LS Los Santos Police Department Polizei
Los Santos Police Department Kapitel 11 von 19 Nur für den Dienstgebrauch
Teil III — Einsatztaktik

Felony Stop (High-Risk Vehicle Stop)

Ein Felony Stop — auch High-Risk Vehicle Stop — ist eine taktische Fahrzeugkontrolle, die durchgeführt wird, wenn Officer begründet annehmen, dass Insassen an einer schweren Straftat beteiligt sind: bewaffneter Raub, gefährliche Körperverletzung, Tötungsdelikt, Fahrzeugdiebstahl mit Waffe.

Er ist kein eskalierter Low-Risk Stop. Er ist ein anderes Verfahren, das man vorher entscheidet, nicht mittendrin.


1. Wann

Voraussetzung: Probable Cause oder mindestens ein belastbarer, artikulierbarer Verdacht, dass das Fahrzeug an einer schweren Straftat beteiligt ist.

Auslöser
Fahrzeug entspricht der Beschreibung aus einer 211-Meldung (Raub)
Fahrzeug als gestohlen gemeldet (Code 37) mit Verdacht auf bewaffnete Insassen
Insassen wurden bei einer Schusswaffenabgabe beobachtet
Fahndungsfahrzeug nach 187 (Tötungsdelikt) oder 245 (ADW)
Nach einer beendeten Verfolgung
Rechtlicher Warnhinweis

Ein High-Risk Stop ist ein erheblicher Eingriff. Ein Bundesgericht hat entschieden, dass LAPD-Officer keine Qualified Immunity genossen, nachdem sie einen High-Risk Vehicle Stop auf Grundlage von nicht mehr als Reasonable Suspicion durchgeführt hatten, dass das Fahrzeug gestohlen sei. Die Lehre daraus: Ein Felony Stop braucht mehr als einen dünnen Verdacht. Ein reiner Kennzeichen-Treffer, ohne weitere Hinweise auf Bewaffnung oder Gefahr, trägt ihn nicht.

Ausbildungsvoraussetzung: Ein Felony Stop wird nur von Officern geführt, die dafür ausgebildet sind, und nur mit Freigabe eines Sergeants.


2. Vorbereitung — und warum sie das Entscheidende ist

Ein Felony Stop beginnt nicht mit dem Blaulicht. Er beginnt damit, dass man wartet.

# Schritt
1 Nicht sofort anhalten. Abstand halten, folgen, nicht auffallen.
2 Funken: Lage, Fahrzeug, Kennzeichen, Richtung, Anzahl der Insassen, Bewaffnung.
3 Anfordern: Verstärkung, Supervisor, wenn möglich Air Support.
4 Auf Verstärkung warten. Minimum: zwei Einheiten, besser drei. Ein Felony Stop mit einer Einheit ist ein Fehler, nicht Mut.
5 Anhalteort wählen — kontrollierbar, wenig Verkehr, wenig Publikum, gute Sicht, Deckung vorhanden. Nicht in einer Kurve, nicht in einer Engstelle, nicht neben einer Schule.
6 Plan absprechen — wer ist Kontakt, wer deckt welche Tür, wer fesselt, wer räumt das Fahrzeug.
7 Erst dann anhalten.

Funkmuster:

Funkspruch

"7-Adam-15, folgen Fahrzeug aus der 211-Meldung Vinewood Boulevard: grauer Buffalo, Kennzeichen 41 Frank Tom Sam 88, zwei Insassen, südwärts auf dem Vespucci Boulevard. Brauchen Verstärkung und Supervisor für einen Felony Stop, Air Support wenn verfügbar. Keine Waffen sichtbar, Meldung sprach von einer Handfeuerwaffe."

Hinweis

Der häufigste Fehler ist Ungeduld. Wer ein Fahrzeug mit zwei bewaffneten Verdächtigen alleine anhält, hat zwei Gegner, zwei Türen, zwei Blickrichtungen und einen Officer. Das geht nicht auf. Folgen kostet nichts. Warte auf die zweite Einheit.


3. Positionierung

                    Fahrbahn
   ══════════════════════════════════════════════════

              ┌──────────────┐
              │  Verdächtiges│
              │   Fahrzeug   │
              └──────────────┘
                     ▲
                  8–10 m
                     │
        ┌──────────────────────┐
        │  EINHEIT 1 (Primary) │   ← Fahrerseite versetzt
        └──────────────────────┘
              ▲            ▲
              │            │
         Officer A     Officer B
         (in der "V")  (in der "V")

              ┌──────────────────────┐
              │ EINHEIT 2 (Secondary)│  ← versetzt rechts, deckt Beifahrerseite
              └──────────────────────┘

Der Standort: die "V"

Die taktische Grundposition ist die "V" — der Winkel zwischen der geöffneten Fahrzeugtür und der A-Säule des eigenen Streifenwagens. Diese Stellung bietet gleichzeitig:

  • Deckung durch Türrahmen, A-Säule und Motorblock
  • freie Sicht auf das verdächtige Fahrzeug
  • eine stabile Auflage
  • Möglichkeit, sich hinter den Motorblock fallen zu lassen

Weitere Regeln:

  • Größerer Abstand als beim Low-Risk Stop — 8–10 m statt 4–5 m. Abstand ist Zeit.
  • Niemand geht ans Fahrzeug. Der ganze Punkt des Verfahrens ist, dass die Insassen zu dir kommen, nicht du zu ihnen.
  • Kein Crossfire. Vor dem Aufbau sagen, wer wo steht. Kein Officer darf im Schussfeld eines anderen stehen. Das ist die wichtigste Absprache des ganzen Verfahrens.
  • Scheinwerfer und Spotlights auf das Fahrzeug. Sie sehen dich nicht, du siehst sie.

4. Der Callout — Insassen einzeln herausholen

Das ist der Kern des LAPD-Verfahrens: Die Insassen werden einer nach dem anderen aus dem Fahrzeug gerufen und auf dem Boden platziert. Nie zwei gleichzeitig.

Es spricht genau ein Officer

Der Officer mit der besten Sicht auf das Fahrzeug — in der Regel der Beifahrer der primären Einheit — ist der einzige, der Kommandos gibt. Alle anderen sind still.

Der Grund

Sechs Menschen, die gleichzeitig Befehle rufen, erzeugen Unverständnis, und Unverständnis wird als Widerstand gedeutet. Fast jede Katastrophe bei einem Felony Stop fängt so an.

Die Kommandofolge

Jedes Kommando einzeln. Nach jedem Kommando: warten, bis es ausgeführt ist.

 1. "Fahrer! Stellen Sie den Motor ab und werfen Sie die Schlüssel aus dem Fenster."
 2. "Hände aus dem Fenster, wo ich sie sehen kann."
 3. "Öffnen Sie die Tür von außen, mit der linken Hand."
 4. "Steigen Sie langsam aus. Hände oben."
 5. "Drehen Sie sich langsam einmal im Kreis." (Waffenkontrolle am Körper)
 6. "Heben Sie das Hemd hoch." (Hosenbund prüfen)
 7. "Gehen Sie langsam rückwärts zu meiner Stimme."
 8. "Auf die Knie. Hände hinter den Kopf. Finger verschränken."
 9. "Auf den Boden, bäuchlings. Arme ausgestreckt, Handflächen nach oben."
10. → Fesselung durch zwei Officer, die aus der Deckung vortreten
11. Zurück in die Deckung, dann der nächste Insasse.

Die Kommandoformeln, die dabei fallen, sind kurz und einprägsam — und genau deshalb funktionieren sie:

Wortlaut

"Hände hoch!" — "Keine Bewegung!" — "Waffe fallen lassen!" — "Hände hinter den Kopf!" — "Steigen Sie aus!" — "Drehen Sie sich um!" — "Auf den Boden!" — "Nicht bewegen!"

Fesselung

Ein Insasse wird gefesselt von zwei Officern:

  • Einer fesselt (Contact)
  • Einer deckt mit der Waffe, aber ohne im Schussfeld des Fesselnden zu stehen (Cover)
  • Beide brechen kurz die Deckung. Das ist der gefährlichste Moment des Verfahrens.
  • Danach: Person weg vom Fahrzeug, hinter die eigene Linie, abgetastet, in einen Streifenwagen.

Erst wenn dieser Insasse weg ist, kommt der nächste.


5. Das Fahrzeug räumen (Clearing)

Erst wenn alle bekannten Insassen draußen und gesichert sind:

# Schritt
1 Von mehreren Positionen in das Fahrzeug schauen — es kann jemand im Fußraum oder Kofferraum sein
2 Anzahl der bekannten Insassen mit der Beobachtung abgleichen. Wurden vier gemeldet und drei sind draußen? Das Fahrzeug ist nicht leer.
3 Annäherung von hinten, aus dem Totwinkel der Spiegel, mit Deckung
4 Fahrgastraum kontrollieren, dann Kofferraum
5 Erst danach: Durchsuchung nach Kapitel 07
Funkspruch

"7-Adam-15, Fahrzeug ist leer, drei Personen in Gewahrsam, Code 4."


6. Abschluss

  1. Code 4 funken — sofort, wenn die Lage steht
  2. Supervisor informiert die Lage über den Verlauf
  3. Insassen getrennt transportieren (siehe Kapitel 13)
  4. Fahrzeug sicherstellen oder abschleppen (11-85)
  5. Beweismittel dokumentieren
  6. Wenn Gewalt angewendet wurde: Kapitel 08, Use-of-Force-Bericht
  7. Wenn sich der Verdacht nicht bestätigt: Erklären, entschuldigen, Kontaktdaten für eine Beschwerde geben, freilassen. Das ist Pflicht, nicht Kür.

7. Trainingsszenario

Aufbau: Drei Einheiten (mindestens vier Officer), ein Sergeant, zwei Zivilisten als Insassen, ein Ausbilder als Beobachter.

Runde Lage Was geprüft wird
1 Fahrzeug aus 211-Meldung, zwei kooperative Insassen Vollständiger Ablauf, Funk, Positionierung, Kommandofolge
2 Wie 1, aber ein dritter Insasse liegt versteckt im Fußraum Zählt jemand nach? Wird das Fahrzeug richtig geräumt?
3 Ein Insasse stellt sich dumm und bewegt sich langsam falsch Bleibt es bei einem Sprecher? Wird eskaliert, obwohl keine Bedrohung vorliegt?
4 Der Verdacht bestätigt sich nicht — falsches Kennzeichen Wird korrekt erklärt, entschuldigt, freigelassen?

Automatisch nicht bestanden bei:

  • Alleine angehalten, ohne auf Verstärkung zu warten
  • Mehr als ein Officer gibt Kommandos
  • Ein Officer steht im Schussfeld eines anderen
  • Jemand geht ans Fahrzeug, bevor alle Insassen gesichert sind
  • Zwei Insassen gleichzeitig herausgerufen
  • Code 4 vergessen

8. Typische Fehler

Fehler Folge
Alleine angehalten Zwei Türen, ein Officer. Geht nicht auf.
Felony Stop bei dünnem Verdacht Rechtswidriger Eingriff, keine Immunität
Vier Officer rufen gleichzeitig Befehle Der Verdächtige versteht nichts und erstarrt — das wird dann als Widerstand gewertet
Kommandos zu schnell aneinander Niemand kann sie unter Stress ausführen
Zu geringer Abstand Kein Reaktionsraum
Crossfire nicht abgesprochen Officer schießt Officer
Zum Fahrzeug gegangen, statt die Insassen herauszurufen Das ganze Verfahren war umsonst
Nicht nachgezählt Der vierte Insasse liegt noch im Fahrzeug
Kofferraum nicht kontrolliert Ebenso
Fesselung durch einen Officer allein Niemand deckt in dem Moment, in dem es am gefährlichsten ist
Code 4 vergessen Weitere Einheiten fahren Code 3 zu einer beendeten Lage
Nach nicht bestätigtem Verdacht einfach weggefahren Beschwerde, IA-Verfahren — zu Recht