Licht einschalten, oder einen Gegenstand in den Türrahmen legen — und den Raum im Funk melden.

Phase 3 — Systematisch weiter

  1. Ein Raum auf einmal. Kein Raum wird übersprungen.
  2. Treppen sind Todesfallen. Von unten nach oben ist die schlechteste Richtung, die es gibt. Langsam, seitlich versetzt, mit Deckung von unten.
  3. Rücken sichern. Ein geräumter Raum bleibt nur geräumt, wenn niemand hinein kann.
  4. Nicht trennen. Zwei Officer bleiben in Sicht- oder Rufkontakt.
  5. Funken bei jeder Etappe: "Erdgeschoss klar, gehen ins Obergeschoss."
  6. Am Ende: "Gebäude klar" — oder, wenn ein Bereich nicht geräumt wurde, ausdrücklich sagen, welcher. Ein halb geräumtes Gebäude, das als "klar" gemeldet wird, tötet den nächsten, der hineingeht.

Phase 4 — Abschluss

# Schritt
1 Code 4 funken
2 Personen im Gebäude identifizieren und dokumentieren
3 Beweismittel nach Kapitel 07
4 Schäden dokumentieren — eine eingetretene Tür ist ein Schaden, für den die Behörde haftet
5 Bericht

4. Active Shooter

Die einzige Lage in diesem ganzen Handbuch, in der nicht gewartet wird.

Das Prinzip

Grundsatz

Bei einem Active Shooter wird sofort vorgegangen. Auch alleine. Auch ohne Verstärkung. Das Ziel ist, das Schießen zu beenden.

Das ist eine Umkehrung aller anderen Regeln, und sie hat einen Grund: Solange geschossen wird, stirbt alle paar Sekunden jemand. Jede Minute Wartezeit ist tödlich.

Ablauf

# Schritt
1 Funken: Adresse, Anzahl der Schützen, Beschreibung, Waffenart, wo geschossen wird
2 Auf die Schüsse zu. Nicht auf die Verletzten.
3 Verletzte werden im Vorgehen übergangen. Das ist die härteste Regel des Berufs und die richtige: Wer stehenbleibt, um einem Verletzten zu helfen, lässt den Schützen weiterschießen.
4 Bedrohung neutralisieren
5 Dann Code 4, Versorgung, RTW einweisen
6 Gebäude systematisch räumen

Was danach kommt

  • Rettungsdienst einweisen und Korridore sichern (Rescue Task Force)
  • Verletzte triagieren
  • Zeugen erfassen und trennen
  • Tatort sichern
  • Use-of-Force-Bericht, FID-Untersuchung

Die Abgrenzung, die alles entscheidet

Active Shooter Barricaded Subject
Merkmal Es wird jetzt geschossen. Opfer entstehen laufend. Person ist eingeschlossen, schießt nicht auf andere, hält niemanden fest
Vorgehen Sofort vor. Auch alleine. Warten. Absperren, Kontakt aufnehmen, Verhandler, SWAT
Warum Zeit kostet Leben Zeit gewinnt Leben

Eine Barrikadenlage wird nicht gestürmt, solange niemand akut gefährdet ist. Das ist der häufigste taktische Fehler überhaupt: Eine Person verschanzt sich, und sechs Officer stürmen sofort, weil Warten unerträglich ist. Das ist der Moment, in dem Officer sterben.


5. Trainingsszenario

Aufbau: Ein leeres Haus oder Lagerhaus, vier Officer, ein bis zwei Zivilisten als Verdächtige/Bewohner, ein Ausbilder als Beobachter.

Runde Lage Was geprüft wird
1 Einbruchsalarm (Code 30), Gebäude leer Umrunden, absperren, Funk, systematisches Räumen, Räume markieren
2 Wie 1, aber eine Person steht im Hard Corner des ersten Raums Wird die Ecke geprüft, bevor man weitergeht?
3 Verdächtiger im Obergeschoss, verschanzt, unbewaffnet gemeldet Wird gewartet? Absperren, Kontakt, Verhandlung — nicht stürmen
4 Schüsse im Gebäude, Opfer schreien Active Shooter: wird sofort vorgegangen?
5 Officer meldet "Gebäude klar", obwohl der Keller nicht geprüft wurde Wird der Fehler bemerkt? Falschmeldung ist automatisch nicht bestanden.

6. Typische Fehler

Fehler Folge
Zwei Officer räumen ein Gebäude, obwohl Verstärkung kommt Unnötiges Risiko
Nicht abgesperrt Der Verdächtige geht hinten raus, während man vorne sucht
Im Fatal Funnel stehengeblieben Der vorhersehbarste tödliche Fehler
Hard Corner nicht geprüft Man läuft an der Person vorbei, die wartet
Raummitte gesichert, Ecken ignoriert Dasselbe
Geräumte Räume nicht markiert Man räumt doppelt und lässt Bereiche aus
Getrennt Zwei einzelne Officer statt eines Teams
Treppe frontal hochgelaufen Todesfalle
Im Gebäude gerannt Keine Kontrolle, keine Reaktionszeit
"Gebäude klar" gemeldet, obwohl ein Bereich fehlt Der nächste, der hineingeht, verlässt sich darauf
Barrikadenlage gestürmt Officer sterben, Verhandlungsszene verbrannt
Bei Active Shooter auf SWAT gewartet Jede Minute kostet Leben
Bei Active Shooter bei einem Verletzten stehengeblieben Der Schütze schießt weiter

Spezielle Einsatzlagen

Fünf Lagen, die eigene Verfahren haben und die jeder Officer regelmäßig bekommt.


1. Häusliche Gewalt (273.5 PC)

Der gefährlichste Routineeinsatz, den es gibt. Hohe emotionale Aufladung, Waffen im Haus, Beteiligte, die eine Vorgeschichte miteinander haben und beide den Officer als Gegner sehen können.

Rechtslage

Kalifornien verpflichtet jede Polizeibehörde (§ 13701 PC), schriftliche Richtlinien für Einsätze wegen häuslicher Gewalt zu haben. Der Kern dieser Vorschrift:

  • Häusliche Gewalt ist als Straftat zu behandeln, nicht als Privatangelegenheit
  • Hilfeersuchen haben dieselbe Priorität wie andere Gewaltdelikte

Pflichtfestnahme bei Verstoß gegen eine Schutzanordnung (§ 836(c)(1) PC):

Hinweis

Wenn ein Officer zu einem gemeldeten Verstoß gegen eine Schutzanordnung (Protective Order / Restraining Order) gerufen wird und Probable Cause hat, dass die betroffene Person von der Anordnung Kenntnis hatte und gegen sie verstoßen hat, muss er sie ohne Haftbefehl festnehmen — auch wenn der Verstoß nicht in seiner Gegenwart geschah.

Das ist kein Ermessen. "Sie wollte keine Anzeige" ändert daran nichts.

Nach der Festnahme ist so bald wie möglich zu bestätigen, dass eine gültige Fassung der Anordnung registriert ist — es sei denn, das Opfer legt selbst eine Kopie vor.

Dominant Aggressor

Wenn beide Seiten Verletzungen haben und beide sich beschuldigen, wird nicht einfach beide festgenommen. Der Officer ist verpflichtet, sich in vertretbarem Umfang darum zu bemühen, den Dominant Aggressor zu ermitteln — und kann diesen festnehmen.

Hinweis

Dominant Aggressor ist die Person, die als der bedeutendste Aggressor gilt — nicht die, die zuerst zugeschlagen hat.

Dafür werden bewertet:

  • Schwere der jeweiligen Verletzungen
  • Wer hatte Angst vor wem?
  • Vorgeschichte von Gewalt zwischen den Beteiligten
  • Wer handelte in Notwehr?
  • Wer hat die Kontrolle in der Beziehung?

Bei gegenseitigen Schutzanordnungen greift die Pflichtfestnahme nur gegenüber der Person, die vernünftigerweise als Dominant Aggressor anzusehen ist.

Ablauf

# Schritt
1 Mit zwei Einheiten anfahren. Nie alleine zu einem DV-Einsatz.
2 Cold Approach — Blaulicht und Sirene vorher aus.
3 Vor der Tür hören. Was passiert drin? Schreie, Schläge, Gegenstände?
4 Nicht frontal vor der Tür stehen.
5 Beteiligte sofort trennen — verschiedene Räume, außer Hörweite. Nicht verhandeln, machen.
6 Getrennt befragen. Jeder Officer ein Beteiligter.
7 Verletzungen suchen und dokumentieren — auch die, die nicht gezeigt werden. Fotos.
8 Nach Waffen im Haus fragen und sie sicherstellen
9 Kinder? Wo sind sie, haben sie es gesehen, sind sie in Gefahr?
10 Nach Schutzanordnungen fragen und im MDT prüfen
11 Entscheidung: Festnahme (Pflicht bei Anordnungsverstoß), Dominant Aggressor, oder Bericht ohne Festnahme
12 Opfer informieren — über Schutzanordnung (EPO), Hilfsangebote, den weiteren Ablauf
13 Bericht — immer. Auch ohne Festnahme. Der Bericht ist die Vorgeschichte für den nächsten Einsatz.
Die wichtigste Regel

Ein Officer nimmt einem Opfer die Entscheidung ab. Das Opfer trägt nicht die Verantwortung für die Festnahme — der Officer tut es. Genau deshalb gibt es die Pflichtfestnahme.

2. Psychische Krise (5150 W&I)

Rechtslage

Welfare & Institutions Code § 5150 erlaubt die Zwangsunterbringung zur psychiatrischen Begutachtung für bis zu 72 Stunden. Voraussetzung: Es besteht wegen einer psychischen Störung Grund zur Annahme, dass die Person

Kriterium
eine Gefahr für sich selbst ist
eine Gefahr für andere ist
gravely disabled ist — sich nicht mehr selbst mit Nahrung, Kleidung und Unterkunft versorgen kann

Ein 5150 ist keine Festnahme. Die Person ist keine Beschuldigte, sie hat kein Verbrechen begangen, sie kommt nicht ins Gefängnis, sondern in eine Klinik. Behandle sie entsprechend.

Ablauf

# Schritt
1 Langsam machen. Zeit ist hier das einzige Werkzeug, das zuverlässig funktioniert.
2 Reizarm. Sirene aus, Blaulicht aus, Funk leiser, Zuschauer wegschicken, andere Officer zurücknehmen.
3 Einer redet. Nur einer. Alle anderen schweigen und bleiben auf Abstand.
4 Abstand halten. Abstand ist beruhigend und sicher.
5 Namen benutzen. Fragen stellen. Zuhören. Nicht befehlen, nicht diskutieren, nicht widersprechen.
6 Nicht lügen. "Wir fahren nur mal kurz" zerstört das Vertrauen genau in dem Moment, in dem man es braucht.
7 Spezialisten anfordern — MEU / SMART, Krisenberater, Verhandler
8 Angehörige einbeziehen, wenn sie beruhigend wirken — und wegschicken, wenn nicht
9 Waffen und gefährliche Gegenstände aus der Reichweite bringen, unauffällig
10 Transport in die Klinik, mit Rettungsdienst wenn möglich, nicht im Streifenwagen-Käfig

Sätze, die funktionieren

Wortlaut

"Ich bin nicht hier, um Sie festzunehmen." "Ich will verstehen, was los ist." "Ich habe Zeit. Wir können hier stehen, so lange Sie wollen." "Was brauchen Sie gerade?" "Ich sage Ihnen, was ich als Nächstes tue, bevor ich es tue."

Sätze, die es schlimmer machen

Wortlaut

"Beruhigen Sie sich." — teilt der Person mit, dass ihr Zustand das Problem ist "Das ist doch nicht so schlimm." — entwertet "Wenn Sie nicht mitkommen, muss ich Sie zwingen." — Drohung in einer Krise "Legen Sie das Messer hin, sonst schieße ich." — wenn es nicht wirklich der letzte Satz ist

3. Barrikadenlage und Geiselnahme

Siehe die Abgrenzung in Kapitel 14, Abschnitt 4.

Grundsatz

Hinweis

Zeit arbeitet für die Polizei. Solange niemand akut verletzt wird, ist Warten die Strategie, nicht das Zögern.

Ablauf

# Schritt
1 Absperren — inneres und äußeres Sperrgebiet, alle Zugänge
2 Evakuieren — Nachbarn, Passanten, angrenzende Gebäude
3 Funken und anfordern: Supervisor, SWAT, Verhandler, RTW, Air
4 Einsatzleitung übergeben — sobald der Sergeant/Lieutenant da ist, führt er
5 Kontakt aufnehmen — Telefon, Lautsprecher, Rufkontakt. Einer redet, immer derselbe.
6 Informationen sammeln: Wer ist drin? Wie viele? Waffen? Verletzte? Was will die Person?
7 Nichts zusagen, was man nicht halten kann
8 Nicht stürmen, solange nicht unmittelbar jemand getötet oder schwer verletzt wird

Die Schwelle zum Zugriff

Ein Zugriff erfolgt, wenn:

  • jetzt jemand getötet oder schwer verletzt wird
  • die Verhandlung endgültig gescheitert ist und eine Gefahr für Leben besteht
  • eine taktische Gelegenheit existiert, die die Lage ohne Gewalt beendet

Nicht, weil es lange dauert.

4. Verkehrsunfall

# Schritt
1 Absichern zuerst. Streifenwagen schräg als Schutzschild, Warnblinker, Kegel, Absperrband. Die Unfallstelle ist gefährlicher als der Unfall.
2 Funken: 11-80 (Schwerverletzte) oder 11-81 (Leichtverletzte) oder 11-82 (nur Sachschaden), bei Todesopfern 11-44. RTW und Feuerwehr anfordern.
3 Verletzte versorgen — Rettungsdienst hat Vorrang vor allem anderen
4 Fahrtauglichkeit prüfen — Alkohol (23152), Drogen, Handy
5 Unfallflucht? 20001 bei Personenschaden, 20002 bei Sachschaden
6 Spuren dokumentieren — Endstellungen, Bremsspuren, Trümmerfeld, Fotos
7 Beteiligte und Zeugen erfassen, getrennt befragen
8 Abschleppen — 11-85
9 Fahrbahn freigeben und Verkehr wieder laufen lassen
10 Bericht
Hinweis

Bei schweren Unfällen und Unfällen mit Todesfolge übernimmt die Traffic Division die Ermittlung. Die Streife sichert und übergibt.


5. Ladendiebstahl und Citizen's Arrest

Der häufigste Bagatelleinsatz — und der, bei dem Officer am häufigsten in einen Rechtsfehler laufen.

Ablauf

# Schritt
1 Wer hat was beobachtet? Der Officer selbst hat es nicht gesehen. Also: Wer ist der Zeuge, und was genau hat er gesehen?
2 Ist Ware tatsächlich aus dem Laden gebracht worden? Ohne Verlassen der Kassenzone meist kein vollendeter Diebstahl.
3 Wert feststellen — 484 (Petty Theft) oder 487 (Grand Theft)
4 Ware sichern und dokumentieren
5 Entscheidung: Festnahme, Anzeige ohne Festnahme, oder Hausverbot
6 Bericht

Citizen's Arrest

Ein Ladendetektiv oder Bürger hält jemanden fest und übergibt an die Polizei. Der Officer prüft:

Prüffrage
War die Festnahme rechtmäßig — also hat der Bürger die Tat tatsächlich beobachtet?
War die angewendete Gewalt angemessen?
Hinweis

Angemessene Gewalt bei einer Jedermanns-Festnahme ist zulässig. Wer dabei unverhältnismäßige Gewalt anwendet, wird selbst zum Täter — und der Officer muss das ebenso bearbeiten wie den Diebstahl.

Das ist eine unangenehme Abwägung: Der Officer hat zwei potenzielle Täter vor sich, und einer von ihnen hat ihn gerufen.


6. Typische Fehler in allen fünf Lagen

Fehler Lage
Alleine angefahren Häusliche Gewalt
Beteiligte nicht getrennt Häusliche Gewalt
Nur mit dem geredet, der die Tür geöffnet hat Häusliche Gewalt
Opfer entscheiden lassen, ob festgenommen wird Häusliche Gewalt
Beide festgenommen, ohne Dominant Aggressor zu prüfen Häusliche Gewalt
Kein Bericht, weil keine Festnahme Häusliche Gewalt
Sechs Officer rufen gleichzeitig 5150, Barrikadenlage
Getasert, obwohl nur Selbstgefährdung vorlag 5150
Gelogen, um die Person ins Auto zu bekommen 5150
Gestürmt, weil es zu lange dauerte Barrikadenlage
Unfallstelle nicht abgesichert Verkehrsunfall
Spuren nicht dokumentiert, Fahrbahn zu früh freigegeben Verkehrsunfall
Festgenommen, ohne zu klären, wer was beobachtet hat Ladendiebstahl
Die Gewalt des Ladendetektivs nicht geprüft Citizen's Arrest

Das Field Training Program

Dieses Kapitel richtet sich an Training Officers. Es beschreibt, wie man aus einem Academy-Absolventen einen einsatzfähigen Officer macht.


1. Das Prinzip

Das Field Training Program (FTP) überbrückt die Lücke zwischen der Ausbildung in der Academy und dem, was der Streifendienst tatsächlich verlangt. Beim LAPD ist es auf 24 Wochen angelegt.

Wer die Academy abschließt, wird einer geografischen Division zugeteilt und ist Probationary Officer — Paygrade Police Officer I. Er steht unter Aufsicht eines höher eingestuften Officers, in der Regel eines Police Officer III als Field Training Officer (T.O.). Die Probezeit dauert insgesamt ein Jahr; nach erfolgreichem Abschluss rückt der Officer automatisch auf Police Officer II auf.

Der Rookie fährt echte Einsätze. Der T.O. beobachtet, bewertet und coacht.

Der Kern des Ganzen

Der Rookie macht die Arbeit. Der T.O. macht sie nicht für ihn. Ein T.O., der bei jeder Kontrolle übernimmt, weil es schneller geht, bildet niemanden aus.


2. Die vier Phasen

Phase Wochen Rolle des Rookies Rolle des T.O.
1 — Beobachten 1–4 Schaut zu, funkt mit, schreibt mit. Führt keine Lagen. Macht alles vor, erklärt jeden Schritt, denkt laut
2 — Assistieren 5–10 Führt einfache Lagen (Verkehrskontrollen, Anzeigenaufnahme) unter direkter Anleitung Steht daneben, greift ein, korrigiert sofort
3 — Führen 11–18 Führt alle Lagen. Fährt, funkt, entscheidet. Beobachtet, schweigt so lange wie möglich, greift nur bei Sicherheitsrisiko ein
4 — Prüfen 19–24 Führt alles allein. Der T.O. verhält sich wie ein normaler Partner. Bewertet nur. Keine Hilfe, außer sie wird verlangt.

Phasenübergang nur nach ausdrücklicher Bewertung. Wer Phase 2 nicht besteht, bleibt in Phase 2 — er rutscht nicht durch.


3. Der Daily Observation Report (DOR)

Nach jeder Schicht schreibt der T.O. einen DOR. Der DOR bewertet die Leistung über zahlreiche Kategorien — von Fahrfähigkeit und Berichtswesen bis zum Umgang mit Bürgern und Entscheidungsverhalten im Einsatz.

Der eigentliche Zweck ist nicht die Note. Der DOR gibt dem T.O. eine Struktur, um mit dem Rookie über seine Leistung zu sprechen — und dem Rookie eine nachvollziehbare Rückmeldung statt eines Bauchgefühls.

Regeln für den DOR

  1. Jeden Dienst. Ein DOR, der nur nach schlechten Diensten geschrieben wird, ist eine Strafmaßnahme, kein Ausbildungsinstrument.
  2. Konkret. "Funk war schlecht" ist wertlos. "Bei der Kontrolle am Vespucci Boulevard hat er die Position nicht gefunkt" ist brauchbar.
  3. Besprechen, nicht abgeben. Der DOR wird mit dem Rookie durchgesprochen, am Ende der Schicht, im Auto oder auf der Wache.
  4. Eine Baustelle auf einmal. Wer einem Rookie zwanzig Fehler auf einmal vorhält, korrigiert keinen.

4. Wie man ausbildet

Die Grundtechniken

Technik Wie
Laut denken Der T.O. spricht seine Entscheidungen aus: "Ich halte den an, weil das Rücklicht defekt ist. Ich stelle mich versetzt, weil …" Der Rookie hört die Begründung, nicht nur die Handlung.
Fragen statt sagen "Was siehst du?" — "Was machst du jetzt?" — "Warum die Position?" Wer selbst antwortet, lernt.
Nachher, nicht während Korrektur im Einsatz nur, wenn Sicherheit betroffen ist. Alles andere im Auto danach.
Sofort nach der Lage Zwei Minuten Nachbesprechung direkt nach jedem Einsatz. Nicht am Schichtende, wenn alles verblasst ist.
Machen lassen Auch wenn es langsamer ist. Auch wenn es unangenehm ist. Der Rookie muss den Fehler machen, um ihn zu verstehen.
Eingreifen bei Gefahr Unmittelbar, ohne Diskussion, ohne Rücksicht auf die Lernsituation. Sicherheit steht über Didaktik.

Die drei Fragen nach jedem Einsatz

  1. "Was ist passiert?" — Lässt den Rookie die Lage rekonstruieren. Deckt Wahrnehmungslücken auf.
  2. "Was würdest du anders machen?" — Selbstkritik vor Fremdkritik. Meistens nennt der Rookie den Fehler selbst.
  3. "Was war gut?" — Nicht optional. Ein Rookie, der nur Kritik hört, wird vorsichtig statt kompetent.

Was ein T.O. nicht tut

Nicht
Den Rookie vor Bürgern oder Kollegen zurechtweisen
Jede Lage selbst übernehmen
Den Rookie alleine in eine Lage schicken, die er nicht kann
Persönlich werden
Eigene Abkürzungen und Unsitten weitergeben ("so machen wir das hier")
Fehler durchwinken, weil man den Rookie mag
Einen Rookie durchlassen, der Officer Safety nicht beherrscht
Hinweis

Die letzte Zeile ist die wichtigste. Ein T.O., der jemanden passieren lässt, der nicht auf Hände schaut und keine Deckung nimmt, hat nicht nett gehandelt — er hat den nächsten Partner dieses Officers gefährdet.


5. Abschluss der Probezeit

# Schritt
1 Abschlussbeurteilung durch den T.O.
2 Praktische PrüfungKapitel 17
3 Gespräch mit dem Sergeant
4 Bestanden → Police Officer II, darf allein Dienst fahren
5 Nicht bestanden → Verlängerung, erneute Phase, oder Entlassung

6. Der T.O. selbst

Ein T.O. wird nicht, wer am längsten dabei ist, sondern wer:

Voraussetzung
Die Verfahren dieses Handbuchs beherrscht — nicht nur kennt
Erklären kann, warum etwas so gemacht wird
Geduld hat, jemanden langsam arbeiten zu lassen
Kritik sachlich formulieren kann
Selbst Kritik annimmt
Bereit ist, jemanden nicht zu bestehen

T.O. ist eine eigene Qualifikation ab Senior Officer, mit eigener Kurzausbildung — ein Dienst als Beobachter bei einem erfahrenen T.O. Sie kann auch wieder entzogen werden.


7. Typische Fehler von T.O.s

Fehler Folge
Alles selbst gemacht Der Rookie hat zugeschaut, nicht gelernt
Im Einsatz vor Bürgern korrigiert Untergräbt die Autorität des Rookies vor Ort
Keine Nachbesprechung Der Fehler wiederholt sich
Kein DOR Keine Nachvollziehbarkeit, keine Entwicklung
Zwanzig Kritikpunkte auf einmal Keiner wird bearbeitet
Nur Kritik, kein Lob Rookie wird passiv aus Angst vor Fehlern
Eigene Unsitten weitergegeben Fehler pflanzen sich über Generationen fort
Rookie bestanden, obwohl Officer Safety fehlt Gefährdet den nächsten Partner
Rookie alleine in eine Lage geschickt Verstoß gegen den Zweck des Programms

Prüfungen und Szenarien

Ein Ausbildungssystem ohne Prüfung ist eine Leseempfehlung. Dieses Kapitel liefert die Prüfungen — schriftlich und praktisch — die man direkt übernehmen kann.


1. Aufbau der Academy

Der Ablauf umfasst vier Termine:

Termin Inhalt Kapitel
1 — Theorie Organisation, Ränge, Funkdisziplin, Funkcodes 0104
2 — Recht RS/PC, Belehrungen, Durchsuchung, Gewaltanwendung 0508
3 — Taktik trocken Contact/Cover, Positionierung, Verkehrskontrolle, Felony Stop 0911
4 — Prüfung Schriftlich + drei praktische Szenarien dieses Kapitel

Nach bestandener Academy: Field Training nach Kapitel 16.


2. Schriftliche Prüfung

30 Fragen, Bestehensgrenze 24 von 30 (80 %). Die mit ★ markierten Fragen sind Ausschlussfragen — wer eine davon falsch hat, ist unabhängig von der Gesamtpunktzahl durchgefallen.

Teil A — Funk und Codes (10 Fragen)

# Frage
1 Was bedeutet Code 2?
2 ★ Was bedeutet Code 3?
3 ★ Was bedeutet Code 4 — und wer funkt es?
4 Was bedeutet Code 6?
5 Was bedeutet Code 37?
6 Was bedeuten 187, 211, 245, 459?
7 Was bedeutet 10851? Was 23152?
8 Was bedeutet 5150?
9 Aus welchen vier Teilen besteht eine Funkmeldung?
10 Zerlege das Call Sign 7-Adam-15 in seine drei Bestandteile.

Teil B — Recht (10 Fragen)

# Frage
11 ★ Nenne die drei Interaktionsstufen und die jeweilige Voraussetzung.
12 ★ Was ist der Unterschied zwischen Reasonable Suspicion und Probable Cause?
13 Darf eine Person bei einem Consensual Encounter gehen?
14 Was darf beim Pat-Down abgetastet werden — und wonach wird gesucht?
15 ★ Unter welchen zwei Bedingungen ist Miranda erforderlich?
16 Nenne die vier Bestandteile der Miranda Warning.
17 ★ Ein Verdächtiger sagt "Ich will einen Anwalt." Was tust du?
18 Nenne fünf Ausnahmen vom Warrant-Erfordernis.
19 Was ist die Lybarger Admonition — und an wen richtet sie sich?
20 Was gilt in Kalifornien bei einem gemeldeten Verstoß gegen eine Schutzanordnung?

Teil C — Taktik und Gewaltanwendung (10 Fragen)

# Frage
21 ★ Was ist der Unterschied zwischen Cover und Concealment? Nenne je zwei Beispiele.
22 ★ Erkläre Contact & Cover. Wer tut was?
23 Wie positionierst du den Streifenwagen bei einer Verkehrskontrolle, und warum?
24 Was ist die "V"?
25 ★ Nenne den Maßstab für tödliche Gewalt in Kalifornien seit AB 392.
26 Nenne fünf Deeskalationswerkzeuge.
27 ★ Wie viele Officer geben bei einem Felony Stop Kommandos?
28 Nenne fünf Abbruchkriterien für eine Verfolgung.
29 ★ Was ist der Fatal Funnel?
30 ★ Was ist der Unterschied im Vorgehen zwischen Active Shooter und Barricaded Subject?
Lösungshinweis für Ausbilder

Die Antworten stehen alle in den verlinkten Kapiteln. Prüfe mündlich nach — ein Kadett, der die Antwort nur zitieren kann, aber nicht erklären, hat sie nicht verstanden.


3. Praktische Prüfung

Drei Szenarien. Alle drei müssen bestanden werden.

Szenario 1 — Verkehrskontrolle

Aufbau: Ein Kadett, ein Zivilist als Fahrer. Anlass: defektes Rücklicht. Der Fahrer ist genervt, aber nicht gefährlich. Im Handschuhfach liegt nichts.

Bestehenskriterien — alle erforderlich:

# Kriterium
1 Kennzeichen vor dem Anhalten abgefragt
2 Kontrolle mit Grund gefunkt, vor dem Aussteigen
3 Sicheren Anhalteort gewählt
4 Streifenwagen versetzt, mit Abstand
5 Sich selbst identifiziert und den Grund genannt
6 Hinter der B-Säule positioniert, nicht neben dem Fahrer
7 Hände des Fahrers im Blick behalten
8 Sachlich geblieben, obwohl der Fahrer genervt war
9 Kontrolle korrekt abgeschlossen, Papiere zurückgegeben
10 Code 4 gefunkt

Automatisch nicht bestanden: nicht gefunkt · Grund nicht genannt · Waffe gezogen · ohne Grundlage durchsucht.

Szenario 2 — Felony Stop

Aufbau: Vier Officer (davon der Kadett), ein Sergeant, zwei Zivilisten in einem Fahrzeug aus einer 211-Meldung. Der Kadett ist Beifahrer der primären Einheit und damit der Sprecher.

Bestehenskriterien:

# Kriterium
1 Nicht sofort angehalten — gefolgt und Verstärkung angefordert
2 Lage vollständig gefunkt: Fahrzeug, Kennzeichen, Insassen, Bewaffnung, Grund
3 Supervisor angefordert
4 Auf mindestens eine weitere Einheit gewartet
5 Kontrollierbaren Anhalteort gewählt
6 Positionen vorher abgesprochen, kein Crossfire
7 Abstand 8–10 m, Position in der "V"
8 Genau ein Sprecher
9 Kommandos einzeln, mit Pause dazwischen
10 Insassen einer nach dem anderen herausgeholt
11 Fesselung durch zwei Officer, einer deckt
12 Insassen abgetastet und weggeführt, bevor der Nächste kam
13 Insassen nachgezählt, Fahrzeug geräumt inkl. Kofferraum
14 Code 4 gefunkt

Automatisch nicht bestanden: alleine angehalten · mehr als ein Sprecher · Crossfire · ans Fahrzeug gegangen, bevor alle draußen waren · zwei Insassen gleichzeitig · Kofferraum nicht geprüft.

Szenario 3 — Deeskalation

Aufbau: Ein Kadett, ein Zivilist in einer psychischen Krise (5150-Lage), mit einem Messer in der Hand, das er gegen sich selbst richtet. Er bedroht niemanden anderen. Ein zweiter Officer als Deckung.

Der Zivilist spielt nach Anweisung: Er gibt das Messer ab, wenn der Kadett ruhig bleibt, Abstand hält, zuhört und nicht droht. Er eskaliert, wenn geschrien, gedroht oder näher getreten wird.

Bestehenskriterien:

# Kriterium
1 Lage gefunkt, Spezialisten/MEU angefordert
2 Reizquellen reduziert — Sirene und Blaulicht aus, Zuschauer weg
3 Nur einer redet
4 Abstand gehalten, nicht näher getreten
5 Deckung genutzt, aber nicht bedrohlich aufgebaut
6 Fragen gestellt und zugehört, statt zu befehlen
7 Nicht gedroht
8 Nicht gelogen
9 Angekündigt, was als Nächstes passiert
10 Lage ohne Gewaltanwendung beendet
11 Als 5150 behandelt, nicht als Festnahme

Automatisch nicht bestanden: geschossen · getasert · körperlich zugegriffen, obwohl niemand anderes bedroht war · gedroht ("sonst schieße ich") · gelogen.

Hinweis

Dieses Szenario ist das wichtigste der drei. Ein Kadett, der Szenario 1 und 2 besteht und Szenario 3 nicht, ist auf dem Papier ein Polizist und in der Praxis ein Risiko.


4. Weiterführende Szenarien

Für Fortbildung und regelmäßiges Training — jeweils kurz beschrieben, Details in den zugehörigen Kapiteln.

# Szenario Prüft Kapitel
1 Kontrolle, Fahrer fährt an Reaktion, Abbruchentscheidung 12
2 Verfolgung durch ein Wohngebiet Bricht er ab? 12
3 Häusliche Gewalt, beide verletzt Trennung, Dominant Aggressor 15
4 Einbruchsalarm, Gebäude Absperren, systematisches Räumen 14
5 Barrikadenlage, unbewaffnet Wartet er? 14
6 Active Shooter Geht er sofort vor? 14
7 Consent-Frage wird mit Nein beantwortet Akzeptiert er das? 07
8 Verdächtiger verlangt einen Anwalt Beendet er die Befragung? 06
9 Kollege wird übergriffig Schreitet er ein? 08
10 IA-Befragung gegen den Officer selbst Kennt er seine POBR-Rechte? 06
11 Citizen's Arrest mit zu viel Gewalt Erkennt er zwei Täter? 15
12 Kontrolle endet ergebnislos Lässt er korrekt gehen? 05
Hinweis

Szenario 9 ist das unbequemste und lehrreichste. Ein Kadett, der zusieht, wie ein ranghöherer Officer einen Festgenommenen schlägt, und nichts tut, hat eine Dienstpflicht verletzt. Das muss man üben, weil es gegen jeden Gruppeninstinkt geht.


5. Bewertungsbogen

Zum Kopieren:

PRÜFUNGSBOGEN — LSPD ACADEMY
────────────────────────────────────────────────
Kadett:               ______________________
Prüfer:               ______________________
Datum:                ______________________

SCHRIFTLICH
  Punkte:             ____ / 30      (>= 24 = bestanden)
  Ausschlussfragen:   [ ] alle richtig   [ ] Fehler bei: ______
  Ergebnis:           [ ] bestanden      [ ] nicht bestanden

PRAKTISCH
  Szenario 1 — Verkehrskontrolle    [ ] bestanden  [ ] nicht
  Szenario 2 — Felony Stop          [ ] bestanden  [ ] nicht
  Szenario 3 — Deeskalation         [ ] bestanden  [ ] nicht

Stärkste Leistung:
  ____________________________________________

Kritischster Punkt:
  ____________________________________________

GESAMTERGEBNIS
  [ ] Bestanden — Zuweisung zum Field Training
  [ ] Wiederholung — Termin: ______________
  [ ] Nicht bestanden

Unterschrift Prüfer:  ______________________
────────────────────────────────────────────────

Fehlerkatalog

Die Fehler aus allen Kapiteln, nach Schwere sortiert. Dieses Kapitel ist als Nachbesprechungshilfe gedacht: Wenn ein Einsatz schlecht gelaufen ist, findet man hier meistens, was es war.


1. Die zehn Fehler, die Officer umbringen

In dieser Reihenfolge. Wer sie abstellt, hat 90 % des Officer-Safety-Trainings hinter sich.

# Fehler Wo behandelt
1 Nicht gefunkt, wo man ist. Wenn es schiefgeht, weiß niemand, wo er suchen soll. 03
2 Die Hände nicht gesehen und trotzdem weitergemacht. 09
3 Beide Officer sind Kontakt. Niemand deckt, niemand sieht die Umgebung. 09
4 Sichtschutz für Deckung gehalten. Autotüren halten keine Kugeln. 09
5 Nicht auf Verstärkung gewartet. Ein Officer, zwei Türen, zwei Verdächtige. 11
6 Im Fatal Funnel stehengeblieben. 14
7 Crossfire nicht abgesprochen. Officer im Schussfeld von Officer. 11
8 Nicht nachgezählt. Vier gemeldet, drei draußen, einer liegt noch im Fahrzeug. 11
9 Nicht durchsucht. Waffe im Streifenwagen, Waffe in der Zelle. 13
10 Code 4 vergessen. Sechs Wagen fahren Code 3 zu einer beendeten Lage. 04

2. Die Fehler, die Verfahren zerstören

Diese bringen niemanden um, aber sie lassen Fälle platzen und erzeugen IA-Verfahren.

Fehler Folge Kapitel
Grund für den Eingriff nicht artikulierbar Detention rechtswidrig, Fund unverwertbar 05
Grund erst im Bericht erfunden Der Grund muss vorher existieren 05
Festnahme ohne Probable Cause Freiheitsberaubung 05
Pat-Down als Beweismittelsuche benutzt Überschreitet Terry 07
Ohne Grundlage durchsucht Alles Gefundene unverwertbar 07
Consent erzwungen oder nach Widerruf weitergemacht Unverwertbar 07
Im Streifenwagen befragt, ohne zu belehren Aussage unverwertbar 06
Nach "Ich will einen Anwalt" weitergefragt Unverwertbar und Dienstvergehen 06
Mitverdächtige zusammen transportiert Abgestimmte Aussagen 13
Beweismittel ohne Dokumentation sichergestellt Chain of Custody gebrochen 07
Kein Bericht geschrieben Der Einsatz existiert rechtlich nicht 13
Lybarger gegeben, obwohl strafrechtlich ermittelt wird Aussage strafrechtlich verbrannt 06

3. Die Fehler von Training Officers

Fehler Folge
Alles selbst gemacht, weil es schneller geht Der Rookie hat zugeschaut, nicht gelernt
Im Einsatz vor Bürgern korrigiert Untergräbt die Autorität des Rookies
Keine Nachbesprechung Der Fehler wiederholt sich
Kein DOR Keine Nachvollziehbarkeit
Zwanzig Kritikpunkte auf einmal Keiner wird bearbeitet
Nur Kritik, kein Lob Der Rookie wird passiv statt kompetent
Eigene Unsitten weitergegeben Fehler pflanzen sich fort
Rookie bestanden, obwohl Officer Safety fehlt Gefährdet dessen nächsten Partner

4. Die Nachbesprechung

Nach jedem Einsatz, der schlecht gelaufen ist. Fünf Minuten, vier Fragen, in dieser Reihenfolge:

# Frage Zweck
1 "Was ist passiert?" Rekonstruktion. Deckt auf, dass zwei Officer verschiedene Einsätze erlebt haben.
2 "An welcher Stelle hätte es anders laufen können?" Sucht den Entscheidungspunkt, nicht den Schuldigen.
3 "Was war der eine Fehler?" Einer. Nicht fünf. Der wichtigste.
4 "Was war gut?" Nicht optional.

Zwei Regeln für die Nachbesprechung:

  1. Sie richtet sich gegen den Ablauf, nicht gegen die Person. "Die Position war falsch" statt "du hast falsch gestanden".
  2. Sie ist eine Auswertung oder eine Beschwerde, nicht beides. Ein Gespräch, das als Auswertung beginnt und als Vorwurf endet, vergiftet beides. Wer eine Beschwerde hat, führt sie über den Dienstweg.

5. Die Kurzfassung

Wenn jemand nur eine Seite dieses Handbuchs lesen kann, dann diese:

Hinweis
  1. Funk deine Position, bevor du aussteigst.
  2. Sieh die Hände. Alles andere wartet.
  3. Klärt die Rollen: einer Kontakt, einer Deckung.
  4. Nenne den Grund. Immer, in einem Satz.
  5. Warte auf Verstärkung, wenn du warten kannst.
  6. Einer redet. Nur einer.
  7. Ein Kommando, dann eine Pause.
  8. Frag dich: Was passiert, wenn ich fünf Sekunden warte?
  9. Hör auf, wenn er aufhört.
  10. Funk Code 4.

Funkcode-Karte

Zum Ausdrucken, Pinnen oder als Bild in den Discord. Eine Seite, alles Wesentliche.


╔══════════════════════════════════════════════════════════════════════════════╗
║                    L S P D   —   F U N K C O D E - K A R T E                 ║
╠══════════════════════════════════════════════════════════════════════════════╣
║                                                                              ║
║  CALL SIGN                                                                   ║
║    7  -  Adam  -  15        Area 7  |  Zweimann-Streifenwagen  |  Beat 15    ║
║                                                                              ║
║    Adam = 2 Officer      Lincoln = 1 Officer      Mary = Motorrad            ║
║    Zebra = Zivil         X-Ray = Extra Patrol     -100 = Supervisor          ║
║                                                                              ║
╠══════════════════════════════════════════════════════════════════════════════╣
║  FUNKMELDUNG — VIER TEILE                                                    ║
║                                                                              ║
║    1. WER    Call Sign                                                       ║
║    2. WO     Position, so präzise wie möglich                                ║
║    3. WAS    Die Lage in einem Satz                                          ║
║    4. BEDARF Verstärkung / RTW / Air / Supervisor — oder nichts              ║
║                                                                              ║
╠══════════════════════════════════════════════════════════════════════════════╣
║  CODE-X                              ║  10-CODES                             ║
║                                      ║                                       ║
║   Code 1   Bestätigen                ║   10-4    Verstanden                  ║
║   Code 2   Dringend, ohne Signal     ║   10-6    Beschäftigt                 ║
║   Code 3   NOTFALL, Licht + Sirene   ║   10-7    Außer Dienst                ║
║   Code 4   Keine Verstärkung nötig   ║   10-8    Im Dienst / verfügbar       ║
║   Code 4A  Code 4, Täter noch frei   ║   10-9    Wiederholen                 ║
║   Code 5   Observation — wegbleiben  ║   10-20   Position?                   ║
║   Code 6   Am Einsatzort, zu Fuß     ║   10-26   Verkehrskontrolle           ║
║   Code 6C  Code 6 + Person gesucht   ║   10-29   Fahndungsabfrage            ║
║   Code 7   Pause                     ║   10-33   NOTFALLVERKEHR — Kanal frei ║
║   Code 10  Frequenz freihalten       ║   10-34   Verstärkung nötig           ║
║   Code 12  Fehlalarm                 ║   10-80   Verfolgung läuft            ║
║   Code 20  Presse vor Ort            ║   10-97   Am Einsatzort               ║
║   Code 30  Einbruchsalarm            ║   10-98   Einsatz beendet             ║
║   Code 37  Fahrzeug gestohlen        ║   10-99   OFFICER IN NOT              ║
║   Code 100 Abriegelung besetzt       ║                                       ║
║                                      ║  11-CODES (Verkehr)                   ║
║   Code Robert  Gewehr freigegeben    ║   11-24   Verlassenes Fahrzeug        ║
║   Code Sam     Slug freigegeben      ║   11-25   Verkehrshindernis           ║
║                                      ║   11-44   Todesopfer                  ║
║                                      ║   11-80   Unfall, Schwerverletzte     ║
║                                      ║   11-81   Unfall, Leichtverletzte     ║
║                                      ║   11-82   Unfall, nur Sachschaden     ║
║                                      ║   11-85   Abschleppwagen              ║
╠══════════════════════════════════════════════════════════════════════════════╣
║  PENAL CODES — DIE WICHTIGSTEN                                               ║
║                                                                              ║
║   148   Widerstand              451    Brandstiftung                         ║
║   187   MORD                    459    EINBRUCH                              ║
║   207   Entführung              484    Diebstahl (gering)                    ║
║   211   RAUB                    487    Diebstahl (hochwertig)                ║
║   240   Bedrohung               496    Hehlerei                              ║
║   242   Körperverletzung        594    Sachbeschädigung                      ║
║   245   ADW — gefährliche KV    602    Hausfriedensbruch                     ║
║   261   Vergewaltigung          646.9  Stalking                              ║
║   273.5 Häusliche Gewalt        647    Ordnungswidriges Verhalten            ║
║   415   Ruhestörung / Streit                                                 ║
║   417   Bedrohung mit Waffe                                                  ║
║                                                                              ║
║  VEHICLE CODE          HEALTH & SAFETY        WELFARE & INSTITUTIONS          ║
║   10851  Kfz-Diebstahl  11350  BtM-Besitz      5150   PSYCHIATRISCHE          ║
║   23103  Reckless       11351  m. Handelsabs.         ZWANGSUNTERBRINGUNG     ║
║   23152  DUI            11352  Handel                 (72 Stunden)           ║
║   20001  Unfallflucht   11377  Kontroll. Subst. 601    Jugendl. Statusdelikt  ║
║          (Personen)                             602    Jugendl. Straftat     ║
║   20002  Unfallflucht                                                        ║
║          (Sachschaden)                                                       ║
╠══════════════════════════════════════════════════════════════════════════════╣
║  DIE DREI STUFEN                                                             ║
║                                                                              ║
║   Consensual Encounter  →  keine Voraussetzung    →  Person darf gehen       ║
║   Detention / Terry     →  Reasonable Suspicion   →  kurz, Pat-Down möglich  ║
║   Arrest                →  Probable Cause         →  volle Durchsuchung      ║
║                                                                              ║
╠══════════════════════════════════════════════════════════════════════════════╣
║  DIE VIER FRAGEN — VOR JEDER HANDLUNG                                        ║
║                                                                              ║
║   1. Was darf ich?      RS, PC, oder nichts?                                 ║
║   2. Wo stehe ich?      Deckung, Abstand, Fluchtweg, Contact/Cover           ║
║   3. Wer weiß es?       Position, Lage, Bedarf gefunkt?                      ║
║   4. Ohne Gewalt raus?  Was ist die nächstniedrigere Stufe?                  ║
║                                                                              ║
╠══════════════════════════════════════════════════════════════════════════════╣
║  KOMMANDOS — EINZELN, MIT PAUSE                                              ║
║                                                                              ║
║   "Zeigen Sie mir Ihre Hände!"  <- immer zuerst                              ║
║   "Hände hoch!"                      "Auf den Boden!"                        ║
║   "Hände hinter den Kopf!"           "Keine Bewegung!"                       ║
║   "Hände aus den Taschen!"           "Nicht bewegen!"                        ║
║   "Waffe fallen lassen!"             "Drehen Sie sich langsam um!"           ║
║   "Motor abstellen!"                 "Steigen Sie langsam aus!"              ║
║   "Gehen Sie rückwärts zu meiner Stimme!"                                    ║
║                                                                              ║
╚══════════════════════════════════════════════════════════════════════════════╝

Mini-Karte für die Hosentasche

Wenn nur eine Handvoll Codes draufpassen:

Code Bedeutung
Code 2 dringend, ohne Signal
Code 3 Notfall, Licht + Sirene
Code 4 Lage im Griff, keine Verstärkung
Code 6 am Einsatzort, zu Fuß
10-4 verstanden
10-8 im Dienst
10-33 Notfallverkehr, Kanal frei
187 Mord
211 Raub
245 gefährliche Körperverletzung
415 Streit / Ruhestörung
459 Einbruch
10851 Kfz-Diebstahl
23152 DUI
5150 psychiatrische Zwangsunterbringung

Glossar Deutsch / Englisch

Die englischen Begriffe sind die, die im Funk und im Dienstbetrieb tatsächlich gesprochen werden. Deutsche Entsprechungen dienen dem Verständnis, nicht dem Gebrauch im Funk.


1. Organisation und Dienstbetrieb

Englisch Deutsch Bedeutung
Area / Division Revier / Abteilung Eine der 21 geografischen Zuständigkeitsbereiche
Beat Streifenbezirk Der Abschnitt, den eine Einheit befährt
Bureau Bereich Zusammenfassung mehrerer Areas oder Divisions
Watch Schicht Watch I (Nacht), Watch II (Tag), Watch III (Abend)
Watch Commander Schichtleiter In der Regel ein Lieutenant
Field Supervisor Einsatzleiter im Feld In der Regel ein Sergeant
Roll Call Antreten Schichtbeginn mit Briefing und Fahrzeugzuteilung
Crime Briefing Lagevortrag Was in der letzten Schicht passiert ist
Shop Streifenwagen Auch: das Fahrzeug mit seiner Nummer
Call Sign Rufzeichen 7-Adam-15
Dispatch Zentrale / Leitstelle Communications Division
MDT (Mobile Data Terminal) Bordrechner Abfragen, Berichte, Tickets
Chain of Command Befehlskette
T.O. (Training Officer) Ausbildungsoffizier Betreut einen Probationary Officer
FTP (Field Training Program) Feldausbildung 24 Wochen
DOR (Daily Observation Report) Tagesbeurteilung Bewertung nach jeder Schicht
Probationary Officer Officer auf Probe Police Officer I, Rookie
SLO (Senior Lead Officer) Revierleiter Police Officer III+1, festes Revier
IA (Internal Affairs) Dienstaufsicht / interne Ermittlungen Beschwerden und Dienstvergehen
Complaint Dienstaufsichtsbeschwerde Löst ein IA-Verfahren aus
Board of Rights / Hearing Anhörung Disziplinarverfahren gegen einen Officer
FID (Force Investigation Division) Ermittlungsabteilung Gewaltanwendung Untersucht jeden Schusswaffengebrauch
RHD (Robbery-Homicide Division) Raub- und Morddezernat
GND (Gang and Narcotics Division) Banden- und Drogendezernat
Vice Sitte Prostitution, Glücksspiel, Alkohol
Metro (Metropolitan Division) Citywide-Eliteeinheit Enthält SWAT, K-9, Mounted
SWAT Sondereinsatzkommando D Platoon von Metro
Air Support Luftunterstützung Hubschrauberstaffel
MEU (Mental Evaluation Unit) Einheit für psychiatrische Lagen
Custody Gefangenenwesen Booking, Zellen
Property Room Beweismittelkammer

2. Recht

Englisch Deutsch Bedeutung
Reasonable Suspicion (RS) Begründeter Verdacht Voraussetzung für eine Detention
Probable Cause (PC) Hinreichender Tatverdacht Voraussetzung für Festnahme und Warrant
Consensual Encounter Freiwilliges Gespräch Keine Voraussetzung, Person darf gehen
Detention Vorläufige Festhaltung Kurz, mit RS
Terry Stop Anhalten nach Terry v. Ohio Detention + möglicher Pat-Down
Pat-Down / Frisk Abtasten Außenkleidung, nur Waffensuche
Plain Feel / Plain Touch Offensichtliche Tastwahrnehmung Sofort erkennbare Schmuggelware
Plain View Offen sichtbar Erlaubt Sicherstellung, nicht Durchsuchung
Arrest Festnahme Mit PC
Search Incident to Arrest Durchsuchung bei Festnahme Person + Greifbereich
Automobile Exception Fahrzeugausnahme Durchsuchung mit PC, ohne Warrant
Protective Sweep Schutzdurchsuchung Fahrgastraum, Waffensuche
Exigent Circumstances Gefahr im Verzug Hot Pursuit, Lebensgefahr, Beweisvernichtung
Hot Pursuit Unmittelbare Verfolgung
Inventory Search Inventarisierung Bei Sicherstellung eines Fahrzeugs, nach festem Schema
Consent Search Durchsuchung mit Einwilligung Freiwillig, widerruflich, begrenzbar
Warrant Beschluss Durchsuchungs- oder Haftbefehl
Affidavit Eidesstattliche Darlegung Begründung des Warrant-Antrags
Miranda Warning Rechtsbelehrung An Verdächtige
Custodial Interrogation Befragung in Gewahrsam Löst Miranda aus
Public Safety Exception Gefahrenabwehr-Ausnahme Fragen zur akuten Gefahr ohne Belehrung
Lybarger Admonition Belehrung im Dienstverfahren An den Officer: Aussagepflicht + strafrechtliche Immunität
Garrity Rights Bundesweites Pendant zu Lybarger
POBR (Public Safety Officers Procedural Bill of Rights) Verfahrensrechte von Officern Gov. Code § 3300 ff.
Citizen's Arrest Jedermanns-Festnahme
Dominant Aggressor Hauptaggressor Der bedeutendste, nicht der erste Aggressor
EPO (Emergency Protective Order) Notfall-Schutzanordnung
Restraining Order Kontaktverbot / Schutzanordnung
Brady List Liste unglaubwürdiger Zeugen Officer mit Glaubwürdigkeitsproblemen
Use of Force Report Bericht über Gewaltanwendung Pflicht nach jeder Gewaltanwendung
Qualified Immunity Eingeschränkte Amtshaftungsimmunität

3. Taktik

Englisch Deutsch Bedeutung
Contact Kontaktbeamter Redet, fasst an, fesselt
Cover Deckungsbeamter Beobachtet, sichert, schweigt
Cover (physisch) Deckung Schützt vor Kugeln
Concealment Sichtschutz Schützt nur vor Blicken
The "V" Die "V" Winkel zwischen Tür und A-Säule
Offset Versetzte Stellung Streifenwagen nach links versetzt
Passenger Side Approach Anlauf von rechts Nachts, an Schnellstraßen
Fatal Funnel Todestrichter Der Türrahmen
Slicing the Pie Scheibchenweise Ecke seitlich versetzt abarbeiten
Threshold Evaluation Schwellenbewertung Von außen den Raum erfassen
Dead Space Uneinsehbarer Bereich
Hard Corner Harte Ecke Ecke neben der Tür, klassisches Versteck
Buttonhook Hakenbewegung Scharf um den Türrahmen
Crisscross Diagonaler Eintritt Zwei Officer, gegenüberliegende Ecken
Clearing Räumen Raum für Raum
Crossfire Kreuzfeuer Officer im Schussfeld von Officer — zu vermeiden
Cold Approach Stille Anfahrt Licht und Sirene vorher aus
Curb Sit / Curbing Platzieren am Bordstein Kontrolltechnik, keine Festnahme
Prone Out Bäuchlings platzieren Beim Felony Stop
Callout Herausrufen Insassen einzeln aus dem Fahrzeug
Felony Stop / High-Risk Stop Risiko-Fahrzeugkontrolle
Balance Test Abwägung Nutzen der Festnahme vs. Gefahr für Dritte
PIT (Pursuit Intervention Technique) Abdrängtechnik Gewaltanwendung, Freigabe erforderlich
Spike Strips Stachelband
Primary Unit Führende Einheit Fährt direkt hinter dem Fahrzeug
Secondary Unit Zweite Einheit Übernimmt den Funk
Active Shooter Laufender Angriff Sofort vorgehen
Barricaded Subject Verschanzte Person Warten, absperren, verhandeln
Rescue Task Force Rettungstrupp Gesicherte Korridore für den Rettungsdienst
Double-Lock Doppelverriegelung Handschellen
De-escalation Deeskalation
Tunnel Vision Tunnelblick Stressbedingte Wahrnehmungsverengung
Situational Awareness Lagebewusstsein
Officer Safety Eigensicherung

Funksprüche-Spickzettel

Fertige Formulierungen zum Abschreiben und Auswendiglernen. Die Struktur ist immer dieselbe: Wer — Wo — Was — Bedarf. Siehe Kapitel 03.

Platzhalter in ⟨spitzen Klammern⟩ ersetzen.


1. Dienstbetrieb

Anlass Funkspruch
Dienstantritt "Zentrale, 7-Adam-15 im Dienst, 10-8."
Dienstende "7-Adam-15, außer Dienst, 10-7."
Bestätigen "7-Adam-15, verstanden." / "7-Adam-15, 10-4."
Nicht verstanden "Zentrale, 7-Adam-15, bitte wiederholen."
Position angeben "7-Adam-15, Position ⟨Straße⟩, Ecke ⟨Straße⟩."
Pause "7-Adam-15, Code 7, ⟨Ort⟩."
Wieder verfügbar "7-Adam-15, wieder klar zum Einsatz."
Kanalwechsel "7-Adam-15, gehe auf Kanal 2."
Sicherheitsabfrage beantworten "7-Adam-15, alles in Ordnung, Code 4."

2. Einsatzannahme und Ankunft

Anlass Funkspruch
Einsatz übernehmen "7-Adam-15, verstanden, sind unterwegs, Code 2."
Code 3 fahren "7-Adam-15, sind unterwegs, Code 3."
Einsatz übernehmen von anderer Einheit "7-Adam-15, wir übernehmen das."
Ankunft "7-Adam-15, Code 6 an ⟨Adresse⟩."
Ankunft, Person gesucht "7-Adam-15, Code 6-Charles an ⟨Adresse⟩."
Lagemeldung anfordern "Zentrale, 7-Adam-15, gibt es eine Lagemeldung zu ⟨Adresse⟩?"
Lage beendet "7-Adam-15, Code 4."
Lage beendet, Täter flüchtig "7-Adam-15, Code 4A, Verdächtiger nicht in Gewahrsam."
Fehlalarm "7-Adam-15, Code 12, Fehlalarm, wieder klar zum Einsatz."

3. Verkehrskontrolle

Anlass Funkspruch
Kontrolle melden "7-Adam-15, Fahrzeugkontrolle, ⟨Straße⟩ ⟨Fahrtrichtung⟩ auf Höhe ⟨Querstraße⟩, ⟨Farbe⟩ ⟨Fahrzeugtyp⟩, Kennzeichen ⟨buchstabiert⟩, ⟨Grund⟩."
Kennzeichenabfrage "Zentrale, 7-Adam-15, bitte Kennzeichen ⟨buchstabiert⟩ überprüfen."
Fahrer wird überprüft "7-Adam-15, Code 6, ein Insasse, Führerschein wird geprüft."
Mehrere Insassen "7-Adam-15, Code 6, drei Insassen, brauchen eine weitere Einheit."
Abschluss mit Verwarnung "7-Adam-15, Code 4, Verwarnung erteilt, wieder klar zum Einsatz."
Abschluss mit Ticket "7-Adam-15, Code 4, Bußgeldbescheid ausgestellt."
Abschleppen "Zentrale, 7-Adam-15, 11-85 an ⟨Adresse⟩ für ⟨Fahrzeug⟩."
Fahrzeug als gestohlen gemeldet "7-Adam-15, Code 37 bestätigt, brauchen Verstärkung und Supervisor für einen Felony Stop."
DUI "7-Adam-15, 23152, ein Festgenommener, transportieren zur Wache."

4. Verstärkung und Notfall

Anlass Funkspruch
Verstärkung, nicht dringend "7-Adam-15, brauchen eine weitere Einheit an ⟨Adresse⟩, ⟨Grund⟩, Code 2."
Verstärkung, dringend "7-Adam-15, brauchen Verstärkung an ⟨Adresse⟩, ⟨Grund⟩, Code 3."
Supervisor "7-Adam-15, brauchen einen Supervisor an ⟨Adresse⟩."
Rettungsdienst "7-Adam-15, brauchen RTW an ⟨Adresse⟩ für ⟨Person und Verletzung⟩."
Feuerwehr "7-Adam-15, brauchen Feuerwehr an ⟨Adresse⟩, ⟨Lage⟩."
Luftunterstützung "7-Adam-15 an Air Support: brauchen Luftunterstützung über ⟨Bereich⟩."
Kanal sperren "Zentrale, 7-Adam-15, 10-33, Notfallverkehr."
Officer in Not "7-Adam-15, Officer needs help! ⟨Adresse⟩! ⟨Lage in drei Worten⟩! Code 3!"
Schüsse gefallen "7-Adam-15, Schüsse gefallen, ⟨Adresse⟩, ⟨wer schießt⟩, brauchen RTW und Supervisor, Code 3."
Officer verletzt "7-Adam-15, Officer down, ⟨Adresse⟩, RTW Code 3!"
Officer Involved Shooting "7-Adam-15, Officer involved shooting, ⟨Adresse⟩, ⟨Anzahl Verletzte⟩, RTW und Supervisor Code 3."

5. Verfolgung

Anlass Funkspruch
Verfolgung beginnen "7-Adam-15, Verfolgung. ⟨Farbe⟩ ⟨Typ⟩, Kennzeichen ⟨buchstabiert⟩, ⟨Straße⟩ ⟨Richtung⟩ auf Höhe ⟨Querstraße⟩. Grund: ⟨Tat/Code⟩. ⟨Anzahl⟩ Insassen, ⟨Bewaffnung⟩. Geschwindigkeit etwa ⟨km/h⟩. Code 3. Brauchen Air Support und Supervisor."
Laufende Meldung "7-Adam-15, jetzt ⟨Richtung⟩ auf ⟨Straße⟩, etwa ⟨km/h⟩, ⟨Verkehrslage⟩."
Gefährliches Fahrverhalten "7-Adam-15, Fahrzeug fährt Gegenverkehr, ⟨Straße⟩."
Primary übergeben "7-Adam-19 übernimmt Primary, 7-Adam-15 fällt zurück."
Sichtkontakt verloren "7-Adam-15, Sichtkontakt verloren, letzte Sichtung ⟨Straße⟩ ⟨Richtung⟩."
Stachelband ankündigen "7-Adam-21, Stachelband an ⟨Straße⟩ Höhe ⟨Querstraße⟩, alle Einheiten Achtung."
Verfolgung abbrechen "7-Adam-15, Verfolgung abgebrochen, letzte Sichtung ⟨Straße⟩ ⟨Richtung⟩, ⟨Fahrzeug⟩, Fahndung läuft, Code 4."
Fahrzeug hält "7-Adam-15, Fahrzeug steht, ⟨Ort⟩, gehen in den Felony Stop."
Täter flüchtet zu Fuß "7-Adam-15, ein Verdächtiger flieht zu Fuß, ⟨Richtung⟩, ⟨Beschreibung⟩, brauchen Absperrung."

6. Felony Stop und Festnahme

Anlass Funkspruch
Fahrzeug beobachten "7-Adam-15, folgen Fahrzeug aus der ⟨Code⟩-Meldung ⟨Ort⟩: ⟨Beschreibung⟩, Kennzeichen ⟨buchstabiert⟩, ⟨Anzahl⟩ Insassen, ⟨Richtung⟩. Brauchen Verstärkung und Supervisor für einen Felony Stop."
Stop beginnt "7-Adam-15, gehen in den Felony Stop, ⟨Ort⟩, drei Einheiten vor Ort."
Erster Insasse gesichert "7-Adam-15, eine Person in Gewahrsam."
Fahrzeug geräumt "7-Adam-15, Fahrzeug ist leer, ⟨Anzahl⟩ Personen in Gewahrsam, Code 4."
Festnahme melden "7-Adam-15, ein Festgenommener wegen ⟨Code⟩, ⟨Ort⟩."
Transport "7-Adam-15, transportieren einen Festgenommenen zur Wache, ein Insasse, Abfahrt jetzt."
Ankunft Wache "7-Adam-15, an der Wache, übergeben an Custody."
Mehrere Festgenommene "7-Adam-15, zwei Festgenommene, brauchen eine zweite Einheit für getrennten Transport."

7. Personen- und Fahrzeugbeschreibung

Fahrzeug — immer in dieser Reihenfolge:

Hinweis

⟨Farbe⟩ → ⟨Typ⟩ → ⟨Kennzeichen, buchstabiert⟩ → ⟨Fahrtrichtung⟩ → ⟨Besonderheiten⟩

Wortlaut

"Grauer Buffalo, Kennzeichen 41 Frank Tom Sam 88, südwärts auf dem Vespucci Boulevard, Heckscheibe zerbrochen."

Person — immer in dieser Reihenfolge:

Hinweis

⟨Geschlecht⟩ → ⟨Alter⟩ → ⟨Kleidung oben⟩ → ⟨Kleidung unten⟩ → ⟨Besonderheiten⟩ → ⟨Fluchtrichtung⟩ → ⟨Waffe ja/nein⟩

Wortlaut

"Männlich, etwa dreißig, schwarze Kapuzenjacke, blaue Jeans, rote Schuhe, Tätowierung am Hals, flüchtet zu Fuß nordwärts, Handfeuerwaffe."

Buchstabieralphabet (LAPD-Form — nicht NATO):

A Adam B Boy C Charles D David E Edward
F Frank G George H Henry I Ida J John
K King L Lincoln M Mary N Nora O Ocean
P Paul Q Queen R Robert S Sam T Tom
U Union V Victor W William X X-Ray Y Young
Z Zebra

8. Dispatch-Seite

Für die Leitstelle.

Anlass Funkspruch
Einsatz vergeben "7-Adam-15, ⟨Lage⟩ an ⟨Adresse⟩, Code ⟨2/3⟩."
Einsatz mit Details "7-Adam-15, ⟨Code⟩ an ⟨Adresse⟩. Anrufer meldet ⟨Beschreibung⟩. ⟨Officer-Safety-Hinweis⟩."
Nächste verfügbare Einheit "Alle Einheiten, ⟨Lage⟩ an ⟨Adresse⟩, wer ist verfügbar?"
Fahndung ausgeben "Achtung an alle Einheiten: ⟨Fahrzeug/Person⟩ gesucht wegen ⟨Code⟩, letzte Sichtung ⟨Ort⟩ ⟨Richtung⟩. Verdächtige sind bewaffnet."
Sicherheitsabfrage "7-Adam-15, Sicherheitscheck. Bitte melden."
Einheit reagiert nicht "7-Adam-07 reagiert nicht. Nächste Einheit zur letzten bekannten Position ⟨Ort⟩, Code 3."
Abfrage-Ergebnis "7-Adam-15, Kennzeichen ⟨…⟩ registriert auf ⟨Name⟩, ⟨Adresse⟩. Keine Treffer." / "… als gestohlen gemeldet, Code 37."
Haftbefehl "7-Adam-15, Person hat einen offenen Haftbefehl wegen ⟨Code⟩. Officer Safety: ⟨Hinweis⟩."
Kanal sperren "Alle Einheiten, 10-33. Notfallverkehr auf diesem Kanal. Funkdisziplin."
Kanal freigeben "Alle Einheiten, Kanal wieder frei. Code 4 an ⟨Ort⟩."
Wohlfahrtskontrolle "7-Adam-15, Wohlfahrtskontrolle ⟨Adresse⟩, Anrufer erreicht ⟨Person⟩ seit ⟨Zeit⟩ nicht."

9. Die fünf Sprüche, die jeder können muss

Wenn ein Kadett nur fünf Formulierungen auswendig lernt, dann diese:

1.  "7-Adam-15, Fahrzeugkontrolle, ⟨Straße⟩ Höhe ⟨Querstraße⟩,
     ⟨Farbe⟩ ⟨Typ⟩, Kennzeichen ⟨buchstabiert⟩, ⟨Grund⟩."

2.  "7-Adam-15, Code 6 an ⟨Adresse⟩."

3.  "7-Adam-15, brauchen Verstärkung an ⟨Adresse⟩, ⟨Grund⟩, Code 3."

4.  "7-Adam-15, Officer needs help! ⟨Adresse⟩! Code 3!"

5.  "7-Adam-15, Code 4, wieder klar zum Einsatz."